Leseproben aus Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft

  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 1
    Baco de Verulamio Instauratio magna. Praefatio. De nobis ipsis silemus: De re autem, quae agitur, petimus: ut homines eam non Opinionem, sed Opus esse cogitent; ac pro certo habeant, non Sectae nos alicuius, aut Placiti, sed utilitatis et amplitudinis humanae fundamenta moliri. Deinde ut suis c...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 2
    noch nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen, sondern ein blosses Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die Vernunft, diesen Weg womoeglich ausfindig zu machen, sollte auch manches als vergeblich aufgegeben werden muessen, was in dem ohne Ueberlegung vorher genommene...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 3
    nichts weiter, als sich selbst und seiner Form, zu tun hat. Weit schwerer musste es natuerlicherweise fuer die Vernunft sein, den sicheren Weg der Wissenschaft einzuschlagen, wenn sie nicht bloss mit sich selbst, sondern auch mit Objekten zu schaffen hat; daher jene auch als Propaedeutik gleichsa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 4
    treffen, oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich, dass es lange mit ihr (vornehmlich noch unter den Aegyptern) beim Herumtappen geblieben ist, und diese Umaenderung einer Revolution zuzuschreiben sei, die der glueckliche Einfall eines einzigen Mannes in einem Versuche zustande br...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 5
    derselben war, mehr belebte, welche eben sowohl durch eine schnell vorgegangene Revolution der Denkart erklaert werden kann. Ich will hier nur die Naturwissenschaft, so fern sie auf empirische Prinzipien gegruendet ist, in Erwaegung ziehen. Als Galilei seine Kugeln die schiefe Flaeche mit einer ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 6
    da sie so viel Jahrhunderte durch nichts weiter als ein blosses Herumtappen gewesen war. * Ich folge hier nicht genau dem Faden der Geschichte der Experimentalmethode, deren erste Anfaenge auch nicht wohl bekannt sind. Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen Vernunfterkenntnis, die s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 7
    Wissbegierde nicht bloss verlaesst, sondern durch Vorspiegelungen hinhaelt und am Ende betruegt! Oder ist er bisher nur verfehlt; welche Anzeige koennen wir benutzen, um bei erneuertem Nachsuchen zu hoffen, dass wir gluecklicher sein werden, als andere vor uns gewesen sind? Ich sollte meinen, di...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 8
    wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie Erkenntnisse werden sollen, nicht stehen bleiben kann, sondern sie als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und diesen durch jene bestimmen muss, so kann ich entweder annehmen, die Begriffe, wodurch ich diese Besti...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 9
    dieselben Gegenstaende einerseits als Gegenstaende der Sinne und des Verstandes fuer die Erfahrung, andererseits aber doch als Gegenstaende, die man bloss denkt, allenfalls fuer die isolierte und ueber Erfahrungsgrenze hinausstrebende Vernunft, mithin von zwei verschiedenen Seiten betrachtet werd...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 10
    zu allem Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als vollendet verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere Erfahrungserkenntnis richte sich nach den Gegenstaenden als Dingen an sich selbst, dass das Unbedingte ohne Widerspruch gar nicht gedacht werden koenne; dagegen, wenn man an...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 11
    Unbedingten und findet, dass diese Einhelligkeit niemals anders, als durch jene Unterscheidung herauskomme, welche also die wahre ist. ** So verschafften die Zentralgesetze der Bewegung der Himmelskoerper dem, was Kopernikus, anfaenglich nur als Hypothese annahm, ausgemachte Gewissheit und bewie...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 12
    Erkenntnisprinzipien eine ganz abgesonderte, fuer sich bestehende Einheit ist, in welcher ein jedes Glied, wie in einem organisierten Koerper, um aller anderen und alle um eines willen da sind, und kein Prinzip mit Sicherheit in einer Beziehung genommen werden kann, ohne es zugleich in der durchg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 13
    unausbleiblichen Erfolg haben, indem sie wirklich die Grenzen der Sinnlichkeit, zu der sie eigentlich gehoeren, ueber alles zu erweitern und so den reinen (praktischen) Vernunftgebrauch gar zu verdraengen drohen. Daher ist eine Kritik, welche die erstere einschraenkt, sofern zwar negativ, aber, i...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 14
    erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch unsere Kritik notwendiggemachte Unterscheidung der Dinge als Gegenstaende der Erfahrung, von eben denselben, als Dingen an sich selbst, waere gar nicht gemacht, so musste der Grundsatz der Kausalitaet und mithin der Naturmechanismus in Bestimmung ders...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 15
    davon enthaelt wenigstens keinen Widerspruch in sich, wenn unsere kritische Unterscheidung beider (der sinnlichen und intellektuellen) Vorstellungsarten und die davon herruehrende Einschraenkung der reinen Verstandesbegriffe, mithin auch der aus ihnen fliessenden Grundsaetze, statt hat. Gesetzt n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 16
    Tag bloss auf Gegenstaende moeglicher Erfahrung reichen, wenn sie gleichwohl auf das angewandt werden, was nicht ein Gegenstand der Erfahrung sein kann, wirklich dieses jederzeit in Erscheinung verwandeln, und so alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft fuer unmoeglich erklaeren. Ich musst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 17
    * Einen Gegenstand erkennen, dazu wird erfordert, dass ich seine Moeglichkeit (es sei nach dem Zeugnis der Erfahrung aus seiner Wirklichkeit, oder a priori durch Vernunft) beweisen koenne. Aber denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur nicht selbst widerspreche, d.i. wenn mein Begriff nur e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 18
    gestellt werden zu koennen, die Hoffnung eines kuenftigen Lebens, in Ansehung des zweiten die blosse klare Darstellung der Pflichten im Gegensatze aller Ansprueche der Neigungen das Bewusstsein der Freiheit, und endlich, was das dritte anlangt, die herrliche Ordnung, Schoenheit und Fuersorge, die...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 19
    fuer allemal dem Skandal vorzubeugen, das ueber kurz oder lang selbst dem Volke aus den Streitigkeiten aufstossen muss, in welche sich Metaphysiker (und als solche endlich auch wohl Geistliche) ohne Kritik unausbleiblich verwickeln, und die selbst nachher ihre Lehren verfaelschen. Durch diese kan...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 20
    der strengsten Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht populaer) ausgefuehrt werden muss; denn diese Forderung an sie, da sie sich anheischig macht, gaenzlich a priori, mithin zu voelliger Befriedigung der spekulativen Vernunft ihr Geschaeft auszufuehren, ist unnachlaesslich. In der Au...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 21
    Publikum vorlegte, teils der Beschaffenheit der Sache selbst, naemlich der Natur einer reinen spekulativen Vernunft, beizumessen ist, die einen wahren Gliederbau enthaelt, worin alles Organ ist, naemlich alles um eines willen und ein jedes Einzelne um aller willen, mithin jede noch so kleine Gebr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 22
    nicht wesentlich zur Vollstaendigkeit des Ganzen gehoert, mancher Leser aber doch ungern missen moechte, indem es sonst in anderer Absicht brauchbar sein kann, hat weggelassen oder abgekuerzt vorgetragen werden muessen, um meiner, wie ich hoffe, jetzt fasslicheren Darstellung Platz zu machen, die...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 23
    ich, wenn ich meinen Plan, die Metaphysik der Natur sowohl als der Sitten, als Bestaetigung der Richtigkeit der Kritik der spekulativen sowohl als praktischen Vernunft, zu liefern, ausfuehren will, mit der Zeit sparsam verfahren, und die Aufhellung sowohl der in diesem Werke anfangs kaum vermeidl...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 24
    Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das Dasein der Dinge ausser uns (von denen wir doch den ganzen Stoff zu Erkenntnissen selbst fuer unseren inneren Sinn her haben) bloss auf Glauben annehmen zu muessen, und, wenn es jemand einfaellt es zu bezweifeln, ihm keinen genugtuende...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 25
    verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn ich mit dem intellektuellen Bewusstsein meines Daseins, in der Vorstellung Ich bin, welche alle meine Urteile und Verstandeshandlungen begleitet, zugleich eine Bestimmung meines Daseins durch intellektuelle Anschauung verbinden koennte, so waere zu de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 26
    zugleich aeusserlich waere. Das Wie? laesst sich hier ebensowenig weiter erklaeren, als wie wir ueberhaupt das Stehende in der Zeit denken, dessen Zugleichsein mit dem Wechselnden den Begriff der Veraenderung hervorbringt. Einleitung I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntn...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 27
    sie nicht unmittelbar aus der Erfahrung, sondern aus einer allgemeinen Regel, die wir gleichwohl selbst doch aus der Erfahrung entlehnt haben, ableiten. So sagt man von jemand, der das Fundament seines Hauses untergrub: er konnte es a priori wissen, dass es einfallen wuerde, d.i. er durfte nicht ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 28
    Ausnahme. Wird also ein Urteil in strengen Allgemeinheit gedacht, d.i. so, dass gar keine Ausnahme als moeglich verstattet wird, so ist es nicht von der Erfahrung abgeleitet, sondern schlechterdings a priori gueltig. Die empirische Allgemeinheit ist also nur eine willkuerliche Steigerung der Guel...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 29
    dieser ihre Unentbehrlichkeit zur Moeglichkeit der Erfahrung selbst, mithin a priori dartun. Denn wo wollte selbst Erfahrung ihre Gewissheit hernehmen, wenn alle Regeln, nach denen sie fortgeht, immer wieder empirisch, mithin zufaellig waeren; daher man diese schwerlich fuer erste Grundsaetze gel...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 30
    Endabsicht fuer viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr zu irren, eher alles wagen, als dass wir so angelegene Untersuchungen aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschaetzung und Gleichgueltigke...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 31
    kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen nur behutsam macht, ohne dass sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik gibt uns ein glaenzendes Beispiel, wie weit wir es, unabhaengig von der Erfahrung, in der Erkenntnis a priori bringen koennen. Nun beschaeftigt sie sich zwar ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 32
    die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklaerungen oder Erlaeuterungen desjenigen sind, was in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen Einsichten gleich geschaetzt werden, wiewohl sie der Materie, oder dem Inhalte nach die Begri...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 33
    hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine Zergliederung desselben haette koennen herausgezogen werden. Z.B. wenn ich sage: alle Koerper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch Urteil. Denn ich darf nicht ueber den Begriff, den ich mit dem Koerper verbinde, hinausgehen,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 34
    Erfahrung zuruecksehe, von welcher ich diesen Begriff des Koerpers abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere jederzeit verknuepft, und fuege also diese als Praedikat zu jenem Begriffe synthetisch hinzu. Es ist also die Erfahrung, worauf sich die Moeglichkeit der Synthesi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 35
    blossen Begriffen, diese zweite Vorstellungen zu der ersteren hinzugefuegt. Nun beruht auf solchen synthetischen d.i. Erweiterungs-Grundsaetzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar hoechst wichtig und noetig, aber nur um zu derjenigen Deut...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 36
    5 nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese einzige Zahl sei, die beide zusammenfasst. Der Begriff von Zwoelf ist keineswegs dadurch schon gedacht, dass ich mir bloss jene Vereinigung von Sieben und Fuenf denk...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 37
    Begriffe der geraden Linie gezogen werden. Anschauung muss also hier zu Hilfe genommen werden, vermittels deren allein die Synthesis moeglich ist. Einige wenige Grundsaetze, welche die Geometer voraussetzen, sind zwar wirklich analytisch und beruhen auf dem Satze des Widerspruchs, sie dienen abe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 38
    den Begriff von der- Materie hinaus, um etwas a priori zu ihm hinzuzudenken, was ich in ihm nicht dachte. Der Satz ist also nicht analytisch, sondern synthetisch und dennoch a priori gedacht, und so in den uebrigen Saetzen des reinen Teils der Naturwissenschaft. 3. In der Metaphysik, wenn man si...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 39
    oder einem genugtuenden Beweise, dass die Moeglichkeit, die sie erklaert zu wissen verlangt, in der Tat gar nicht stattfinde, beruht nun das Stehen und Fallen der Metaphysik. David Hume, der dieser Aufgabe unter allen Philosophen noch am naechsten trat, sie aber sich bei weitem nicht bestimmt gen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 40
    die im Anfange der eigentlichen (empirischen) Physik vorkommen, nachsehen, als den von der Beharrlichkeit derselben Quantitaet Materie, von der Traegheit, der Gleichheit der Wirkung und Gegenwirkung usw., so wird man bald ueberzeugt werden, dass sie eine physicam puram (oder rationalem) ausmachen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 41
    mit Zuverlaessigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte und sichere Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus der obigen allgemeinen Aufgabe fliesst, wuerde mit Recht diese sein: Wie ist Metaphysik als Wissenschaft moeglich? Die Kritik der Vernunft fuehrt also zuletzt notwendig zur Wissensc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 42
    sein, sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Widerstand aeusserlich nicht abhalten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft unentbehrliche Wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen Stamm abhauen, die Wurzel aber nicht ausrotten kann, durch eine andere, der bisherigen ganz e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 43
    synthetische a priori vollstaendig enthalten muesste, so ist sie, soweit es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir die Analysis nur so weit treiben duerfen, als sie unentbehrlich notwendig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum es uns nur zu tun ist, in ihrem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 44
    schaetzen; widrigenfalls beurteilt der unbefugte Geschichtsschreiber und Richter grundlose Behauptungen anderer, durch seine eigenen, die ebenso grundlos sind. Die Transzendental-Philosophie ist die Idee einer Wissenschaft, wozu die Kritik der reinen Vernunft den ganzen Plan architektonisch, d.i...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 45
    voellig rein sei. Daher, obzwar die obersten Grundsaetze der Moralitaet und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse a priori sind, so gehoeren sie doch nicht in die Transzendental-Philosophie, weil sie die Begriffe der Lust und Unlust, der Begierden und Neigungen usw., die insgesamt empirischen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 46
    abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur statt, sofern uns der Gegenstand gegeben wird; dieses aber ist wiederum, uns Menschen wenigstens, nur dadurch moeglich, dass er das Gemuet auf gewisse Weise affiziere. Die Faehigkeit (Rezeptivitaet), Vorstellungen durch die Art, wie wir von Gegensta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 47
    davon zur Empfindung gehoert, als Undurchdringlichkeit, Haerte, Farbe usw. absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen Anschauung noch etwas uebrig, naemlich Ausdehnung und Gestalt. Diese gehoeren zur reinen Anschauung, die a priori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand der Sinne oder Empfin...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 48
    was zur Empfindung gehoert, abtrennen, damit nichts als reine Anschauung und die blosse Form der Erscheinungen uebrigbleibe, welches das einzige ist, das die Sinnlichkeit a priori liefern kann. Bei dieser Untersuchung wird sich finden, dass es zwei reine Formen sinnlicher Anschauung, als Prinzipi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 49
    Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit gewisse Empfindungen auf etwas ausser mich bezogen werden, (d.i. auf etwas in einem anderen Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen damit ich sie als ausser- und nebeneinander, mithin nicht bloss verschieden, sondern als in verschiedene...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 50
    Anschauung und zwar a priori mit apodiktischer Gewissheit abgeleitet. 4. Der Raum wird als eine unendliche gegebene Groesse vorgestellt. Nun muss man zwar einen jeden Begriff als eine Vorstellung denken, die in einer unendlichen Menge von verschiedenen moeglichen Vorstellungen (als ihr gemeinsch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 51
    fern sie, bloss im Subjekte, als die formale Beschaffenheit desselben, von Objekten affiziert zu werden, und dadurch unmittelbare Vorstellung derselben d.i. Anschauung zu bekommen, ihren Sitz hat, also nur als Form des aeusseren Sinnes ueberhaupt. Also macht allein unsere Erklaerung die Moeglich...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 52
    Form dieser Rezeptivitaet, welche wir Sinnlichkeit nennen, ist eine notwendige Bedingung aller Verhaeltnisse, darinnen Gegenstaende als ausser uns angeschaut werden, und, wenn man von diesen Gegenstaenden abstrahiert, eine reine Anschauung, welche den Namen Raum fuehrt. Weil wir die besonderen Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 53
    etwas Aeusseres bezogene Vorstellung, die a priori objektiv heissen koennte. Denn man kann von keiner derselben synthetische Saetze a priori, wie von der Anschauung im Raume, herleiten (Paragraph 3). Daher ihnen, genau zu reden, gar keine Idealitaet zukommt, ob sie gleich darin mit der Vorstellun...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 54
    einer Erfahrung abgezogen worden. Denn das Zugleichsein oder Aufeinanderfolgen wuerde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde laege. Nur unter deren Voraussetzung kann man sich vorstellen, dass einiges zu einer und derselben Zeit (zugleich) ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 55
    5. Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als dass alle bestimmte Groesse der Zeit nur durch Einschraenkungen einer einigen zum Grunde liegenden Zeit moeglich sei. Daher muss die urspruengliche Vorstellung Zeit als uneingeschraenkt gegeben sein. Wovon aber die Teile selbst, und jede G...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 56
    vorhergehen, und a priori durch synthetische Saetze erkannt und angeschaut werden. Diese letztere findet dagegen sehr wohl statt, wenn die Zeit nichts als die subjektive Bedingung ist, unter der alle Anschauungen in uns stattfinden koennen. Denn da kann diese Form der inneren Anschauung vor den G...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 57
    aeusseren Erscheinungen sind im Raume, und nach den Verhaeltnissen des Raumes a priori bestimmt, so kann ich aus dem Prinzip des inneren Sinnes ganz allgemein sagen: alle Erscheinungen ueberhaupt, d.i. alle Gegenstaende der Sinne, sind in der Zeit, und stehen notwendigerweise in Verhaeltnissen de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 58
    gehoerte. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute Realitaet, da sie naemlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen Anschauung Ruecksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich zukommen, koenne...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 59
    anzusehen. Wenn aber ich selbst, oder ein ander Wesen mich, ohne diese Bedingung der Sinnlichkeit, anschauen koennte, so wuerden eben dieselben Bestimmungen, die wir uns jetzt als Veraenderungen vorstellen, eine Erkenntnis geben, in welcher die Vorstellung der Zeit, mithin auch der Veraenderung, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 60
    in dem Gegenstande an sich selbst, sondern im Subjekte, dem derselbe erscheint, gesucht werden muss, gleichwohl aber der Erscheinung dieses Gegenstandes wirklich und notwendig zukommt. Zeit und Raum sind demnach zwei Erkenntnisquellen, aus denen a priori verschiedene synthetische Erkenntnisse ge...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 61
    bestreiten, indem diese a posteriori gar nicht stattfindet, und die Begriffe a priori von Raum und Zeit, dieser Meinung nach, nur Geschoepfe der Einbildungskraft sind, deren Quell wirklich in der Erfahrung gesucht werden muss, aus deren abstrahierten Verhaeltnissen die Einbildung etwas gemacht ha...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 62
    Bestimmungen, mithin Erfahrung erfordert. Paragraph 8. Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Aesthetik I. Zuerst wird es noetig sein, uns so deutlich, als moeglich, zu erklaeren, was in Ansehung der Grundbeschaffenheit der sinnlichen Erkenntnis ueberhaupt unsere Meinung sei, um aller Mi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 63
    anhaengenden Bedingungen, von Raum und Zeit; was die Gegenstaende an sich selbst sein moegen, wuerde uns durch die aufgeklaerteste Erkenntnis der Erscheinung derselben, die uns allein gegeben ist, doch niemals bekannt werden. Dass daher unsere ganze Sinnlichkeit nichts als die verworrene Vorstel...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 64
    betrifft, so dass wir durch die erstere die Beschaffenheit der Dinge an sich selbst nicht bloss undeutlich, sondern gar nicht erkennen, und, sobald wir unsere subjektive Beschaffenheit wegnehmen, das vorgestellte Objekt mit den Eigenschaften, die ihm die sinnliche Anschauung beilegte, ueberall ni...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 65
    Erscheinungen, empirische Objekte,) vorstelle, so ist die Frage von der Beziehung der Vorstellung auf den Gegenstand transzendental, und nicht allein diese Tropfen sind blosse Erscheinungen, sondern selbst ihre runde Gestalt, ja sogar der Raum, in welchen sie fallen, sind nichts an sich selbst, s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 66
    klar, dass aus blossen Begriffen gar keine synthetische Erkenntnis, sondern lediglich analytische erlangt werden kann. Nehmet nur den Satz: dass durch zwei gerade Linien sich gar kein Raum einschliessen lasse, mithin keine Figur moeglich sei, und versucht ihn aus dem Begriff von geraden Linien un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 67
    ganz und gar nichts ueber aeussere Objekte synthetisch ausmachen. Es ist also ungezweifelt gewiss, und nicht bloss moeglich, oder auch wahrscheinlich, dass Raum und Zeit, als die notwendigen Bedingungen aller (aeusseren und inneren) Erfahrung, bloss subjektive Bedingungen aller unserer Anschauung...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 68
    Grunde liegt, enthaelt schon Verhaeltnisse des Nacheinander-, des Zugleichseins und dessen, was mit dem Nacheinandersein zugleich ist (des Beharrlichen). Nun ist das, was, als Vorstellung, vor aller Handlung irgend etwas zu denken, vorhergehen kann, die Anschauung, und, wenn sie nichts als Verhae...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 69
    folglich wie es sich erscheint, nicht wie es ist. III. Wenn ich sage: im Raum und der Zeit stellt die Anschauung, sowohl der aeusseren Objekte, als auch die Selbstanschauung des Gemuets, beides vor, so wie es unsere Sinne affiziert, d.i. wie es erscheint; so will das nicht sagen, dass diese Gege...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 70
    Existenz, die, auf solche Art von der fuer sich bestehenden Realitaet eines Undinges, wie die Zeit, abhaengig gemacht waere, mit dieser in lauter Schein verwandelt werden, eine Ungereimtheit, die sich bisher noch niemand hat zuschulden kommen lassen. * Die Praedikate der Erscheinung koennen dem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 71
