Leseproben aus Theodor Fontane: Effi Briest

  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 1
    Erstes Kapitel In Front des schon seit Kurfürst Georg Wilhelm von der Familie von Briest bewohnten Herrenhauses zu Hohen-Cremmen fiel heller Sonnenschein auf die mittagsstille Dorfstraße, während nach der Park- und Gartenseite hin ein rechtwinklig angebauter Seitenflügel einen breiten Schatten e...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 2
    dazwischen, noch vom Lunch her, ein paar Dessertteller und eine mit großen schönen Stachelbeeren gefüllte Majolikaschale. Rasch und sicher ging die Wollnadel der Damen hin und her, aber während die Mutter kein Auge von der Arbeit ließ, legte die Tochter, die den Rufnamen Effi führte, von Zeit zu ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 3
    selber lachen. Und dann, warum steckst du mich in diesen Hänger, in diesen Jungenkittel? Mitunter denk ich, ich komme noch wieder in kurze Kleider. Und wenn ich die erst wiederhabe, dann knicks ich auch wieder wie ein Backfisch, und wenn dann die Rathenower herüberkommen, setze ich mich auf Obers...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 4
    die Namen Bertha und Hertha gegeben hatte. Die dritte junge Dame war Hulda Niemeyer, Pastor Niemeyers einziges Kind; sie war damenhafter als die beiden anderen, dafür aber langweilig und eingebildet, eine lymphatische Blondine, mit etwas vorspringenden, blöden Augen, die trotzdem beständig nach w...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 5
    ja hinterher neue pflücken; nur wirf die Schalen weit weg oder noch besser, lege sie hier auf die Zeitungsbeilage, wir machen dann eine Tüte daraus und schaffen alles beiseite. Mama kann es nicht leiden, wenn die Schlusen so überall herumliegen, und sagt immer, man könne dabei ausgleiten und ein ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 6
    Alle drei lachten. »Warum lacht ihr?« sagte Effi pikiert. »Was soll das heißen?« »Ach, Effi, wir wollen dich ja nicht beleidigen und auch den Baron nicht. Innstetten, sagtest du? Und Geert? So heißt doch hier kein Mensch. Freilich, die adeligen Namen haben oft so was Komisches.« »Ja, meine Lie...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 7
    es nachher?« »Nun, es kam, wie's kommen mußte, wie's immer kommt. Er war ja noch viel zu jung, und als mein Papa sich einfand, der schon Ritterschaftsrat war und Hohen-Cremmen hatte, da war kein langes Besinnen mehr, und sie nahm ihn und wurde Frau von Briest ... Und das andere, was sonst noch k...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 8
    alte Freundschaft und Verwandtschaft wiedersehen.« »Hat er denn hier Verwandte?« »Ja und nein, wie man's nehmen will. Innstettens gibt es hier nicht, gibt es, glaub ich, überhaupt nicht mehr. Aber er hat hier entfernte Vettern von der Mutter Seite her, und vor allem hat er wohl Schwantikow und ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 9
    vier auf den Steg hin in Bewegung, stiegen in das dort angekettelte Boot und ließen von diesem aus die mit einem Kiesel beschwerte Tüte langsam in den Teich niedergleiten. »Hertha, nun ist deine Schuld versenkt«, sagte Effi, »wobei mir übrigens einfällt, so vom Boot aus sollen früher auch arme, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 10
    nun wieder klingt ... Du sprichst wirklich wie ein Midshipman. Ich werde mich aber hüten, dir nachzuklettern, ich bin nicht so waghalsig. Jahnke hat ganz recht, wenn er immer sagt, du hättest zuviel von dem Bellingschen in dir, von deiner Mama her. Ich bin bloß ein Pastorskind.« »Ach, geh mir. S...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 11
    Verfolger war, mit »eins, zwei, drei« den Freiplatz neben der Bank erreichte. »Wo warst du?« »Hinter den Rhabarberstauden; die haben so große Blätter, noch größer als ein Feigenblatt ...« »Pfui ...« »Nein, pfui für euch, weil ihr verspielt habt. Hulda, mit ihren großen Augen, sah wieder nicht...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 12
    Und der Mama zunickend, wollte sie leichten Fußes eine kleine eiserne Stiege hinauf, die aus dem Saal in den Oberstock hinaufführte. Frau von Briest aber, die unter Umständen auch unkonventionell sein konnte, hielt plötzlich die schon forteilende Effi zurück, warf einen Blick auf das jugendlich r...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 13
    Effi, als sie seiner ansichtig wurde, kam in ein nervöses Zittern; aber nicht auf lange, denn im selben Augenblick fast, wo sich Innstetten unter freundlicher Verneigung ihr näherte, wurden an dem mittleren der weit offenstehenden und von wildem Wein halb überwachsenen Fenster die rotblonden Köpf...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 14
    bevorzugen müsse, schon weil es so hübsch kurz sei. Und was nun die Kinder angehe - bei welchem Wort er sich, Aug in Auge mit dem nur etwa um ein Dutzend Jahre jüngeren Innstetten, einen Ruck geben mußte -, nun, so sei Effi eben Effi und Geert Geert. Geert, wenn er nicht irre, habe die Bedeutung ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 15
    links blühenden Studentenblumen auf und ab schritten, »nun, Effi, wie ist dir eigentlich?« »Wie mir ist? Oh, ganz gut. Wir nennen uns auch schon du und bei Vornamen. Er heißt nämlich Geert, was ich euch, wie mir einfällt, auch schon gesagt habe.« »Ja, das hast du. Mir ist aber doch so bange dab...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 16
    wiederkehrenden »Pardon, Innstetten«. Dieser nickte mechanisch zustimmend, war aber eigentlich wenig bei der Sache, sah vielmehr wie gebannt immer aufs neue nach dem drüben am Fenster rankenden wilden Wein hinüber, von dem Briest eben gesprochen, und während er dem nachhing, war es ihm, als säh' ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 17
    standesgemäß eingerichtet, und es empfahl sich, in der Korrespondenz mit ihm ein Bild von allem, was da war, zu gewinnen, um nichts Unnützes anzuschaffen. Schließlich, als Frau von Briest über all diese Dinge genugsam unterrichtet war, wurde seitens Mutter und Tochter eine Reise nach Berlin besch...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 18
    sich zu verheiraten, es sei aber doch vielleicht gut, die »Insel der Seligen« schon vorher kennengelernt zu haben. Die Tante gab ihm einen Schlag mit dem Fächer, begleitete diesen Schlag aber mit einem so gnädigen Blick, daß er keine Veranlassung hatte, den Ton zu ändern. Es waren himmlische Tage...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 19
    bedeutete. Ja, sie konnte verzichten, darin hatte die Mama recht, und in diesem Verzichtenkönnen lag etwas von Anspruchslosigkeit; wenn es aber ausnahmsweise mal wirklich etwas zu besitzen galt, so mußte dies immer was ganz Apartes sein. Und darin war sie anspruchsvoll. Viertes Kapitel Vetter...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 20
    dessen, was er inzwischen erlebt. »Ihr habt mir da vorhin von der Nationalgalerie gesprochen und von der 'Insel der Seligen' - nun, wir haben hier, während ihr fort wart, auch so was gehabt: unser Inspektor Pink und die Gärtnersfrau. Natürlich habe ich Pink entlassen müssen, übrigens ungern. Es i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 21
    seiner Fritz-Reuter-Passion, hatte sich's als etwas besonders »Sinniges« ausgedacht, Bertha und Hertha als Lining und Mining auftreten zu lassen, natürlich plattdeutsch, während Hulda das Käthchen von Heilbronn in der Holunderbaumszene darstellen sollte, Leutnant Engelbrecht von den Husaren als W...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 22
    das Käthchen liege sehr gut da, welche Wendung einer Waffenstreckung ziemlich gleichkam oder doch zu solcher hinüberleitete. Daß alle diese Dinge vor Effi geheimgehalten wurden, braucht nicht erst gesagt zu werden. Bei mehr Neugier auf seiten dieser letzteren wäre das nun freilich ganz unmöglich ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 23
    Hinterpommern aussprach oder vielleicht auch, mit kluger Berechnung, aussprechen sollte. Sie gefiel sich nämlich darin, Kessin als einen halbsibirischen Ort aufzufassen, wo Eis und Schnee nie recht aufhörten. »Heute hat Goschenhofer das letzte geschickt«, sagte Frau von Briest, als sie wie gewöh...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 24
    ältere Personen, selbst deine alte Mama ist noch zu jung dafür, und wenn du mit deinen siebzehn Jahren in Nerz oder Marder auftrittst, so glauben die Kessiner, es sei eine Maskerade.« Das war am 2. September, daß sie so sprachen, ein Gespräch, das sich wohl fortgesetzt hätte, wenn nicht gerade S...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 25
    Rücksichtslosigkeit gegen Hulda. Ein Glück, daß Niemeyer nur die einzige Tochter hat, dadurch fällt es eigentlich in sich zusammen. In einem freilich hat er nur zu recht gehabt, in all und jedem, was er über 'Lots Frau', unsere gute Frau Pastorin, sagte, die uns denn auch wirklich wieder mit ihre...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 26
    Kessin kommst, einem kleinen Ort, wo nachts kaum eine Laterne brennt, so lacht man über dergleichen. Und wenn man bloß lachte. Die, die dir ungewogen sind, und solche gibt es immer, sprechen von schlechter Erziehung, und manche sagen auch wohl noch Schlimmeres.« »Also nichts Japanisches und auch...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 27
    zweimal die Woche nach Schweden hinüberfährt. Und auf dem Schiff ist dann Ball (sie haben da natürlich auch Musik), und er tanzt sehr gut ...« »Wer?« »Nun, Dagobert.« »Ich dachte, du meintest Innstetten. Aber jedenfalls ist es an der Zeit, endlich zu wissen, was er schreibt ... Du hast ja den ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 28
    und für jede Dame, auch für die jungen, ein gnädiges Wort hat. Und wenn wir dann in Berlin sind, dann bin ich für Hofball und Galaoper, immer dicht neben der großen Mittelloge.« »Sagst du das so bloß aus Übermut und Laune?« »Nein, Mama, das ist mein völliger Ernst. Liebe kommt zuerst, aber glei...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 29
    sparsamer werden Deine Briefe. Wenn die Post kommt, suche ich immer zuerst nach Deiner Handschrift, aber wie Du weißt (und ich hab es ja auch nicht anders gewollt), in der Regel vergeblich. Im Hause sind jetzt die Handwerker, die die Zimmer, freilich nur wenige, für Dein Kommen herrichten sollen....
