Leseprobe aus Effi Briest:
vier auf den Steg hin in Bewegung, stiegen in das dort angekettelte
Boot und ließen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tüte
langsam in den Teich niedergleiten.
»Hertha, nun ist deine Schuld versenkt«, sagte Effi, »wobei mir
übrigens einfällt, so vom Boot aus sollen früher auch arme,
unglückliche Frauen versenkt worden sein, natürlich wegen Untreue.«
»Aber doch nicht hier.«
»Nein, nicht hier«, lachte Effi, »hier kommt sowas nicht vor. Aber
in Konstantinopel, und du mußt ja, wie mir eben einfällt, auch davon
wissen, so gut wie ich, du bist ja mit dabeigewesen, als uns Kandidat
Holzapfel in der Geographiestunde davon erzählte.«
»Ja«, sagte Hulda, »der erzählte immer so was. Aber so was vergißt man
doch wieder.«
»Ich nicht. Ich behalte so was.«
Zweites Kapitel
Sie sprachen noch eine Weile so weiter, wobei sie sich ihrer
gemeinschaftlichen Schulstunden und einer ganzen Reihe Holzapfelscher
Unpassendheiten mit Empörung und Behagen erinnerten. Ja, man konnte
sich nicht genug tun damit, bis Hulda mit einem Male sagte: »Nun aber
ist es höchste Zeit, Effi; du siehst ja aus, ja, wie sag ich nur,
du siehst ja aus, wie wenn du vom Kirschenpflücken kämst, alles
zerknittert und zerknautscht; das Leinenzeug macht immer so viele
Falten, und der große weiße Klappkragen ... ja, wahrhaftig, jetzt hab
ich es, du siehst aus wie ein Schiffsjunge.«
»Midshipman, wenn ich bitten darf. Etwas muß ich doch von meinem Adel
haben. Übrigens, Midshipman oder Schiffsjunge, Papa hat mir erst
neulich wieder einen Mastbaum versprochen, hier dicht neben der
Schaukel, mit Rahen und einer Strickleiter. Wahrhaftig, das sollte mir
gefallen, und den Wimpel oben selbst anzumachen, das ließ' ich mir
nicht nehmen. Und du, Hulda, du kämst dann von der anderen Seite her
herauf, und oben in der Luft wollten wir hurra rufen und uns einen Kuß
geben. Alle Wetter, das sollte schmecken.« »'Alle Wetter ...', wie das