    haette: denn, als Bedingungen alles Daseins ueberhaupt, muessten sie es auch vom Dasein Gottes sein. Es bleibt nichts uebrig, wenn man sie nicht zu objektiven Formen aller Dinge machen will, als dass man sie zu subjektiven Formen unserer aeusseren sowohl als inneren Anschauungsart macht, die daru...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 72
    fuer Objekte moeglicher Erfahrung gelten koennen. Der transzendentalen Elementarlehre Zweiter Teil Die transzendentale Logik Einleitung Idee einer transzendentalen Logik I. Von der Logik ueberhaupt Unsere Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemuets, deren die erste ist, die Vors...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 73
    Anschauungen sich verstaendlich zu machen (d.i. sie unter Begriffe zu bringen). Beide Vermoegen, oder Faehigkeiten, koennen auch ihre Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen, und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, dass sie sich vereinigen, kann Erkenntnis entspri...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 74
    werden moegen, weil sie bloss den Verstand unter gewissen Umstaenden seiner Anwendung betreffen, und, um diese zu kennen, Erfahrung erfordert wird. Eine allgemeine, aber reine Logik, hat es also mit lauter Prinzipien a priori zu tun, und ist ein Kanon des Verstandes und der Vernunft, aber nur in ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 75
    Verstandes und der Regeln seines notwendigen Gebrauchs in concreto, naemlich unter den zufaelligen Bedingungen des Subjekts, die diesen Gebrauch hindern oder befoerdern koennen, und die insgesamt nur empirisch gegeben werden. Sie handelt von der Aufmerksamkeit, deren Hindernis und Folgen, dem Urs...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 76
    die den Vorstellungen verschafft werden kann, woher sie auch sonst entsprungen sein moegen. Und hier mache ich eine Anmerkung, die ihren Einfluss auf alle nachfolgenden Betrachtungen erstreckt, und die man wohl vor Augen haben muss, naemlich: dass nicht eine jede Erkenntnis a priori, sondern nur...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 77
    Dialektik Die alte und beruehmte Frage, womit man die Logiker in die Enge zu treiben vermeinte, und sie dahin zu bringen suchte, dass sie sich entweder auf einer elenden Dialexe mussten betreffen lassen, oder ihre Unwissenheit, mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen sollten, ist diese:...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 78
    von der Wahrheit der Erkenntnis der Materie nach laesst sich kein allgemeines Kennzeichen verlangen, weil es in sich selbst widersprechend ist. Was aber das Erkenntnis der blossen Form nach (mit Beiseitesetzung alles Inhalts) betrifft, so ist ebenso klar: dass eine Logik, sofern sie die allgemei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 79
    Gegenstaende zu urteilen, und irgend etwas zu behaupten, ohne von ihnen vorher gegruendete Erkundigung ausser der Logik eingezogen zu haben, um hernach bloss die Benutzung und die Verknuepfung derselben in einem zusammenhaengenden Ganzen nach logischen Gesetzen zu versuchen, noch besser aber, sie...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 80
    Eine solche Unterweisung ist der Wuerde der Philosophie auf keine Weise gemaess. Um deswillen hat man diese Benennung der Dialektik lieber, als eine Kritik des dialektischen Scheins, der Logik beigezaehlt, und als eine solche wollen wir sie auch hier verstanden wissen. IV. Von der Einteilung d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 81
    Gebrauchs gelten laesst, und sich mit dem reinen Verstande allein wagt, synthetisch ueber Gegenstaende ueberhaupt zu urteilen, zu behaupten, und zu entscheiden. Also wuerde der Gebrauch des reinen Verstandes alsdann dialektisch sein. Der zweite Teil der transzendentalen Logik muss also eine Kriti...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 82
    und zu bestimmendes System ausmachen, dessen Vollstaendigkeit und Artikulation zugleich einen Probierstein der Richtigkeit und Echtheit aller hineinpassenden Erkenntnisstuecke abgeben kann. Es besteht aber dieser ganze Teil der transzendentalen Logik aus zwei Buechern, deren das eine die Begriffe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 83
    zusammengesetzten, in Reihen gestellt, die nichts weniger als systematisch, obgleich auf gewisse Weise methodisch zustande gebracht werden. Die Transzendental-Philosophie hat den Vorteil, aber auch die Verbindlichkeit, ihre Begriffe nach einem Prinzip aufzusuchen; weil sie aus dem Verstande, als...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 84
    unmittelbar bezogen wird. So bezieht sich z.B. in dem Urteile: alle Koerper sind veraenderlich, der Begriff des Teilbaren auf verschiedene andere Begriffe; unter diesen aber wird er hier besonders auf den Begriff des Koerpers bezogen, dieser aber auf gewisse uns vorkommende Erscheinungen. Also we...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 85
    1. Quantitaet der Urteile Allgemeine Besondere Einzelne 2. Qualitaet 3. Relation Bejahende Kategorische Verneinende Hypothetische Unendliche Disjunktive 4. Modalitaet Problematische Assertorische Apodiktische Da diese Einteilung in einigen, obg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 86
    Inhalt dieser logischen Bejahung vermittelst eines bloss verneinenden Praedikats, und was diese in Ansehung des gesamten Erkenntnisses fuer einen Gewinn verschafft. Haette ich von der Seele gesagt, sie ist nicht sterblich, so haette ich durch ein verneinendes Urteil wenigstens einen Irrtum abgeha...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 87
    bestraft, enthaelt eigentlich das Verhaeltnis zweier Saetze: Es ist eine vollkommene Gerechtigkeit da, und der beharrlich Boese wird bestraft. Ob beide dieser Saetze an sich wahr seien, bleibt hier unausgemacht. Es ist nur die Konsequenz, die durch dieses Urteil gedacht wird. Endlich enthaelt das...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 88
    als wirklich (wahr) betrachtet wird. Apodiktische, in denen man es als notwendig ansieht*. So sind die beiden Urteile, deren Verhaeltnis das hypothetische Urteil ausmacht, (antecedens und consequens), imgleichen in deren Wechselwirkung das Disjunktive besteht, (Glieder der Einteilung) insgesamt n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 89
    Verstandes, im zweiten der Urteilskraft, im dritten der Vernunft waere. Eine Bemerkung, die erst in der Folge ihre Aufklaerung erwartet. Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe Dritter Abschnitt Paragraph 10. Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien Die allgem...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 90
    ersten Ursprung unserer Erkenntnis urteilen wollen. Die Synthesis ueberhaupt ist, wie wir kuenftig sehen werden, die blosse Wirkung der Einbildungskraft, einer blinden, obgleich unentbehrlichen Funktion der Seele, ohne die wir ueberall gar keine Erkenntnis haben wuerden, der wir uns aber selten ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 91
    in seine Vorstellungen einen transzendentalen Inhalt, weswegen sie reine Verstandesbegriffe heissen, die a priori auf Objekte gehen, welches die allgemeine Logik nicht leisten kann. Auf solche Weise entspringen gerade so viel reine Verstandesbegriffe, welche a priori auf Gegenstaende der Anschau...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 92
    In der Folge glaubte er noch ihrer fuenfe aufgefunden zu haben, die er unter dem Namen der Postpraedikamente hinzufuegte. Allein seine Tafel blieb noch immer mangelhaft. Ausserdem finden sich auch einige modi der reinen Sinnlichkeit darunter, (quando, ubi, situs, imgleichen prius, simul,) auch ei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 93
    Abhandlung geflissentlich, ob ich gleich im Besitz derselben sein moechte. Ich werde diese Begriffe in der Folge bis auf den Grad zergliedern, welcher in Beziehung auf die Methodenlehre, die ich bearbeite, hinreichend ist. In einem System der reinen Vernunft wuerde man sie mit Recht von mir forde...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 94
    sowohl als empirischen), die zweite aber auf die Existenz dieser Gegenstaende (entweder in Beziehung aufeinander oder auf den Verstand) gerichtet sind. Die erste Klasse wuerde ich die der mathematischen, die zweite der dynamischen Kategorien nennen. Die erste Klasse hat, wie man sieht, keine Kor...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 95
    Gemeinschaft, die unter dem dritten Titel befindlich ist, ist die Uebereinstimmung mit der in der Tafel der Logischen Funktionen ihm korrespondierenden Form eines disjunktiven Urteils nicht so in die Augen fallend, als bei den uebrigen. Um sich dieser Uebereinstimmung zu versichern, muss man bem...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 96
    ob sie gleich nicht unter die Kategorien gezaehlt werden, dennoch, nach ihnen, als Begriffe a priori von Gegenstaenden gelten sollten, in welchem Falle sie aber die Zahl der Kategorien vermehren wuerden, welches nicht sein kann. Diese traegt der unter den Scholastikern so berufene Satz vor: quodl...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 97
    Vollkommenheit, die darin besteht, dass umgekehrt diese Vielheit zusammen auf die Einheit des Begriffes zurueckfuehrt, und zu diesem und keinem anderen voellig zusammenstimmt, welches man die qualitative Vollstaendigkeit (Totalitaet) nennen kann. Woraus erhellt, dass diese logischen Kriterien der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 98
    indem sie von beiden Beweis fordern, so nennen sie den ersteren, der die Befugnis, oder auch den Rechtsanspruch dartun soll, die Deduktion. Wir bedienen uns einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes Widerrede, und halten uns auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen Sinn und eingebildete B...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 99
    eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, dass sie sich auf ihre Gegenstaende beziehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben noetig ist, so wird sie jederzeit transzendental sein muessen. Indessen kann man von diesen Begr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 100
    reinen Erkenntnis a priori, naemlich die auf dem transzendentalen Wege eingeraeumt wird, so erhellt dadurch doch eben nicht, dass sie so unumgaenglich notwendig sei. Wir haben oben die Begriffe des Raumes und der Zeit, vermittelst einer transzendentalen Deduktion zu ihren Quellen verfolgt, und ih...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 101
    verfaehrt, und, nachdem er mannigfaltig umhergeirrt hat, doch wieder zu der Unwissenheit zurueckkehren muss, von der er ausgegangen war. Er muss aber auch die unvermeidliche Schwierigkeit zum voraus deutlich einsehen, damit er nicht ueber Dunkelheit klage, wo die Sache selbst tief eingehuellt ist...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 102
    (denn Erfahrungen kann man nicht zum Beweise anfuehren, weil die objektive Gueltigkeit dieses Begriffs a priori muss dargetan werden koennen,) und es ist daher a priori zweifelhaft, ob ein solcher Begriff nicht etwa gar leer sei und ueberall unter den Erscheinungen keinen Gegenstand antreffe. Den...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 103
    moeglich ist, nach der etwas gewoehnlichermassen geschieht, aber niemals, dass der Erfolg notwendig sei: daher der Synthesis der Ursache und Wirkung auch eine Dignitaet anhaengt, die man gar nicht empirisch ausdruecken kann, naemlich, dass die Wirkung nicht bloss zu der Ursache hinzukomme, sonder...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 104
    Bedingung der Sinnlichkeit stimmen also alle Erscheinungen notwendig ueberein, weil sie nur durch dieselbe erscheinen, d.i. empirisch angeschaut und gegeben werden koennen. Nun fraegt es sich, ob nicht auch Begriffe a priori vorausgehen, als Bedingungen, unter denen allein etwas, wenngleich nicht...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 105
    dass er damit Versuche zu Erkenntnissen wagte, die weit ueber alle Erfahrungsgrenze hinausgehen. David Hume erkannte, um das letztere tun zu koennen, sei es notwendig, dass diese Begriffe ihren Ursprung a priori haben muessten. Da er sich aber gar nicht erklaeren konnte, wie es moeglich sei, dass...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 106
    bestimmt angesehen wird. So war die Funktion des kategorischen Urteils die des Verhaeltnisses des Subjekts zum Praedikat, z.B. alle Koerper sind teilbar. Allein in Ansehung des bloss logischen Gebrauchs des Verstandes blieb es unbestimmt, welcher von beiden Begriffen die Funktion des Subjekts, un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 107
    sie ein Aktus seiner Selbsttaendigkeit ist. Man wird hier leicht gewahr, dass diese Handlung urspruenglich einig, und fuer alle Verbindung gleichgeltend sein muesse, und dass die Aufloesung Analysis, die ihr Gegenteil zu sein scheint, sie doch jederzeit voraussetze; denn wo der Verstand vorher ni...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 108
    Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heisst Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein Aktus der Spontaneitaet, d.i. sie kan...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 109
    Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgendeiner synthetischen moeglich*. Der Gedanke: diese in der Anschauung gegebenen Vorstellungen gehoeren mir insgesamt zu, heisst demnach soviel, als ich vereinige sie in einem Selbstbewusstsein, oder kann sie wenigstens darin vereinigen, und ob er g...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 110
    dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und, nach ihr, die Transzendental-Philosophie heften muss, ja dieses Vermoegen ist der Verstand selbst. Dieser Grundsatz, der notwendigen Einheit der Apperzeption, ist nun zwar selbst identisch, mithin ein analytischer Satz, erklaert aber...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 111
    nicht gemein haben, und dadurch nicht in einem Selbstbewusstsein zusammengefasst sein wuerden. * Der Raum und die Zeit und alle Teile derselben sind Anschauungen, mithin einzelne Vorstellungen mit dem Mannigfaltigen, das sie in sich enthalten (siehe die transz. Aesthetik), mithin nicht blosse Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 112
    ein Objekt zu erkennen, sondern unter der jede Anschauung stehen muss, um fuer mich Objekt zu werden, weil auf andere Art, und ohne diese Synthesis, das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewusstsein vereinigen wuerde. Dieser letztere Satz ist, wie gesagt, selbst analytisch, ob er zwar die synthe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 113
    ich mir des Mannigfaltigen als zugleich, oder nacheinander, empirisch bewusst sein koenne, kommt auf Umstaende, oder empirische Bedingungen, an. Daher die empirische Einheit des Bewusstseins, durch Assoziation der Vorstellungen, selbst eine Erscheinung betrifft, und ganz zufaellig ist. Dagegen st...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 114
    reinen Vernunftschlusses, den Schein mehrerer Schlussarten, als des in der ersten Figur, zu erschleichen, so wurde sie doch dadurch allein kein sonderliches Glueck gemacht haben, wenn es ihr nicht gelungen waere, die kategorischen Urteile, als die, worauf sich alle andere muessen beziehen lassen,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 115
    Paragraph 20. Alle sinnlichen Anschauungen stehen unter den Kategorien, als Bedingungen, unter denen allein das Mannigfaltige derselben in ein Bewusstsein zusammenkommen kann Das mannigfaltige in einer sinnlichen Anschauung Gegebene gehoert notwendig unter die urspruengliche synthetische Einheit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 116
    sei, als welche die Kategorie nach dem vorigen Paragraph 20 dem Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung ueberhaupt vorschreibt, und dadurch also, dass ihre Gueltigkeit a priori in Ansehung aller Gegenstaende unserer Sinne erklaert wird, die Absicht der Deduktion allererst voellig erreicht werde...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 117
    nicht einerlei. Zum Erkenntnisse gehoeren naemlich zwei Stuecke: erstlich der Begriff, dadurch ueberhaupt ein Gegenstand gedacht wird (die Kategorie), und zweitens die Anschauung, dadurch er gegeben wird; denn, koennte dem Begriffe eine korrespondierende Anschauung gar nicht gegeben werden, so wa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 118
    diese als Gegenstaende moeglicher Erfahrung angenommen werden. Paragraph 23 Der obige Satz ist von der groessten Wichtigkeit; denn er bestimmt ebensowohl die Grenzen des Gebrauchs der reinen Verstandesbegriffe in Ansehung der Gegenstaende, als die transzendentale Aesthetik die Grenzen des Geb...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 119
    alsdann habe ich gar nicht die Moeglichkeit eines Objekts zu meinem reinen Verstandesbegriff vorgestellt, weil ich keine Anschauung habe geben koennen, die ihm korrespondierte, sondern nur sagen konnte, dass die unsrige nicht fuer ihn gelte. Aber das Vornehmste ist hier, dass auf ein solches Etwa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 120
    Diese Synthesis des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung, die a priori moeglich und notwendig ist, kann figuerlich (synthesis speciosa) genannt werden, zum Unterschiede von derjenigen, welche in Ansehung des Mannigfaltigen einer Anschauung ueberhaupt in der blossen Kategorie gedacht wurde, un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 121
    * * * Hier ist nun der Ort, das Paradoxe, was jedermann bei der Exposition der Form des inneren Sinnes (Paragraph 6) auffallen musste, verstaendlich zu machen: naemlich wie dieser auch sogar uns selbst, nur wie wir uns erscheinen, nicht wie wir an uns selbst sind, dem Bewusstsein darst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 122
    Anschauung, aber ohne Verbindung des Mannigfaltigen in derselben, mithin noch gar keine bestimmte Anschauung enthaelt, welche nur durch das Bewusstsein der Bestimmung desselben durch die transzendentale Handlung der Einbildungskraft, (synthetischer Einfluss des Verstandes auf den inneren Sinn) we...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 123
    Anschauung und innerer Wahrnehmungen sein koenne. Dass es aber doch wirklich so sein muesse, kann, wenn man den Raum fuer eine blosse reine Form der Erscheinungen aeusserer Sinne gelten laesst, dadurch klar dargetan werden, dass wir die Zeit, die doch gar kein Gegenstand aeusserer Anschauung ist,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 124
    Mannigfaltigen in der Synthesis des Verstandes korrespondiert. Wie sehr das Gemuet gemeiniglich hierdurch affiziert werde, wird ein jeder in sich wahrnehmen koennen. Paragraph 25 Dagegen bin ich mir meiner selbst in der transzendentalen Synthesis des Mannigfaltigen der Vorstellungen ueberhaup...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 125
    daher selbst doch nur erkennen kann, wie sie, in Absicht auf eine Anschauung (die nicht intellektuell und durch den Verstand selbst gegeben sein kann), ihr selbst bloss erscheint, nicht wie sie sich erkennen wuerde, wenn ihre Anschauung intellektuell waere. * Das, Ich denke, drueckt den Aktus au...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 126
    die a priori aus dem Verstande allein entspringen. Zuvoerderst merke ich an, dass ich unter der Synthesis der Apprehension die Zusammensetzung des Mannigfaltigen in einer empirischen Anschauung verstehe, dadurch Wahrnehmung, d.i. empirisches Bewusstsein derselben, (als Erscheinung) moeglich wird...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 127
    sie vor allem Begriffe vorhergehe, ob sie zwar eine Synthesis, die nicht den Sinnen angehoert, durch welche aber alle Begriffe von Raum und Zeit zuerst moeglich werden, voraussetzt. Denn da durch sie (indem der Verstand die Sinnlichkeit bestimmt) der Raum oder die Zeit als Anschauungen zuerst geg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 128
    ich von der bestaendigen Form meiner inneren Anschauung, der Zeit, abstrahiere, die Kategorie der Ursache, durch welche ich, wenn ich sie auf meine Sinnlichkeit anwende, alles, was geschieht, in der Zeit ueberhaupt seiner Relation nach bestimme. Also steht die Apprehension in einer solchen Begebe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 129
    Einheit ihrer intellektuellen Synthesis, und von der Sinnlichkeit der Mannigfaltigkeit der Apprehension nach abhaengt. Da nun von der Synthesis der Apprehension alle moegliche Wahrnehmung, sie selbst aber, diese empirische Synthesis, von der transzendentalen, mithin den Kategorien abhaengt, so mu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 130
    seine wahren und nuetzlichen Folgen auf den Vernunftgebrauch des Subjekts haben kann, der sich aber, weil er nicht immer auf die Bestimmung des Objekts, mithin aufs Erkenntnis, sondern auch auf die des Subjekts und dessen Wollen gerichtet ist, hier noch nicht vortragen laesst. Aber diese Erkennt...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 131
    Voraussetzung vorbestimmter Anlagen zu kuenftigen Urteilen treiben moechte) das wider gedachten Mittelweg entscheidend sein: dass in solchem Falle den Kategorien die Notwendigkeit mangeln wuerde, die ihrem Begriffe wesentlich angehoert. Denn z.B. der Begriff der Ursache, welcher die Notwendigkeit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 132
    daher in ihrer Analytik von Begriffen, Urteilen und Schluessen, gerade den Funktionen und der Ordnung jener Gemuetskraefte gemaess, die man unter der weitlaeufigen Benennung des Verstandes ueberhaupt begreift. Da gedachte bloss formale Logik von allem Inhalte der Erkenntnis (ob sie rein und empi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 133
    Wenn der Verstand ueberhaupt als das Vermoegen der Regeln erklaert wird, so ist Urteilskraft das Vermoegen unter Regeln zu subsumieren, d.i. zu unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (casus datae legis) stehe, oder nicht. Die allgemeine Logik enthaelt gar keine Vorschriften fuer die ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 134
    nicht genug durch Beispiele und wirkliche Geschaefte zu diesem Urteile abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und grosse Nutzen der Beispiele: dass sie die Urteilskraft schaerfen. Denn was die Richtigkeit und Praezision der Verstandeseinsicht betrifft, so tun sie derselben vielmehr gemein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 135
    die wir haben, zu verhueten, dazu (obgleich der Nutzen alsdann nur negativ ist) wird Philosophie mit ihrer ganzen Scharfsinnigkeit und Pruefungskunst aufgeboten. Es hat aber die Transzendental-Philosophie das Eigentuemliche: dass sie ausser der Regel (oder vielmehr der allgemeinen Bedingung zu R...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 136
    gedacht wird, sich im letzteren anschauen laesst. Nun sind aber reine Verstandesbegriffe, in Vergleichung mit empirischen (ja ueberhaupt sinnlichen) Anschauungen, ganz ungleichartig, und koennen niemals in irgendeiner Anschauung angetroffen werden. Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 137
    erste vermittelt. Nach demjenigen, was in der Deduktion der Kategorien gezeigt worden, wird hoffentlich niemand im Zweifel stehen, sich ueber die Frage zu entschliessen: ob diese reinen Verstandesbegriffe von bloss empirischem oder auch von transzendentalem Gebrauche sind, d.i. ob sie lediglich,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 138
    gewissen Begriffe gemaess eine Menge (z.E. tausend) in einem Bilde vorzustellen, als dieses Bild selbst, welches ich im letzteren Falle schwerlich wuerde uebersehen und mit dem Begriff vergleichen koennen. Diese Vorstellung nun von einem allgemeinen Verfahren der Einbildungskraft, einem Begriff s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 139
    Begriffe nur immer vermittelst des Schema, welches sie bezeichnen, verknuepft werden muessen, und an sich demselben nicht voellig kongruieren. Dagegen ist das Schema eines reinen Verstandesbegriffs etwas, was in gar kein Bild gebracht werden kann, sondern ist nur die reine Synthesis, gemaess eine...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 140
    d.i. den inneren Sinn in Ansehung derselben Vorstellung eines Gegenstandes, mehr oder weniger erfuellen kann, bis sie in Nichts (= O = negatio) aufhoert. Daher ist ein Verhaeltnis und Zusammenhang oder vielmehr ein Uebergang von Realitaet zur Negation, welcher jede Realitaet als ein Quantum vorst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 141
    aller Zeit. Man sieht nun aus allem diesem, dass das Schema einer jeden Kategorie, als das der Groesse, die Erzeugung, (Synthesis) der Zeit selbst, in der sukzessiven Apprehension eines Gegenstandes, das Schema der Qualitaet die Synthesis der Empfindung (Wahrnehmung) mit der Vorstellung der Zeit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 142