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 30
    sonderbar. Und daß du vorhin weintest. Hast du was auf deinem Herzen? Noch ist es Zeit. Liebst du Geert nicht?« »Warum soll ich ihn nicht lieben? Ich liebe Hulda, und ich liebe Bertha, und ich liebe Hertha. Und ich liebe auch den alten Niemeyer. Und daß ich euch liebe, davon spreche ich gar nicht...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 31
    seine Stirn in Falten, aber in Respekts- und Bewunderungsfalten, und sagte: 'Ja, der Baron! Das ist ein Mann von Charakter, ein Mann von Prinzipien.'« »Das ist er auch, Effi.« »Gewiß. Und ich glaube, Niemeyer sagte nachher sogar, er sei auch ein Mann von Grundsätzen. Und das ist, glaub ich, noc...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 32
    gingen, daß ihnen durchaus ein Riegel vorgeschoben werden mußte. »Nimm dich zusammen, Briest«, war ihm in ziemlich ernstem Ton von seiner Frau zugeflüstert worden; »du stehst hier nicht, um Zweideutigkeiten zu sagen, sondern um die Honneurs des Hauses zu machen. Wir haben eben eine Hochzeit und n...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 33
    zu Wilke, der gerade eintrat, um den Frühstückstisch abzuräumen: »Und nun, Wilke, wenn Sie drin im Saal, aber das geht vor, alles in Ordnung haben, dann sorgen Sie, daß die Torten nach drüben kommen, die Nußtorte zu Pastors und die Schüssel mit kleinen Kuchen zu Jahnkes. Und nehmen Sie sich mit d...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 34
    »Sehr gütig. Übrigens nicht nötig. Ich bin in animierter Stimmung.« »Und auch in guter?« »Ich kann es fast sagen. Aber du darfst sie nicht verderben. Nun, was hast du noch? Ich sehe, daß du was auf dem Herzen hast.« »Gefiel dir Effi? Gefiel dir die ganze Geschichte? Sie war so sonderbar, halb ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 35
    »Es werden jetzt gerade drei Wochen sein, und wir saßen im Garten, mit allerhand Ausstattungsdingen, großen und kleinen, beschäftigt, als Wilke einen Brief von Innstetten brachte. Sie steckte ihn zu sich, und ich mußte sie eine Viertelstunde später erst erinnern, daß sie ja einen Brief habe. Dann...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 36
    und spricht es ihr nach. Aber sie empfindet nicht viel dabei. Wohl möglich, daß es alles mal kommt, Gott verhüte es, aber noch ist es nicht da.« »Und was ist da? Was hat sie?« »Sie hat nach meinem und auch nach ihrem eigenen Zeugnis zweierlei: Vergnügungssucht und Ehrgeiz. »Nun, das kann passi...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 37
    vollkommen.« »Er kann sie doch nicht heiraten.« »Nein.« »Also zu was?« »Ein weites Feld, Luise.« Dies war am Tage nach der Hochzeit. Drei Tage später kam eine kleine gekritzelte Karte aus München, die Namen alle nur mit zwei Buchstaben angedeutet. »Liebe Mama! Heute vormittag die Pinakothek b...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 38
    Worte noch nie gehört hätte. Schließlich aber sagte er, es sei eigentlich ganz gut und ein Vorzug, daß ich nichts davon wüßte. Er ist überhaupt sehr gerecht. Und vor allem ist er engelsgut gegen mich und gar nicht überheblich und auch gar nicht alt. Ich habe noch immer das Ziehen in den Füßen, un...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 39
    verheiraten nennt.« »Also jetzt gibst du das zu. Mir gegenüber hast du's immer bestritten, immer bestritten, daß die Frau in einer Zwangslage sei.« »Ja, Luise, das hab ich. Aber wozu das jetzt. Das ist wirklich ein zu weites Feld.« Sechstes Kapitel Mitte November - sie waren bis Capri und S...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 40
    offener Wagen.« Und nun war gutes Wetter, und Kruse hielt in offenem Gefährt am Bahnhof und begrüßte die Ankommenden mit dem vorschriftsmäßigen Anstand eines herrschaftlichen Kutschers. »Nun, Kruse, alles in Ordnung?« »Zu Befehl, Herr Landrat.« »Dann, Effi, bitte, steig ein.« Und während Effi ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 41
    auch widerlich ist. Aber was hilft's? Wir dürfen es nicht mit ihm verderben, weil wir ihn brauchen. Er hat hier die ganze Gegend in der Tasche und versteht die Wahlmache wie kein anderer, gilt auch für wohlhabend. Dabei leiht er auf Wucher, was sonst die Polen nicht tun; in der Regel das Gegentei...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 42
    und da sie das mit aller Welt tun und mit aller Welt in Verbindung stehen, so findest du zwischen ihnen auch Menschen aus aller Welt Ecken und Enden. Auch in unserem guten Kessin, trotzdem es eigentlich nur ein Nest ist.« Aber das ist ja entzückend, Geert. Du sprichst immer von Nest, und nun fin...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 43
    ganz anderer Art, lauter manierliche Leute, vielleicht ein bißchen zu sehr Kaufmann, ein bißchen zu sehr auf ihren Vorteil bedacht und mit Wechseln von zweifelhaftem Wert immer bei der Hand. Ja, man muß sich vorsehen mit ihnen. Aber sonst ganz gemütlich. Und damit du siehst, daß ich dir nichts vo...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 44
    auch Kapitäne haben, irgendeinen fliegenden Holländer oder ...« »Da hast du ganz recht. Wir haben sogar einen Kapitän, der war Seeräuber unter den Schwarzflaggen.« »Kenn ich nicht. Was sind Schwarzflaggen?« »Das sind Leute weit dahinten in Tonkin und an der Südsee ... Seit er aber wieder unter...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 45
    dachte, die Brücke würde brechen; aber es war nicht so gespenstig. Woran liegt es nur? Ist es doch das Nördliche?« Innstetten lachte. »Wir sind hier fünfzehn Meilen nördlicher als in Hohen-Cremmen, und eh der erste Eisbär kommt, mußt du noch eine Weile warten. Ich glaube, du bist nervös von der ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 46
    Dienerschaft vorüber, die nun dem jungen Paar in den mit prächtigen alten Wandschränken umstandenen Hausflur folgte. Das Hausmädchen, eine hübsche, nicht mehr ganz jugendliche Person, die ihre stattliche Fülle fast ebenso gut kleidete wie das zierliche Mützchen auf dem blonden Haar, war der gnädi...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 47
    geblendet von der Fülle von Licht. In der vorderen Flurhälfte brannten vier, fünf Wandleuchter, die Leuchten selbst sehr primitiv, von bloßem Weißblech, was aber den Glanz und die Helle nur noch steigerte. Zwei mit roten Schleiern bedeckte Astrallampen, Hochzeitsgeschenk von Niemeyer, standen auf...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 48
    Sie nahm ihren Arm aus dem seinigen und hob sich auf die Fußspitzen, um ihm einen herzlichen Kuß zu geben. »Ich armes kleines Ding, wie du mich verwöhnst. Dieser Flügel und dieser Teppich, ich glaube gar, es ist ein türkischer, und das Bassin mit den Fischchen und dazu der Blumentisch. Verwöhnun...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 49
    stellen, das ist es eben.« Und sie lachte und schmiegte sich an ihn und wollte ihm die Hand küssen. »Nein, Effi, um Himmels willen nicht, nicht so. Mir liegt nicht daran, die Respektsperson zu sein, das bin ich für die Kessiner. Für dich bin ich ...« »Nun was?« »Ach laß. Ich werde mich hüten,...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 50
    neben ihrem Kissen war der kleine weiße Elfenbeinknopf, auf den sie nun leise drückte. Gleich danach erschien Johanna. »Gnädige Frau haben befohlen.« »Ach, Johanna, ich glaube, ich habe mich verschlafen. Es muß schon spät sein.« »Eben neun.« »Und der Herr ...«, es wollte ihr nicht glücken, so...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 51
    als ob ich kleine weiße Atlasschuhe sähe. Es war, als tanze man oben, aber ganz leise.« Johanna, während das Gespräch so ging, sah über die Schulter der jungen Frau fort in den hohen, schmalen Spiegel hinein, um die Mienen Effis besser beobachten zu können. Dann sagte sie: »Ja, das ist oben im Sa...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 52
    Blick in den Spiegel tat und dann über den Flur fort, der bei der Tagesbeleuchtung viel von seinem Zauber vom Abend vorher eingebüßt hatte, bei Geert eintrat. Dieser saß an seinem Schreibtisch, einem etwas schwerfälligen Zylinderbüro, das er aber, als Erbstück aus dem elterlichen Hause, nicht mi...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 53
    sehe nun erst, wie vornehm ich mich verheiratet habe. Bei uns konnte alles nur so gerade passieren.« »Torheit, Effi. Ich habe nie eine bessere Hausführung gesehen als bei euch.« »Und dann, wie du wohnst. Als Papa sich den neuen Gewehrschrank angeschafft und über seinem Schreibtisch einen Büffel...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 54
    nun sage mir, wie leben wir hier? Du hast mir unterwegs allerlei Sonderbares von Stadt und Land erzählt, aber wie wir selber hier leben werden, davon kein Wort. Daß hier alles anders ist als in Hohen-Cremmen und Schwantikow, das seh ich wohl, aber wir müssen doch in dem 'guten Kessin', wie du's i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 55
    pro zehn Pfennige.« »Nicht möglich.« »Sogar gewiß. Es sind kleine, pfiffige Kaufleute, die, wenn fremdländische Schiffe hier einlaufen und in irgendeiner Geschäftsfrage nicht recht aus noch ein wissen, dann mit ihrem Rat zur Hand sind, und wenn sie diesen Rat gegeben und irgendeinem holländisch...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 56
    ich in der Nacht aufwachte, war es mir, als ob ich Schuhe auf der Erde schleifen hörte und als würde getanzt und fast auch wie Musik. Aber alles ganz leise. Und das hab ich dann heute früh an Johanna erzählt, bloß um mich zu entschuldigen, daß ich hinterher so lange geschlafen. Und da sagte sie m...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 57
    der Dienst abrief. »Wenn Gieshübler noch erscheint, so sei möglichst entgegenkommend, dann wird es vorzüglich gehen; er darf nicht verlegen werden; ist er befangen, so kann er kein Wort finden oder sagt die sonderbarsten Dinge; weißt du ihn aber in Zutrauen und gute Laune zu bringen, dann redet e...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 58
    und Wirtschaftsführung gehörte, rechts Mädchenstube, Bedientenstube, Rollkammer, links eine zwischen Pferdestall und Wagenremise gelegene, von der Familie Kruse bewohnte Kutscherwohnung. Über dieser, in einem Verschlag, waren die Hühner einlogiert, und eine Dachklappe über dem Pferdestall bildete...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 59
    aber doch die Türen geöffnet. Es befanden sich hier vier einfenstrige Zimmer, alle gelb getüncht, gerade wie der Saal und ebenfalls ganz leer. Nur in einem standen drei Binsenstühle, die durchgesessen waren, und an die Lehne des einen war ein kleines, nur einen halber Finger langes Bildchen gekle...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 60
    Innstetten angenommen, und nun saß sie in ihres Gatten Zimmer und beschäftigte sich in ihren Gedanken abwechselnd mit dem kleinen Chinesen oben und mit Gieshübler, der noch immer nicht kam. Vor einer Viertelstunde war freilich ein kleiner, schiefschultriger und fast schon so gut wie verwachsener ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 61
    schönen Blumen und Ihre Karte gemacht haben. Ich hörte sofort auf, mich hier als eine Fremde zu fühlen, und als ich dies Innstetten aussprach, sagte er mir, wir würden überhaupt gute Freunde sein.« »Sagte er so? Der gute Herr Landrat. Ja, der Herr Landrat und Sie, meine gnädigste Frau, da sind, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 62
    ist es auch der Name, der in Ihrem Falle mitwirkt. Das war immer eine Lieblingsbehauptung unseres alten Pastors Niemeyer; der Name, so liebte er zu sagen, besonders der Taufname, habe was geheimnisvoll Bestimmendes, und Alonzo Gieshübler, so mein ich, schließt eine ganz neue Welt vor einem auf, j...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 63
    »O gewiß, meine Gnädigste, das ist ja meine Spezialität.« »Eine Briest also. Und mein Vater, da reichen keine hundert Male, daß er zu mir gesagt hat: Effi (so heiße ich nämlich), Effi hier sitzt es, bloß hier, und als Froben das Pferd tauschte, da war er von Adel, und als Luther sagte, 'hier ste...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 64
    Bismarck und die Kronprinzessin zu sprechen, eigentlich nur Effis Toilette musterten, die von einigen als zu prätentiös für eine so jugendliche Dame, von andern als zuwenig dezent für eine Dame von gesellschaftlicher Stellung befunden wurde. Man merke doch an allem die Berliner Schule: Sinn für Ä...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 65
    anbinden wollte, sehen Sie, Baron, das war, ja wie sag ich, das war eine Insolenz. Es ist ihm aber auch heimgezahlt worden. Unser Alter da oben läßt sich nicht spotten, der steht zu uns.« »Ja«, sagte Innstetten, der klug genug war, auf solche Philistereien anscheinend ernsthaft einzugehen, »der ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 66
    Innstetten und Effi wieder daheim und plauderten noch eine halbe Stunde. Die beiden Mädchen im Hause waren schon zu Bett, denn es war nah an Mitternacht. Innstetten, in kurzem Hausrock und Saffianschuhen, ging auf und ab; Effi war noch in ihrer Gesellschaftstoilette; Fächer und Handschuhe lagen ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 67
    der Flanke zustande gebracht zu haben. Und seine Frau! Sie gilt als die beste Bostonspielerin und hat auch die hübschesten Anlegemarken. Also nochmals, Effi, wie wird es werden in Kessin? Wirst du dich einleben? Wirst du populär werden und mir die Majorität sichern, wenn ich in den Reichstag will...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 68
    durch die Stadt hin und dann landeinwärts auf den Bahnhof zu. Das war die erste lange Trennung, fast auf zwölf Stunden. Arme Effi. Wie sollte sie den Abend verbringen? Früh zu Bett, das war gefährlich, dann wachte sie auf und konnte nicht wieder einschlafen und horchte auf alles. Nein, erst rech...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 69
    diese Triumphe waren, sie hätte sich in diesem Augenblick doch gern davon erzählen lassen. Schließlich klappte sie den Flügel auf, um zu spielen; aber es ging nicht. »Nein, dabei werd ich vollends melancholisch; lieber lesen.« Und so suchte sie nach einem Buch. Das erste, was ihr zu Händen kam, w...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 70
    »Das hab ich gut getroffen«, sagte Effi, während sie das Buch beiseite schob; »ich will mir die Nerven beruhigen, und das erste, was ich lese, ist die Geschichte von der 'weißen Frau', vor der ich mich gefürchtet habe, solange ich denken kann. Aber da nun das Gruseln mal da ist, will ich doch auc...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 71
    bin ein Kind und werd es auch wohl bleiben. Einmal hab ich gehört, das sei ein Glück. Aber ich weiß doch nicht, ob das wahr ist. Man muß doch immer dahin passen, wohin man nun mal gestellt ist.« In diesem Augenblick kam Friedrich, um den Tisch abzuräumen. »Wie spät ist es, Friedrich?« »Es geht a...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 72
    allein läßt ...« »Ja, liebe Paaschen, Sie dürfen nicht vergessen ... der Fürst. Und dann, er ist ja doch am Ende Landrat. Und vielleicht will er auch noch höher.« »Gewiß will er. Und er wird auch noch. Er hat so was. Paaschen sagt es auch immer, und er kennt seine Leute.« Während dieses Ganges...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 73
    verwetten, daß Sie viel Nachstellung haben. Ich bin noch sehr jung, aber das weiß ich doch auch. Und dann habe ich eine Freundin, die war auch so blond, ganz flachsblond, noch blonder als Sie, und war eine Predigertochter ...« »Ja, denn ...« »Aber ich bitte Sie, Johanna, was meinen Sie mit 'ja ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 74
    darf nicht wissen, daß ich mich ängstige, das liebt er nicht. Er will immer, daß ich tapfer und entschlossen bin, so wie er. Und das kann ich nicht; ich war immer etwas anfällig ... Aber freilich, ich sehe wohl ein, ich muß mich bezwingen und ihm in solchen Stücken und überhaupt zu Willen sein .....