    gleichwohl auch restringieren, d.i. auf Bedingungen einschraenken, die ausser dem Verstande liegen (naemlich in der Sinnlichkeit). Daher ist das Schema eigentlich nur das Phaenomenon, oder der sinnliche Begriff eines Gegenstandes, in Uebereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus est quantitas phae...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 143
    systematischer Verbindung darzustellen, wozu uns ohne Zweifel unsere Tafel der Kategorien die natuerliche und sichere Leitung geben muss. Denn diese sind es eben, deren Beziehung auf moegliche Erfahrung alle reine Verstandeserkenntnis a priori ausmachen muss, und deren Verhaeltnis zur Sinnlichkei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 144
    mit welchen wir uns eigentlich beschaeftigen, weil eben diese Gegenstellung die Theorie der letzteren von allem Missverstande befreit, und sie in ihrer eigentuemlichen Natur deutlich vor Augen legt. Das System der Grundsaetze des reinen Verstandes Erster Abschnitt Von dem obersten Grundsatze a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 145
    aber notwendig von ihm bejaht werden muessen, darum, weil das Gegenteil desselben dem Objekte widersprechen wuerde. Daher muessen wir auch den Satz des Widerspruchs als das allgemeine und voellig hinreichende Prinzipium aller analytischen Erkenntnis gelten lassen; aber weiter geht auch sein Anse...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 146
    desselben absondert, und nachher sein Gegenteil mit diesem Praedikate verknuepft, welches niemals einen Widerspruch mit dem Subjekte, sondern nur mit dessen Praedikate, welches mit jenem synthetisch verbunden worden, abgibt, und zwar nur dann, wenn das erste und zweite Praedikat zu gleicher Zeit ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 147
    hinausgehen, um etwas ganz anderes, als in ihm gedacht war, mit demselben im Verhaeltnis zu betrachten, welches daher niemals, weder ein Verhaeltnis der Identitaet, noch des Widerspruchs ist, und wobei dem Urteile an ihm selbst weder die Wahrheit, noch der Irrtum angesehen werden kann. Also zuge...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 148
    vorgestellt werden, wuerden doch ohne objektive Gueltigkeit und ohne Sinn und Bedeutung sein, wenn ihr notwendiger Gebrauch an den Gegenstaenden der Erfahrung nicht gezeigt wuerde, ja ihre Vorstellung ist ein blosses Schema, das sich immer auf die reproduktive Einbildungskraft bezieht, welche die...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 149
    einzige Erkenntnisart ist, welche aller anderen Synthesis Realitaet gibt, so hat diese als Erkenntnis a priori auch nur dadurch Wahrheit, (Einstimmung mit dem Objekt,) dass sie nichts weiter enthaelt, als was zur synthetischen Einheit der Erfahrung ueberhaupt notwendig ist. Das oberste Principiu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 150
    Verstandes, oder auch umgekehrt ansehe, deshalb kann wohl eigentlich keine Gefahr sein; denn die Notwendigkeit nach Begriffen, welche die letztere auszeichnet, und deren Mangel in jedem empirischen Satze, so allgemein er auch gelten mag, leicht wahrgenommen wird, kann diese Verwechslung leicht ve...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 151
    Tafel der Grundsaetze, weil diese doch nichts anderes, als Regeln des objektiven Gebrauchs der ersteren sind. Alle Grundsaetze des reinen Verstandes sind demnach 1. Axiome der Anschauung 2. Antizipationen 3. Analogien der Wahrnehmung der Erfahrung 4. Postulate des...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 152
    Synthesis des Mannigfaltigen, sofern es notwendig zueinander gehoert, wie z.B. das Akzidens zu irgendeiner Substanz, oder die Wirkung zu der Ursache, - mithin auch als ungleichartig doch a priori verbunden vorgestellt wird, welche Verbindung, weil sie nicht willkuerlich ist, ich darum dynamisch n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 153
    jeder auch der kleinsten Zeit bewandt. Ich denke mir darin nur den sukzessiven Fortgang von einem Augenblick zum anderen, wo durch alle Zeitteile und deren Hinzutun endlich eine bestimmte Zeitgroesse erzeugt wird. Da die blosse Anschauung an allen Erscheinungen entweder der Raum, oder die Zeit is...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 154
    von der Zusammensetzung beider die Zahl 12, (dass ich diese in der Addition beider denken solle, davon ist hier nicht die Rede; denn bei dem analytischen Satze ist nur die Frage, ob ich das Praedikat wirklich in der Vorstellung des Subjekts denke). Ob er aber gleich synthetisch ist, so ist er doc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 155
    mehr, warum und wie weit sie auf Erscheinungen anzuwenden sei. Die Synthesis der Raeume und Zeiten, als der wesentlichen Form aller Anschauung, ist das, was zugleich die Apprehension der Erscheinung, mithin jede aeussere Erfahrung, folglich auch alle Erkenntnis der Gegenstaende derselben, moeglic...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 156
    derselben. Da nun Empfindung an sich gar keine objektive Vorstellung ist und in ihr weder die Anschauung vom Raum, noch von der Zeit, angetroffen wird, so wird ihr zwar keine extensive, aber doch eine Groesse (und zwar durch die Apprehension derselben, in welcher das empirische Bewusstsein in ein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 157
    Apprehension keine sukzessive Synthesis ist, die von Teilen zur ganzen Vorstellung fortgeht, hat sie also keine extensive Groesse; der Mangel der Empfindung in demselben Augenblicke wuerde diesen als leer vorstellen, mithin = O. Was nun in der empirischen Anschauung der Empfindung korrespondiert,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 158
    moeglicher Realitaeten, und moeglicher kleinerer Wahrnehmungen. Eine jede Farbe, z. E. die rote, hat einen Grad, der, so klein er auch sein mag, niemals der kleinste ist, und so ist es mit der Waerme, dem Momente der Schwere usw. ueberall bewandt. Die Eigenschaft der Groessen, nach welcher an ih...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 159
    ausmachen koennte, welches immer Materie zu noch kleineren enthielte. Wenn ich aber unter jener Benennung 13 runde Taler verstehe, als so viel Muenzen, (ihr Silbergehalt mag sein, welcher er wolle,) so benenne ich es unschicklich durch ein Quantum von Talern, sondern muss es ein Aggregat, d.i. ei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 160
    und der Negation eine unendliche Stufenfolge immer minderer Grade stattfindet, und gleichwohl ein jeder Sinn einen bestimmten Grad der Rezeptivitaet der Empfindungen haben muss; so ist keine Wahrnehmung, mithin auch keine Erfahrung moeglich, die einen gaenzlichen Mangel alles Realen in der Ersche...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 161
    weil dieses empirische Begriffe sind), allerwaerts einerlei sei, und sich nur der extensiven Groesse d.i. der Menge nach unterscheiden koenne. Dieser Voraussetzung, dazu sie keinen Grund in der Erfahrung haben konnten, und die also bloss metaphysisch ist, setze ich einen transzendentalen Beweis e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 162
    Es hat gleichwohl diese Antizipation der Wahrnehmung etwas fuer einen der transzendentalen gewohnten und dadurch behutsam gewordenen Nachforscher, immer etwas Auffallendes an sich, und erregt darueber einiges Bedenken, dass der Verstand einen dergleichen synthetischen Satz, als der von dem Grad a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 163
    3. Analogien der Erfahrung Das Prinzip derselben ist: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung einer notwendigen Verknuepfung der Wahrnehmungen moeglich. Beweis Erfahrung ist ein empirisches Erkenntnis, d.i. ein Erkenntnis, das durch Wahrnehmungen ein Objekt bestimmt. Sie ist also eine Synthesi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 164
    aller Erscheinungen nach ihrem Verhaeltnisse in der Zeit. Denn die urspruengliche Apperzeption bezieht sich auf den inneren Sinn (den Inbegriff aller Vorstellungen), und zwar a priori auf die Form desselben, d.i. das Verhaeltnis des mannigfaltigen empirischen Bewusstseins in der Zeit. In der ursp...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 165
    Erscheinung als Groesse, gebraucht werden koennen. So werde ich z.B. den Grad der Empfindungen des Sonnenlichts aus etwa 200 000 Erleuchtungen durch den Mond zusammensetzen und a priori bestimmt geben, d.i. konstruieren koennen. Daher koennen wir die ersteren Grundsaetze konstitutive nennen. Gan...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 166
    der Erscheinung), der Wahrnehmung (der Materie derselben), und der Erfahrung (des Verhaeltnisses dieser Wahrnehmungen) zusammen betreffen, gelten, naemlich dass sie nur regulative Grundsaetze sind, und sich von den mathematischen, die konstitutiv sind, zwar nicht in der Gewissheit, welche in beid...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 167
    Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert. Beweis Alle Erscheinungen sind in der Zeit, in welcher, als Substrat, (als beharrlicher Form der inneren Anschauung,) das Zugleichsein sowohl als die Folge allein vorgestellt werden kann. Die Zeit also in der aller Wechsel der ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 168
    moeglich ist. Die Beharrlichkeit drueckt ueberhaupt die Zeit, als das bestaendige Korrelatum alles Daseins der Erscheinungen, alles Wechsels und aller Begleitung, aus. Denn der Wechsel trifft die Zeit selbst nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit, (so wie das Zugleichsein nicht ein modu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 169
    selten, wie es ihm doch gebuehrt, an der Spitze der reinen und voellig a priori bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz, dass die Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloss diese Beharrlichkeit ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die Kategorie der Substanz anwenden,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 170
    Notwendigkeit zu beharren, doch unzertrennlich mit der Notwendigkeit, immer gewesen zu sein, verbunden, und der Ausdruck mag also bleiben. Gigni de nihilo nihil, in nihilum nil posse reverti, waren zwei Saetze, welche die Alten unzertrennt verknuepften, und die man aus Missverstand jetzt bisweile...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 171
    Titel der Verhaeltnisse steht, mehr als die Bedingung derselben, als dass sie selbst ein Verhaeltnis enthielte. Auf dieser Beharrlichkeit gruendet sich nun auch die Berichtigung des Begriffs von Veraenderung. Entstehen und Vergehen sind nicht Veraenderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht....
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 172
    auf zweierlei Zeiten beziehen, in denen nebeneinander das Dasein verfloesse, welches ungereimt ist. Denn es ist nur Eine Zeit, in welcher alle verschiedenen Zeiten nicht zugleich, sondern nacheinander gesetzt werden muessen. So ist demnach die Beharrlichkeit eine notwendige Bedingung, unter welc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 173
    und in Beziehung auf sie gleichsam empirisch, was voruebergehe und was folge, am Objekte bestimmt werden. Ich bin mir also nur bewusst, dass meine Imagination eines vorher, das andere nachher setze, nicht dass im Objekte der eine Zustand vor dem anderen vorhergehe; oder, mit anderen Worten, es bl...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 174
    das Mannigfaltige der Erscheinungen wird im Gemuet jederzeit sukzessiv erzeugt. Waeren Erscheinungen Dinge an sich selbst, so wuerde kein Mensch aus der Sukzession der Vorstellungen von ihrem Mannigfaltigen ermessen koennen, wie dieses in dem Objekt verbunden sei. Denn wir haben es doch nur mit u...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 175
    unterschiedene Objekt derselben koenne vorgestellt werden, wenn sie unter einer Regel steht, welche sie von jeder anderen Apprehension unterscheidet, und eine Art der Verbindung des Mannigfaltigen notwendig macht. Dasjenige an der Erscheinung, was die Bedingung dieser notwendigen Regel der Appreh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 176
    Mannigfaltige der empirischen Anschauung apprehendieren. In der Reihe dieser Wahrnehmungen war also keine bestimmte Ordnung, welche es notwendig machte, wenn ich in der Apprehension anfangen muesste, um das Mannigfaltige empirisch zu verbinden. Diese Regel aber ist bei der Wahrnehmung von dem, wa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 177
    Man setze, es gehe vor einer Begebenheit nichts vorher, worauf dieselbe nach einer Regel folgen muesste, so waere alle Folge der Wahrnehmung nur lediglich in der Apprehension, d.i. bloss subjektiv, aber dadurch gar nicht objektiv bestimmt, welches eigentlich das Vorhergehende, und welches das Nac...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 178
    Erscheinungen, eine Regel zu entdecken, geleitet worden, der gemaess gewisse Begebenheiten auf gewisse Erscheinungen jederzeit folgen, und dadurch zuerst veranlasst worden, uns den Begriff von Ursache zu machen. Auf solchen Fuss wuerde dieser Begriff bloss empirisch sein, und die Regel, die er ve...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 179
    jenem Zeitverhaeltnisse. Wie kommen wir nun dazu, dass wir diesen Vorstellungen ein Objekt setzen, oder ueber ihre subjektive Realitaet, als Modifikationen, ihnen noch, ich weiss nicht, was fuer eine, objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung auf eine andere Vorstellung ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 180
    bekommen, dass im vorhergehenden Zustande etwas vorausgesetzt wird, worauf es jederzeit, d.i. nach einer Regel, folgt: woraus sich denn ergibt, dass ich erstlich nicht die Reihe umkehren, und das, was geschieht, demjenigen voransetzen kann, worauf es folgt: zweitens dass, wenn der Zustand, der vo...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 181
    Erscheinungen gegen die absolute Zeit entlehnt werden, (denn die ist kein Gegenstand der Wahrnehmung,) sondern umgekehrt, die Erscheinungen muessen einander ihre Stellen in der Zeit selbst bestimmen, und dieselbe in der Zeitordnung notwendig machen, d.i. dasjenige, was da folgt, oder geschieht, m...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 182
    welcher etwas notwendig vorausgehen, und wenn dieses gesetzt ist, das andere notwendig folgen muesse. Soll also meine Wahrnehmung die Erkenntnis einer Begebenheit enthalten, da naemlich etwas wirklich geschieht; so muss sie ein empirisches Urteil sein, in welchem man sich denkt, dass die Folge be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 183
    groesste Teil der wirkenden Ursache in der Natur ist mit ihren Wirkungen zugleich, und die Zeitfolge der letzteren wird nur dadurch veranlasst, dass die Ursache ihre ganze Wirkung nicht in einem Augenblick verrichten kann. Aber in dem Augenblicke, da sie zuerst entsteht, ist sie mit der Kausalita...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 184
    bemengen will, die bloss die Erlaeuterung (nicht Erweiterung) der Begriffe angehen, so ueberlasse ich die umstaendliche Eroerterung derselben einem kuenftigen System der reinen Vernunft: wiewohl man eine solche Analysis im reichen Masse, auch schon in den bisher bekannten Lehrbuechern dieser Art,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 185
    der Ausfuehrlichkeit nicht geschehen koennte, die zu der Groesse und strengen Allgemeingueltigkeit des Begriffs erforderlich ist. Denn dass das erste Subjekt der Kausalitaet alles Entstehens und Vergehens selbst nicht (im Felde der Erscheinungen) entstehen und vergehen koenne, ist ein sicherer Sc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 186
    eines anderen Zustandes, allein vorgehen kann, (der Inhalt derselben, d.i. der Zustand, der veraendert wird, mag sein, welcher er wolle), mithin die Sukzession der Zustaende selbst (das Geschehene) kann doch nach dem Gesetze der Kausalitaet und den Bedingungen der Zeit a priori erwogen werden*. ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 187
    oder in einem Augenblicke) hervor, sondern in einer Zeit, so, dass, wie die Zeit vom Anfangsaugenblicke a bis zu ihrer Vollendung in b waechst, auch die Groesse der Realitaet (b-a) durch alle kleineren Grade, die zwischen dem ersten und letzten enthalten sind, erzeugt wird. Alle Veraenderung ist ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 188
    der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstaende moegen sein, welche sie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen. Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst durch nichts weiter bestim...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 189
    zweiten Grundsatze gezeigt, worden, nicht geschehen kann). So kann ich meine Wahrnehmung zuerst am Monde, und nachher an der Erde, oder auch umgekehrt zuerst an der Erde und dann am Monde anstellen und darum, weil die Wahrnehmungen dieser Gegenstaende einander wechselseitig folgen koennen, sage i...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 190
    auch umgekehrt von E zu A gehen kann. Denn, waere sie in der Zeit nacheinander (in der Ordnung, die von A anhebt, und in E endigt), so ist es unmoeglich, die Apprehension in der Wahrnehmung von E anzuheben, und rueckwaerts zu A fortzugehen, weil A zur vergangenen Zeit gehoert, und also kein Gegen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 191
    Gegenstaenden selbst unmoeglich sein wuerde. Also ist es allen Substanzen in der Erscheinung, sofern sie zugleich sind, notwendig, in durchgaengiger Gemeinschaft der Wechselwirkung untereinander zu stehen. Das Wort Gemeinschaft ist in unserer Sprache zweideutig, und kann soviel als communio, abe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 192
    Erscheinungen als Substanzen bezogen werden, so muss die Wahrnehmung der einen, als Grund, die Wahrnehmung der anderen, und so umgekehrt, moeglich machen, damit die Sukzession, die jederzeit in den Wahrnehmungen, als Apprehensionen ist, nicht den Objekten beigelegt werde, sondern diese als zuglei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 193
    Gesetze, nach welchen selbst Erfahrung allererst moeglich wird, stattfinden, und gefunden werden. Unsere Analogien stellen also eigentlich die Natureinheit im Zusammenhange aller Erscheinungen unter gewissen Exponenten dar, welche nichts anderes ausdruecken, als das Verhaeltnis der Zeit (sofern s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 194
    synthetischen Einheit a priori, vermittelst deren wir die Erfahrung antizipieren konnten. In Ermanglung dieser Methode, und bei dem Wahne, synthetische Saetze, welche der Erfahrungsgebrauch des Verstandes als seine Prinzipien empfiehlt, dogmatisch beweisen zu wollen, ist es denn geschehen, dass v...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 195
    Gegenstande fragen, ob er bloss moeglich, oder auch wirklich, oder, wenn er das letztere ist, ob er gar auch notwendig sei? Hierdurch werden keine Bestimmungen mehr im Objekte selbst gedacht, sondern es fraegt sich nur, wie es sich (samt allen seinen Bestimmungen) zum Verstande und dessen empiris...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 196
    sein muesse, ist zwar eine notwendige logische Bedingung; aber zur objektiven Realitaet des Begriffs, d.i. der Moeglichkeit eines solchen Gegenstandes, als durch den Begriff gedacht wird, bei weitem nicht genug. So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien eingeschlossen ist, ke...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 197
    Form einer Erfahrung ueberhaupt, und die synthetische Einheit, in der allein Gegenstaende empirisch koennen erkannt werden. Wenn man sich aber gar neue Begriffe von Substanzen, von Kraeften, von Wechselwirkungen, aus dem Stoffe, den uns die Wahrnehmung darbietet, machen wollte, ohne von der Erfa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 198
    Aber ich lasse alles vorbei, dessen Moeglichkeit nur aus der Wirklichkeit in der Erfahrung kann abgenommen werden, und erwaege hier nur die Moeglichkeit der Dinge durch Begriffe a priori, von denen ich fortfahre zu behaupten, dass sie niemals aus solchen Begriffen fuer sich allein, sondern jederz...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 199
    als Gegenstand bestimmt wird, mithin voellig a priori, aber doch nur in Beziehung auf sie, und innerhalb ihren Grenzen, die Moeglichkeit der Dinge erkennen und charakterisieren koennen. Das Postulat, die Wirklichkeit der Dinge zu erkennen, fordert Wahrnehmung, mithin Empfindung, deren man sich b...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 200
    Anschauung derselben stossen, wenn unsere Sinne feiner waeren, deren Grobheit die Form moeglicher Erfahrung ueberhaupt nichts angeht. Wo also Wahrnehmung und deren Anhang nach empirischen Gesetzen hinreicht, dahin reicht auch unsere Erkenntnis vom Dasein der Dinge. Fangen wir nicht von Erfahrung ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 201
    Erfahrung nur unter Voraussetzung aeusserer Erfahrung moeglich sei. Lehrsatz Das blosse, aber empirisch bestimmte, Bewusstsein meines eigenen Daseins beweist das Dasein der Gegenstaende im Raum ausser mir. Beweis Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewusst. Alle Zeitbestimmung...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 202
    bewiesen, dass aeussere Erfahrung eigentlich unmittelbar sei,* dass nur vermittelst ihrer, zwar nicht das Bewusstsein unserer eigenen Existenz, aber doch die Bestimmung derselben in der Zeit, d.i. innere Erfahrung, moeglich sei. Freilich ist die Vorstellung: ich bin, die das Bewusstsein ausdrueck...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 203
    a priori als notwendige Bedingung aller Zeitbestimmung, mithin auch als Bestimmung des inneren Sinnes in Ansehung unseres eigenen Daseins durch die Existenz aeusserer Dinge vorausgesetzt. Das Bewusstsein meiner selbst in der Vorstellung Ich ist gar keine Anschauung, sondern eine bloss intellektue...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 204
    der Bedingung anderer gegebener Erscheinungen, als notwendig erkannt werden koennte, als das Dasein der Wirkungen aus gegebenen Ursachen nach Gesetzen der Kausalitaet. Also ist es nicht das Dasein der Dinge (Substanzen), sondern ihres Zustandes, wovon wir allein die Notwendigkeit erkennen koennen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 205
    Grundsatzes von der Kausalitaet (unter den Analogien der Erfahrung). Der zweite gehoert zu den Grundsaetzen der Modalitaet, welche zu der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der Kontinuitaet verbot in der Reih...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 206
    Wirkliche enthaelt, dieses aber wiederum groesser, als die Menge desjenigen, was notwendig ist, das sind artige Fragen, und zwar von synthetischer Aufloesung, die aber auch nur der Gerichtsbarkeit der Vernunft anheimfallen; denn sie wollen ungefaehr soviel sagen, als, ob alle Dinge, als Erscheinu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 207
    jener noch etwas hinzukommen muss, um diese auszumachen. Allein dieses Hinzukommen zum Moeglichen kenne ich nicht. Denn was ueber dasselbe noch zugesetzt werden sollte, waere unmoeglich. Es kann nur zu meinem Verstande etwas ueber die Zusammenstimmung mit den formalen Bedingungen der Erfahrung, n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 208
    wider den Sinn der Mathematiker, denen er doch eigentlich angehoert, gegeben haben, naemlich: dass Postulieren so viel heissen solle, als einen Satz fuer unmittelbar gewiss, ohne Rechtfertigung, oder Beweis ausgeben; denn, wenn wir das bei synthetischen Saetzen, so evident sie auch sein moegen, e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 209
    anderes, als die Handlung des Erkenntnisvermoegens, dadurch er erzeugt wird. Nun heisst ein Postulat in der Mathematik der praktische Satz, der nichts als die Synthesis enthaelt, wodurch wir einen Gegenstand uns zuerst geben, und dessen Begriff erzeugen, z.B. mit einer gegebenen Linie, aus einem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 210
    Kategorien, z.B. wie ein Ding mit vielen zusammen einerlei, d.i. eine Groesse sein koenne usw. Solange es also an Anschauung fehlt, weiss man nicht, ob man durch die Kategorien ein Objekt denkt, und ob ihnen auch ueberall gar irgend ein Objekt zukommen koenne, und so bestaetigt sich, dass sie fue...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 211
    Modalitaet (als etwas, dessen Nichtsein sich denken laesst), sondern die der Relation (als etwas, das nur als Folge von einem anderen existieren kann) enthaelt, und da ist es freilich ein identischer Satz: was nur als Folge existieren kann, hat seine Ursache. In der Tat, wenn wir Beispiele vom zu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 212
    dadurch die objektive Realitaet dieses Begriffs darzutun) wir eine Anschauung im Raume (der Materie) beduerfen, weil der Raum allem beharrlich bestimmt, die Zeit aber, mithin alles, was im inneren Sinne ist, bestaendig fliesst. Um Veraenderung, als die dem Begriffe der Kausalitaet korrespondieren...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 213
    allein nicht verstanden werden kann? Denn dieses wird zur Gemeinschaft erfordert, ist aber unter Dingen, die sich ein jedes durch seine Subsistenz voellig isolieren, gar nicht begreiflich. Daher Leibniz, indem er den Substanzen der Welt, nur, wie sie der Verstand allein denkt, eine Gemeinschaft b...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 214
    sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur selbst in unveraenderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land der Wahrheit (ein reizender Name), umgeben von einem weiten und stuermischen Ozeane, dem eigent...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 215
    Einbildungskraft in Beziehung auf die Apperzeption urspruenglich und von selbst erteilt, und auf welche die Erscheinungen, als data zu einem moeglichen Erkenntnisse, schon a priori in Beziehung und Einstimmung stehen muessen. Ob nun aber gleich diese Verstandesregeln nicht allein a priori wahr si...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 216
    und seines Besitzes sicher, sondern darf sich nur auf vielfaeltige beschaemende Zurechtweisungen Rechnung machen, wenn er die Grenzen seines Gebiets (wie es unvermeidlich ist) unaufhoerlich ueberschreitet, und sich in Wahn und Blendwerke verirrt. Dass also der Verstand von allen seinen Grundsaet...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 217
    Punkten kann nur eine gerade Linie sein, usw. Obgleich alle diese Grundsaetze, und die Vorstellung des Gegenstandes, womit sich jene Wissenschaft beschaeftigt, voellig a priori im Gemuet erzeugt werden, so wuerden sie doch gar nichts bedeuten, koennten wir nicht immer an Erscheinungen (empirische...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 218
    Wievielmal gruendet sich auf die sukzessive Wiederholung, mithin auf die Zeit und die Synthesis (des Gleichartigen) in derselben. Realitaet kann man im Gegensatze mit der Negation nur alsdann erklaeren, wenn man sich eine Zeit (als den Inbegriff von allem Sein) gedenkt, die entweder womit erfuell...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 219
    dieser ein Dasein, welches auf das Nichtsein folgt, (oder umgekehrt,) mithin einen Wechsel vorstellt; denn, dass das Nichtsein eines Dinges sich selbst nicht widerspreche, ist eine lahme Berufung auf eine logische Bedingung, die zwar zum Begriffe notwendig, aber zur realen Moeglichkeit bei weitem...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 220
    sie anschauen moegen,) bezogen werden koennen. Die transzendentale Analytik hat demnach dieses wichtige Resultat: dass der Verstand a priori niemals mehr leisten koenne, als die Form einer moeglichen Erfahrung ueberhaupt zu antizipieren, und, da dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 221
    Erfahrung hinaus aber es ueberall keine synthetischen Grundsaetze a priori geben koenne. Es kann daher ratsam sein, sich also auszudruecken: die reinen Kategorien, ohne formale Bedingungen der Sinnlichkeit, haben bloss transzendentale Bedeutung, sind aber von keinem transzendentalen Gebrauch, we...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 222
    auch andere moegliche Dinge, die gar nicht Objekte unserer Sinne sind, als Gegenstaende bloss durch den Verstand gedacht, jenen gleichsam gegenueberstellen, und sie Verstandeswesen (Noumena) nennen. Nun fraegt sich: ob unsere reinen Verstandesbegriffe nicht in Ansehung dieser Letzteren Bedeutung ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 223
    machen koenne, weil diese nur in Beziehung auf die Einheit der Anschauungen in Raum und Zeit Bedeutung haben, sie eben diese Einheit auch nur wegen der blossen Idealitaet des Raums und der Zeit durch allgemeine Verbindungsbegriffe a priori bestimmen koennen. Wo diese Zeiteinheit nicht angetroffen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 224
    noch die Form des Denkens, d.i. die Art, dem Mannigfaltigen einer moeglichen Anschauung einen Gegenstand zu bestimmen. Daher erstrecken sich die Kategorien sofern weiter, als die sinnliche Anschauung, weil sie Objekte ueberhaupt denken, ohne noch auf die besondere Art (der Sinnlichkeit) zu sehen,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 225
    um die Anmassung der Sinnlichkeit einzuschraenken, und also nur von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkuerlich erdichtet, sondern haengt mit der Einschraenkung der Sinnlichkeit zusammen, ohne doch etwas Positives ausser dem Umfange derselben setzen zu koennen. Die Einteilung ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 226
    keine Schwierigkeit hat, aber auch nichts als leere Wortkraemerei angetroffen wird. Nach demselben hat es einigen beliebt, den Inbegriff der Erscheinungen, sofern er angeschaut wird, die Sinnenwelt, sofern aber der Zusammenhang derselben nach allgemeinen Verstandesgesetzen gedacht wird, die Verst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 227
    moegliche Erfahrung, und folglich auf Sinne ueberhaupt, mithin als Gegenstaende des reinen Verstandes sein moegen. Denn dieses wird uns immer unbekannt bleiben, sogar, dass es auch unbekannt bleibt, ob eine solche transzendentale (ausserordentliche) Erkenntnis ueberall moeglich sei, zum wenigsten...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 228
    ohne auf den empirischen Verstandesgebrauch Ruecksicht zu nehmen, und dadurch dem reinen und sinnenfreien Urteile voellig zu entsagen. So ist denn der Begriff reiner bloss intelligibler Gegenstaende gaenzlich leer von allen Grundsaetzen ihrer Anwendung, weil man keine Art ersinnen kann, wie sie g...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 229
    dadurch ich die Vergleichung der Vorstellungen ueberhaupt mit der Erkenntniskraft zusammenhalte, darin sie angestellt wird, und wodurch ich unterscheide, ob sie als zum reinen Verstande oder zur sinnlichen Anschauung gehoerend untereinander verglichen werden, nenne ich die transzendentale Ueberle...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 230
    zwar sagen: dass die logische Reflexion eine blosse Komparation sei, denn bei ihr wird von der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen Vorstellungen gehoeren, gaenzlich abstrahiert, und sie sind also so fern ihrem Sitze nach, im Gemuete, als gleichartig zu behandeln, die transzendentale Reflexion abe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 231
    reinem, sondern bloss empirischen Gebrauche ist, so wird die Vielheit und numerische Verschiedenheit schon durch den Raum selbst als die Bedingung der aeusseren Erscheinungen angegeben. Denn ein Teil des Raums, ob er zwar einem anderen voellig aehnlich und gleich sein mag, ist doch ausser ihm, un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 232
    innere Realitaet gehen. Allein was kann ich mir fuer innere Akzidenzen denken, als diejenigen, so mein innerer Sinn mir darbietet? naemlich das, was entweder selbst ein Denken, oder mit diesem analogisch ist. Daher machte Leibniz aus allen Substanzen, weil er sie sich als Noumena vorstellte, selb...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 233
    der Bestimmungen derselben untereinander, als Gruende und Folgen, moeglich. So wuerde es auch in der Tat sein muessen, wenn der reine Verstand unmittelbar auf Gegenstaende bezogen werden koennte, und wenn Raum und Zeit Bestimmungen der Dinge an sich selbst waeren. Sind es aber nur sinnliche Ansch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 234
    logische Topik des Aristoteles, deren sich Schullehrer und Redner bedienen konnten, um unter gewissen Titeln des Denkens nachzusehen, was sich am besten fuer seine vorliegende Materie schickte, und darueber, mit einem Schein von Gruendlichkeit, zu vernuenfteln, oder wortreich zu schwatzen. Die t...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 235
    dieser eigentuemlichen Denkungsart vor Augen zu legen, der auf nichts, als einem Missverstande, beruhte. Er verglich alle Dinge bloss durch Begriffe miteinander, und fand, wie natuerlich, keine anderen Verschiedenheiten, als die, durch welche der Verstand seine reinen Begriffe voneinander untersc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 236
    dass er seinen Grundsatz des Nichtzuunterscheidenden, der bloss von Begriffen der Dinge ueberhaupt gilt, auch auf die Gegenstaende der Sinne (mundus phaenomenon) ausdehnte, und der Naturerkenntnis dadurch keine geringe Erweiterung verschafft zu haben glaubte. Freilich, wenn ich einen Tropfen Wass...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 237
    sie auf die Entgegensetzung der Richtungen sieht: eine Bedingung, von welcher der transzendentale Begriff der Realitaet gar nichts weiss. Obzwar Herr von Leibniz diesen Satz nicht eben mit dem Pomp eines neuen Grundsatzes ankuendigte, so bediente er sich doch desselben zu neuen Behauptungen, und ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 238
    Eben darum musste aber auch sein Principium der moeglichen Gemeinschaft der Substanzen untereinander eine vorherbestimmte Harmonie, und konnte kein physischer Einfluss sein. Denn weil alles nur innerlich, d.i. mit seinen Vorstellungen beschaeftigt ist, so konnte der Zustand der Vorstellungen der ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 239
    Anschauung zugestand, sondern alle, selbst die empirische Vorstellung der Gegenstaende, im Verstande suchte, und den Sinnen nichts als das veraechtliche Geschaeft liess, die Vorstellungen des ersteren zu verwirren und zu verunstalten. Wenn wir aber auch von Dingen an sich selbst etwas durch den ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 240
    uns erscheinen, an sich sein moegen; so sind sie ganz unbillig und unvernuenftig; denn sie wollen, dass man ohne Sinne doch Dinge erkennen, mithin anschauen koenne, folglich dass wir ein von dem menschlichen nicht bloss dem Grade, sondern sogar der Anschauung und Art nach, gaenzlich unterschieden...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 241
    enthalten, ob sie sich widersprechen oder nicht, ob etwas in dem Begriffe innerlich enthalten sei, oder zu ihm hinzukomme, und welcher von beiden gegeben, welcher aber nur als eine Art, den gegebenen zu denken, gelten soll. Wende ich aber diese Begriffe auf einen Gegenstand ueberhaupt (im transz....
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 242
    taeuschenden Ursache der Amphibolie dieser Begriffe, in Veranlassung falscher Grundsaetze, von grossem Nutzen, die Grenzen des Verstandes zuverlaessig zu bestimmen und zu sichern. Man muss zwar sagen: was einem Begriff allgemein zukommt, oder widerspricht, das kommt auch zu, oder widerspricht, a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 243
    Verneinendes mit einem Bejahenden verbunden worden, und bloss bejahende Begriffe koennen, in Verbindung, gar keine Aufhebung bewirken. Allein in der sinnlichen Anschauung, darin Realitaet (z.B. Bewegung) gegeben wird, finden sich Bedingungen (entgegengesetzte Richtungen), von denen im Begriffe de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 244
    aeusseren Wahrnehmung sein koenne. Durch blosse Begriffe kann ich freilich ohne etwas Innerem nichts Aeusseres denken, eben darum, weil Verhaeltnisbegriffe doch schlechthin gegebene Dinge voraussetzen, und ohne diese nicht moeglich sind. Aber, da in der Anschauung etwas enthalten ist, was im blos...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 245
    gar aus Verhaeltnissen bestehen solle, aber ein solches Ding ist auch blosse Erscheinung, und kann gar nicht durch reine Kategorien gedacht werden; es besteht selbst in dem blossen Verhaeltnisse von Etwas ueberhaupt zu den Sinnen. Ebenso kann man die Verhaeltnisse der Dinge in abstracto, wenn man...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 246
    und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch Begriff) jemals haben koennen, so muessen Noumena in dieser bloss negativen Bedeutung allerdings zugelassen werden: da sie denn nichts anderes sagen, als: dass unsere Art der Anschauung nicht auf alle Dinge, sondern bloss auf Geg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 247
    geben moege, welche Frage nur unbestimmt beantwortet werden kann, naemlich: dass, weil die sinnliche Anschauung nicht auf alle Dinge ohne Unterschied geht, fuer mehr und andere Gegenstaende Platz uebrigbleibe, sie also nicht schlechthin abgeleugnet, in Ermanglung eines bestimmten Begriffs aber (d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 248
    transzendental gemacht, und die Gegenstaende, d.i. moegliche Anschauungen, sich nach Begriffen, nicht aber Begriffe sich nach moeglichen Anschauungen (als auf denen allein ihre objektive Gueltigkeit beruht) richten muessen. Die Ursache hiervon aber ist wiederum: dass die Apperzeption, und, mit ih...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 249
    Widerspruch, aber auch ohne Beispiel aus der Erfahrung gedacht werden, und also nicht unter die Moeglichkeiten gezaehlt werden muessen. 2. Realitaet ist Etwas, Negation ist Nichts, naemlich, ein Begriff von dem Mangel eines Gegenstandes, wie der Schatten, die Kaelte, (nihil privativum). 3. Die ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 250
    Wahrscheinlichkeit; denn diese ist Wahrheit, aber durch unzureichende Gruende erkannt, deren Erkenntnis also zwar mangelhaft, aber darum doch nicht trueglich ist, und mithin von dem analytischen Teile der Logik nicht getrennt werden muss. Noch weniger duerfen Erscheinung und Schein fuer einerlei ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 251
    eigentuemliche Handlung des Verstandes von der Kraft, die sich mit einmengt, zu unterscheiden, wird es daher noetig sein, das irrige Urteil als die Diagonale zwischen zwei Kraeften anzusehen, die das Urteil nach zwei verschiedenen Richtungen bestimmen, die gleichsam einen Winkel einschliessen, un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 252
    alle jene Grenzpfaehle niederzureissen und sich einen ganz neuen Boden, der ueberall keine Demarkation erkennt, anzumassen. Daher sind transzendental und transzendent nicht einerlei. Die Grundsaetze des reinen Verstandes, die wir oben vortrugen, sollen bloss von empirischem und nicht von transzen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 253
    Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhueten, dass er nicht betruege; dass er aber auch (wie der logische Schein) sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhoere, das kann sie niemals bewerkstelligen. Denn wir haben es mit einer natuerlichen und unvermeidlichen Illusion...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 254
    das zweite aber, welches selbst Begriffe erzeugt, wird dadurch noch nicht eingesehen. Da nun hier eine Einteilung der Vernunft in ein logisches und transzendentales Vermoegen vorkommt, so muss ein hoeherer Begriff von dieser Erkenntnisquelle gesucht werden, welcher beide Begriffe unter sich befas...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 255
    der Verstand dergleichen allgemeine Saetze a priori darbietet, so koennen diese denn auch, in Ansehung ihres moeglichen Gebrauchs, Prinzipien genannt werden. Betrachten wir aber diese Grundsaetze des reinen Verstandes an sich selbst ihrem Ursprunge nach, so sind sie nichts weniger als Erkenntnis...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 256
    sich selbst aber (sofern sie synthetisch ist) nicht auf blossem Denken beruht, noch ein Allgemeines nach Begriffen in sich enthaelt. Der Verstand mag ein Vermoegen der Einheit der Erscheinungen vermittelst der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermoegen der Einheit der Verstandesregeln unter ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 257
    Vernunftschluss. In dem Satze: alle Menschen sind sterblich, liegen schon die Saetze: einige Menschen sind sterblich, einige Sterbliche sind Menschen, nichts, was unsterblich ist, ist ein Mensch, und diese sind also unmittelbare Folgerungen aus dem ersteren. Dagegen liegt der Satz: alle Gelehrten...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 258
    Quell von Begriffen und Urteilen, die lediglich aus ihr entspringen, und dadurch sie sich auf Gegenstaende bezieht, oder ist sie ein bloss subalternes Vermoegen, gegebenen Erkenntnissen eine gewisse Form zu geben, welche logisch heisst, und wodurch die Verstandeserkenntnisse nur einander und nied...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 259
    keine unmittelbare Beziehung, sondern nur auf den Verstand und dessen Urteile, welche sich zunaechst an die Sinne und deren Anschauung wenden, um diesen ihren Gegenstand zu bestimmen. Vernunfteinheit ist also nicht Einheit einer moeglichen Erfahrung, sondern von dieser, als der Verstandeseinheit,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 260
    von jedem Bedingten unterscheiden, und muss dadurch Stoff zu manchen synthetischen Saetzen a priori geben. Die aus diesem obersten Prinzip der reinen Vernunft entspringenden Grundsaetze werden aber in Ansehung aller Erscheinungen transzendent sein, d.i. es wird kein ihm adaequater empirischer Ge...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 261
    eine Bewandtnis haben mag: so sind sie doch nicht bloss reflektierte, sondern geschlossene Begriffe. Verstandesbegriffe werden auch a priori vor der Erfahrung und zum Behuf derselben gedacht; aber sie enthalten nichts weiter, als die Einheit der Reflexion ueber die Erscheinungen, insofern sie not...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 262
    nannten, die Begriffe der reinen Vernunft mit einem neuen Namen belegen und sie transzendentale Ideen nennen, diese Benennung aber jetzt erlaeutern und rechtfertigen. Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Erster Abschnitt Von den Ideen ueberhaupt Bei dem grossen Reichtum unserer Spr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 263
    uebersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongruierendes angetroffen wird. Die Ideen sind bei ihm Urbilder der Dinge selbst, und nicht bloss Schluessel zu moeglichen Erfahrungen, wie die Kategorien. Nach seiner Meinung flossen sie aus der hoechsten Vernunft aus, von da sie der mensc...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 264
    wird, er doch immer das wahre Original bloss in seinem eigenen Kopfe habe, womit er dieses angebliche Muster vergleicht, und es bloss darnach schaetzt. Dieses ist aber die Idee der Tugend, in Ansehung deren alle moeglichen Gegenstaende der Erfahrung zwar als Beispiele, (Beweise der Tunlichkeit de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 265
    setzen. Eine Verfassung von der groessten menschlichen Freiheit nach Gesetzen, welche machen, dass jedes Freiheit mit der anderen ihrer zusammen bestehen kann, (nicht von der groessten Glueckseligkeit, denn diese wird schon von selbst folgen;) ist doch wenigstens eine notwendige Idee, die man nic...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 266
    deutliche Beweise ihres Ursprungs aus Ideen. Ein Gewaechs, ein Tier, die regelmaessige Anordnung des Weltbaues (vermutlich also auch die ganze Naturordnung) zeigen deutlich, dass sie nur nach Ideen moeglich sind; dass zwar kein einzelnes Geschoepf, unter den einzelnen Bedingungen seines Daseins, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 267
    sittlichen Gebaeuden eben und baufest zu machen, in welchem sich allerlei Maulwurfsgaenge einer vergeblich, aber mit guter Zuversicht, auf Schaetze grabenden Vernunft vorfinden, und die jenes Bauwerk unsicher machen. Der transzendentale Gebrauch der reinen Vernunft, ihre Prinzipien und Ideen, sin...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 268
    Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik Zweiter Abschnitt Von den transzendentalen Ideen Die transzendentale Analytik gab uns ein Beispiel, wie die blosse logische Form unserer Erkenntnis den Ursprung von reinen Begriffen a priori enthalten koenne, welche vor aller Erfahrung Gegenstaende...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 269
    Totalitaet der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten. Da nun das Unbedingte allein die Totalitaet der Bedingungen moeglich macht, und umgekehrt die Totalitaet der Bedingungen jederzeit selbst unbedingt ist; so kann ein reiner Vernunftbegriff ueberhaupt durch den Begriff des Unbedingten, sofern...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 270
    nach der Hand gar kein anderes Wort eben derselben Sprache genau anpasst, und dessen Verlust, oder welches ebensoviel ist, sein schwankender Gebrauch daher auch den Verlust des Begriffs selbst nach sich ziehen muss, und zwar eines Begriffs, der, weil er die Vernunft gar sehr beschaeftigt, ohne gr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 271
    mit welchem wir nicht den mindesten Begriff verbinden koennen; dagegen der von der Notwendigkeit eines Dinges in aller Beziehung (auf alles Moegliche) ganz besondere Bestimmungen bei sich fuehrt. Weil nun der Verlust eines Begriffs von grosser Anwendung in der spekulativen Weltweisheit dem Philos...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 272
    einschraenkt. Ich verstehe unter der Idee einen notwendigen Vernunftbegriff, dem kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann. Also sind unsere jetzt erwogenen reinen Vernunftbegriffe transzendentale Ideen. Sie sind Begriffe der reinen Vernunft; denn sie betrachten alles Erfa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 273
    wirklichen Handlungen unumgaenglich notwendig. In ihr hat die reine Vernunft sogar Kausalitaet, das wirklich hervorzubringen, was ihr Begriff enthaelt; daher kann man von der Weisheit nicht gleichsam geringschaetzig sagen: sie ist nur eine Idee; sondern eben darum, weil sie die Idee von der notwe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 274
    Regel (Obersatz, Major). Die Subsumtion der Bedingung eines anderen moeglichen Urteils unter die Bedingung der Regel ist der Untersatz (Minor). Das wirkliche Urteil, welches die Assertion der Regel in dem subsumierten Falle aussagt, ist der Schlusssatz (Conclusio). Die Regel naemlich sagt etwas a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 275
    Erkenntnis (conclusio) nur als bedingt gegeben ist; so kann man zu demselben vermittelst der Vernunft nicht anders gelangen, als wenigstens unter der Voraussetzung, dass alle Glieder der Reihe auf der Seite der Bedingungen gegeben sind, (Totalitaet in der Reihe der Praemissen,) weil nur unter der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 276
    Dritter Abschnitt System der transzendentalen Ideen Wir haben es hier nicht mit einer logischen Dialektik zu tun, welche von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und lediglich den falschen Schein in der Form der Vernunftschluesse aufdeckt, sondern mit einer transzendentalen, welche, voellig...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 277
    aller Erscheinungen (die Welt) der Gegenstand der Kosmologie, und das Ding, welches die oberste Bedingung der Moeglichkeit von allem, was gedacht werden kann, enthaelt, (das Wesen aller Wesen) der Gegenstand der Theologie. Also gibt die reine Vernunft die Idee zu einer transzendentalen Seelenlehr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 278
    sind. Aber eine subjektive Anleitung derselben aus der Natur unserer Vernunft konnten wir unternehmen, und die ist im gegenwaertigen Hauptstuecke auch geleistet worden. Man sieht leicht, dass die reine Vernunft nichts anderes zur Absicht habe, als die absolute Totalitaet der Synthesis auf der Se...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 279
    ein so natuerlicher Fortschritt, dass er dem logischen Fortgange der Vernunft von den Praemissen zum Schlusssatze aehnlich scheint*. Ob nun hier wirklich eine Verwandtschaft von der Art, als zwischen dem logischen und transzendentalen Verfahren, insgeheim zum Grunde liege, ist auch eine von den F...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 280
    Zweites Buch Von den dialektischen Schluessen der reinen Vernunft Man kann sagen, der Gegenstand einer blossen transzendentalen Idee sei etwas, wovon man keinen Begriff hat, obgleich diese Idee ganz notwendig in der Vernunft nach ihren urspruenglichen Gesetzen erzeugt worden. Denn in der Tat ist...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 281
    Schluss werde ich den transzendentalen Paralogismus nennen. Die zweite Klasse der vernuenftelnden Schluesse ist auf den transzendentalen Begriff der absoluten Totalitaet, der Reihe der Bedingungen zu einer gegebenen Erscheinung ueberhaupt, angelegt, und ich schliesse daraus, dass ich von der unbe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 282
    auch der transzendentalen sei, und also unter diesen jederzeit mit begriffen werde, und daher ebensowohl transzendental sei, aber keinen besonderen Titel haben koenne, weil er nur dazu dient, alles Denken, als zum Bewusstsein gehoerig, aufzufuehren. Indessen, so rein er auch vom Empirischen (dem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 283