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 75
    seinem Kopf nach ihrer Hand und legte sich, als er diese gefunden, auf den vor ihrem Bett ausgebreiteten Teppich nieder. Effi selber aber hatte mit der anderen Hand dreimal auf den Knopf der Klingel gedrückt, und keine halbe Minute, so war Johanna da, barfüßig, den Rock über dem Arm und ein große...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 76
    ich so allein und so jung. Ach, wenn ich doch wen hier hätte, bei dem ich weinen könnte. Aber so weit von Hause ... Ach, von Hause ...« »Der Herr kann jede Stunde kommen.« »Nein, er soll nicht kommen; er soll mich nicht so sehen. Er würde mich vielleicht auslachen, und das könnt ich ihm nie verz...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 77
    schien sich also die Vorgänge der Nacht nicht sonderlich zu Gemüte genommen zu haben. »Was ist das mit der gnäd'gen Frau? Friedrich sagt mir, es Sei was passiert und Sie hätten drüben geschlafen.« »Ja, Herr Baron. Gnäd'ge Frau klingelte dreimal ganz rasch hintereinander, daß ich gleich dachte, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 78
    Nun ist alles wieder gut. Du darfst nicht wieder fort, du darfst mich nicht wieder allein lassen.« »Meine liebe Effi ... Stellen Sie hin, Friedrich, ich werde schon alles zurechtmachen ... Meine liebe Effi, ich lasse dich ja nicht allein aus Rücksichtslosigkeit oder Laune, sondern weil es so sei...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 79
    hier möglich sein, wo du Landrat bist und die Leute dir zu Willen sind und viele selbst zu Dank verpflichtet. Gieshübler würde uns gewiß dabei behilflich sein, wenn auch nur um meinetwegen, denn er wird Mitleid mit mir haben. Und nun sage, Geert, wollen wir dies verwunschene Haus aufgeben, dies H...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 80
    schadet es? Daß in der Luft Bazillen herumfliegen, von denen du gehört haben wirst, ist viel schlimmer und gefährlicher als diese ganze Geistertummelage. Vorausgesetzt, daß sie sich tummeln, daß so was wirklich existiert. Und dann bin ich überrascht, solcher Furcht und Abneigung gerade bei dir zu...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 81
    Gieshüblers Namen zu hören tat Effi wohl, und ihr Wohlgefühl steigerte sich, als sie jetzt den Brief musterte. Zunächst war es gar kein Brief, sondern ein Billett, die Adresse »Frau Baronin von Innstetten, geb. von Briest« in wundervoller Kanzleihandschrift und statt des Siegels ein aufgeklebtes ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 82
    Kohlenprovisor und Faktotum und wird heute abend in Frack und baumwollenen Handschuhen sehr wahrscheinlich aufwarten.« Es war ganz ersichtlich, daß der kleine Zwischenfall auf Effi günstig eingewirkt und ihr ein gut Teil ihrer Leichtlebigkeit zurückgegeben hatte, Innstetten aber wollte das Seine...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 83
    Innstetten noch immer schwieg, wo soll es hingehen?« »Ich habe mir gedacht, nach der Bahnstation, aber auf einem Umweg, und dann auf der Chaussee zurück. Und auf der Station essen wir oder noch besser bei Golchowski, in dem Gasthof 'Zum Fürsten Bismarck', dran wir, wenn du dich vielleicht erinner...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 84
    Effi fuhr zusammen; es war ihr wie ein Stich. Aber sie hatte doch Kraft genug, sich zu beherrschen, und fragte mit anscheinender Ruhe: »Unserer?« »Ja, unserer. Auf dem Gemeindekirchhof war er natürlich nicht unterzubringen, und da hat denn Kapitän Thomsen, der so was wie sein Freund war, diese ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 85
    gesagt) und wohlgelitten. Auch beim Bürgermeister Kirstein, vor allem bei dem damaligen Pastor in Kessin, einem Berliner, der kurz vor Thomsen auch hierhergekommen war und viel Anfeindung hatte.« »Glaub ich. Ich merke das auch; sie sind hier so streng und selbstgerecht. Ich glaube, das ist pomme...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 86
    Enkelin, die, glaub ich, Nina hieß, solle sich, nach des Alten Wunsch, verheiraten, auch mit einem Kapitän. Und richtig, so war es auch. Es gab eine große Hochzeit im Hause, der Berliner Pastor tat sie zusammen, und Müller Utpatel, der ein Konventikler war, und Gieshübler, dem man in der Stadt in...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 87
    Effi lachte. »Von der Trippelli! Nun sehe ich erst klar in allem. Daß sie in Kessin geboren, schrieb ja schon Gieshübler; aber ich dachte, sie sei die Tochter von einem italienischen Konsul. Wir haben ja so viele fremdländische Namen hier. Und nun ist sie gut deutsch und stammt von Trippel. Ist s...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 88
    nach Ruh und Frieden.« Innstetten drohte ihr mit dem Finger. »Meine einzig liebe Effi, das denkst du dir nun auch wieder so aus. Immer Phantasien, mal so, mal so.« Elftes Kapitel Die Fahrt verlief ganz wie geplant. Um ein Uhr hielt der Schlitten unten am Bahndamm vor dem Gasthaus »Zum Fürste...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 89
    fortgesetzt hätte, wenn nicht in ebendiesem Augenblicke die von der Bahn her herüberklingende Signalglocke einen bald eintreffenden Zug angemeldet hätte. Innstetten sah nach der Uhr. »Welcher Zug ist das, Golchowski?« »Das ist der Danziger Schnellzug; er hält hier nicht, aber ich gehe doch immer...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 90
    und da saßen die Grasenabbs und die Borckes, nicht die Bellings und nicht die Briests. »Ja, die!« Innstetten hatte ganz recht gehabt mit dem raschen Wechsel ihrer Stimmung, und sie sah jetzt wieder alles, was zurücklag, wie in einer Verklärung. Aber so gewiß sie voll Sehnsucht dem Zug nachgesehen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 91
    eigensinnig ist er auch.« »Aber Marietta ...« »Dieses Sofa nämlich, dessen Geburt um wenigstens fünfzig Jahre zurückliegt, ist noch nach einem altmodischen Versenkungsprinzip gebaut, und wer sich ihm anvertraut, ohne vorher einen Kissenturm untergeschoben zu haben, sinkt ins Bodenlose, jedenfal...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 92
    Tapezierfragen. Er ist gerade vornehm genug, um sich alles als schön aufreden zu lassen, was bunt aussieht und viel Geld kostet.« Innstetten amüsierte sich, und Pastor Lindequist war in einem allersichtlichsten Behagen. Die gute alte Trippel aber geriet über den ungenierten Ton ihrer Tochter aus...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 93
    in eine kleine Verlegenheit. »Ich möchte annehmen«, antwortete sie befangen, »etwas von Gluck, etwas ausgesprochen Dramatisches ... Überhaupt, mein gnädiges Fräulein, wenn ich mir die Bemerkung erlauben darf, ich bin überrascht zu hören, daß Sie lediglich Konzertsängerin sind. Ich dächte, daß Si...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 94
    Alles so schön, so sicher, so gewandt. Aber eines, wenn Sie mir verzeihen, bewundere ich fast noch mehr, das ist die Ruhe, womit Sie diese Sachen vorzutragen wissen. Ich bin so leicht Eindrücken hingegeben, und wenn ich die kleinste Gespenstergeschichte höre, so zittere ich und kann mich kaum wie...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 95
    englischen Gouvernante zusammen. Das ist nämlich eine Quäkerin, und da ist man sicher.« »Und Sie halten dergleichen für möglich?« »Meine gnädigste Frau, wenn man so alt ist wie ich und viel rumgestoßen wurde und in Rußland war und sogar auch ein halbes Jahr in Rumänien, da hält man alles für mö...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 96
    Und dann das Kapitel Schlaf überhaupt - die Menge tut es nicht, was entscheidet, ist die Qualität; ein guter Nicker von fünf Minuten ist besser als fünf Stunden unruhige Rumdreherei, mal links, mal rechts. Übrigens schläft man in Rußland wundervoll, trotz des starken Tees. Es muß die Luft machen ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 97
    Innstetten war sehr erheitert und erzählte seinerseits, daß er etwas so Heikles, wie das Dogmatische, geflissentlich vermieden, aber dafür das Moralische desto mehr in den Vordergrund gestellt habe. Hauptthema sei das Verführerische gewesen, das beständige Gefährdetsein, das in allem öffentlichen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 98
    Puls- und Kniewärmer von Bertha und Hertha. Hulda schrieb nur wenige Zeilen, weil sie, wie sie sich entschuldigte, für X noch eine Reisedecke zu stricken habe. »Was einfach nicht wahr ist«, sagte Effi. »Ich wette, X. existiert gar nicht. Daß sie nicht davon lassen kann, sich mit Anbetern zu umgeb...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 99
    sollen.« Am Silvester war Ressourcenball, auf dem Effi nicht fehlen durfte und auch nicht wollte, denn der Ball gab ihr Gelegenheit, endlich einmal die ganze Stadtflora beisammen zu sehen. Johanna hatte mit den Vorbereitungen zum Ballstaate für ihre Gnäd'ge vollauf zu tun, Gieshübler, der, wie al...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 100
    ist nun Gewißheit, und Innstetten bezeugt mir täglich seine Freude darüber. Wie glücklich ich selber im Hinblick darauf bin, brauche ich nicht erst zu versichern, schon weil ich dann Leben und Zerstreuung um mich her haben werde oder, wie Geert sich ausdrückt, ein »liebes Spielzeug«. Mit diesem W...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 101
    und mich heute schon anmelde, statt Dich, meine liebe Mama, dringend und herzlich nach Kessin hin einzuladen, das ja doch jeden Sommer fünfzehnhundert Badegäste hat und Schiffe mit allen möglichen Flaggen und sogar ein Dünenhotel. Aber daß ich so wenig Gastlichkeit zeige, das macht nicht, daß ich...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 102
    ausführlich. Es ist eine Geschichte von einem alten Kapitän, einem sogenannten Chinafahrer, und seiner Enkelin, die mit einem hiesigen jungen Kapitän eine kurze Zeit verlobt war und an ihrem Hochzeitstage plötzlich verschwand. Das möchte hingehn. Aber was wichtiger ist, ein junger Chinese, den ih...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 103
    wenn es erst soweit ist. Ach, wäre es nur erst soweit. Es sind so viele Gründe, warum ich es wünsche. Heute abend haben wir Silvesterball, und Gieshübler - der einzige nette Mensch hier, trotzdem er eine hohe Schulter hat oder eigentlich schon etwas mehr -, Gieshübler hat mir Kamelien geschickt. ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 104
    nur leidlichem Sich-behaglich-Fühlen manchmal recht schlimm gestanden, wenn Gieshübler nicht gewesen wäre. Der sorgte für Effi wie eine kleine Vorsehung, und sie wußte es ihm auch Dank. Natürlich war er neben allem andern auch ein eifriger und aufmerksamer Zeitungsleser, ganz zu schweigen, daß er...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 105
    Kritzeln seiner Feder hören konnte, aber das war auch alles. Rollo kam dann wohl und legte sich vor sie hin auf den Kaminteppich, als ob er sagen wolle: »Muß nur mal wieder nach dir sehen; ein anderer tut's doch nicht.« Und dann beugte sie sich nieder und sagte leise: »Ja, Rollo, wir sind allein....
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 106
    ausgesöhnt habe? Natürlich die schreckliche Nacht, wo Geert drüben beim Fürsten war, die möchte ich nicht noch einmal durchmachen, nein, gewiß nicht; aber immer das Alleinsein und so gar nichts erleben, das hat doch auch sein Schweres, und wenn ich dann in der Nacht aufwache, dann horche ich mitu...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 107
    ihm gelitten, Innstetten noch mehr als ich, und als wir Anfang April hörten, Major von Crampas sei da, das ist nämlich der Name des neuen, da fielen wir uns in die Arme, als könne uns nichts Schlimmes mehr in diesem lieben Kessin passieren. Aber, wie schon kurz erwähnt, es scheint, trotzdem er da...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 108
    Unterhaltung folgen konnte. Nachher sprach auch ich ihn. Vollkommener Kavalier, ungewöhnlich gewandt. Innstetten war während des Krieges in derselben Brigade mit ihm, und sie haben sich im Norden von Paris bei Graf Gröben öfter gesehen. Ja, meine liebe Mama, das wäre nun also etwas gewesen, um in...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 109
    und fragte statt dessen, ob sie schon bemerkt habe, daß drüben ein Badegast eingezogen sei, nicht gerade der erste, aber doch einer der ersten. »Ein Herr?« »Nein, eine Dame, die schon früher hier war, jedesmal in derselben Wohnung. Und sie kommt immer so früh, weil sie's nicht leiden kann, wenn...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 110
    was sie wissen wollte; denn da die meisten alljährlich wiederkehrende Gäste waren, so konnte das Mädchen nicht bloß die Namen nennen, sondern mitunter auch eine Geschichte dazu geben. Das alles war unterhaltlich und erheiternd für Effi. Gerade am Johannistag aber traf es sich, daß kurz vor elf U...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 111
    hatte. Letztere war sehr aufgeregt und schien durchaus ehrlich darin, wenn dies Aufgeregtsein auch vielleicht nicht gerade Trauer war; der sehr heftig schluchzenden Hauswirtin aber, einer Witwe, sah man dagegen fast allzu deutlich an, daß sie sich beständig die Möglichkeit eines Extrageschenkes b...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 112
    gegessen, aber hier draußen um sie her war alles still und leer, was ihr in diesem Augenblick denn auch das liebste war. Sie ließ sich ein Glas Sherry und eine Flasche Biliner Wasser bringen und sah auf das Meer hinaus, das im hellen Sonnenlichte schimmerte, während es am Ufer in kleinen Wellen b...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 113
    Dünenkirchhof vorüber, und weil der Torweg des Kirchhofs gerade offenstand, trat sie ein. Alles blühte hier, Schmetterlinge flogen über die Gräber hin, und hoch in den Lüften standen ein paar Möwen. Es war so still und schön, und sie hätte hier gleich bei den ersten Gräbern verweilen mögen; aber ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 114
    redete sie immerzu. Es war ne richtige Berlinsche ...« - »Gute Frau?« »Nein; wenn ich das sagen wollte, müßt ich lügen. Da liegt sie nun, und man soll von einem Toten nichts Schlimmes sagen, und erst recht nicht, wenn er so kaum seine Ruhe hat. Na, die wird sie ja wohl haben! Aber sie taugte nich...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 115