    irgendein besonderer Unterschied derselben und Bestimmung empirisch gegeben ist, kann nicht als empirische Erkenntnis, sondern muss als Erkenntnis des Empirischen ueberhaupt angesehen werden, und gehoert zur Untersuchung der Moeglichkeit einer jeden Erfahrung, welche allerdings transzendental ist...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 284
    bei diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur Entschuldigung anzufuehren: dass ich lieber etwas der Zierlichkeit der Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste Unverstaendlichkeit erschweren wollen. Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der rein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 285
    dass ich dadurch irgend etwas denke. Es muss aber gleich anfangs befremdlich scheinen, dass die Bedingung, unter der ich ueberhaupt denke, und die mithin bloss eine Beschaffenheit meines Subjekts ist, zugleich fuer alles, was denkt, gueltig sein solle, und dass wir auf einen empirisch scheinende...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 286
    jeden Verstandesurteils ueberhaupt enthaelt, und alle Kategorien als ihr Vehikel begleitet, so ist klar, dass die Schluesse aus demselben einen bloss transzendentalen Gebrauch des Verstandes enthalten koennen, welcher alle Beimischung der Erfahrung ausschlaegt, und von dessen Fortgang wir, nach d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 287
    erfordert daher auch Data, die im Denken gar nicht angetroffen werden, vielleicht (sofern ich bloss das denkende als ein solches betrachte) mehr, als ich ueberall (in ihm) jemals antreffen werde. 2) Dass das Ich der Apperzeption, folglich in jedem Denken, ein Singular sei, der nicht in eine Viel...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 288
    erfordert werden. 4) Ich unterscheide meine eigene Existenz, als eines denkenden Wesens, von anderen Dingen ausser mir (wozu auch mein Koerper gehoert), ist ebensowohl ein analytischer Satz, denn andere Dinge sind solche, die ich als von mir unterschieden denke. Aber ob dieses Bewusstsein meiner...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 289
    selbst, tunlich und zulaessig, sondern sie koennen auch auf Dinge ueberhaupt und an sich selbst gehen, welche Folgerung dieser ganzen Kritik ein Ende macht und gebieten wuerde, es beim Alten bewenden zu lassen. Allein die Gefahr ist hier nicht so gross, wenn man der Sache naeher tritt. In dem Ve...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 290
    sondern nur: ich kann im Denken meiner Existenz mich nur zum Subjekt des Urteils brauchen, welches ein identischer Satz ist, der schlechterdings nichts ueber die Art meines Daseins eroeffnet. Dass diese Aufloesung des beruehmten Arguments in einem Paralogism so ganz richtig sei, erhellt deutlich...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 291
    ihr die notwendige Fortdauer zu sichern, indem man noch ein Aufhoeren ihres Daseins durch Verschwinden annehmen koennte. In seinem Phaedon suchte er nun diese Vergaenglichkeit, welche eine wahre Vernichtung sein wuerde, von ihr dadurch abzuhalten, dass er sich zu beweisen getraute, ein einfaches ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 292
    Begriffen zu beweisen unternimmt**. * Klarheit ist nicht, wie die Logiker sagen, das Bewusstsein einer Vorstellung; denn ein gewisser Grad des Bewusstseins, der aber zur Erinnerung nicht zureicht, muss selbst in manchen dunklen Vorstellungen anzutreffen sein, weil ohne alles Bewusstsein wir in d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 293
    alles was in ihr nur immer real ist, folglich einen Grad hat, mithin die ganze Existenz derselben, so, dass nichts mangelt, halbiert worden, ausser ihr alsdann eine besondere Substanz entspringen wuerde. Denn die Vielheit, welche geteilt worden, war schon vorher, aber nicht als Vielheit der Subst...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 294
    Nehmen wir nun unsere obigen Saetze, wie sie auch, als fuer alle denkenden Wesen gueltig, in der rationalen Psychologie ab System genommen werden muessen, in synthetischem Zusammenhange, und gehen, von der Kategorie der Relation, mit dem Satze: alle denkenden Wesen sind, als solche, Substanzen, r...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 295
    verstanden werden solle oder nicht. Allein in dem dritten Satze wird die absolute Einheit der Apperzeption, das einfache Ich, in der Vorstellung, drauf sich alle Verbindung oder Trennung, welche das Denken ausmacht, bezieht, auch fuer sich wichtig, wenn ich gleich noch nichts ueber des Subjekts B...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 296
    aber in Ansehung aller Art der Anschauung unbestimmten, Satz, Ich denke, zu erweitern? Es gibt also keine rationale Psychologie als Doktrin, die uns einen Zusatz zu unserer Selbsterkenntnis verschaffte, sondern nur als Disziplin, welche der spekulativen Vernunft in diesem Felde unueberschreitbar...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 297
    ueberhaupt) durch Kategorien nicht stattfinden*. * Das Ich denke, ist, wie schon gesagt, ein empirischer Satz, und enthaelt den Satz, Ich existiere, in sich. Ich kann aber nicht sagen: alles, was denkt, existiert; denn da wuerde die Eigenschaft des Denkens alle Wesen, die sie besitzen, zu notwen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 298
    versuchtes und doch zum hoechsten Interesse der Menschheit gehoeriges Erkenntnis, soweit es der spekulativen Philosophie verdankt werden soll, in getaeuschte Erwartung; wobei gleichwohl die Strenge der Kritik dadurch, dass sie zugleich die Unmoeglichkeit beweist, von einem Gegenstande der Erfahru...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 299
    der Natur lebender Wesen in dieser Welt, an welchen die Vernunft es notwendig zum Grundsatze annehmen muss, dass kein Organ, kein Vermoegen, kein Antrieb, also nichts Entbehrliches, oder fuer den Gebrauch Unproportioniertes, mithin Unzweckmaessiges anzutreffen, sondern alles seiner Bestimmung im ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 300
    koenne. Folglich verwechsle ich die moegliche Abstraktion von meiner empirisch bestimmten Existenz mit dem vermeinten Bewusstsein einer abgesondert moeglichen Existenz meines denkenden Selbst, und glaube das Substantiale in mir als das transzendentale Subjekt zu erkennen, indem ich bloss die Einh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 301
    Satz. Einem solchen aber liegt empirische Anschauung, folglich auch das gedachte Objekt als Erscheinung, zum Grunde, und so scheint es, als wenn nach unserer Theorie die Seele ganz und gar, selbst im Denken, in Erscheinung verwandelt wuerde, und auf solche Weise unser Bewusstsein selbst, als blos...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 302
    Erscheinung an die Hand gibt. In ihm ist also schon nicht mehr blosse Spontaneitaet des Denkens, sondern auch Rezeptivitaet der Anschauung, d.i. das Denken meiner selbst auf die empirische Anschauung ebendesselben Subjekts angewandt. In dieser letzteren muesste denn nun das denkende Selbst die Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 303
    da wiederum hingeraten, wo ich in der rationalen Psychologie war, naemlich in das Beduerfnis sinnlicher Anschauungen, um meinen Verstandesbegriffen, Substanz, Ursache usw., wodurch ich allein Erkenntnis von mir haben kann, Bedeutung zu verschaffen; jene Anschauungen koennen mich aber ueber das Fe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 304
    vorkommen wird, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen der Moeglichkeit der Gegenstaende ueberhaupt zum Thema hat. Es ist aber merkwuerdig, dass der transzendentale Paralogismus einen bloss einseitigen Schein, in Ansehung der Idee von dem Subjekte unseres Denkens, bewirkte, und zur Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 305
    dieser unbedingten Totalitaet, worauf auch der Begriff des Weltganzen beruht, der selbst nur eine Idee ist, teils weil sie lediglich auf die Synthesis der Erscheinungen, mithin die empirische, gehen, da hingegen die absolute Totalitaet, in der Synthesis der Bedingungen aller moeglichen Dinge uebe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 306
    schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein moeglich war. Also werden erstlich die transzendentalen Ideen eigentlich nichts, als bis zum Unbedingten erweiterte Kategorien sein, und jene werden sich in eine Tafel bringen lassen, die nach den Titeln der letzteren angeordnet ist. Zweitens a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 307
    ich die erstere Reihe voraussetzen, um n als gegeben anzusehen, und n ist nach der Vernunft (der Totalitaet der Bedingungen) nur vermittelst jener Reihe moeglich, seine Moeglichkeit beruht aber nicht auf der folgenden Reihe o, p, q, r, die daher auch nicht als gegeben, sondern nur als dabilis ang...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 308
    zugleich sind. Den gegenwaertigen Zeitpunkt konnte ich in Ansehung der vergangenen Zeit nur als bedingt, niemals aber als Bedingung derselben, ansehen, weil dieser Augenblick nur durch die verflossene Zeit (oder vielmehr durch das Verfliessen der vorhergehenden Zeit) allererst entspringt. Aber da...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 309
    Teile die entfernten Bedingungen sind, so dass hier eine regressive Synthesis stattfindet, deren absolute Totalitaet die Vernunft fordert, welche nicht anders als durch eine vollendete Teilung, dadurch die Realitaet der Materie entweder in Nichts oder doch in das, was nicht mehr Materie ist, naem...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 310
    jederzeit als bedingt angesehen werden muss, und nach der Regel des Verstandes auf eine Bedingung weist, darunter es notwendig ist, diese auf eine hoehere Bedingung zu weisen bis die Vernunft nur in der Totalitaet diese Reihe die unbedingte Notwendigkeit antrifft. Es sind demnach nicht mehr, als...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 311
    bei Erscheinungen ist eine besondere Einschraenkung der Art, wie Bedingungen gegeben werden, anzutreffen, naemlich durch die sukzessive Synthesis des Mannigfaltigen der Anschauung, die im Regressus vollstaendig sein soll. Ob diese Vollstaendigkeit nun sinnlich moeglich sei, ist noch ein Problem. ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 312
    mehr sind, in Ansehung deren es bedingt sein koennte. Allein dieses absolute Ganze einer solchen Reihe ist nur eine Idee, oder vielmehr ein problematischer Begriff, dessen Moeglichkeit untersucht werden muss, und zwar in Beziehung auf die Art, wie das Unbedingte, als die eigentliche transzendenta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 313
    Totalitaet des Inbegriffs existierender Dinge bedeutet, und wir auf die Vollstaendigkeit der Synthesis (wiewohl nur eigentlich im Regressus zu den Bedingungen) allein unser Augenmerk richten. In Betracht dessen, dass ueberdem diese Ideen insgesamt transzendent sind, und, ob sie zwar das Objekt, n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 314
    notwendige Gruende der Behauptung auf seiner Seite hat. Die Fragen, welche bei einer solchen Dialektik der reinen Vernunft sich natuerlich darbieten, sind also: 1. Bei welchen Saetzen denn eigentlich die reine Vernunft einer Antinomie unausbleiblich unterworfen sei. 2. Auf welchen Ursachen diese...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 315
    sorgen, dass sie den letzten Angriff zu tun das Vorrecht haben, und nicht verbunden sind, einen neuen Anfall des Gegners auszuhalten. Man kann sich leicht vorstellen, dass dieser Tummelplatz von jeher oft genug betreten worden, dass viele Siege von beiden Seiten erfochten, fuer den letzteren aber...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 316
    unserer eingeschraenkten Weisheit der beste Pruefungsversuch der Nomothetik, um die Vernunft, die in abstrakter Spekulation ihre Fehltritte nicht leicht gewahr wird, dadurch auf die Momente in Bestimmung ihrer Grundsaetze aufmerksam zu machen. Diese skeptische Methode ist aber nur der Transzende...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 317
    unendlich. Beweis Denn, man nehme an, die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang: so ist bis zu jedem gegebenen Zeitpunkte eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin eine unendliche Reihe aufeinander folgender Zustaende der Dinge in der Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit ei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 318
    unmoeglich ist) den Begriff abziehen koennen, wir diesen nur durch die Synthesis der Teile, bis zur Vollendung des Unendlichen, wenigstens in der Idee fassen koennen. Antithesis Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist, sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raumes, une...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 319
    Anschauung), aber kein wirklicher Gegenstand, der aeusserlich angeschaut werden kann. Der Raum, vor allen Dingen, die ihn bestimmen (erfuellen oder begrenzen), oder die vielmehr eine seiner Form gemaesse empirische Anschauung geben, ist, unter dem Namen des absoluten Raumes, nichts anderes, als d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 320
    gegebene Groesse, mithin auch eine (der verflossenen Reihe sowohl, als der Ausdehnung nach) unendliche Welt unmoeglich: sie ist also beiderseitig begrenzt. So haette ich meinen Beweis fuehren koennen: allein dieser Begriff stimmt nicht mit dem, was man unter einem unendlichen Ganzen versteht. Es ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 321
    kann man sich nicht vor ihr, und mithin auch nicht durch sie, eine Totalitaet denken. Denn der Begriff der Totalitaet selbst ist in diesem Falle die Vorstellung einer vollendeten Synthesis der Teile, und diese Vollendung, mithin auch der Begriff derselben, ist unmoeglich. II. Anmerkung zur Antit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 322
    zwei Undinge, den leeren Raum ausser und die leere Zeit vor der Welt, durchaus annehmen muesse, wenn man eine Weltgrenze, es sei dem Raume oder der Zeit nach, annimmt. * Man bemerkt leicht, dass hierdurch gesagt werden wolle: der leere Raum, sofern er durch Erscheinungen begrenzt wird, mithin de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 323
    Teilen, und es existiert ueberall nichts als das Einfache, oder das, was aus diesem zusammengesetzt ist. Beweis Denn, nehmet an, die zusammengesetzten Substanzen bestaenden nicht aus einfachen Teilen; so wuerde wenn alle Zusammensetzung in Gedanken aufgehoben wuerde, kein zusammengesetzter Teil...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 324
    ausserhalb einander befindliches Mannigfaltiges in sich fasst, mithin zusammengesetzt ist, und zwar als ein reales Zusammengesetztes, nicht aus Akzidenzen, (denn die koennen nicht ohne Substanz aussereinander sein,) mithin aus Substanzen; so wuerde das Einfache ein substantielles Zusammengesetzte...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 325
    besteht, so verstehe ich darunter nur ein substantielles Ganzes als das eigentliche Kompositum, d.i. die zufaellige Einheit des Mannigfaltigen, welches abgesondert (wenigstens in Gedanken) gegeben, in eine wechselseitige Verbindung gesetzt wird, und dadurch Eines ausmacht. Den Raum sollte man eig...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 326
    als deren Elemente, beweisen will, so koennte ich die Antithese der zweiten Antinomie die transzendentale Atomistik nennen. Weil aber dieses Wort schon vorlaengst zur Bezeichnung einer besonderen Erklaerungsart koerperlicher Erscheinungen (molecularum) gebraucht worden, und also empirische Begrif...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 327
    des Einfachen, sondern zur Anschauung des Zusammengesetzten (der Materie) die Anschauung des Einfachen zu finden, und dieses ist nach Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin auch bei Gegenstaenden der Sinne, gaenzlich unmoeglich. Es mag also von einem Ganzen aus Substanzen, welches bloss durch den rein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 328
    so koenne freilich nichts Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung in einer solchen Vorstellung wahrgenommen werden. Da ueberdem die Praedikate, wodurch ich diesen Gegenstand denke, bloss Anschauungen des inneren Sinnes sind, so kann darin auch nichts vorkommen, welches ein Mannigfaltiges ausserh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 329
    voneinander abstammenden Ursachen. Nun besteht aber eben darin das Gesetz der Natur: dass ohne hinreichend a priori bestimmte Ursache nichts geschehe. Also widerspricht der Satz, als wenn alle Kausalitaet nur nach Naturgesetzen moeglich sei, sich selbst in seiner unbeschraenkten Allgemeinheit, un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 330
    (Unabhaengigkeit) von den Gesetzen der Natur, ist zwar eine Befreiung vom Zwange, aber auch vom Leitfaden aller Regeln. Denn man kann nicht sagen, dass, anstatt der Gesetze der Natur, Gesetze der Freiheit in die Kausalitaet des Weltlaufs eintreten, weil, wenn diese nach Gesetzen bestimmt waere, s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 331
    wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde, auf keine Weise begreifen, und uns desfalls lediglich an die Erfahrung halten muessen. Nun haben wir diese Notwendigkeit eines ersten Anfangs einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich insofern dargetan, al...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 332
    Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen, leuchtet daran sehr klar in die Augen: dass (die epikurische Schule ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur Erklaerung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i. eine freihandelnde Ursa...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 333
    Wenn auch indessen allenfalls ein transzendentales Vermoegen der Freiheit nachgegeben wird, um die Weltveraenderungen anzufangen, so wuerde dieses Vermoegen doch wenigstens nur ausserhalb der Welt sein muessen, (wiewohl es immer eine kuehne Anmassung bleibt, ausserhalb dem Inbegriffe aller moegli...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 334
    dasjenige, was der Zeit nach vorhergeht, bestimmt werden kann: so muss die oberste Bedingung des Anfangs einer Reihe von Veraenderungen in der Zeit existieren, da diese noch nicht war, (denn der Anfang ist ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht, darin das Ding, welches anfaengt, noch nicht ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 335
    handeln, und ihre Kausalitaet wuerde in die Zeit, eben darum aber in den Inbegriff der Erscheinungen, d.i. in die Welt gehoeren, folglich sie selbst, die Ursache, nicht ausser der Welt sein, welches der Voraussetzung widerspricht. Also ist weder in der Welt, noch ausser derselben (aber mit ihr in...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 336
    nachher davon nicht abspringen und auf etwas uebergehen, was gar nicht in die Reihe als ein Glied gehoert. Denn in eben derselben Bedeutung muss etwas als Bedingung angesehen werden, in welcher die Relation des Bedingten zu seiner Bedingung in der Reihe genommen wurde, die auf diese hoechste Bedi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 337
    in Bewegung war = A, kommt in Ruhe = non A. Daraus nun, dass ein entgegengesetzter Zustand vom Zustande A auf diesen folgt, kann gar nicht geschlossen werden, dass das kontradiktorische Gegenteil von A moeglich, mithin A zufaellig sei; denn dazu wuerde erfordert werden, dass in derselben Zeit, da...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 338
    Ursache ausfalle. Es zeigt sich aber in dieser Antinomie ein seltsamer Kontrast: dass naemlich aus eben demselben Beweisgrunde, woraus in der Thesis das Dasein eines Urwesens geschlossen wurde, in der Antithesis das Nichtsein desselben, und zwar mit derselben Schaerfe. geschlossen wird. Erst hie...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 339
    Da haben wir nun das ganze dialektische Spiel der kosmologischen Ideen, die es gar nicht verstatten, dass ihnen ein kongruierender Gegenstand in irgendeiner moeglichen Erfahrung gegeben werde, ja nicht einmal, dass die Vernunft sie einstimmig mit allgemeinen Erfahrungsgesetzen denke, die gleichwo...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 340
    des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben muessen: das sind Fragen, um deren Aufloesung der Mathematiker gerne seine ganze Wissenschaft ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 341
    Partei zu nehmen. Da wir in diesem Falle, nicht den logischen Probierstein der Wahrheit, sondern bloss unser Interesse befragen, so wird eine solche Untersuchung, ob sie gleich in Ansehung des streitigen Rechts beider Teile nichts ausmacht, dennoch den Nutzen haben, es begreiflich zu machen, waru...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 342
    ausmachen, von einem Urwesen abstamme, von welchem alles seine Einheit und zweckmaessige Verknuepfung entlehnt, das sind so viel Grundsteine der Moral und Religion. Die Antithesis raubt uns alle diese Stuetzen, oder scheint wenigstens sie uns zu rauben. Zweitens aeussert sich auch ein spekulativ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 343
    bei sich fuehren. Vielmehr scheint der blosse Empirism beiden alle Kraft und Einfluss zu benehmen. Wenn es kein von der Welt unterschiedenes Urwesen gibt, wenn die Welt ohne Anfang und also auch ohne Urheber, unser Wille nicht frei und die Seele von gleicher Teilbarkeit und Verweslichkeit mit der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 344
    seiner Aussicht in den Umfang derselben als die aeusserste anzusehen, oder von den Gegenstaenden der Natur, die er durch Beobachtung und Mathematik aufloesen und in der Anschauung synthetisch bestimmen kann, (dem Ausgedehnten,) zu denen ueberzugehen, die weder Sinn, noch Einbildungskraft jemals i...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 345
    wenn man ihre Grenze ueberschreitet, die Synthesis, welche neue und von jener unabhaengige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der Anschauung hat, an welchem sie ausgeuebt werden koennte. So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils geschieht) selbst dogmatisch wird ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 346
    Vernunft erlaubt, idealischen Erklaerungen der Naturerscheinungen nachzuhaengen und darueber die physische Nachforschung zu verabsaeumen. Was endlich das dritte Moment, worauf bei der vorlaeufigen Wahl zwischen beiden strittigen Teilen gesehen werden kann, anlangt: so ist es ueberaus befremdlich...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 347
    und er bildet sich ein, das einzusehen und zu wissen, was anzunehmen, oder zu glauben, ihn seine Besorgnisse oder Hoffnungen antreiben. So ist der Empirismus der transzendental-idealisierenden Vernunft aller Popularitaet gaenzlich beraubt, und, so viel Nachteiliges wider die obersten praktischen ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 348
    Zustande sein. Heute wuerde es ihm ueberzeugend vorkommen, der menschliche Wille sei frei; morgen, wenn er die unaufloesliche Naturkette in Betrachtung zoege, wuerde er dafuer halten, die Freiheit sei nichts als Selbsttaeuschung, und alles sei bloss Natur. Wenn es nun aber zum Tun und Handeln kae...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 349
    nicht in allen Faellen zureichend ist. Es fragt sich nun: ob in der Transzendentalphilosophie irgendeine Frage, die ein der Vernunft vorgelegtes Objekt betrifft, durch eben diese reine Vernunft unbeantwortlich sei, und ob man sich ihrer entscheidenden Beantwortung dadurch mit Recht entziehen koen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 350
    er uns unbekannt, aber deswegen doch nicht unmoeglich sei.* Die kosmologischen Ideen haben allein das Eigentuemliche an sich, dass sie ihren Gegenstand und die zu dessen Begriff erforderliche empirische Synthesis als gegeben voraussetzen koennen, und die Frage, die aus ihnen entspringt, betrifft ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 351
    der Sphaere der Gegenstaende gesetzt wird, die uns gegeben werden koennen, gaenzlich nichtig und leer sei. Es ist nicht so ausserordentlich, als es anfangs scheint: dass eine Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehoerigen Fragen (quaestiones domesticae) lauter gewisse Aufloesungen ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 352
    bekennen, es sei ueber unsere Vernunft, auszumachen, ob die Welt von Ewigkeit her sei, oder einen Anfang habe; ob der Weltraum ins Unendliche mit Wesen erfuellt, oder innerhalb gewisser Grenzen eingeschlossen sei; ob irgend in der Welt etwas einfach sei, oder ob alles ins Unendliche geteilt werde...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 353