    Mit einem Male war die Person wie verwandelt. »Gott, das bedeutet mir was. Das is ja 'ne Kreatur, die mich leiden kann, die mich freundlich ansieht und ihren Kopf auf meine Knie legt. Gott, das ist lange her, daß ich so was gehabt habe. Nu, mein Alterchen, wie heißt du denn? Du bist ja ein Pracht...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 116
    »Ich will Sie was fragen, Roswitha. Sind Sie, was man so 'kinderlieb' nennt? Waren Sie schon mal bei kleinen Kindern?« »Gewiß war ich. Das ist ja mein Bestes und Schönstes. Solche alte Berlinsche - Gott verzeih mir die Sünde, denn sie ist nun tot und steht vor Gottes Thron und kann mich da verkl...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 117
    Person und habe gute Zeugnisse. Das können Sie sehn, wenn ich Ihnen mein Buch bringe. Gleich den ersten Tag, als ich die gnäd'ge Frau sah, da dacht ich: 'Ja, wenn du mal solchen Dienst hättest.' Und nun soll ich ihn haben. O du lieber Gott, o du heil'ge Jungfrau Maria, wer mir das gesagt hätte, w...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 118
    müssen wir ihn ausquartieren, und Sie schlafen mit mir in dem Alkoven. Ich denke, wir werden uns schon vertragen.« Innstetten, als er erfuhr, um was sich's handle, sagte rasch und in guter Laune: »Das hast du recht gemacht, Effi, und wenn ihr Gesindebuch nicht zu schlimme Sachen sagt, so nehmen ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 119
    unerschöpflichen Stoff. Auch Johanna hörte dabei gerne zu. Diese, wenn Effi bei den drastischen Stellen oft laut lachte, lächelte freilich und verwunderte sich im stillen, daß die gnädige Frau an all dem dummen Zeug soviel Gefallen finde; diese Verwunderung aber, die mit einem starken Überlegenh...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 120
    der Napoleonstag war (was denn auch von seiten einiger Familien beanstandet wurde), für diesen Taufakt festgesetzt, natürlich in der Kirche. Das sich anschließende Festmahl, weil das landrätliche Haus keinen Saal hatte, fand in dem großen Ressourcen-Hotel am Bollwerk statt, und der gesamte Nachba...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 121
    Anfrage bei dem Justizrat ab, was Effi ungemein erheiterte. »Ich habe Sie doch für einen besseren Seelenleser gehalten.« »Ach, meine Gnädigste, bei schönen jungen Frauen, die noch nicht achtzehn sind, scheitert alle Lesekunst.« »Sie verderben sich vollends, Major. Sie können mich eine Großmutter...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 122
    Hulda freilich, die's nicht verwinden konnte, noch immer auf Mann oder Bräutigam warten zu müssen, hatte sie sich nicht recht stellen können, desto besser dagegen mit den Zwillingen, und mehr als einmal, wenn sie mit ihnen Ball oder Krocket gespielt hatte, war ihr's ganz aus dem Sinn gekommen, üb...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 123
    Einmal bei solcher Gelegenheit traten sie, von dem Kiesweg her, an ein kleines, zur Seite stehendes Denkmal heran, das schon Briests Großvater zur Erinnerung an die Schlacht von Waterloo hatte aufrichten lassen, eine verrostete Pyramide mit einem gegossenen Blücher in Front und einem dito Welling...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 124
    da verunglückt einer auf dem Wasser oder gar auf dem schülbrigen Eis, und solch ein Hund, sagen wir, so einer wie dein Rollo, ist dabei, ja, der ruht nicht eher, als bis er den Verunglückten wieder an Land hat. Und wenn der Verunglückte schon tot ist, dann legt er sich neben den Toten hin und bla...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 125
    lange nachgewirkt, und ebenso war auch der etwas melancholische Eindruck rasch verflogen, den das erste Wiederbetreten ihres Kessiner Hauses auf Effi gemacht hatte. Innstetten zeigte sich voll kleiner Aufmerksamkeiten, und als der Tee genommen und alle Stadt- und Liebesgeschichten in heiterster S...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 126
    strenge dich an, und wenn du dich recht freust, mich wieder hier zu haben, so werd ich mich auch zu revanchieren wissen.« Und dabei zupfte sie die weiße Damastdecke zurecht und legte ihre Hand darauf, die Innstetten nahm und küßte. »Wie bist du nur eigentlich ohne mich fertig geworden?« »Schlec...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 127
    Effi, du kommst mir ganz anders vor. Bis Anniechen da war, warst du ein Kind. Aber mit einemmal ...« »Nun?« »Mit einemmal bist du wie vertauscht. Aber es steht dir, du gefällst mir sehr, Effi. Weißt du was?« »Nun?« »Du hast was Verführerisches.« »Ach, mein einziger Geert, das ist ja herrlich...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 128
    Bankier Heinersdorf erlebt, der auch dachte, das Meer und der grandiose Wellenschlag würden ihn um seiner Million willen respektieren. Aber die Götter sind eifersüchtig untereinander, und Neptun stellte sich ohne weiteres gegen Pluto oder doch wenigstens gegen Heinersdorf.« Crampas lachte. »Ja,...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 129
    Varzin, und da er ein liking für Sie hat - mit der volkstümlicheren Wendung will ich zurückhalten, um nicht direkt vor Ihren Pistolenlauf zu kommen -, so werden Sie einem alten Kameraden von Vionville her doch wohl ein bißchen Krieg besorgen können. Der Fürst ist auch nur ein Mensch, und Zureden ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 130
    wieder Sonntag singen, es wäre zuviel für sie und für uns; Abwechslung ist des Lebens Reiz, eine Wahrheit, die freilich jede glückliche Ehe zu widerlegen scheint.« »Wenn es glückliche Ehen gibt, die meinige ausgenommen ...«, und sie reichte Innstetten die Hand. »Abwechslung also«, fuhr Crampas ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 131
    Innstetten einen Ausritt zu verabreden, oft landeinwärts, die Kessine hinauf bis an den Breitling, noch häufiger auf die Molen zu. Effi, wenn die Herren fort waren, spielte mit dem Kind oder durchblätterte die von Gieshübler nach wie vor ihr zugeschickten Zeitungen und Journale, schrieb auch wohl...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 132
    Innstettens Kutscher Kruse zu Reitknechten umgewandelt wurden, allerdings ziemlich unvollkommen, indem sie, zu Effis Leidwesen, in eine Phantasielivree gesteckt wurden, darin der eigentliche Beruf beider noch nachspukte. Mitte Oktober war schon heran, als man, so herausstaffiert, zum erstenmal i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 133
    den Kopf, dann tauchte auch dieser unter. Alle waren erregt, und Crampas phantasierte von Robbenjagd und daß man das nächste Mal die Büchse mitnehmen müsse, »denn die Dinger haben ein festes Fell«. »Geht nicht«, sagte Innstetten; »Hafenpolizei.« »Wenn ich so was höre«, lachte der Major. »Hafen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 134
    wert.« »Nun hören Sie, Crampas, gerade so viel kommt mitunter dabei heraus.« Und dabei sah er auf des Majors linken, etwas gekürzten Arm. Effi hatte von diesem Gespräch wenig gehört. Sie war dicht an die Stelle getreten, wo die Robbe gelegen, und Rollo stand neben ihr. Dann sahen beide, von dem ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 135
    »Das kann ich mir denken«, sagte Effi, »ein Glück nur, daß der Respekt die Hauptsache ist.« »Ja, zu seiner Zeit. Aber er paßt doch nicht immer. Und zu dem allen kam noch eine mystische Richtung, die mitunter Anstoß gab, einmal weil Soldaten überhaupt nicht sehr für derlei Dinge sind, und dann we...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 136
    sich interessant machen und haben eine Vorstellung davon, daß Ungewöhnlichkeiten nach oben hin besser empfehlen. In höheren Karrieren will man keine Alltagsmenschen. Und da Sie so was vorhaben, so haben Sie sich was Apartes ausgesucht und sind bei der Gelegenheit auf den Spuk gefallen.'« Effi sa...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 137
    dies zusammen? Was denkt er sich dabei?« »Ja, meine gnädigste Frau, Gott sieht ins Herz, aber ein Major vom Landwehrbezirkskommando, der sieht in gar nichts. Wie soll ich solche psychologischen Rätsel lösen? Ich bin ein einfacher Mann.« »Ach, Crampas, reden Sie nicht so töricht. Ich bin zu jung...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 138
    »Und will er mich auch erziehen? Erziehen durch Spuk?« »Erziehen ist vielleicht nicht das richtige Wort. Aber doch erziehen auf einem Umweg.« »Ich verstehe Sie nicht.« »Eine junge Frau ist eine junge Frau, und ein Landrat ist ein Landrat. Er kutschiert oft im Kreise umher, und dann ist das Hau...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 139
    schließlich Innstetten nicht das Wasser reicht.« In diesem Augenblick fuhr Innstetten vor, der heute früher zurückkam als gewöhnlich. Effi sprang auf, um ihn schon im Flur zu begrüßen, und war um so zärtlicher, je mehr sie das Gefühl hatte, etwas gutmachen zu müssen. Aber ganz konnte sie das, wa...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 140
    chevaleresker Liebesabenteuer war, so sehr war er auch wieder guter Kamerad. Natürlich alles ganz oberflächlich. Einem Freunde helfen und fünf Minuten später ihn betrügen, das waren Dinge, die sich mit seinem Ehrbegriff sehr wohl vertrugen. Er tat das eine und das andere mit unglaublicher Bonhomi...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 141
    vor vier Jahren, wo sie mir vierzehnjährigem Dinge den Hof machten. Was ich da alles gehört habe!« »Gewiß nicht mehr, als recht war.« »Wenn das zuträfe, wäre das, was mir schmeicheln soll, ziemlich ungezogen ... Aber sehen Sie da die Bojen, wie die schwimmen und tanzen. Die kleinen roten Fahnen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 142
    trotz gelegentlich eigener Versündigungen, aus der Dichterei mache. Bei Heine liegt es aber anders: Alles ist Leben, und vor allem versteht er sich auf die Liebe, die doch die Hauptsache bleibt. Er ist übrigens nicht einseitig darin ...« »Wie meinen Sie das?« »Ich meine, er ist nicht bloß für d...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 143
    serviert; Teebrötchen und Aufschnitt von kaltem Braten, dazu Rotwein und neben der Flasche zwei hübsche, zierliche Trinkgläser, klein und mit Goldrand, wie man sie in Badeorten kauft oder von Glashütten als Erinnerung mitbringt. Und nun stieg man ab. Kruse, der die Zügel seines eigenen Pferdes u...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 144
    Blaubart, wenn das Wort für ihn reicht. Und wirklich, diese sechs kannte sie auswendig. Und dabei hätten Sie hören sollen, wie sie die Namen aussprach, namentlich den von der Mutter der Elisabeth - so schrecklich verlegen, als wäre sie nun an der Reihe ... Aber nun bitte, die Geschichte von Don P...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 145
    dieser Tafel, und in der Mitte saß der König, und ihm gegenüber war der Platz für den, dem dies alles galt, also für den Kalatravaritter, für den an diesem Tage zu Feiernden. Und weil der, trotzdem man schon eine ganze Weile seiner gewartet hatte, noch immer nicht kommen wollte, so mußte schließl...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 146
    steckt, und wenn wir zurückreiten, müssen Sie mir was anderes erzählen, ganz was anderes.« Kruse kam. Als er aber die Gläser nehmen wollte, sagte Crampas: »Kruse, das eine Glas, das da, das lassen Sie stehen. Das werde ich selber nehmen.« »Zu Befehl, Herr Major.« Effi, die dies mit angehört ha...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 147
    Wochen und Tage gesprochen, berührt und angedeutet war, so fand sie nichts, um dessentwillen sie sich direkte Vorwürfe zu machen gehabt hätte. Crampas war ein kluger Mann, welterfahren, humoristisch, frei, frei auch im Guten, und es wäre kleinlich und kümmerlich gewesen, wenn sie sich ihm gegenüb...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 148
    Stiefel« bis Palermo kenne, gebeten habe, mit dabeisein zu dürfen. Effi, der ein ganz gewöhnlicher Plauderabend ohne den »italienischen Stiefel« (es sollten sogar Fotografien herumgereicht werden) viel, viel lieber gewesen wäre, antwortete mit einer gewissen Gezwungenheit; Innstetten indessen, ga...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 149
    »Ja. Sie wissen, gnädigste Frau, daß er einstimmig in das Vergnügungskomitee gewählt wurde. Wir dürfen uns endlich einen hübschen Winter in der Ressource versprechen. Er ist ja wie geschaffen dazu.« »Und wird er auch mitspielen?« »Nein, das hat er abgelehnt. Ich muß sagen, leider. Denn er kann ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 150
    Johanna, wie reizend die gnädige Frau ausgesehen und wie gut sie gespielt habe. Schade, daß er nicht vorher daran gedacht, Christel und sie selber und auch die alte Unke, die Kruse, hätten von der Musikgalerie her sehr gut zusehen können; es seien viele dagewesen. Dann ging Johanna, und Effi, die...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 151
    man's doch stärker, welchen Schatz man hat. Du könntest ja auch so sein wie die arme Frau Crampas; das ist eine schreckliche Frau, gegen keinen freundlich, und dich hätte sie vom Erdboden vertilgen mögen.« »Ach, ich bitte dich, Geert, das bildest du dir wieder ein. Die arme Frau! Mir ist nichts ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 152
    müsse.« »Sind es denn nur Herren?« »O bewahre. Da würd ich mich auch bedanken. Du bist mit dabei und noch zwei, drei andere Damen, die von den Gütern ungerechnet.« »Aber dann ist es doch auch häßlich von ihm, ich meine von Crampas, und so was bestraft sich immer.« »Ja, mal kommt es. Aber ich ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 153
    Schneelandschaft mit Telegrafenstangen, auf deren Draht geduckt ein Vögelchen saß. Auch für Annie war aufgebaut: ein Baum mit Lichtern, und das Kind griff mit seinen Händchen danach. Innstetten, unbefangen und heiter, schien sich seines häuslichen Glücks zu freuen und beschäftigte sich viel mit d...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 154
    anvertrauen wolle, stehe es wahrscheinlich noch schlechter als mit der des sommersprossigen Treptower Ulanen. Innstetten, den diese kleinen Verlegenheiten erheiterten, war mit Lindequists Vorschlag durchaus einverstanden und ordnete die Sache dahin, daß er pünktlich um zwei Uhr über den Marktplat...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 155
    stattlicher, militärisch dreinschauender Herr von Mitte Fünfzig, der den ersten Feldzug in Schleswig noch unter Wrangel und Bonin mitgemacht und sich bei Erstürmung des Danewerks ausgezeichnet hatte, stand in der Tür und empfing seine Gäste, die, nachdem sie abgelegt und die Frau des Hauses begrü...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 156
    bei Effi. »Nein«, sagte sie zu sich selber, »so bin ich doch nicht gewesen. Vielleicht hat es mir auch an Zucht gefehlt, wie diese furchtbare Sidonie mir eben andeutete, vielleicht auch anderes noch. Man war zu Haus zu gütig gegen mich, man liebte mich zu sehr. Aber das darf ich doch wohl sagen, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 157
    einschneien, und der Feind zog daran vorüber.« Crampas war sichtlich betroffen und wechselte das Gespräch. Als es dunkelte, waren alle wieder in der Oberförsterei zurück. Neunzehntes Kapitel Gleich nach sieben ging man zu Tisch, und alles freute sich, daß der Weihnachtsbaum, eine mit zahllo...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 158
    Freund Crampas! Das ist so die rechte Saat! Ich frage Sie, was soll dabei herauskommen?« Innstetten, der ihr eigentlich zustimmte, fand trotzdem den Ton, in dem das alles gesagt wurde, so verletzend herbe daß er spöttisch bemerkte: »Ja, meine Gnädigste, was dabei herauskommen soll? Ich weiß es a...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 159
    Und seine Mutter, die ich noch gekannt habe, war eine Plättfrau in Köslin.« »Ich kann darin nichts Schlimmes finden.« »Schlimmes finden? Ich auch nicht. Und jedenfalls gibt es Schlimmeres. Aber soviel muß ich doch von Ihnen, als einem geweihten Diener der Kirche, gewärtigen dürfen, daß Sie die ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 160
    in kürzester Frist in diesem Hause sichtbar werden und den Ringfinger (und zwar hier in einem doppelten Sinne den Ringfinger) eines kleinen hübschen Pätschelchens zieren werde... »Unerhört«, raunte Sidonie dem Pastor zu. »Ja, meine Freunde«, fuhr Güldenklee mit gehobener Stimme fort, »viele Rin...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 161
    Kreise Kessin allem anderen vor. Im Hausflur standen zwei hübsche Mägde, Ring hielt auf dergleichen, um den Herrschaften beim Anziehen ihrer Pelze behilflich zu sein. Alles war heiter angeregt, einige mehr als das, und das Einsteigen in die verschiedenen Gefährte schien sich schnell und ohne Stör...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 162
    dann wieder in unseren unbequemen Kasten. Und Papa raucht auch noch.« Effi war wenig erfreut über diese Begleitung und hätte die Fahrt lieber allein gemacht; aber ihr blieb keine Wahl, und so stieg denn das Fräulein ein, und kaum daß beide Damen ihre Plätze genommen hatten, so gab Kruse den Pfer...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 163
    in die Brandung. Freilich ein etwas kaltes Bad, aber was tut's ... Übrigens, hören Sie nichts?« »Nein.« »Hören Sie nicht etwas wie Musik?« »Orgel?« »Nein, nicht Orgel. Da würd ich denken, es sei das Meer. Aber es ist etwas anderes, ein unendlich feiner Ton, fast wie menschliche Stimme ...« »D...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 164
    zu diesen leichten Rätseln gehört unser Oberförster. Wer seine Kinder so erzieht, den beklag ich, aber das eine Gute hat es, es liegt bei ihm alles klar da. Und wie bei ihm selbst, so bei den Töchtern. Cora geht nach Amerika und wird Millionärin oder Methodistenpredigerin; in jedem Fall ist sie v...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 165
    eigentlich bloß ein kümmerliches Rinnsal, das hier rechts vom Gothener See herunterkommt und sich durch die Dünen schleicht. Und im Sommer trocknet es mitunter ganz aus, und Sie fahren dann ruhig drüber hin und wissen es nicht einmal.« »Und im Winter?« »Ja, im Winter, da ist es was anderes; nic...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 166
    Bescheid, wohl aber Kruse solle noch einmal einen Anlauf nehmen und Crampas derweilen bei den Damen einsteigen (ein kleiner Rücksitz sei ja noch da), um bei der Hand zu sein, wenn der Schlitten umkippe. Das sei doch schließlich das Schlimmste, was geschehen könne. Mit dieser Innstettenschen Bots...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 167
    hinauf gelegene Bohlenbrücke zu folgen. Als beide Kutscher, Knut und Kruse, so verständigt waren, trat der Major, der, um Sidonie zu helfen, gleichzeitig mit dieser ausgestiegen war, wieder an Effi heran und sagte: »Ich kann Sie nicht allein lassen, gnäd'ge Frau.« Effi war einen Augenblick unsch...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 168
    sie, daß es tote Worte waren. Sie fürchtete sich und war doch zugleich wie in einem Zauberbann und wollte auch nicht heraus. »Effi«, klang es jetzt leise an ihr Ohr, und sie hörte, daß seine Stimme zitterte. Dann nahm er ihre Hand und löste die Finger, die sie noch immer geschlossen hielt, und ü...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 169
    Fahrt weiterging? Ich hätte mich lächerlich gemacht, und dagegen bist du doch so empfindlich. Erinnere dich, daß wir unter deiner Zustimmung viele Male gemeinschaftlich spazierengeritten sind, und nun sollte ich nicht gemeinschaftlich mit ihm fahren? Es ist falsch, so hieß es bei uns zu Haus, ein...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 170
    »Nein, nicht ganz, meine liebe Effi. Ich begehe die Torheit, zwischen Crampas und Gieshübler einen Unterschied zu machen. Sie sind sozusagen nicht von gleichem Karat; nach Karat berechnet man nämlich den reinen Goldeswert, unter Umständen auch der Menschen. Mir persönlich, um auch das noch zu sag...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 171
    seitens des alten Güldenklee, mal wieder »destruktiver Tendenzen« beschuldigt worden war, stattgefunden hatte; drei, vier andere adlige Familien aber, die nicht Mitglieder der Ressource, sondern immer nur geladene Gäste waren und deren Güter an der anderen Seite der Kessine lagen, waren aus zum T...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 172
    ringen mit dem natürlichen Menschen. Und wenn man sich dann so unter hat und beinah schreien möchte, weil's weh tut, dann jubeln die lieben Engel!« »Ach, gnädigste Frau. Es ist oft recht schwer.« »Freilich ist es schwer. Aber je schwerer, desto besser. Darüber müssen Sie sich freuen. Das mit de...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 173
    Ballkönigin« sei, wobei sein Blick übrigens Effi bewundernd streifte. Dann empfahl er sich rasch unter Verbeugung gegen alle drei. »Schöner Mann«, sagte die Padden. »Verkehrt er in Ihrem Hause?« »Flüchtig.« »Wirklich«, wiederholte die Padden, »ein schöner Mann. Ein bißchen zu sicher. Und Hochmu...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 174
    hatten denn auch den rechten Moment abgepaßt; denn im Augenblick, als sie von der Plantage her den Strand erreichten, fiel der erste Schuß, und sie sahen ganz deutlich, wie die Rakete mit dem Fangseil unter dem Sturmgewölk hinflog und über das Schiff hinweg jenseits niederfiel. Alle Hände regten ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 175
    »Ja, sonderbar, Geert. Aber es beglückt mich so, daß ich vor Freude nichts sagen kann. Wird es denn auch sein? Werden sie denn auch kommen?« »Damit hat's freilich noch gute Wege, ja, Gieshübler meinte sogar, die Väter der Stadt, seine Kollegen, verdienten es gar nicht. Statt einfach über die Ehr...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 176
    alles klar und beschönigte nichts. Einmal trat sie spätabends vor den Spiegel in ihrer Schlafstube; die Lichter und Schatten flogen hin und her, und Rollo schlug draußen an, und im selben Augenblick war es ihr, als sähe ihr wer über die Schulter. Aber sie besann sich rasch. »Ich weiß schon, was e...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 177
    »Ich bitte dich, Effi ...« »... Übrigens freu ich mich, und das ist das einzige Gute dabei, dich jedesmal, wenn du fährst, eine Strecke Wegs begleiten zu können, bis an die Mühle gewiß oder bis an den Kirchhof oder auch bis an die Waldecke, da, wo der Morgnitzer Querweg einmündet. Und dann steig...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 178
    wirklich. Effi saß auf einer an einem langen Holzschuppen sich hinziehenden Bank und sah nach einem niedrigen Fachwerkhaus hinüber, gelb mit schwarzgestrichenen Balken, einer Wirtschaft für kleine Bürger, die hier ihr Glas Bier tranken oder Solo spielten. Es dunkelte noch kaum, die Fenster aber w...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 179
    gern was Neues hören; sie langweilt sich in unserm guten Kessin. Ich werde gegen acht Tage fort sein, vielleicht noch einen Tag länger. Und ängstige dich nicht ... es wird ja wohl nicht wiederkommen ... du weißt schon, das da oben ... Und wenn doch, du hast ja Rollo und Roswitha.« Effi lächelte ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 180
    Gesandtschaft nach Marokko gehen, und zwar mit Geschenken, unter denen nicht bloß die herkömmliche Vase mit Sanssouci und dem Neuen Palais, sondern vor allem auch eine große Eismaschine sei. Das letztere erschien mit Rücksicht auf die marokkanischen Temperaturverhältnisse so wahrscheinlich, daß d...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 181
    keine rechte Lust heut, es nieselt, und der Himmel ist so grau.« »Ich werde der gnäd'gen Frau den Regenmantel bringen.« »Das tu! Aber komme heute nicht nach, wir treffen uns ja doch nicht«, und sie lachte. »Wirklich, du bist gar nicht findig, Roswitha. Und ich mag nicht, daß du dich erkältest, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 182
    Sielenzeug, das Kruse eben über den Gartenzaun gelegt hatte. »Gott«, sagte er, während er ihr die Flasche aus der Hand nahm, »viel hilft es ja nicht, es nieselt in einem weg, und die Blänke vergeht doch wieder. Aber ich denke, alles muß seine Ordnung haben.« »Das muß es. Und dann, Kruse, es ist ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 183
    »Guten Tag, Roswitha, du bist ja so ausgelassen. Was macht denn Annie?« »Sie schläft, gnäd'ge Frau.« Aber Roswitha, als sie das sagte, war doch rot geworden und ging, rasch abbrechend, auf das Haus zu, um der gnädigen Frau beim Umkleiden behilflich zu sein. Denn ob Johanna da war, das war die F...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 184
    Schnurrbart anmalen. Das ist doch schon sehr viel. Und nachher sitzt du da. Du bist ja noch eine schmucke Person und hast so was. Aber sieh dich vor, soviel kann ich dir bloß sagen. Wie war es denn eigentlich das erstemal mit dir? Ist es so, daß du mir's erzählen kannst?« »Ach, ich kann schon. A...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 185
    fremde Leute halb tot und trugen mich ins Haus und in mein Bett. Und den dritten Tag nahmen sie mir das Kind fort, und als ich nachher fragte, wo es sei, da hieß es, es sei gut aufgehoben. Ach, gnädigste Frau, die heil'ge Mutter Gottes bewahre Sie vor solchem Elend.« Effi fuhr auf und sah Roswit...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 186
    ja nichts, und ich könnte nicht mehr anders, da lief ich gleich ins Wasser. Es war zu schrecklich. Alles. Und was nur aus dem armen Wurm geworden is? Ich glaube nicht, daß es noch lebt; sie haben es umkommen lassen, aber ich bin doch schuld.« Und sie warf sich vor Annies Wiege nieder und wiegte d...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 187
    Sie nickte. »Nur der Haifisch mit seinem Fichtenzweig verhält sich heute ruhiger, und auch Rollo spielt den Zurückhaltenden und legt mir nicht mehr die Pfoten auf die Schulter. Was ist das mit dir, Rollo?« Rollo strich an seinem Herrn vorbei und wedelte. »Der ist nicht recht zufrieden, entwede...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 188
    ein Kind, nun, die war auch nach meinem Geschmack. Gradeso wie die jetzige gnäd'ge Frau.« »Meinst du? Und wenn du dich zwischen beiden entscheiden solltest ...« »Das ist eine Doktorfrage, darauf lasse ich mich nicht ein. Aber da bringt Friedrich den Tee. Wie hat's mich nach dieser Stunde verlang...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 189
    zusammennehmen. Und ich kann von Glück sagen, daß ich von so was, das wie Zusammennehmen aussieht oder wenigstens ein Zusammennehmen in Zukunft fordert, so gut wie direkt herkomme ... Sag, wie denkst du dir ein Ministerium?« »Ein Ministerium? Nun, das kann zweierlei sein. Es können Menschen sein...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 190
    Innstetten verfärbte sich. Was war das? Etwas, was seit Wochen flüchtig, aber doch immer sich erneuernd über ihn kam, war wieder da und sprach so deutlich aus seinem Auge, daß Effi davor erschrak. Sie hatte sich durch ein schönes Gefühl, das nicht viel was andres als ein Bekenntnis ihrer Schuld w...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 191
    und wenn ich von hier fortkomme, so wird es, denke ich, von mir abfallen, und ich werde wieder frei sein.« Innstetten hatte kein Auge von ihr gelassen und war jedem Worte gefolgt. Was sollte das heißen: »du bist ein Erzieher«? Und dann das andere, was vorausging: »und ich hab es auch glauben sol...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 192
    noch in Kessin, und doch war ihr schon zumute, als läge es weit hinter ihr. »Ich habe mir's überlegt, Effi«, sagte Innstetten, »du hast nicht so ganz unrecht mit allem, was du gegen unser Haus hier gesagt hast. Für Kapitän Thomsen war es gerade gut genug, aber nicht für eine junge verwöhnte Frau...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 193
    will ich dich dann überraschen.« In diesem Augenblick trat Friedrich ein, um die Postsachen abzugeben. Das meiste war Dienstliches und Zeitungen. »Ah, da ist auch ein Brief für dich«, sagte Innstetten. »Und wenn ich nicht irre, die Handschrift der Mama.« Effi nahm den Brief. »Ja, von der Mama. Ab...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 194