    nichts verborgen: so werdet ihr doch durch keine einzige Erfahrung den Gegenstand eurer Ideen in concreto erkennen koennen, (denn es wird, ausser dieser vollstaendigen Anschauung, noch eine vollendete Synthesis und das Bewusstsein ihrer absoluten Totalitaet erfordert, welches durch gar kein empir...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 354
    werden; daher ihr nur dafuer zu sorgen habt, mit euch selbst einig zu werden, und die Amphibolie zu verhueten, die eure Idee zu einer vermeintlichen Vorstellung eines empirisch Gegebenen, und also auch nach Erfahrungsgesetzen zu erkennenden Objekts macht. Die dogmatische Aufloesung ist also nicht...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 355
    Vielwisserei, gluecklich abfuehren wird. Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen koennte, dass, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven Synthesis der Erscheinungen sie sich auch schluege, so wuerde sie doch fuer einen jeden Verstandesbegriff entweder zu gross ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 356
    Totalitaet aber der empirischen Synthesis wird jederzeit erfordert, dass das Unbedingte ein Erfahrungsbegriff sei. Also ist eine begrenzte Welt fuer euren Begriff zu klein. Zweitens, besteht jede Erscheinung im Raume (Materie) aus unendlich viel Teilen, so ist der Regressus der Teilung fuer eure...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 357
    immer nach einer anderen Existenz umzusehen, von der sie abhaengig ist. Wir haben in allen diesen Faellen gesagt, dass die Weltidee fuer den empirischen Regressus, mithin jeden moeglichen Verstandesbegriff, entweder zu gross, oder auch fuer denselben zu klein sei. Warum haben wir uns nicht umgek...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 358
    dieser Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser Verdacht kann uns schon auf die rechte Spur fuehren, das Blendwerk zu entdecken, was uns so lange irregefuehrt hat. Der Antinomie der reinen Vernunft Sechster Abschnitt Der transzendentale Idealism als der Schluessel zu Aufloesung ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 359
    wie sie der innere Sinn vorstellt. Denn, da der Raum schon eine Form derjenigen Anschauung ist, die wir die aeussere nennen, und, ohne Gegenstaende in demselben, es gar keine empirische Vorstellung geben wuerde: so koennen und muessen wir darin ausgedehnte Wesen als wirklich annehmen, und ebenso ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 360
    Erfahrung, wirklich sind. Uns ist wirklich nichts gegeben, als die Wahrnehmung und der empirische Fortschritt von dieser zu anderen moeglichen Wahrnehmungen. Denn an sich selbst sind die Erscheinungen, als blosse Vorstellungen, nur in der Wahrnehmung wirklich, die in der Tat nichts anderes ist, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 361
    zuschreiben, und sagen: dass es vor aller Erfahrung an sich selbst gegeben sei. Die Erscheinungen aber sind, ihm gemaess, nicht an sich, sondern nur in dieser Erfahrung gegeben, weil sie blosse Vorstellungen sind, die nur als Wahrnehmungen einen wirklichen Gegenstand bedeuten, wenn naemlich diese...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 362
    um diese ist es auch nicht zu tun, sondern nur um die Regel des Fortschritts der Erfahrung, in der mir die Gegenstaende, naemlich Erscheinungen, gegeben werden. Es ist auch im Ausgange ganz einerlei, ob ich sage, ich koenne im empirischen Fortgange im Raume auf Sterne treffen, die hundertmal weit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 363
    instand setzen. Zuerst ist folgender Satz klar und ungezweifelt gewiss: dass, wenn das Bedingte gegeben ist, uns eben dadurch ein Regressus in der Reihe aller Bedingungen zu demselben aufgegeben sei; denn dieses bringt schon der Begriff des Bedingten so mit sich, dass dadurch etwas auf eine Bedi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 364
    Raume und der Zeit) und sind also nur in dieser gegeben. Nun folgt es gar nicht, dass, wenn das Bedingte (in der Erscheinung) gegeben ist, auch die Synthesis, die seine empirische Bedingung ausmacht, dadurch mitgegeben und vorausgesetzt sei, sondern diese findet allererst im Regressus, und niemal...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 365
    wird,) notwendig sukzessiv und nur in der Zeit nacheinander gegeben; folglich konnte ich die absolute Totalitaet der Synthesis und der dadurch vorgestellten Reihe hier nicht ebensowohl, als dort voraussetzen, weil dort alle Glieder der Reihe an sich (ohne Zeitbedingung) gegeben sind, hier aber nu...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 366
    zu beweisen und bald darauf durch andere ebenso starke wieder umzustuerzen suchte. Er behauptete, Gott (vermutlich war es bei ihm nichts als die Welt) sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder in Bewegung, noch in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder aehnlich, noch unaehnlich. Es schien den...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 367
    noch bei dem widerstreitenden Urteile, und wurde durch dieses also nicht mit aufgehoben, daher war das letztere nicht das kontradiktorische Gegenteil des ersteren. Sage ich demnach: die Welt ist dem Raume nach entweder unendlich, oder sie ist nicht unendlich (non est infinitus), so muss, wenn de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 368
    gar nicht an sich (unabhaengig von der regressiven Reihe meiner Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich unendliches, noch als ein an sich endliches Ganzes. Sie ist nur im empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und fuer sich selbst gar nicht anzutreffen. Daher, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 369
    ausmachen, im sukzessiven Regressus, sonst aber gar nicht existieren. Man kann aber auch umgekehrt aus dieser Antinomie einen wahren, zwar nicht dogmatischen, aber doch so kritischen und doktrinalen Nutzen ziehen: naemlich die transzendentale Idealitaet der Erscheinungen dadurch indirekt zu bewei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 370
    selbst, gegeben wird, sondern bloss im Regressus derselben aufgegeben werden kann, so behaelt der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft, in seiner dergestalt berichtigten Bedeutung, annoch seine gute Gueltigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalitaet im Objekt als wirklich zu denken, sondern als ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 371
    diese Unterscheidung habe anzeigen und dadurch verhindern wollen, dass man nicht, wie sonst unvermeidlich geschieht, (durch transzendentale Subreption,) einer Idee, welche bloss zur Regel dient, objektive Realitaet beimesse. Um nun den Sinn dieser Regel der reinen Vernunft gehoerig zu bestimmen,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 372
    bestimmen suchen. Von einer geraden Linie kann man mit Recht sagen, sie koenne ins Unendliche verlaengert werden, und hier wuerde die Unterscheidung des Unendlichen und des unbestimmbar weiten Fortgangs (progressus in indefinitum) eine leere Subtilitaet sein. Denn, obgleich, wenn es heisst: zieh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 373
    berechtigt und zugleich verbunden bin, zu jedem der Urvaeter noch fernerhin seinen Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht vorauszusetzen. Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen ins Unendlich...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 374
    sondern nur Erscheinungen, die, als Bedingungen voneinander, nur im Regressus selbst gegeben werden. Also ist die Frage nicht mehr: wie gross diese Reihe der Bedingungen an sich selbst sei, ob endlich oder unendlich, denn sie ist nichts an sich selbst, sondern: wie wir den empirischen Regressus a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 375
    Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen gibt, da die absolute Totalitaet der Reihen der Bedingungen in der Sinnenwelt sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch der Vernunft fusst, welche diese unbeding...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 376
    bewiese. I. Aufloesung der kosmologischen Idee von der Totalitaet der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem Weltganzen Sowohl hier, als bei den uebrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: dass im empirischen Regressus keine Erfahrung von...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 377
    des empirischen Regressus machen. Von diesem aber weiss ich niemals etwas mehr, als dass ich von jedem gegebenen Gliede der Reihe von Bedingungen immer noch zu einem hoeheren (entfernteren) Gliede empirisch fortgehen muesse. Also ist dadurch die Groesse des Ganzen der Erscheinungen gar nicht schl...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 378
    oder dem Raume nach unendlich. Denn dergleichen Begriff von Groesse, als einer gegebenen Unendlichkeit, ist empirisch, mithin auch in Ansehung der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings unmoeglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer gegebenen Wahrnehmung an, zu a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 379
    wirkliche Unendlichkeit derselben geschlossen. Hieraus folgt denn zugleich die bejahende Antwort: der Regressus in der Reihe der Welterscheinungen, als eine Bestimmung der Weltgroesse, geht in indefinitum, welches ebenso viel sagt, als: die Sinnenwelt hat keine absolute Groesse, sondern der empi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 380
    Groesse, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen Begriff von einer Groesse, die in Ansehung eines gewissen Masses unendlich waere, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene), sondern in unbestimmte Weite, um eine Groesse (der Erfahrung) zu geben, die allererst durch dies...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 381
    aber nicht die ganze Reihe der Teilung, welche sukzessivunendlich und niemals ganz ist, folglich keine unendliche Menge, und keine Zusammennehmung derselben in einem Ganzen darstellen kann. Diese allgemeine Erinnerung laesst sich zuerst sehr leicht auf den Raum anwenden. Ein jeder in seinen Gren...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 382
    wenn wir sie auch auf die Menge der auf gewisse Weise in dem gegebenen Ganzen schon abgesonderten Teile, dadurch diese ein quantum discretum ausmachen, erstrecken wollen. Annehmen, dass in jedem gegliederten (organisierten) Ganzen ein jeder Teil wiederum gegliedert sei, und dass man auf solche Ar...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 383
    Erfahrung liegen. Aber wie weit sich die transzendentale Teilung einer Erscheinung ueberhaupt erstrecke, ist gar keine Sache der Erfahrung, sondern ein Prinzipium der Vernunft, den empirischen Regressus, in der Dekomposition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemaess, niemals fuer sch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 384
    uebrigen aber eine dynamische Synthesis der Erscheinungen bedeuten. Bis hierher konnte dieses auch gar wohl geschehen, indem, so wie wir in der allgemeinen Vorstellung aller transzendentalen Ideen immer nur unter Bedingungen in der Erscheinung blieben, eben so auch in den zwei mathematischtransze...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 385
    ein Genuege getan und das Unbedingte den Erscheinungen vorgesetzt wird, ohne die Reihe der letzteren, als jederzeit bedingt, dadurch zu verwirren und, den Verstandesgrundsaetzen zuwider, abzubrechen. Dadurch nun, dass die dynamischen Ideen eine Bedingung der Erscheinungen ausser der Reihe dersel...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 386
    vorige Zustand, wenn er jederzeit gewesen waere, auch keine Wirkung, die allererst in der Zeit entspringt, hervorgebracht haette: so ist die Kausalitaet der Ursache dessen, was geschieht, oder entsteht, auch entstanden, und bedarf nach dem Verstandesgrundsatze selbst wiederum eine Ursache. Dageg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 387
    sondern dem Menschen ein Vermoegen beiwohnt, sich, unabhaengig von der Noetigung durch sinnliche Antriebe, von selbst zu bestimmen. Man sieht leicht, dass, wenn alle Kausalitaet in der Sinnenwelt bloss Natur waere, so wuerde jede Begebenheit durch eine andere in der Zeit nach notwendigen Gesetze...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 388
    denen wir uns in dieser und der folgenden Nummer beschaeftigen, haben dieses besondere: dass, da sie es nicht mit einem Gegenstande, als Groesse betrachtet, sondern nur mit seinem Dasein zu tun haben, man auch von der Groesse der Reihe der Bedingungen abstrahieren kann, und es bei ihnen bloss auf...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 389
    Kausalitaet nicht durch Erscheinungen bestimmt, obzwar ihre Wirkungen erscheinen, und so durch andere Erscheinungen bestimmt werden koennen. Sie ist also samt ihrer Kausalitaet ausser der Reihe; dagegen ihre Wirkungen in der Reihe der empirischen Bedingungen angetroffen werden. Die Wirkung kann a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 390
    weil sie an sich keine Dinge sind, ein transzendentaler Gegenstand zum Grunde liegen muss, der sie als blosse Vorstellungen bestimmt, so hindert nichts, dass wir diesem transzendentalen Gegenstande, ausser der Eigenschaft, dadurch er erscheint, nicht auch eine Kausalitaet beilegen sollten, die ni...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 391
    transzendentalen Gegenstand den Erscheinungen in Gedanken zum Grunde legen muessen, ob wir zwar von ihm, was er an sich selbst sei, nichts wissen. Nach seinem empirischen Charakter wuerde also dieses Subjekt, als Erscheinung, allen Gesetzen der Bestimmung nach, der Kausalverbindung unterworfen s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 392
    werden. Erlaeuterung der kosmologischen Idee einer Freiheit in Verbindung mit der allgemeinen Naturnotwendigkeit Ich habe gut gefunden, zuerst den Schattenriss der Aufloesung unseres transzendentalen Problems zu entwerfen, damit man den Gang der Vernunft in Aufloesung desselben dadurch besse...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 393
    Unter den Ursachen in der Erscheinung kann sicherlich nichts sein, welches eine Reihe schlechthin und von selbst anfangen koennte. Jede Handlung, als Erscheinung, sofern sie eine Begebenheit hervorbringt, ist selbst Begebenheit, oder Ereignis, welche einen anderen Zustand voraussetzt, darin die U...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 394
    wenn man annimmt, dass unter den Naturursachen es auch welche gebe, die ein Vermoegen haben, welches nur intelligibel ist, indem die Bestimmung desselben zur Handlung niemals auf empirischen Bedingungen, sondern auf blossen Gruenden des Verstandes beruht, so doch, dass die Handlung in der Erschei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 395
    oder bloss tierischbelebten Natur, finden wir keinen Grund, irgendein Vermoegen uns anders als bloss sinnlich bedingt zu denken. Allein der Mensch, der die ganze Natur sonst lediglich nur durch Sinne kennt, erkennt sich selbst auch durch blosse Apperzeption, und zwar in Handlungen und inneren Bes...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 396
    wenn auf sie das Sollen gerichtet ist; aber diese Naturbedingungen betreffen nicht die Bestimmung der Willkuer selbst, sondern nur die Wirkung und den Erfolg derselben in der Erscheinung. Es moegen noch so viel Naturgruende sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel sinnliche Anreize, so k...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 397
    Vernunft, sofern diese an ihren Wirkungen in der Erscheinung eine Regel zeigt, darnach man die Vernunftgruende und die Handlungen derselben nach ihrer Art und ihren Graden abnehmen, und die subjektiven Prinzipien seiner Willkuer beurteilen kann. Weil dieser empirische Charakter selbst aus den Ers...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 398
    Ansehung der Erscheinung; koennte da wohl die Handlung derselben frei heissen, da sie im empirischen Charakter derselben (der Sinnesart) ganz genau bestimmt und notwendig ist? Dieser ist wiederum im intelligiblen Charakter (der Denkungsart) bestimmt. Die letztere kennen wir aber nicht, sondern be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 399
    des Temperaments, oder dessen gluecklicher Beschaffenheit (merito fortunae) zuzuschreiben sei, kann niemand ergruenden, und daher auch nicht nach voelliger Gerechtigkeit richten. Gleichwohl gehoert doch eben dieselbe Ursache in einer anderen Beziehung auch zur Reihe der Erscheinungen. Der Mensch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 400
    sondern auch positiv durch ein Vermoegen bezeichnen, eine Reihe von Begebenheiten von selbst anzufangen, so, dass in ihr selbst nichts anfaengt, sondern sie, als unbedingte Bedingung jeder willkuerlichen Handlung, ueber sich keine der Zeit nach vorhergehende Bedingungen verstattet, indessen dass ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 401
    welche das Verhalten des Menschen, unangesehen aller genannten empirischen Bedingungen, anders habe bestimmen koennen und sollen. Und zwar sieht man die Kausalitaet der Vernunft nicht etwa bloss wie Konkurrenz, sondern an sich selbst als vollstaendig an, wenngleich die sinnlichen Triebfedern gar ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 402
    diese aber keine Sachen, mithin auch nicht Ursachen an sich selbst sind, keinen Unterschied der Handlung in Beziehung auf die Vernunft machen koenne. Wir koennen also mit der Beurteilung freier Handlungen, in Ansehung ihrer Kausalitaet, nur bis an die intelligible Ursache, aber nicht ueber diese...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 403
    wird hier nur als transzendentale Idee behandelt, wodurch die Vernunft die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung durch das Sinnlichunbedingte schlechthin anzuheben denkt, dabei sich aber in eine Antinomie mit ihren eigenen Gesetzen, welche sie dem empirischen Gebrauche des Verstandes vorschrei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 404
    Bedingungen dieser Reihe immer als Teile derselben, mithin als gleichartig, folglich als Erscheinungen angesehen werden muessen, anstatt dass in jenem Regressus, da es nicht um die Moeglichkeit eines unbedingten Ganzen aus gegebenen Teilen, oder eines unbedingten Teils zu einem gegebenen Ganzen, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 405
    Reihe von Bedingungen sei, davon man nicht immer die empirische Bedingung in einer moeglichen Erfahrung erwarten, und, soweit man kann, suchen muesse, und nichts uns berechtige, irgendein Dasein von einer Bedingung ausserhalb der empirischen Reihe abzuleiten, oder auch es als in der Reihe selbst ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 406
    besonderen Gang im transzendentalen Gebrauche. Die Sinnenwelt enthaelt nichts als Erscheinungen, diese aber sind blosse Vorstellungen, die immer wiederum sinnlich bedingt sind, und, da wir hier niemals Dinge an sich selbst zu unseren Gegenstaenden haben, so ist nicht zu verwundern, dass wir niem...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 407
    schliesst aber auch dieser regulative Grundsatz die Annehmung einer intelligiblen Ursache, die nicht in der Reihe ist, aus, wenn es um den reinen Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Zwecke) zu tun ist. Denn da bedeutet jene nur den fuer uns bloss transzendentalen und unbekannten Grund der Moeg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 408
    gegruendete, sondern stets bedingte, Dasein der Erscheinungen fordert uns auf: uns nach etwas von allen Erscheinungen unterschiedenem, mithin einem intelligiblen Gegenstande umzusehen, bei welchem diese Zufaelligkeit aufhoere. Weil aber, wenn wir uns einmal die Erlaubnis genommen haben, ausser de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 409
    liessen. Sie enthalten eine gewisse Vollstaendigkeit, zu welcher keine moegliche empirische Erkenntnis zulangt, und die Vernunft hat dabei nur eine systematische Einheit im Sinne, welcher sie die empirische moegliche Einheit zu naehern sucht, ohne sie jemals voellig zu erreichen. Aber noch weite...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 410
    ein Ideal, d.i. ein Mensch, der bloss in Gedanken existiert, der aber mit der Idee der Weisheit voellig kongruiert. So wie die Idee die Regel gibt, so dient das Ideal in solchem Falle zum Urbilde, der durchgaengigen Bestimmung des Nachbildes, und wir haben kein anderes Richtmass unserer Handlunge...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 411
    nicht erreichbare Muster moeglicher empirischer Anschauungen sein sollen, und gleichwohl keine der Erklaerung und Pruefung faehige Regel abgeben. Die Absicht der Vernunft mit ihrem Ideale ist dagegen die durchgaengige Bestimmung nach Regeln a priori; daher sie sich einen Gegenstand denkt, der na...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 412
    besonderen Moeglichkeit jedes Dinges enthalten soll. * Es wird also durch diesen Grundsatz jedes Ding auf ein gemeinschaftliches Korrelatum, naemlich die gesamte Moeglichkeit, bezogen, welche, wenn sie (d.i. der Stoff zu allen moeglichen Praedikaten) in der Idee eines einzigen Dinges angetroffen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 413
    einzelnen Gegenstande werde, der durch die blosse Idee durchgaengig bestimmt ist, mithin ein Ideal der reinen Vernunft genannt werden muss. Wenn wir alle moeglichen Praedikate nicht bloss logisch, sondern transzendental, d.i. nach ihrem Inhalte, der an ihnen a priori gedacht werden kann, erwaege...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 414
    sie uns den Abgrund der Unwissenheit aufgedeckt haben, den die menschliche Vernunft, ohne diese Kenntnisse, sich niemals so gross haette vorstellen koennen, und worueber das Nachdenken eine grosse Veraenderung in der Bestimmung der Endabsichten unseres Vernunftgebrauchs hervorbringen muss. Wenn ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 415
    eingeteilt werden, weil man ohne Erfahrung keine bestimmten Arten von Realitaet kennt, die unter jener Gattung enthalten waeren. Also ist der transzendentale Obersatz der durchgaengigen Bestimmung aller Dinge nichts anderes, als die Vorstellung des Inbegriffs aller Realitaet, nicht bloss ein Begr...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 416
    laesst,) sind blosse Einschraenkungen einer groesseren und endlich der hoechsten Realitaet, mithin setzen sie diese voraus, und sind dem Inhalte nach von ihr bloss abgeleitet. Alle Mannigfaltigkeit der Dinge ist nur eine eben so vielfaeltige Art, den Begriff der hoechsten Realitaet, der ihr gemei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 417
    ferner nachgehen, so werden wir das Urwesen durch den blossen Begriff der hoechsten Realitaet als ein einiges, einfaches, allgenugsames, ewiges usw., mit einem Worte, es in seiner unbedingten Vollstaendigkeit durch alle Praedikamente bestimmen koennen. Der Begriff eines solchen Wesens ist der von...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 418
    die empirische Form) a priori gedacht werden kann, dasjenige aber, was die Materie ausmacht, die Realitaet in der Erscheinung, (was der Empfindung entspricht) gegeben sein muss, ohne welches es auch gar nicht gedacht und mithin seine Moeglichkeit nicht vorgestellt werden koennte. Nun kann ein Geg...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 419
    verwechselt wird, was an der Spitze der Moeglichkeit aller Dinge steht, zu deren durchgaengiger Bestimmung es die realen Bedingungen hergibt.* * Dieses Ideal des allerrealsten Wesens wird also, ob es zwar eine blosse Vorstellung ist, zuerst realisiert, d.i. zum Objekt gemacht, darauf hypostasier...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 420
    alles erfuellt und dadurch keinen Platz zum Warum mehr uebrig laesst, d.i. der Realitaet nach unendlich ist. Wenn etwas, was es auch sei, existiert, so muss auch eingeraeumt werden, dass irgend etwas notwendigerweise existiere. Denn das Zufaellige existiert nur unter der Bedingung eines anderen,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 421
    ist, kein solches Merkmal der Unabhaengigkeit von allen ferneren Bedingungen an sich zeigt. Es ist wahr, dass hieraus noch nicht sicher gefolgert werden koenne, dass, was nicht die hoechste und in aller Absicht vollstaendige Bedingung in sich enthaelt, darum selbst seiner Existenz nach bedingt se...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 422
    waehlen, oder man hat vielmehr keine Wahl, sondern ist genoetigt, der absoluten Einheit der vollstaendigen Realitaet, als dem Urquelle der Moeglichkeit, seine Stimme zu geben. Wenn uns aber nichts treibt, uns zu entschliessen, und wir lieber diese ganze Sache dahingestellt sein liessen, bis wir d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 423
    Eigenschaften eines notwendigen Wesens verschafft, und ueberall gar nichts geleistet. Gleichwohl bleibt diesem Argumente eine gewisse Wichtigkeit, und ein Ansehen, das ihm, wegen dieser objektiven Unzulaenglichkeit, noch nicht sofort genommen werden kann. Denn setzet, es gebe Verbindlichkeiten, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 424