    Privatwohnung in der Schadowstraße genommen; neben dem meinigen sind noch Zimmer frei. Was es mit meinem Auge ist, darüber mündlich; vorläufig beschäftigt mich nur Eure Zukunft. Briest wird unendlich glücklich sein, er tut immer so gleichgültig gegen dergleichen, eigentlich hängt er aber mehr dar...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 195
    sagen: 'Ach, Geert, dann reise ich nie.' Oder doch so etwas Ähnliches.« Innstetten drohte ihr mit dem Finger. »Effi, du bist mir zu fein. Ich dachte immer, du wärst ein Kind, und ich sehe nun, daß du das Maß hast wie alle andern. Aber lassen wir das, oder wie dein Papa immer sagte: 'Das ist ein ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 196
    »Ja, ich. Der Herr wünscht es. Aber ihr könnt vielleicht dableiben, bei meiner Mutter. Sorge nur, daß sie Anniechen nicht zu sehr verwöhnt. Gegen mich war sie mitunter streng, aber ein Enkelkind ...« »Und dann ist Anniechen ja auch so zum Anbeißen. Da muß ja jeder zärtlich sein.« Das war am Don...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 197
    dann so vieles andre noch. Und da will ich doch lieber Abschied nehmen von Ihnen, als wär es für immer.« »Aber meine gnädigste Frau ...« »Als wär es für immer. Und ich will Ihnen danken, lieber Gieshübler. Denn Sie waren das Beste hier; natürlich, weil Sie der Beste waren. Und wenn ich hundert ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 198
    auf den Tisch da.« Als Johanna das Zimmer wieder verlassen hatte, schloß Effi sich ein, sah einen Augenblick in den Spiegel und setzte sich dann wieder. Und nun schrieb sie: »Ich reise morgen mit dem Schiff, und dies sind Abschiedszeilen. Innstetten erwartet mich in wenigen Tagen zurück, aber i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 199
    hübsche Häuserreihe, die dem Zuge des Bollwerks folgte. Gerade der Landungsbrücke gegenüber lag Hoppensacks Hotel, ein drei Stock hohes Gebäude, von dessen Giebeldach eine gelbe Flagge, mit Kreuz und Krone darin, schlaff in der stillen, etwas nebeligen Luft herniederhing. Effi sah eine Weile nach...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 200
    Tür und versäumte nicht, den Herrn Landrat und die gnädige Frau bis an die Stufen der Böschung zu geleiten. Oben war der Zug noch nicht angemeldet, und Effi und Innstetten schritten auf dem Bahnsteig auf und ab. Ihr Gespräch drehte sich um die Wohnungsfrage; man war einig über den Stadtteil, und ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 201
    gegenüber Platz nahm, aber nur um sich gleich danach an dem Teetisch zu schaffen zu machen. »Darf ich wieder die Rolle des Teefräuleins übernehmen?« »Gewiß, meine liebe Effi Aber nur für Dagobert und dich selbst. Ich meinerseits muß verzichten, was mir beinah schwerfällt.« »Ich verstehe, deiner...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 202
    mag nicht, das sind ja alles bloß Allotria. Ich will wissen, wie's mit Mamas Augen steht.« Frau von Briest erzählte nun, daß es der Augenarzt für Blutandrang nach dem Gehirn ausgegeben habe. Daher käme das Flimmern. Es müsse mit Diät gezwungen werden; Bier, Kaffee, Tee - alles gestrichen und gel...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 203
    und er strich vom Knopfloch nach der Achsel hinüber, »endlich loswerden.« »Ach, das sind ja bloß Eitelkeiten. Erzähle lieber. Was ist denn jetzt dran?« »Ja, Cousine, das ist ein eigen Ding. Das ist nicht für jedermann. Jetzt haben wir nämlich die Bibelwitze.« »Die Bibelwitze? Was soll das heiße...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 204
    »Dumm und unpassend und kann einem Berlin ordentlich verleiden. Da geht man nun aus Kessin fort, um wieder unter Menschen zu sein, und das erste, was man hört, ist ein Bibelwitz. Auch Mama schweigt, und das sagt genug. Ich will dir aber doch den Rückzug erleichtern ...« »Das tu, Cousine.« »... ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 205
    Liebste, was ihr begegnen konnte. »Wir wollen diese Wohnung aber doch im Auge behalten, Mama, sie liegt so schön und ist im wesentlichen das, was ich mir gewünscht habe.« Dann fuhren beide Damen in die Stadt zurück, aßen im Restaurant, das man ihnen empfohlen, und waren am Abend in der Oper, wozu...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 206
    Das kam ihr aus mehr als einem Grunde nicht leicht an; aber es mußte sein, und als ihr das feststand, stand ihr auch fest, wie die Rolle, bis in die kleinsten Einzelheiten hinein, gespielt werden müsse. »Mama, Innstetten, wie du siehst, wird über mein Ausbleiben empfindlich. Ich denke, wir geben...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 207
    was anderem zu Rate gezogen zu werden. Ich denke, das beste ist, wir warten es ab. Es kann ja auch vorübergehen. Ich werde den ganzen Tag über von Tee und Sodawasser leben, und wenn ich dann transpiriere, komm ich vielleicht drüber hin.« Frau von Briest drückte ihre Zustimmung aus, bestand aber ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 208
    schlimmer. Aber du kannst dich beruhigen; ich komme mit einem ganz alten, der mich schon behandelt hat, als ich noch in der Heckerschen Pension war, also vor etlichen zwanzig Jahren. Und damals war er nah an Fünfzig und hatte schönes graues Haar, ganz kraus. Er war ein Damenmann, aber in den rich...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 209
    »Sehr wahrscheinlich«, sagte Rummschüttel, der den Puls gefühlt und die Patientin leicht, aber doch scharf beobachtet hatte. »Sehr wahrscheinlich, meine gnädigste Frau.« Was er aber still zu sich selber sagte, das lautete: »Schulkrank und mit Virtuosität gespielt; Evastochter comme il faut.« Er l...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 210
    gleich.« Rummschüttel kam den zweiten Tag und dann jeden dritten, weil er sah, welche Verlegenheit sein Kommen der jungen Frau bereitete. Dies nahm ihn für sie ein, und sein Urteil stand ihm nach dem dritten Besuch fest: »Hier liegt etwas vor, was die Frau zwingt, so zu handeln, wie sie handelt....
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 211
    ist schon der 24., und am 28. willst Du hier eintreffen. Angegriffen bin ich ohnehin noch. Ich denke, Du wirst einverstanden sein, wenn ich die Reise ganz aufgebe. Die Sachen sind ja ohnehin schon unterwegs, und wir würden, wenn ich käme, in Hoppensacks Hotel wie Fremde leben müssen. Auch der Kos...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 212
    neuen Wohnung. Oben standen die den Tag vorher eingetroffenen Sachen noch bunt durcheinander, aber es störte sie nicht, und als sie auf den breiten, aufgemauerten Balkon hinaustrat, lag jenseits der Kanalbrücke der Tiergarten vor ihr, dessen Bäume schon überall einen grünen Schimmer zeigten. Dar...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 213
    begrüßen, bei welcher Gelegenheit sie sagte, Fräulein Annie ließe sich für heute entschuldigen - ein kleiner Witz, auf den sie stolz war und mit dem sie auch ihren Zweck vollkommen erreichte. Und nun nahmen sie Platz um den schon gedeckten Tisch, und als Innstetten sich ein Glas Wein eingeschenk...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 214
    hörst du's, Cousine.« Und er wollte sie zu necken fortfahren, gab es aber auf, als er sah, daß sie sich verfärbte. Das Gespräch, das meist zurückliegende Verhältnisse berührte, spann sich noch eine Weile weiter, und Effi erfuhr zuletzt aus diesem und jenem, was Innstetten mitteilte, daß sich von...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 215
    ist nicht der eigentliche Tiergarten, aber doch beinah.« Innstetten war entzückt und von einer Dankbarkeit, als ob Effi ihm das alles persönlich herangezaubert habe. Dann setzten sie sich, und nun kam auch Annie. Roswitha verlangte, daß Innstetten eine große Veränderung an dem Kinde finden solle...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 216
    gegenüber von einer ausgesprochenen und selbstbewußten Reserviertheit war. Einem Kessiner on dit zufolge ließen sich die Wurzeln ihrer Existenz auf eine längst pensionierte Größe der Garnison Pasewalk zurückführen, woraus man sich auch ihre vornehme Gesinnung, ihr schönes blondes Haar und die bes...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 217
    Schloß und den Orangeriebäumen auf und ab schritt, immer wieder die massenhaft dort stehenden römischen Kaiser an, fand eine merkwürdige Ähnlichkeit zwischen Nero und Titus, sammelte Tannenäpfel, die von den Trauertannen gefallen waren, und ging dann, Arm in Arm mit ihrem Manne, bis auf das nach ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 218
    Friedrich-Wilhelm-Straße auf ihre Wohnung zu. Sie hatten vor, schon Ende Juli Urlaub zu nehmen und ins bayerische Gebirge zu gehen, wo gerade in diesem Jahr wieder die Oberammergauer Spiele stattfanden. Es ließ sich aber nicht tun; Geheimrat von Wüllesdorf, den Innstetten schon von früher her ka...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 219
    Effi war entzückt. »Ach, Geert, das ist ja Capri, das ist ja Sorrent. Ja, hier bleiben wir. Aber natürlich nicht im Hotel; die Kellner sind mir zu vornehm, und man geniert sich, um eine Flasche Sodawasser zu bitten ...« »Ja, lauter Attachés. Es wird sich aber wohl eine Privatwohnung finden lasse...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 220
    sonst nichts in der Nähe?« »Nein, gnädigste Frau. Hier herum nichts. Aber höher hinauf, nach Norden zu, da kommen noch wieder Dörfer, und in dem Gasthause, das dicht neben Stubbenkammer liegt, wird man Ihnen gewiß Auskunft geben können. Es werden dort von solchen, die gerne noch vermieten wollen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 221
    heran, an die sich etliche glattpolierte Steine lehnten, alle mit einer flachen Höhlung und etlichen nach unten laufenden Rinnen. »Und was bezwecken die?« »Daß es besser abliefe, gnäd'ge Frau.« »Laß uns gehen«, sagte Effi, und den Arm ihres Mannes nehmend, ging sie mit ihm wieder auf das Gasth...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 222
    das, wenn ich nicht irre, morgen von Stettin kommt und nach Kopenhagen hinüberfährt. Da soll es ja so vergnüglich sein, und ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr ich mich nach etwas Vergnüglichem sehne. Hier ist mir, als ob ich in meinem ganzen Leben nicht mehr lachen könnte und überhaupt nie ge...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 223
    Colombine. Effi war wie berauscht von den kleinen Schelmereien, und als sie spät am Abend nach ihrem Hotel zurückkehrten, sagte sie: »Weißt du, Geert, nun fühl ich doch, daß ich allmählich wieder zu mir komme. Von der schönen Thora will ich gar nicht erst sprechen; aber wenn ich bedenke, heute v...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 224
    gelang auch vollkommen. Briest gab sich als zärtlicher Großvater, warnte vor zuviel Liebe, noch mehr vor zuviel Strenge, und war in allem der alte. Eigentlich aber galt all seine Zärtlichkeit doch nur Effi, mit der er sich in seinem Gemüt immer beschäftigte, zumeist auch, wenn er mit seiner Frau ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 225
    kein dutzendmal, daß wir darüber gesprochen und unsere Meinungen ausgetauscht haben, und immer bist du wieder da mit deinem Alleswissenwollen und fragst dabei so schrecklich naiv, als ob ich in alle Tiefen sähe. Was hast du nur für Vorstellungen von einer jungen Frau und ganz speziell von deiner ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 226
    er auch in seiner Zärtlichkeit. Ja, dann am meisten; es hat Zeiten gegeben, wo ich mich davor fürchtete.« »Kenn ich, kenn' ich.« »Was soll das heißen, Briest? Soll ich mich gefürchtet haben, oder willst du dich gefürchtet haben? Ich finde beides gleich lächerlich ...« »Du wolltest von Effi erz...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 227
    Anziehungspunkt gebrach, und selbst die Pfarre und die Schule waren nicht mehr das, was sie noch vor Jahr und Tag gewesen waren. Zumal im Schulhaus stand alles halb leer. Die Zwillinge hatten sich im Frühjahr an zwei Lehrer in der Nähe von Genthin verheiratet, große Doppelhochzeit mit Festbericht...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 228
    Die von ihr im Oberstock bewohnten Zimmer lagen nach dem Garten hinaus; in dem kleineren schliefen Roswitha und Annie, die Tür nur angelehnt, in dem größeren, das sie selber innehatte, ging sie auf und ab; die unteren Fensterflügel waren geöffnet, und die kleinen weißen Gardinen bauschten sich in...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 229
    Blick auf die Plantage, und sie saß im Schaukelstuhl und wiegte sich; und nun trat Crampas an sie heran, um sie zu begrüßen, und dann kam Roswitha mit dem Kinde, und sie nahm es und hob es hoch in die Höhe und küßte es. »Das war der erste Tag; da fing es an.« Und während sie dem nachhing, verlie...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 230
    kleinen, und Rummschüttel hat es gemerkt und hat die Achseln gezuckt, und wer weiß, was er von mir denkt, jedenfalls nicht das Beste. Ja, Angst quält mich und dazu Scham über mein Lügenspiel. Aber Scham über meine Schuld, die hab ich nicht oder doch nicht so recht oder doch nicht genug, und das b...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 231
    Fünfundzwanzigstes Kapitel Am andern Abend war Effi wieder in Berlin, und Innstetten empfing sie am Bahnhof, mit ihm Rollo, der, als sie plaudernd durch den Tiergarten hinfuhren, nebenher trabte. »Ich dachte schon, du würdest nicht Wort halten.« »Aber Geert, ich werde doch Wort halten, das ist...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 232
    in seiner landrätlichen Stellung geführt, ein gesellschaftlich angeregteres folgen zu lassen, um seinet- und noch mehr um Effis willen; es ließ sich aber anfangs nur schwach und vereinzelt damit an, die rechte Zeit war noch nicht gekommen, und das Beste, was man zunächst von dem neuen Leben hatte...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 233
    Tenor.« Innstetten bestätigte das eine wie das andere, und Effi suchte lachend darauf einzugehen, aber es gelang ihr nur mit Anstrengung, und wenn dann die Gäste gingen und Innstetten sich in sein Zimmer zurückzog, um noch einen Stoß Akten abzuarbeiten, so fühlte sie sich immer aufs neue von den...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 234