    bis zu ihr hinaufzusteigen, und keinen Grund, ueber sie noch weiter hinauszugehen. Daher sehen wir bei allen Voelkern durch ihre blindeste Vielgoetterei doch einige Funken des Monotheismus durchschimmern, wozu nicht Nachdenken und tiefe Spekulation, sondern nur ein nach und nach verstaendlich gew...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 425
    seiner Beweiskraft tun koenne. Des dritten Hauptstuecks Vierter Abschnitt Von der Unmoeglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes Man sieht aus dem bisherigen leicht: dass der Begriff eines absolut notwendigen Wesens ein reiner Vernunftbegriff, d.i. eine blosse Idee sei, deren o...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 426
    seiner Verstaendlichkeit ganz unnoetig erschienen. Ein jeder Satz der Geometrie, z.B. dass ein Triangel drei Winkel habe, ist schlechthin notwendig, und so redete man von einem Gegenstande, der ganz ausserhalb der Sphaere unseres Verstandes liegt, als ob man ganz wohl verstaende, was man mit dem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 427
    ist kein Widerspruch. Gerade ebenso ist es mit dem Begriffe eines absolut notwendigen Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Praedikaten auf; wo soll alsdann der Widerspruch herkommen? Aeusserlich ist nichts, dem widersprochen wuerde, d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 428
    allerrealsten Wesens. Es hat, sagt ihr, alle Realitaet, und ihr seid berechtigt, ein solches Wesen als moeglich anzunehmen, (welches ich vorjetzt einwillige, obgleich der sich nicht widersprechende Begriff noch lange nicht die Moeglichkeit des Gegenstandes beweist)*. Nun ist unter aller Realitaet...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 429
    Vorgeben nach aus der inneren Moeglichkeit geschlossen, welches nichts als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realitaet, welches im Begriffe des Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des Praedikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auch alles Setzen (unbestimmt was ihr setzt) Realit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 430
    zusammen, und sage: Gott ist, oder es ist ein Gott, so setze ich kein neues Praedikat zum Begriffe von Gott, sondern nur das Subjekt an sich selbst mit allen seinen Praedikaten, und zwar den Gegenstand in Beziehung auf meinen Begriff. Beide muessen genau einerlei enthalten, und es kann daher zu d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 431
    anderes, als ich dachte, existieren. Denke ich mir nun ein Wesen als die hoechste Realitaet (ohne Mangel), so bleibt noch immer die Frage, ob es existiere, oder nicht. Denn, obgleich an meinem Begriffe, von dem moeglichen realen Inhalte eines Dinges ueberhaupt, nichts fehlt, so fehlt doch noch et...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 432
    Voraussetzung, die wir durch nichts rechtfertigen koennen. Der Begriff eines hoechsten Wesens ist eine in mancher Absicht sehr nuetzliche Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloss Idee ist, ganz unfaehig, um vermittelst ihrer allein unsere Erkenntnis in Ansehung dessen, was existiert, zu erw...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 433
    Notwendigkeit unbedingt und a priori gewiss sein muss, gezwungen worden, einen Begriff zu suchen, der, wo moeglich, einer solchen Forderung ein Genuege taete, und ein Dasein voellig a priori zu erkennen gebe. Diesen glaubte man nun in der Idee eines allerrealsten Wesens zu finden und so wurde die...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 434
    enthaelt eine Erfahrung, der Obersatz die Schlussfolge aus einer Erfahrung ueberhaupt auf das Dasein des Notwendigen.* Also hebt der Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gaenzlich a priori gefuehrt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller moeglichen Erfahrung Welt h...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 435
    Zeugen Einstimmung beruft, naemlich einen reinen Vernunftzeugen und einen anderen von empirischer Beglaubigung, da es doch nur der erstere allein ist, welcher bloss seinen Anzug und Stimme veraendert, um fuer einen zweiten gehalten zu werden. Um seinen Grund recht sicher zu legen, fusst sich dies...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 436
    Begriff der absoluten Notwendigkeit zu fuehren, nicht aber um diese an irgendeinem bestimmten Dinge darzutun. Denn sobald wir dieses zur Absicht haben, muessen wir sofort alle Erfahrung verlassen, und unter reinen Begriffen suchen, welcher von ihnen wohl die Bedingungen der Moeglichkeit eines abs...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 437
    auf den alten zurueckbringt, den wir seinetwegen verlassen hatten. Ich habe kurz vorher gesagt, dass in diesem kosmologischen Argumente sich ein ganzes Nest von dialektischen Anmassungen verborgen halte, welches die transzendentale Kritik leicht entdecken und zerstoeren kann. Ich will sie jetzt ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 438
    schliessen wir aus einem zum Grunde gelegten wirklichen Dasein (einer Erfahrung ueberhaupt), so gut es sich will tun lassen, auf irgendeine schlechterdings notwendige Bedingung desselben. Wir haben alsdann dieser ihre Moeglichkeit nicht noetig zu erklaeren. Denn, wenn bewiesen ist, dass sie da se...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 439
    Wesens annahm, und nur wissen wollte, welches denn unter allen Dingen dafuer angesehen werden muesse, nicht antworten: Dies hier ist das notwendige Wesen. Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der hoechsten Zulaenglichkeit, als Ursache zu allen moeglichen Wirkungen, anzunehmen, u...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 440
    wie die kleinste, schwebt ohne Haltung bloss vor der spekulativen Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere ohne die mindeste Hindernis verschwinden zu lassen. Viele Kraefte der Natur, die ihr Dasein durch gewisse Wirkungen aeussern, bleiben fuer uns unerforschlich; denn wir koe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 441
    Ursache der Unvermeidlichkeit, etwas als an sich notwendig unter den existierenden Dingen anzunehmen, und doch zugleich vor dem Dasein eines solchen Wesens als einem Abgrunde zurueckzubeben, und wie faengt man es an, dass sich die Vernunft hierueber selbst verstehe, und aus dem schwankenden Zusta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 442
    das formale Interesse der Vernunft besorgen, ganz wohl beieinander bestehen. Denn der eine sagt, ihr sollt so ueber die Natur philosophieren, als ob es zu allem, was zur Existenz gehoert, einen notwendigen ersten Grund gebe, lediglich um systematische Einheit in eure Erkenntnis zu bringen, indem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 443
    empirische Prinzipium der Einheit der Erscheinungen, und hat, sofern als es empirisch unbedingt ist, eine Eigenschaft des regulativen Prinzips an sich. Gleichwohl, da jede Bestimmung der Materie, welche das Reale derselben ausmacht, mithin auch die Undurchdringlichkeit, eine Wirkung (Handlung) is...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 444
    gleich nur ein Prinzipium der Sinnlichkeit, ist dennoch eben darum fuer ein schlechterdings notwendiges fuer sich bestehendes Etwas und einen a priori an sich selbst gegebenen Gegenstand gehalten wird, so geht es auch ganz natuerlich zu, dass, da die systematische Einheit der Natur auf keinerlei ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 445
    letzteren, dass ihr niemals irgendeine Erfahrung kongruieren koenne. Die transzendentale Idee von einem notwendigen allgenugsamen Urwesen ist so ueberschwenglich gross, so hoch ueber alles Empirische, das jederzeit bedingt ist, erhaben, dass man teils niemals Stoff genug in der Erfahrung auftreib...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 446
    sich befindet, so weist er immer weiter hin nach einem anderen Dinge, als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage notwendig macht, so, dass auf solche Weise das ganze All im Abgrunde des Nichts versinken muesste, naehme man nicht etwas an, das ausserhalb diesem unendlichen Z...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 447
    die veranlassende Idee, zurueck, und vermehren den Glauben an einen hoechsten Urheber bis zu einer unwiderstehlichen Ueberzeugung. Es wuerde daher nicht allein trostlos, sondern auch ganz umsonst sein, dem Ansehen dieses Beweises etwas entziehen zu wollen. Die Vernunft, die durch so maechtige un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 448
    fremd, und haengt ihnen nur zufaellig an, d.i. die Natur verschiedener Dinge konnte von selbst, durch so vielerlei sich vereinigende Mittel, zu bestimmten Endabsichten nicht zusammenstimmen, waeren sie nicht durch ein anordnendes vernuenftiges Prinzip, nach zum Grunde liegenden Ideen, dazu ganz e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 449
    der Materie, d.i. der Substanz in der Welt beweisen; denn zu dem letzteren wuerde noch erfordert werden, dass bewiesen werden koennte, die Dinge der Welt waeren an sich selbst zu dergleichen Ordnung und Einstimmung, nach allgemeinen Gesetzen, untauglich, wenn sie nicht, selbst ihrer Substanz nach...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 450
    begreift, und nur das All (omnitudo) der Realitaet ist im Begriffe durchgaengig bestimmt. Nun will ich nicht hoffen, dass sich jemand unterwinden sollte, das Verhaeltnis der von ihm beobachteten Weltgroesse (nach Umfang sowohl als Inhalt) zur Allmacht, der Weltordnung zur hoechsten Weisheit, der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 451
    Strecke auf dem Boden der Natur und Erfahrung fortgegangen sind, und sich gleichwohl immer noch eben so weit von dem Gegenstande sehen, der ihrer Vernunft entgegen scheint, sie ploetzlich diesen Boden verlassen, und ins Reich blosser Moeglichkeiten uebergehen, wo sie auf den Fluegeln der Ideen de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 452
    auch eine natuerliche Theologie annimmt, Theist genannt. Der erstere gibt zu, dass wir allenfalls das Dasein eines Urwesens durch blosse Vernunft erkennen koennen, wovon aber unser Begriff bloss transzendental sei, naemlich nur als von einem Wesen, das alle Realitaet hat, die man aber nicht naehe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 453
    interessiert, so koennte man, nach der Strenge, dem Deisten allen Glauben an Gott absprechen, und ihm lediglich die Behauptung eines Urwesens, oder obersten Ursache, uebrig lassen. Indessen, da niemand darum, weil er etwas sich nicht zu behaupten getraut, beschuldigt werden darf, er wolle es gar ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 454
    jederzeit auch als zufaellig gedacht wird, so kann die zu ihm gehoerige Bedingung daraus nicht als schlechthin notwendig erkannt werden, sondern dient nur als eine respektiv notwendige, oder vielmehr noetige, an sich selbst aber und a priori willkuerliche Voraussetzung zum Vernunfterkenntnis des ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 455
    der Form der Welt, der Art ihrer Verbindung und dem Wechsel derselben die Rede waere, ich wollte aber daraus auf eine Ursache schliessen, die von der Welt gaenzlich unterschieden ist; so wuerde dieses wiederum ein Urteil der bloss spekulativen Vernunft sein, weil der Gegenstand hier gar kein Obje...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 456
    werden. Der physischtheologische Beweis koennte also vielleicht wohl anderen Beweisen (wenn solche zu haben sind) Nachdruck geben, indem er Spekulation mit Anschauung verknuepft: fuer sich selbst aber bereitet er mehr den Verstand zur theologischen Erkenntnis vor, und gibt ihm dazu eine gerade un...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 457
    Ausforderung nicht ausschlagen will, in jedem Versuche dieser Art den Fehlschluss aufzudecken, und dadurch seine Anmassung zu vereiteln: so wird daher doch die Hoffnung besseren Gluecks bei denen, welche einmal dogmatischer Ueberredungen gewohnt sind, niemals voellig aufgehoben, und ich halte mic...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 458
    anderweitiger, vielleicht praktischer Beziehung, die Voraussetzung eines hoechsten und allgenugsamen Wesens, als oberster Intelligenz, ihre Gueltigkeit ohne Widerrede behauptete: so waere es von der groessten Wichtigkeit, diesen Begriff auf seiner transzendentalen Seite, als den Begriff eines not...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 459
    ohne Bedingungen des Raumes, die Allmacht usw. sind lauter transzendentale Praedikate, und daher kann der gereinigte Begriff derselben, den eine jede Theologie so sehr noetig hat, bloss aus der transzendentalen gezogen werden. Anhang zur transzendentalen Dialektik Von dem regulativen Gebrauch ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 460
    sondern lediglich auf den Verstand, und vermittelst desselben auf ihren eigenen empirischen Gebrauch, schafft also keine Begriffe (von Objekten), sondern ordnet sie nur, und gibt ihnen diejenige Einheit, welche sie in ihrer groesstmoeglichen Ausbreitung haben koennen, d.i. in Beziehung auf die To...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 461
    den Verstand ueber jede gegebene Erfahrung (dem Teile der gesamten moeglichen Erfahrung) hinaus, mithin auch zur groesstmoeglichen und aeussersten Erweiterung abrichten wollen. Uebersehen wir unsere Verstandeserkenntnisse in ihrem ganzen Umfange, so finden wir, dass dasjenige, was Vernunft ganz ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 462
    abzuleiten, so ist entweder das Allgemeine schon an sich gewiss und gegeben, und alsdann erfordert es nur Urteilskraft zur Subsumtion, und das Besondere wird dadurch notwendig bestimmt. Dieses will ich den apodiktischen Gebrauch der Vernunft nennen. Oder das Allgemeine wird nur problematisch ange...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 463
    Prinzip sei, um, da wo der Verstand allein nicht zu Regeln hinlangt, ihm durch Ideen fortzuhelfen, und zugleich der Verschiedenheit seiner Regeln Einhelligkeit unter einem Prinzip (systematische) und dadurch Zusammenhang zu verschaffen, soweit als es sich tun laesst. Ob aber die Beschaffenheit de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 464
    verschiedene Aeusserungen einer und derselben Kraft seien, welche (komparativ) ihre Grundkraft heissen kann. Ebenso verfaehrt man mit den uebrigen. Die komparativen Grundkraefte muessen wiederum untereinander verglichen werden, um sie dadurch, dass man ihre Einhelligkeit entdeckt, einer einzigen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 465
    versteckte Einheit zu behandeln, und sie aus irgendeiner Grundkraft, soviel an ihr ist, abzuleiten, wenn es ihr freistaende zuzugeben, dass es ebensowohl moeglich sei, alle Kraefte waeren ungleichartig, und die systematische Einheit ihrer Ableitung der Natur nicht gemaess? denn alsdann wuerde sie...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 466
    darbiete, und die anscheinende unendliche Verschiedenheit duerfe uns nicht abhalten, hinter ihr Einheit der Grundeigenschaften zu vermuten, von welchen die Mannigfaltigkeit nur durch mehrere Bestimmung abgeleitet werden kann. Dieser Einheit, ob sie gleich eine blosse Idee ist, ist man zu allen Ze...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 467
    kein Begriff von Gattung, oder irgendein allgemeiner Begriff, ja sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur Gegenstaende, die uns gegeben werden, ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 468
    Sphaere des Begriffs, der eine Gattung bezeichnet, ist ebensowenig, wie aus dem Raume, den Materie einnehmen kann, zu ersehen, wie weit die Teilung derselben gehen koenne. Daher jede Gattung verschiedene Arten, diese aber verschiedene Unterarten erfordert, und, da keine der letzteren stattfindet,...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 469
    entlehnt sein; denn diese kann keine so weitgehende Eroeffnungen geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch das schon vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als ein Prinzip der Vernunft, geleitet worden, s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 470
    Zuschauers, seinen Horizont hat, d.i. eine Menge von Dingen, die aus demselben koennen vorgestellt und gleichsam ueberschaut werden. Innerhalb diesem Horizonte muss eine Menge von Punkten ins Unendliche angegeben werden koennen, deren jeder wiederum seinen engeren Gesichtskreis hat; d.i. jede Art...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 471
    Unterschied voneinander. Das erste Gesetz also verhuetet die Ausschweifung in die Mannigfaltigkeit verschiedener urspruenglichen Gattungen, und empfiehlt die Gleichartigkeit; das zweite schraenkt dagegen diese Neigung zur Einhelligkeit wiederum ein, und gebietet Unterscheidung der Unterarten, be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 472
    discretum ausmachen muessen, und, wenn der stufenartige Fortgang in der Verwandtschaft derselben kontinuierlich waere, sie auch eine wahre Unendlichkeit der Zwischenglieder, die innerhalb zweier gegebener Arten laegen, enthalten muesste, welches unmoeglich ist: sondern auch, weil wir von diesem G...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 473
    Prinzipien, auf Einheit der Gattungen dieser Bahnen in ihrer Gestalt, dadurch aber weiter auf Einheit der Ursache aller Gesetze ihrer Bewegung (die Gravitation), von da wir nachher unsere Eroberungen ausdehnen, und auch alle Varietaeten und scheinbare Abweichungen von jenen Regeln aus demselben P...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 474
    konstitutiver Grundsaetze, abgehe, wie will ich ihnen dennoch einen regulativen Gebrauch, und mit demselben einige objektive Gueltigkeit sichern, und was kann derselbe fuer Bedeutung haben? Der Verstand macht fuer die Vernunft ebenso einen so Gegenstand aus, als die Sinnlichkeit fuer den Verstan...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 475
    mit dem Prinzip der durchgaengigen Einheit, soviel als moeglich, in Zusammenhang gebracht, und davon abgeleitet wird. Ich nenne alle subjektiven Grundsaetze, die nicht von der Beschaffenheit des Objekts, sondern dem Interesse der Vernunft, in Ansehung einer gewissen moeglichen Vollkommenheit der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 476
    begreifen, dass er fuer beide viel zu tief verborgen liege, als dass sie aus Einsicht in die Natur des Objekts sprechen koennten. Es ist nichts anderes, als das zwiefache Interesse der Vernunft, davon dieser Teil das eine, jener das andere zu Herzen nimmt, oder auch affektiert, mithin die Verschi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 477
    Vernunft Die Ideen der reinen Vernunft koennen nimmermehr an sich selbst dialektisch sein, sondern ihr blosser Missbrauch muss es allein machen, dass uns von ihnen ein trueglicher Schein entspringt; denn sie sind uns durch die Natur unserer Vernunft aufgegeben, und dieser oberste Gerichtshof all...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 478
    Realitaet soll nicht darin bestehen, dass er sich geradezu auf einen Gegenstand bezieht (denn in solcher Bedeutung wuerden wir seine objektive Gueltigkeit nicht rechtfertigen koennen), sondern er ist nur ein nach Bedingungen der groessten Vernunfteinheit geordnetes Schema, von dem Begriffe eines ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 479
    der inneren Erfahrung so verknuepfen, als ob dasselbe eine einfache Substanz waere, die, mit persoenlicher Identitaet, beharrlich (wenigstens im Leben) existiert, indessen dass ihre Zustaende, zu welcher die des Koerpers nur als aeussere Bedingungen gehoeren, kontinuierlich wechseln. Wir muessen ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 480
    bringen will (die psychologische und theologische enthalten dergleichen gar nicht). Denn ein Widerspruch ist in ihnen nicht, wie sollte uns daher jemand ihre objektive Realitaet streiten koennen, da er von ihrer Moeglichkeit ebensowenig weiss, um sie zu verneinen, als wir, um sie zu bejahen. Glei...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 481
    die uns zur Richtschnur des empirischen Gebrauchs der Vernunft dienen soll, ohne doch etwas darueber auszumachen, was der Grund dieser Einheit, oder die innere Eigenschaft eines solchen Wesens sei, auf welchem, als Ursache, sie beruhe. So ist der transzendentale und einzige bestimmte Begriff, de...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 482
    kann genugsamen Grund haben, etwas relativ anzunehmen (suppositio relativa), ohne doch befugt zu sein, es schlechthin anzunehmen (suppositio absoluta). Diese Unterscheidung trifft zu, wenn es bloss um ein regulatives Prinzip zu tun ist, wovon wir zwar die Notwendigkeit an sich selbst, aber nicht ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 483
    Grunde jener systematischen Einheit, in Beziehung auf diese letztere solche Eigenschaft gebe, als den Verstandesbegriffen im empirischen Gebrauche analogisch sind. Ich werde mir also nach der Analogie der Realitaeten in der Welt der Substanzen, der Kausalitaet und der Notwendigkeit, ein Wesen den...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 484
    unserer Idee, so sehen wir, dass wir seine Wirklichkeit nach den Begriffen von Realitaet, Substanz, Kausalitaet usw. an sich selbst nicht voraussetzen koennen, weil diese Begriffe auf etwas, das von der Sinnenwelt ganz unterschieden ist, nicht die mindeste Anwendung haben. Also ist die Suppositio...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 485
    ins Unendliche (Unbestimmte) zu befoerdern und zu befestigen, ohne dabei jemals den Gesetzen des empirischen Gebrauchs im mindesten zuwider zu sein. Die Vernunft kann aber diese systematische Einheit nicht anders denken, als dass sie ihrer Idee zugleich einen Gegenstand gibt, der aber durch kein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 486
    niemals zu einer systematischen Einheit aller Erscheinungen des inneren Sinnes. Statt des Erfahrungsbegriffs also (von dem, was die Seele wirklich ist), der uns nicht weit fuehren kann, nimmt die Vernunft den Begriff der empirischen Einheit alles Denkens, und macht dadurch, dass sie diese Einheit...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 487
    also wird die Betrachtung dieses Gegenstandes des inneren Sinnes ganz rein und unvermengt mit ungleichartigen Eigenschaften angestellt, ueberdem die Vernunftuntersuchung darauf gerichtet, die Erklaerungsgruende in diesem Subjekte, so weit es moeglich ist, auf ein einziges Prinzip hinaus zu fuehre...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 488
    wir in Ansehung derselben verfahren sollen, naemlich in der Erklaerung gegebener Erscheinungen (im Zurueckgehen oder Aufsteigen) so, als ob die Reihe an sich unendlich waere, d.i. in indefinitum, aber wo die Vernunft selbst als bestimmende Ursache betrachtet wird (in der Freiheit), also bei prakt...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 489
    niemals aber eine Erweiterung ueber alle Grenzen des empirischen Gebrauchs, folglich unter dieser Idee kein konstitutives Prinzip ihres auf moegliche Erfahrung gerichteten Gebrauchs verborgen liege. Diese hoechste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen beruht, ist die zweckmaessige...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 490
    erweitert auch die Physiologie (der Aerzte) ihre sehr eingeschraenkte empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues eines organischen Koerpers durch einen Grundsatz, welchen bloss reine Vernunft eingab, so weit, dass man darin ganz dreist und zugleich mit aller Verstaendigen Einstimmung an...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 491
    einer Idee zuwider ist) konstitutiv braucht, ist die faule Vernunft (ignava ratio)*. Man kann jeden Grundsatz so nennen, welcher macht, dass man seine Naturuntersuchung, wo es auch sei, fuer schlechthin vollendet ansieht, und die Vernunft sich also zur Ruhe begibt, als ob sie ihr Geschaeft voelli...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 492
    als wo ihn uns die Ordnung der Natur und die Reihe der Veraenderungen, nach ihren inneren und allgemeineren Gesetzen, an die Hand gibt. Dieser Fehler kann vermieden werden, wenn wir nicht bloss einige Naturstuecke, als z.B. die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk desselben, und die Beschaff...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 493
    antreffen laesst, um so viel auch zu glauben, dass man sich der Vollstaendigkeit ihres Gebrauchs genaehert habe, ob man sie freilich niemals erreichen wird. Anstatt dessen kehrt man die Sache um, und faengt davon an, dass man die Wirklichkeit eines Prinzips der zweckmaessigen Einheit als hypostat...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 494