    mitunter darüber und sagte: »Ja, Innstetten, wenn das so weitergeht, so wird Annie seinerzeit wohl einen Bankier heiraten (hoffentlich einen christlichen, wenn's deren dann noch gibt), und mit Rücksicht auf das alte freiherrliche Geschlecht der Innstetten wird dann Seine Majestät Annies Haute-fin...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 235
    gemeinschaftliche Tage in Ems werde verzichten müssen. Im übrigen wurde der 24. Juni (Johannistag) als Abreisetag festgesetzt, und Roswitha half der gnädigen Frau beim Packen und Aufschreiben der Wäsche. Effi hatte noch immer die alte Liebe für sie, war doch Roswitha die einzige, mit der sie von ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 236
    Effi war nun schon in die fünfte Woche fort und schrieb glückliche, beinahe übermütige Briefe, namentlich seit ihrem Eintreffen in Ems, wo man doch unter Menschen sei, das heißt unter Männern, von denen sich in Schwalbach nur ausnahmsweise was gezeigt habe. Geheimrätin Zwicker, ihre Reisegefährti...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 237
    des Dienstes nicht bloß »immer gleichgestellte«, sondern jetzt, wo jeder Ministerialrat fort war oder fort wollte, leider auch auf Doppelstunden gestellte Uhr. Ja, Innstetten sehnte sich nach Unterbrechung von Arbeit und Einsamkeit, und verwandte Gefühle hegte man draußen in der Küche, wo Annie,...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 238
    hält, so kann dergleichen nicht vorkommen.« Das alles dachte sie, sprach's aber nicht aus. Es war eben ein freundliches Miteinanderleben. Was aber wohl ganz besonders für Frieden und gutes Einvernehmen sorgte, das war der Umstand, daß man sich nach einem stillen Übereinkommen in die Behandlung un...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 239
    Ist endlich von ihm genommen, Und Roswitha lacht und Johanna dazu, Und Annie springt aus ihrem Schuh Und ruft: willkommen, willkommen. Es versteht sich von selbst, daß die Strophe noch an demselben Abend auswendig gelernt, aber doch nebenher auch auf ihre Schönheit beziehungsweise Nichtschönheit...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 240
    wollen nach dem gnädigen Herrn schicken ... des Portiers Lene muß ja jetzt auch aus der Schule wieder da sein.« Es wurde aber alles wieder verworfen, weil es zu lange dauere, man müsse gleich was tun, und so packte man denn das Kind aufs Sofa und begann mit kaltem Wasser zu kühlen. Alles ging auc...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 241
    »trotzdem, Roswitha, wir müssen sehen, daß Rummschüttel kommt. Lene kann ja gehen, die wird jetzt Zeit haben. Aber was in aller Welt ist denn das da mit dem Nähtisch?« Und nun erzählte Roswitha, wie sie nach der gerollten Binde gesucht hätten; aber sie wolle es nun aufgeben und lieber eine neue ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 242
    nach dem zweiten Gericht ihrem Anniechen zuflüsterte, es gäbe noch was. Und wirklich, die gute Roswitha, die dem Liebling an diesem Unglückstag was schuldig zu sein glaubte, hatte noch ein übriges getan und sich zu einer Omelette mit Apfelschnitten aufgeschwungen. Annie wurde bei diesem Anblicke...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 243
    Schriftzüge schon irgendwo gesehen. Ob er nachsehen solle? »Johanna, Sie könnten uns den Kaffee bringen. Annie trinkt auch eine halbe Tasse. Der Doktor hat's nicht verboten, und was nicht verboten ist, ist erlaubt.« Als er das sagte, wand er den roten Faden ab und ließ, während Johanna das Zimm...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 244
    damals, als man den Wichertschen »Schritt vom Wege« aufgeführt hatte, für die verschiedenen Mitspielenden angefertigt waren. Innstetten drehte den Schirm langsam von links nach rechts und musterte jedes einzelne Bildnis. Dann ließ er ab davon, öffnete, weil er es schwül fand, die Balkontür und na...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 245
    »Pardon, Wüllersdorf«, empfing ihn Innstetten, »daß ich Sie gebeten habe, noch gleich heute bei mir vorzusprechen. Ich störe niemand gern in seiner Abendruhe, am wenigsten einen geplagten Ministerialrat. Es ging aber nicht anders. Ich bitte Sie, machen Sie sich's bequem. Und hier eine Zigarre.« ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 246
    auf Sie machten. Es gibt eine Verjährungstheorie, natürlich, aber ich weiß doch nicht, ob wir hier einen Fall haben, diese Theorie gelten zu lassen.« »Ich weiß es auch nicht«, sagte Wüllersdorf. »Und ich bekenne Ihnen offen, um diese Frage scheint sich hier alles zu drehen.« Innstetten sah ihn ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 247
    eines ihr eigenen heiteren Scharmes, daß ich mich, mir selbst zum Trotz, in meinem letzten Herzenswinkel zum Verzeihen geneigt fühle.« Wüllersdorf nickte. »Kann ganz folgen, Innstetten, würde mir vielleicht ebenso gehen. Aber wenn Sie so zu der Sache stehen und mir sagen: 'Ich liebe diese Frau s...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 248
    oder dergleichen, und um eines Glückes willen, das mir genommen wurde, mag ich nicht Blut an den Händen haben; aber jenes, wenn Sie wollen, uns tyrannisierende Gesellschafts-Etwas, das fragt nicht nach Scharm und nicht nach Liebe und nicht nach Verjährung. Ich habe keine Wahl. Ich muß.« »Ich wei...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 249
    bleibt es, von diesem Augenblick an ein Gegenstand Ihrer Teilnahme (schon nicht etwas sehr Angenehmes), und jedes Wort, das Sie mich mit meiner Frau wechseln hören, unterliegt Ihrer Kontrolle, Sie mögen wollen oder nicht, und wenn meine Frau von Treue spricht oder, wie Frauen tun, über eine ander...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 250
    Dampfschiff, dessen erstes Läuten Innstetten schon hörte, als er die letzten Stufen der vom Bahndamm hinabführenden Treppe erreicht hatte. Der Weg bis zur Anlegestelle war keine drei Minuten; er schritt darauf zu und begrüßte den Kapitän, der etwas verlegen war, also im Laufe des gestrigen Tages ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 251
    bedenkt, daß Kessin ein Nest ist, ist es erstaunlich, ein so gutes Hotel hier zu finden. Ich bezweifle nicht, daß mein Freund, der Oberkellner, drei Sprachen spricht; seinem Scheitel und seiner ausgeschnittnen Weste nach können wir dreist auf vier rechnen ... Jean, bitte, wollen Sie uns Kaffee un...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 252
    nannte zwei, drei Adlige aus der Nähe, ließ sie dann aber wieder fallen, sie seien zu alt und zu fromm, er werde nach Treptow hin telegrafieren an seinen Freund Buddenbrook. Und der ist auch gekommen, famoser Mann, schneidig und doch zugleich wie ein Kind. Er konnte sich nicht beruhigen und ging ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 253
    oben sein! Und das Gefühl des Unheimlichen, das Innstetten an Effi so oft bekämpft oder auch wohl belächelt hatte, jetzt überkam es ihn selbst, und er war froh, als sie dran vorüber waren. »Da hab ich gewohnt«, sagte er zu Wüllersdorf. »Es sieht sonderbar aus, etwas öd und verlassen.« »Mag auc...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 254
    Buddenbrook und mit ihnen den guten Doktor Hannemann, der seinen Hut in der Hand hielt, so daß das weiße Haar im Winde flatterte. Innstetten und Wüllersdorf gingen die Sandschlucht hinauf, Buddenbrook kam ihnen entgegen. Man begrüßte sich, worauf beide Sekundanten beiseite traten, um noch ein ku...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 255
    kann nicht hinfällig werden von heute auf morgen. Schuld verlangt Sühne; das hat einen Sinn. Aber Verjährung ist etwas Halbes, etwas Schwächliches, zum mindesten was Prosaisches.« Und er richtete sich an dieser Vorstellung auf und wiederholte sich's, daß es gekommen sei, wie's habe kommen müssen....
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 256
    verbrennen, und die Welt durfte nie davon erfahren. Und wenn sie dann kam, ahnungslos, so mußte ich ihr sagen: 'Da ist dein Platz', und mußte mich innerlich von ihr scheiden. Nicht vor der Welt. Es gibt so viele Leben, die keine sind, und so viele Ehen, die keine sind ... dann war das Glück hin, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 257
    eingetroffen. Eine Welt von Dingen erlebt: Schmerzliches, Rührendes; Gieshübler an der Spitze. Der liebenswürdigste Bucklige, den ich je gesehen. Von Ihnen sprach er nicht allzuviel, aber die Frau, die Frau! Er konnte sich nicht beruhigen, und zuletzt brach der kleine Mann in Tränen aus. Was alle...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 258
    Vertrauensperson gewesen zu sein, sich doch als die Eingeweihtere zeigen sollte. Der Portier unten hatte nämlich, so ziemlich um dieselbe Zeit, wo dies spielte, Roswitha in seine kleine Stube hineingerufen und ihr gleich beim Eintreten ein Zeitungsblatt zum Lesen zugeschoben. »Da, Roswitha, das i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 259
    »Ja, Roswitha, was denken Sie sich eigentlich? Soll er nicht tot sein? Oder soll lieber unser gnädiger Herr tot sein?« »Nein, Johanna, unser gnäd'ger Herr, der soll auch leben, alles soll leben. Ich bin nicht für Totschießen und kann nicht mal das Knallen hören. Aber bedenken Sie doch, Johanna, ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 260
    vorkommt, dann geht es nicht anders, und dann kommt das, was man eine Forderung nennt, und dann wird einer totgeschossen.« »Ach, das weiß ich auch; ich bin nicht so dumm, wie Sie mich immer machen wollen. Aber wenn es so lange her ist ...« »Ja, Roswitha, mit Ihrem ewigen 'so lange her'; daran si...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 261
    Johanna, daß Sie in den gnäd'gen Herrn verliebt sind.« Johanna schlug eine krampfhafte Lache auf. »Ja, lachen Sie nur. Ich seh es schon lange. Sie haben so was. Und ein Glück, daß unser gnäd'ger Herr keine Augen dafür hat ... Die arme Frau, die arme Frau.« Johanna lag daran, Frieden zu schließe...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 262
    keinen Brief habe; er schreibt sonst täglich. Ob Annie krank ist? Oder er selbst?« Die Zwicker lächelte: »Sie werden erfahren, liebe Freundin, daß er gesund ist, ganz gesund.« Effi fühlte sich durch den Ton, in dem dies gesagt wurde, wenig angenehm berührt und schien antworten zu wollen, aber i...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 263
    »Doch nicht, liebe Freundin, oder ich finde mich wenigstens wieder zurück. Ich wollte sagen, daß mich diese Afra ganz ungemein an die stattliche Person erinnert, die ich in Ihrem Hause ...« »Ja, Sie haben recht. Es ist eine Ähnlichkeit da. Nur, unser Berliner Hausmädchen ist doch erheblich hübsc...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 264
    »Das ist schon recht, liebe Freundin, was Sie da von den Geheimräten sagen. Innstetten hat sich auch dergleichen angewöhnt, lacht aber immer, wenn ich ihn daraufhin ansehe, und entschuldigt sich hinterher wegen der Aktenausdrücke. Ihr Herr Gemahl war freilich schon länger im Dienst und überhaupt ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 265
    alles zurück. Aber da gibt es Außengebiete. Haben Sie von Landpartien gehört?« »Gewiß. Und ich wollte wohl, Innstetten hätte mehr Sinn dafür ...« »Überlegen Sie sich das, liebe Freundin. Zwicker saß immer in Saatwinkel. Ich kann Ihnen nur sagen, wenn ich das Wort höre, gibt es mir noch jetzt ei...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 266
    Tagen: 'Glaube mir, Sophie, Saturn frißt seine Kinder.' Und Zwicker, welche Mängel und Gebrechen er haben mochte, das bin ich ihm schuldig, er war ein philosophischer Kopf und hatte ein natürliches Gefühl für historische Entwicklung ... Aber ich sehe, meine liebe Frau von Innstetten, so artig sie...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 267
    Antwort und bat nur, ihr ein Glas Wasser reichen zu wollen. Als sie getrunken, sagte sie: »Es wird vorübergehen, liebe Geheimrätin, aber ich möchte mich doch einen Augenblick zurückziehen ... Wenn Sie mir Afra schicken könnten.« Und nun erhob sie sich und trat in den Salon zurück, wo sie sichtli...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 268
    wird man dem Vater lassen. Natürlich. Ich bin schuldig, und eine Schuldige kann ihr Kind nicht erziehen. Und wovon auch? Mich selbst werde ich wohl durchbringen. Ich will sehen, was die Mama darüber schreibt, wie sie sich mein Leben denkt.« Und unter diesen Worten nahm sie den Brief wieder, um a...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 269
    die Geheimrätin. »Darf ich eintreten?« »Gewiß, liebe Geheimrätin«, sagte Effi, die jetzt, leicht zugedeckt und die Hände gefaltet, auf dem Sofa lag. »Ich bin erschöpft und habe mich hier eingerichtet, so gut es ging. Darf ich Sie bitten, sich einen Stuhl zu nehmen.« Die Geheimrätin setzte sich...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 270
    Siebenuhrzug fort.« »Heute noch? Ach, gnädigste Frau, das ist doch aber schade. Nun fangen ja die schönen Tage erst an.« Effi lächelte. Die Zwicker, die noch allerlei zu hören hoffte, hatte sich nur mit Mühe bestimmen lassen, der »Frau Baronin« beim Abschied nicht das Geleit zu geben. Auf eine...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 271
    »Alles in allem war sie sehr zu leiden, artig, anscheinend offen, ohne jeden Adelsdünkel (oder doch groß in der Kunst, ihn zu verbergen) und immer interessiert, wenn man ihr etwas Interessantes erzählte, wovon ich, wie ich Dir nicht zu versichern brauche, den ausgiebigsten Gebrauch machte. Nochma...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 272
    nun mal ist, meinen einzigen Trost darin, mich in der Sache selbst nicht getäuscht zu haben. Und der Fall lag nicht so ganz gewöhnlich. Ein schwächerer Diagnostiker hätte sich doch vielleicht hinters Licht führen lassen. Wie immer Deine Sophie.« Zweiunddreißigstes Kapitel Drei Jahre waren ve...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 273
    Fenster führe. Wieder ganz herrlich heute. Sehen Sie doch nur die verschiedenen Bahndämme, drei, nein, vier, und wie es beständig darauf hin und her gleitet ... und nun verschwindet der Zug da wieder hinter einer Baumgruppe. Wirklich herrlich. Und wie die Sonne den weißen Rauch durchleuchtet! Wär...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 274
    Straße wohnte. Schon drei Tage vor diesem Einzug hatte sich Roswitha bei ihrer lieben gnädigen Frau sehen lassen, und das war ein großer Tag für beide gewesen, so sehr, daß dieses Tages hier noch nachträglich gedacht werden muß. Effi hatte damals, als der elterliche Absagebrief aus Hohen-Cremmen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 275
    raubte, war nur zu gewiß, und so sah sie sich, aus diesem äußerlichen Grunde, sehr bald schon zur Aus- und Umschau nach einer anderen Wohnung gezwungen, die sie denn auch in verhältnismäßiger Nähe fand. Es war dies die vorgeschilderte Wohnung in der Königgrätzer Straße. Sie sollte dieselbe zu Beg...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 276
    und erzähle mir ... Ach, ich habe solche Sehnsucht. Was macht Annie?« Roswitha konnte kaum reden und sah sich in dem sonderbaren Zimmer um, dessen grau und verstaubt aussehende Wände in schmale Goldleisten gefaßt waren. Endlich aber fand sie sich und sagte, daß der gnädige Herr nun wieder aus Gl...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 277
    'Nun, Roswitha, gehe da hinüber und hole uns eine Karaffe Spatenbräu, denn wenn man gearbeitet hat, dann will man doch auch trinken, und wenn du kannst, so bring uns auch etwas Gutes aus dem Habsburger Hof mit, du kannst ja das Geschirr nachher wieder herüberbringen' - ja, Roswitha, wenn ich mir ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 278
    weißt, von Hohen-Cremmen her. Meine Eltern sind sehr gut gegen mich, soweit sie's können, aber sie sind nicht reich. Und nun sage, was meinst du?« »Daß ich nächsten Sonnabend mit meinem Koffer anziehe, nicht am Abend, sondern gleich am Morgen, und daß ich da bin, wenn das Einrichten losgeht. Den...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 279
    in der Königgrätzer Straße, darin es ihr von Anfang an gefiel. Umgang fehlte freilich, aber sie hatte während ihrer Pensionstage von dem Verkehr mit Menschen so wenig Erfreuliches gehabt, daß ihr das Alleinsein nicht schwerfiel, wenigstens anfänglich nicht. Mit Roswitha ließ sich allerdings kein ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 280
    »Ja, gnädige Frau, dann sollten Sie mal hineingehen. Einmal waren Sie ja schon drüben.« »O schon öfters. Aber ich habe nicht viel davon gehabt. Er predigt ganz gut und ist ein sehr kluger Mann, und ich wäre froh, wenn ich das Hundertste davon wüßte. Aber es ist doch alles bloß, wie wenn ich ein ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 281
    schlimm, daß du recht hast, und ich sehe daran, daß ich noch zu viel von dem alten Menschen in mir habe und daß es mir noch zu gut geht.« Davon wollte aber Roswitha nichts wissen. »Wer so gut ist wie gnädige Frau, dem kann es gar nicht zu gut gehen. Und Sie müssen nur nicht immer so was Traurige...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 282
    sehnte sie sich danach, Annie wiederzusehen. Es war doch ihr Kind, und wenn sie dem nachhing und sich gleichzeitig der Trippelli erinnerte, die mal gesagt hatte, die Welt sei so klein, und in Mittelafrika könne man sicher sein, plötzlich einem alten Bekannten zu begegnen, so war sie mit Recht ver...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 283
    daß Mutter und Tochter keine Wiedersehensszene gefeiert hatten, und ließ sich nur ungern überzeugen, daß das in Gegenwart so vieler Menschen nicht wohl angegangen sei. Dann mußte Effi erzählen, wie Annie ausgesehen habe, und als sie das mit mütterlichem Stolz getan, sagte Roswitha: »Ja, sie ist s...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 284
    Crampas. Nein, an Innstetten schreiben, das ging nicht; aber Annie wollte sie sehen und sprechen und an ihr Herz drücken, und nachdem sie's tagelang überlegt hatte, stand ihr fest, wie's am besten zu machen sei. Gleich am andern Vormittag kleidete sie sich sorgfältig in ein dezentes Schwarz und...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 285
    drei Tagen habe ich sie wiedergesehen.« Und nun schilderte Effi mit großer Lebendigkeit die Begegnung, die sie mit Annie gehabt hatte. »Vor meinem eigenen Kinde auf der Flucht. Ich weiß wohl, man liegt, wie man sich bettet, und ich will nichts ändern in meinem Leben. Wie es ist, so ist es recht; ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 286
    »So meinen Exzellenz vielleicht, es wäre besser, meine Bitte zurückzunehmen?« »Doch nicht. Ich wollte nur das Tun Ihres Herrn Gemahls erklären, um nicht zu sagen rechtfertigen, und wollte zugleich die Schwierigkeiten andeuten, auf die wir aller Wahrscheinlichkeit nach stoßen werden. Aber ich den...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 287
    Jahr würden die Fenster wohl ganz zugewachsen sein, von dem Portier, der den Gashahn wieder so schlecht zugeschraubt habe (sie würden doch noch nächstens in die Luft fliegen), und daß sie das Petroleum doch lieber wieder aus der großen Lampenhandlung Unter den Linden als aus der Anhaltstraße hole...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 288
    wild und ausgelassen beim Spielen. Das hast du von deiner Mama, die war auch so. Und in der Schule? Ich denke mir, du bist immer die Erste, du siehst mir so aus, als müßtest du eine Musterschülerin sein und immer die besten Zensuren nach Hause bringen. Ich habe auch gehört, daß dich das Fräulein ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 289
    in der Sonne.« »Das glaub ich. So war er schon, als du noch ganz klein warst ... Und nun sage mir, Annie - denn heute haben wir uns ja bloß so mal wiedergesehen -, wirst du mich öfter besuchen?« »O gewiß, wenn ich darf.« »Wir können dann in dem Prinz Albrechtschen Garten spazierengehen.« »O g...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 290
    Kind, ich war alt genug, um zu wissen, was ich tat. Ich hab es auch gewußt, und ich will meine Schuld nicht kleiner machen, ... aber das ist zuviel. Denn das hier, mit dem Kinde, das bist nicht du, Gott, der mich strafen will, das ist er, bloß er! Ich habe geglaubt, daß er ein edles Herz habe, un...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 291
    geben wußte, tat Effi wohl, und sie war ruhig, solange Rummschüttel um sie war. Als er schließlich ging, begleitete Roswitha den alten Herrn bis in den Vorflur und sagte: »Gott, Herr Geheimrat, mir ist so bange; wenn es nu mal wiederkommt, und es kann doch; Gott - da hab' ich ja keine ruhige Stun...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 292
    Ich habe so viel vom Leben gesehen ... aber nichts mehr in diesem Sinne. Mit der Bitte, mich Ihrem Herrn Gemahl empfehlen zu wollen, in vorzüglicher Ergebenheit Doktor Rummschüttel.« Frau von Briest hatte den Brief ihrem Manne vorgelesen; beide saßen auf dem schattigen Steinfliesengang, den Garte...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 293
    will, kann auch ein Auge zudrücken. Und ich stehe so zu der Sache: Kommen die Rathenower, so ist es gut, und kommen sie nicht, so ist es auch gut. Ich werde ganz einfach telegrafieren: 'Effi komm.' Bist du einverstanden?« Sie stand auf und gab ihm einen Kuß auf die Stirn. »Natürlich bin ich's. Du...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 294
    Menschen empfand. - Von Innstetten und Annie war nie die Rede, wiewohl feststand, daß Annie Erbtochter sei und Hohen-Cremmen ihr zufallen würde. Ja, Effi lebte wieder auf, und die Mama, die nach Frauenart nicht ganz abgeneigt war, die ganze Sache, so schmerzlich sie blieb, als einen interessanten...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 295
    traurigen Tage. Sie bildete statt dessen die Kunst aus, still und entzückt auf die Natur zu blicken, und wenn das Laub von den Platanen fiel, wenn die Sonnenstrahlen auf dem Eis des kleinen Teiches blitzten oder die ersten Krokus aus dem noch halb winterlichen Rondell aufblühten - das tat ihr woh...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 296
    Widerwillen gegen die Wenden.« »Ach, gnäd'ge Frau verzeihen. Aber das waren ja keine Wenden. Das mit den Opfersteinen und mit dem Herthasee, das war ja schon viel, viel früher, ganz vor Christum natum; reine Germanen, von denen wir alle abstammen ...« »Versteht sich«, lachte Effi, »von denen wi...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 297
    Mitunter ist es recht viel, und mitunter ist es recht wenig.« »Das ist recht, Freund, das gefällt mir; mehr brauch' ich nicht zu wissen.« Und als sie das so sagte, waren sie bis an die Schaukel gekommen. Sie sprang hinauf mit einer Behendigkeit wie in ihren jüngsten Mädchentagen, und ehe sich no...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 298
    Hustenmittel, nach denen Effi verlangte, konnten ihr des Fiebers halber nicht gegeben werden. »Doktor«, sagte der alte Briest, »was wird aus der Geschichte? Sie kennen sie ja von klein auf, haben sie geholt. Mir gefällt das alles nicht; sie nimmt sichtlich ab, und die roten Flecke und der Glanz ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 299
    euch. Ihr verwöhnt mich und räumt mir alles aus dem Wege. Aber auf einer Reise, da geht das nicht, da läßt sich das Unangenehme nicht so beiseite tun; mit dem Schaffner fängt es an, und mit dem Kellner hört es auf. Wenn ich mir die süffisanten Gesichter bloß vorstelle, so wird mir schon ganz heiß...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 300
    umher.« Das machte doch einen Eindruck auf Effi, die an Gefahr nie gedacht hatte, und als sie mit Roswitha allein war, sagte sie: »Dich kann ich nicht gut mitnehmen, Roswitha; du bist zu dick und nicht mehr fest auf den Füßen.« »Nu, gnäd'ge Frau, so schlimm ist es doch noch nicht. Ich könnte ja...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 301
    erbrechen. »Mein lieber Innstetten! Ich freue mich, Ihnen mitteilen zu können, daß Seine Majestät Ihre Ernennung zu unterzeichnen geruht haben, und gratuliere Ihnen aufrichtig dazu.« Innstetten war erfreut über die liebenswürdigen Zeilen des Ministers, fast mehr als über die Ernennung selbst. Den...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 302
    glücklichen Tage sprechen.« In einer Stimmung, die derlei schmerzlichen Betrachtungen nachhing, war Innstetten auch heute wieder. Er nahm nun den zweiten Brief. Als er ihn gelesen, fuhr er über seine Stirn und empfand schmerzlich, daß es ein Glück gebe, daß er es gehabt, aber daß er es nicht mehr...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 303
    gnäd'ge Frau möchte es doch so gern. Sie sagt immer, wenn sie ins Luch oder über Feld geht: 'Ich fürchte mich eigentlich, Roswitha, weil ich da so allein bin; aber wer soll mich begleiten? Rollo, ja, das ginge; der ist mir auch nicht gram. Das ist der Vorteil, daß sich die Tiere nicht so drum küm...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 304
    selber so was an den Fingerspitzen hat, dann muß man wenigstens vor seinen zu bekehrenden Confratres den wahnsinnigen Büßer spielen und eine Riesenzerknirschung zum besten geben können.« Wüllersdorf nickte. Nun, sehen Sie, Sie nicken. Aber das alles kann ich nicht mehr. Den Mann im Büßerhemd br...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 305
    blühen oder das Luisendenkmal in Blumen steht oder die kleinen Mädchen mit hohen Schnürstiefeln über die Korde springen. Oder auch wohl nach Potsdam fahren und in die Friedenskirche gehen, wo Kaiser Friedrich liegt und wo sie jetzt eben anfangen, ihm ein Grabhaus zu bauen. Und wenn Sie da stehen,...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 306
    da verschiedene Stammgäste, Frühschoppler, deren Namen ich klüglich verschweige. Der eine erzählt dann vom Herzog von Ratibor, der andere vom Fürstbischof Kopp und der dritte wohl gar von Bismarck. Ein bißchen fällt immer ab. Dreiviertel stimmt nicht, aber wenn es nur witzig ist, krittelt man nic...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 307
    beruhigte sich erst, wenn sie zwischen den ersten Feldern waren. Effi, der freie Luft noch mehr galt als landschaftliche Schönheit, vermied die kleinen Waldpartien und hielt meist die große, zunächst von uralten Rüstern und dann, wo die Chaussee begann, von Pappeln besetzte große Straße, die nach...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 308
    Glück. Und du sollst sehen, wir werden schon etwas finden für dich.« »Ihr seid so gut. Und eigentlich hab ich doch auch euer Leben geändert und euch vor der Zeit zu alten Leuten gemacht.« »Ach, meine liebe Effi, davon sprich nicht. Als es kam, da dacht ich ebenso. Jetzt weiß ich, daß unsere Stil...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 309
    Tage danach, es war noch nicht spät und die zehnte Stunde noch nicht heran, da kam Roswitha nach unten und sagte zu Frau von Briest: »Gnädigste Frau, mit der gnädigen Frau oben ist es schlimm; sie spricht immer so still vor sich hin, und mitunter ist es, als ob sie bete, sie will es aber nicht wa...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 310
    erzählen.« »Ja, das wollte ich, weil du davon sprachst, ich sei noch so jung. Freilich bin ich noch jung. Aber das schadet nichts. Es war noch in glücklichen Tagen, da las mir Innstetten abends vor; er hatte sehr viele Bücher, und in einem hieß es: Es sei wer von einer fröhlichen Tafel abgerufen...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 311
    Krankheitstagen, die doch fast meine schönsten gewesen sind, wie mir hier klargeworden, daß er in allem recht gehandelt. In der Geschichte mit dem armen Crampas - ja, was sollte er am Ende anders tun? Und dann, womit er mich am tiefsten verletzte, daß er mein eigen Kind in einer Art Abwehr gegen ...
  • Theodor Fontane: Effi Briest: Leseprobe 312
    Ja, gestern war die Marmorplatte gekommen und aufgelegt worden, und angesichts der Stelle saßen nun wieder Briest und Frau und sahen darauf hin und auf den Heliotrop, den man geschont und der den Stein jetzt einrahmte. Rollo lag daneben, den Kopf in die Pfoten gesteckt. Wilke, dessen Gamaschen im...