    hypostatisch voraussetzen, heisst nur die Vernunft verwirren. Die Naturforschung geht ihren Gang ganz allein an der Kette der Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der Idee eines Urhebers, aber nicht um die Zweckmaessigkeit, der sie allerwaerts nachgeht, von demselben abzul...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 495
    kuehne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine Vernunft ihr groesstes Interesse hat, bestaetigen, und dadurch unsere Betrachtung ueber die Dialektik derselben zur gaenzlichen Vollendung bringen. Fraegt man denn also (in Absicht auf eine transzendentale Theologie)* erstlich: ob es...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 496
    Absichten Urheber derselben sei, bezogen wird. Was dieser Ungrund der Welteinheit an sich selbst sei, hat dadurch nicht gedacht werden sollen, sondern wie wir ihn, oder vielmehr seine Idee, relativ auf den systematischen Gebrauch der Vernunft in Ansehung der Dinge der Welt, brauchen sollen. * Da...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 497
    Aber (wird man ferner fragen) auf solche Weise kann ich doch von dem Begriffe und der Voraussetzung eines hoechsten Wesens in der vernuenftigen Weltbetrachtung Gebrauch machen? Ja, dazu war auch eigentlich diese Idee von der Vernunft zum Grunde gelegt. Allein darf ich nun zweckaehnliche Anordnung...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 498
    Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu legen, um nach der Analogie einer Kausalbestimmung der Erscheinungen als systematisch untereinander verknuepft anzusehen. Eben daher sind wir auch berechtigt, die Weltursache in der Idee nicht allein nach einem subtileren Ant...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 499
    Vernunft auf ihr eigentuemliches Feld, die Natur, zurueckweist. So enthaelt die reine Vernunft, die uns anfangs nichts Geringeres, als Erweiterung der Kenntnisse ueber alle Grenzen der Erfahrung, zu versprechen schiene, wenn wir sie recht verstehen, nichts als regulative Prinzipien, die zwar gro...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 500
    zum Behuf ihrer Anmassungen auftreten laesst, ueberhoben sein koennen; denn wir wussten es schon zum voraus mit voelliger Gewissheit, dass alles Vorgeben derselben zwar vielleicht ehrlich gemeint, aber schlechterdings nichtig sein muesse, weil es eine Kundschaft betraf, die kein Mensch jemals bek...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 501
    zerstreuen musste, um sich, ein jeder nach seinem Entwurfe, besonders anzubauen. Jetzt ist es uns nicht sowohl um die Materialien, als vielmehr um den Plan zu tun, und, indem wir gewarnt sind, es nicht auf einen beliebigen blinden Entwurf, der vielleicht unser ganzes Vermoegen uebersteigen koennt...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 502
    in Ansehung des Inhalts aber unserer Erkenntnis ueberhaupt, ob sie durch ein Urteil erweitert, oder beschraenkt wird, haben die verneinenden das eigentuemliche Geschaeft, lediglich den Irrtum abzuhalten. Daher auch negative Saetze, welche eine falsche Erkenntnis abhalten sollen, wo doch niemals e...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 503
    jedermann leicht zugeben. Dass aber die Vernunft, der es eigentlich obliegt, allen anderen Bestrebungen ihre Disziplin vorzuschreiben, selbst noch eine solche noetig habe, das mag allerdings befremdlich scheinen, und in der Tat ist sie auch einer solchen Demuetigung eben darum bisher entgangen, w...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 504
    den Inhalt, sondern bloss auf die Methode der Erkenntnis aus reiner Vernunft richte. Das erstere ist schon in der Elementarlehre geschehen. Es hat aber der Vernunftgebrauch so viel Aehnliches, auf welchen Gegenstand er auch angewandt werden mag, und ist doch, sofern er transzendental sein soll, z...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 505
    entsprechenden Gegenstand, entweder durch blosse Einbildung, in der reinen, oder nach derselben auch auf dem Papier, in der empirischen Anschauung, beidemal aber voellig a priori, ohne das Muster dazu aus irgendeiner Erfahrung geborgt zu haben, darstelle. Die einzelne hingezeichnete Figur ist emp...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 506
    machen koennen, aber die Farbe dieses Kegels wird in einer oder anderer Erfahrung zuvor gegeben sein muessen. Den Begriff einer Ursache ueberhaupt kann ich auf keine Weise in der Anschauung darstellen, als an einem Beispiele, das mir Erfahrung an die Hand gibt, usw. Uebrigens handelt die Philosop...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 507
    zusammen gerade so viel austragen, als alle beruehrenden Winkel, die aus einem Punkte auf einer geraden Linie gezogen werden koennen, zusammen, so verlaengert er eine Seite seines Triangels, und bekommt zwei beruehrende Winkel, die zweien rechten zusammen gleich sind. Nun teilt er den aeusseren v...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 508
    erzeugt werden koennen, (hierin wuerde der Philosoph ohne Zweifel den Vorteil ueber seinen Nebenbuhler haben,) sondern auf synthetische, und zwar solche, die a priori sollen erkannt werden. Denn ich soll nicht auf dasjenige sehen, was ich in meinem Begriffe vom Triangel wirklich denke, (dieses is...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 509
    Vernunftgebrauch notwendig macht, und an welchen Bedingungen man erkennen koenne, ob nur der erste, oder auch der zweite stattfinde. Alle unsere Erkenntnis bezieht sich doch zuletzt auf moegliche Anschauungen: denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben. Nun enthaelt ein Begriff a priori...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 510
    aber keinen einzigen ihrer Begriffe a priori in irgendeinem Falle darstellen, sondern tun dieses nur a posteriori, vermittelst der Erfahrung, die nach jenen synthetischen Grundsaetzen allererst moeglich wird. Wenn man von einem Begriffe synthetisch urteilen soll, so muss man aus diesem Begriffe ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 511
    Satz, sondern nur ein Grundsatz der Synthesis* moeglicher empirischer Anschauungen entspringen. Also ist ein transzendentaler Satz ein synthetisches Vernunfterkenntnis nach blossen Begriffen, und mithin diskursiv, indem dadurch alle synthetische Einheit der empirischen Erkenntnis allererst moegli...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 512
    Inhalte nach unter Begriffe zu bringen, welche darauf nicht anders als empirisch, d.i. a posteriori, (aber jenen Begriffen als Regeln einer empirischen Synthesis gemaess,) koennen bestimmt werden; dieser ist der Vernunftgebrauch durch Konstruktion der Begriffe, indem diese, da sie schon auf eine ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 513
    dieser Zuversicht zu sich selbst und dem gemeinen Wesen an grossen Erwartungen von ihrer Geschicklichkeit, wenn sie sich einmal hiermit befassen sollten, gar nicht zu fehlen. Denn da sie kaum jemals ueber ihre Mathematik philosophiert haben, (ein schweres Geschaeft!) so kommt ihnen der spezifisch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 514
    Vorteil schaffen koenne, es muesste denn der sein, die Bloessen ihrer selbst desto deutlicher aufzudecken, dass Messkunst und Philosophie zwei ganz verschiedene Dinge seien, ob sie sich zwar in der Naturwissenschaft einander die Hand bieten, mithin das Verfahren des einen niemals von dem anderen ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 515
    Begriff zu definieren, da, wenn z.B. von dem Wasser und dessen Eigenschaften die Rede ist, man sich bei dem nicht aufhalten wird, was man bei dem Worte Wasser denkt, sondern zu Versuchen schreitet, und das Wort, mit den wenigen Merkmalen, die ihm anhaengen, nur eine Bezeichnung und nicht einen Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 516
    diesen willkuerlichen Begriff noch nicht gegeben; ich weiss daraus nicht einmal, ob er ueberall einen Gegenstand habe, und meine Erklaerung kann besser eine Deklaration (meines Projekts) als Definition eines Gegenstandes heissen. Also blieben keine anderen Begriffe uebrig, die zum Definieren taug...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 517
    wir aus einigen Merkmalen, die wir aus einer noch unvollendeten Zergliederung gezogen haben, manches vorher schliessen koennen, ehe wir zur vollstaendigen Exposition, d.i. zur Definition gelangt sind; mit einem Worte, dass in der Philosophie die Definition, als abgemessene Deutlichkeit, das Werk ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 518
    dass eine jede Linie, deren alle Punkte von einem einigen gleich weit abstehen, krumm (kein Teil von ihr gerade) sei. Analytische Definitionen koennen dagegen auf vielfaeltige Art irren, entweder indem sie Merkmale hineinbringen, die wirklich nicht im Begriffe lagen, oder an der Ausfuehrlichkeit ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 519
    zweimal zwei vier geben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel der Grundsaetze des reinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der Anschauung gedacht; allein der daselbst angefuehrte Grundsatz war selbst kein Axiom, sondern diente nur dazu, das Prinzipium der Moeglichkeit der Axiomen ueberhau...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 520
    die ersteren daher lieber akroamatische (diskursive) Beweise nennen, weil sie sich nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedanken) fuehren lassen, als Demonstrationen, welche, wie der Ausdruck es schon anzeigt, in der Anschauung des Gegenstandes fortgehen. Aus allem diesem folgt nun, dass es...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 521
    Lehrsprueche uebersetzen koennte). Aber unter den gedachten zwei Arten synthetischer Saetze a priori koennen, nach dem gewoehnlichen Redegebrauch, nur die zum philosophischen Erkenntnisse gehoerigen diesen Namen fuehren, und man wuerde schwerlich die Saetze der Rechenkunst, oder Geometrie, Dogmat...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 522
    Lichte sehen zu lassen. Gleichwohl kann die Methode immer systematisch sein. Denn unsere Vernunft (subjektiv) ist selbst ein System, aber in ihrem reinen Gebrauche, vermittelst blosser Begriffe, nur ein System der Nachforschung nach Grundsaetzen der Einheit, zu welcher Erfahrung allein den Stoff ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 523
    dogmatisch sein wollen, obzwar im Verneinen, als jene im Bejahen: so findet eine Rechtfertigung kat' anthropon statt, die wider alle Beeintraechtigung sichert, und einen titulierten Besitz verschafft, der keine fremden Anmassungen scheuen darf, ob er gleich selbst kat' aletheian nicht hinreichend...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 524
    Ein solcher Missverstand kann aber nicht vorgewandt und dadurch der Streit der Vernunft beigelegt werden, wenn etwa theistisch behauptet wuerde: es ist ein hoechstes Wesen, und dagegen atheistisch: es ist kein hoechstes Wesen; oder, in der Psychologie: alles, was denkt, ist von absoluter beharrli...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 525
    Wesen, dass das in uns denkende Subjekt, als reine Intelligenz, unmoeglich sei. Wo will er aber die Kenntnisse hernehmen, die ihn, von Dingen ueber alle moegliche Erfahrung hinaus so synthetisch zu urteilen, berechtigten. Wir koennen also darueber ganz unbekuemmert sein, dass uns jemand das Gegen...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 526
    spekulativen Vernunft, sind selbst durch die Natur dieser Vernunft aufgegeben, und muessen also ihre gute Bestimmung und Absicht haben, die man nicht in den Wind schlagen muss. Wozu hat uns die Vorsehung manche Gegenstaende, ob sie gleich mit unserem hoechsten Interesse zusammenhaengen, so hoch g...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 527
    nuetzliche Ueberredung, dass ihre Vernunfteinsicht zur Behauptung und zum bestimmten Begriff eines hoechsten Wesens zulange, zu untergraben? so wuerde er antworten: nichts, als die Absicht, die Vernunft in ihrer Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich ein gewisser Unwille ueber den Zwang...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 528
    so gewinnt jederzeit die Vernunft. Wenn ihr andere Mittel ergreift, als die einer zwanglosen Vernunft, wenn ihr ueber Hochverrat schreiet, das gemeine Wesen, das sich auf so subtile Bearbeitungen gar nicht versteht, gleichsam als zum Feuerloeschen zusammenruft, so macht ihr euch laecherlich. Denn...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 529
    und ruehmlich haelt, zur Schau zu tragen. Ganz gewiss haben die Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen ihnen vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloss zivilisiert, sondern nach und nach, in gewisser Masse, moralisiert, weil keiner durch die Schminke der Ansta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 530
    mit nichts minderem umgehen, als die Grundfeste der oeffentlichen Wohlfahrt wankend zu machen, da scheint es nicht allein der Klugheit gemaess, sondern auch erlaubt und wohl gar ruehmlich, der guten Sache eher durch Scheingruende zu Hilfe zu kommen, als den vermeintlichen Gegnern derselben auch n...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 531
    angreifen und widerlegen kann? Denn dieses ist das Schicksal aller Behauptungen der reinen Vernunft: dass, da sie ueber die Bedingungen aller moeglichen Erfahrung hinausgehen, ausserhalb welchen kein Dokument der Wahrheit irgendwo angetroffen wird, sich aber gleichwohl der Verstandesgesetze, die ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 532
    einschraenkt, dass sie mit jedes anderen Freiheit und eben dadurch mit dem gemeinen Besten zusammen bestehen koenne. Zu dieser Freiheit gehoert denn auch die, seine Gedanken, seine Zweifel, die man sich nicht selbst aufloesen kann, oeffentlich zur Beurteilung auszustellen, ohne darueber fuer ein...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 533
    dogmatischen Verteidiger der guten Sache gegen diesen Feind wuerde ich gar nicht lesen, weil ich zum voraus weiss, dass er nur darum die Scheingruende des anderen angreifen werde, um seinen eigenen Eingang zu verschaffen, ueberdem ein alltaegiger Schein doch nicht so viel Stoff zu neuen Bemerkung...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 534
    besser zeigen zu koennen, dass er der Kinderzucht entwachsen sei, als wenn er sich ueber jene wohlgemeinten Warnungen wegsetzt, und, dogmatisch gewohnt, trinkt er das Gift, das seine Grundsaetze dogmatisch verdirbt, in langen Zuegen in sich. Gerade das Gegenteil von dem, was man hier anraet, mus...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 535
    zusammen, um sich aufs neue in unblutigen Kaempfen belustigen zu koennen. Es gibt aber auch keinen zulaessigen skeptischen Gebrauch der reinen Vernunft, welchen man den Grundsatz der Neutralitaet bei allen ihren Streitigkeiten nennen koennte. Die Vernunft wider sich selbst zu verhetzen, ihr auf ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 536
    selbst veruneinigten reinen Vernunft Das Bewusstsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zugleich als notwendig erkannt wird,) statt dass sie meine Untersuchungen endigen sollte, ist vielmehr die eigentliche Ursache, sie zu erwecken. Alle Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder der Bes...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 537
    Gegenstaende, die diese Flaeche enthalten mag, unwissend bin, so bin ich es doch nicht in Ansehung des Umfanges, der sie enthaelt, der Groesse und Schranken derselben. Der Inbegriff aller moeglichen Gegenstaende fuer unsere Erkenntnis scheint uns eine ebene Flaeche zu sein, die ihren scheinbaren...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 538
    vollendet. Der erste Schritt in Sachen der reinen Vernunft, der das Kindesalter derselben auszeichnet ist dogmatisch. Der obengenannte zweite Schritt ist skeptisch, und zeugt von Vorsichtigkeit der durch Erfahrung gewitzigten Urteilskraft. Nun ist aber noch ein dritter Schritt noetig, der nur der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 539
    dieses die Verstandesgrundsaetze, welche die Erfahrung antizipieren, dartun. Kann jemand nun die Moeglichkeit derselben sich gar nicht begreiflich machen, so mag er zwar anfangs zweifeln, ob sie uns auch wirklich a priori beiwohnen; er kann dieses aber noch nicht fuer eine Unmoeglichkeit derselbe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 540
    sind Fakta, die der Zensur zu unterwerfen immer nuetzlich ist. Dieses aber kann nichts ueber die Erwartungen der Vernunft entscheiden, einen besseren Erfolg ihrer kuenftigen Bemuehungen zu hoffen und darauf Ansprueche zu machen; die blosse Zensur kann also die Streitigkeit ueber die Rechtsame der...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 541
    a priori fuer eingebildet, und fand, dass sie nichts als eine aus Erfahrung und deren Gesetzen entspringende Gewohnheit, mithin bloss empirische d.i. an sich zufaellige Regeln sind, denen wir eine vermeinte Notwendigkeit und Allgemeinheit beimessen. Er bezog sich aber zu Behauptung dieses befremd...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 542
    Gegenstaende wirklicher Erfahrung, welche freilich jederzeit empirisch ist; dadurch machte er aber aus einem Prinzip der Affinitaet, welches im Verstande seinen Sitz hat, und notwendige Verknuepfung aussagt, eine Regel der Assoziation, die bloss in der nachbildenden Einbildungskraft angetroffen w...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 543
    ihren Versuchen, unerachtet sie hier oder da gezwackt wird, niemals gaenzlich abgebracht werden. Denn wider Angriffe ruestet man sich zur Gegenwehr, und setzt noch um desto steifer seinen Kopf darauf, um seine Forderungen durchzusetzen. Ein voelliger Ueberschlag aber seines ganzen Vermoegens und ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 544
    Hypothesen eroeffnen, da es wenigstens vergoennt ist, zu dichten und zu meinen, wenngleich nicht zu behaupten? Wo nicht etwa Einbildungskraft schwaermen, sondern, unter der strengen Aufsicht der Vernunft, dichten soll, so muss immer vorher etwas voellig gewiss und nicht erdichtet, oder blosse Me...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 545
    freilich keinen Gegenstand in irgendeiner Erfahrung, aber bezeichnen darum doch nicht gedichtete und zugleich dabei fuer moeglich angenommene Gegenstaende. Sie sind bloss problematisch gedacht, um, in Beziehung auf sie (als heuristische Fiktionen), regulative Prinzipien des systematischen Verstan...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 546
    Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstaende dienen. Ordnung und Zweckmaessigkeit in der Natur muss wiederum aus Naturgruenden und nach Naturgesetzen erklaert werden, und hier sind selbst die wildesten Hypothesen, wenn sie nur physisch sind, ertraeglicher, als eine hyperphysische, d.i. die Be...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 547
    noetig hatte, und daher keinen tuechtigen Zeugen abgeben kann. Wenn, unter Voraussetzung einer unbeschraenkt vollkommenen Ursache, zwar an Erklaerungsgruenden aller Zweckmaessigkeit, Ordnung und Groesse, die sich in der Welt finden, kein Mangel ist, so bedarf jene doch, bei den, wenigstens nach u...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 548
    haette, vielleicht auf ihm die Wahrheit zu finden. Ob aber gleich bei bloss spekulativen Fragen der reinen Vernunft keine Hypothesen stattfinden, um Saetze darauf zu gruenden, so sind sie dennoch ganz zulaessig, um sie allenfalls nur zu verteidigen, d.i. zwar nicht im dogmatischen, aber doch im ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 549
    die gar nicht dazu dienen sollen, um den Beweis derselben zu verstaerken, sondern nur zu zeigen, dass der Gegner viel zu wenig von dem Gegenstande des Streites verstehe, als dass er sich eines Vorteils der spekulativen Einsicht in Ansehung unserer schmeicheln koenne. Hypothesen sind also im Feld...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 550
    koennt ihr die Kraft dieses Beweises dadurch schwaechen, dass ihr annehmt, unser Koerper sei nichts, als die Fundamentalerscheinung, worauf, als Bedingung, sich in dem jetzigen Zustande (im Leben) das ganze Vermoegen der Sinnlichkeit und hiermit alles Denken bezieht. Die Trennung vom Koerper sei ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 551
    Bild sei, welches unserer jetzigen Erkenntnisart vorschwebt, und, wie ein Traum, an sich keine objektive Realitaet habe: dass, wenn wir die Sachen und uns selbst anschauen sollen, wie sie sind, wir uns in einer Welt geistiger Naturen sehen wuerden, mit welcher unsere einzig wahre Gemeinschaft wed...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 552
    der objektiven Realitaet solcher Begriffe, welche ihre Gegenstaende nirgends als ausserhalb der Grenze aller moeglichen Erfahrung finden koennen. Was reine Vernunft assertorisch urteilt, muss (wie alles, was Vernunft erkennt,) notwendig sein, oder es ist gar nichts. Demnach enthaelt sie in der Ta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 553
    sondern er zeigt, dass die Erfahrung selbst, mithin das Objekt der Erfahrung, ohne eine solche Verknuepfung unmoeglich waere. Also musste der Beweis zugleich die Moeglichkeit anzeigen, synthetisch und a priori zu einer gewissen Erkenntnis von Dingen zu gelangen, die in dem Begriffe von ihnen nich...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 554
    Bewusstsein und der Kenntnis eines Dinges ueberfuehren solle, in welchem das Denken allein enthalten sein kann. Denn, wenn ich mir die Kraft meines Koerpers in Bewegung vorstelle, so ist er sofern fuer mich absolute Einheit, und meine Vorstellung von ihm ist einfach; daher kann ich diese auch dur...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 555
    entwickelt, und auch nicht in Beziehung auf moegliche Erfahrung antizipiert werden koennen, denn hernehmen wolle: so kann man sich viel schwere und dennoch fruchtlose Bemuehungen ersparen, indem man der Vernunft nichts zumutet, was offenbar ueber ihr Vermoegen geht, oder vielmehr sie, die, bei An...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 556
    Anschauung, wie in der Mathematik, oder empirische, wie in der Naturwissenschaft, schliessen: so gibt mir die zum Grunde gelegte Anschauung mannigfaltigen Stoff zu synthetischen Saetzen, welchen ich auf mehr als eine Art verknuepfen, und, indem ich von mehr als einem Punkte ausgehen darf, durch v...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 557
    bewandt, welcher lediglich auf der Reziprokabilitaet der Begriffe vom realsten und notwendigen Wesen beruht, und nirgends anders gesucht werden kann. Durch diese warnende Anmerkung wird die Kritik der Vernunftbehauptungen sehr ins Kleine gebracht. Wo Vernunft ihr Geschaeft durch blosse Begriffe ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 558
    oder zu tief verborgen liegen: so versucht man, ob sie nicht durch die Folgen zu erreichen sei. Nun waere der modus ponens, auf die Wahrheit einer Erkenntnis aus der Wahrheit ihrer Folgen zu schliessen, nur alsdann erlaubt, wenn alle moeglichen Folgen daraus wahr sind; denn alsdann ist zu diesem ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 559
    aber nicht dem Gegenstande, oder dass beide Saetze nur unter einer subjektiven Bedingung, die, faelschlich fuer objektiv gehalten, einander widersprechen, und da die Bedingung falsch ist, alle beide falsch sein koennen, ohne dass von der Falschheit des einen auf die Wahrheit des anderen geschloss...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 560
    entweder unendlich dem Raume nach, oder endlich und begrenzt sein muesse, darum weil beides falsch ist. Denn Erscheinungen (als blosse Vorstellungen), die doch an sich selbst (als Objekte) gegeben waeren, sind etwas Unmoegliches, und die Unendlichkeit dieses eingebildeten Ganzen wuerde zwar unbed...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 561
    Anmassungen im spekulativen Gebrauch aufzugeben, und sich innerhalb die Grenzen ihres eigentuemlichen Bodens, naemlich praktischer Grundsaetze, zurueckzuziehen. Der transzendentalen Methodenlehre Zweites Hauptstueck Der Kanon der reinen Vernunft Es ist demuetigend fuer die menschliche Vernunf...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 562
    des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnisvermoegen ueberhaupt. So ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Teile ein Kanon fuer Verstand und Vernunft ueberhaupt, aber nur der Form nach, denn sie abstrahiert von allem Inhalte. So war die transzendentale Analytik der Kanon des reinen Versta...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 563
    zu befoerdern. Die Endabsicht, worauf die Spekulation der Vernunft im transzendentalen Gebrauche zuletzt hinauslaeuft, betrifft drei Gegenstaende: die Freiheit des Willens, die Unsterblichkeit der Seele, und das Dasein Gottes. In Ansehung aller drei ist das bloss spekulative Interesse der Vernun...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 564
    koennen, aufzugeben, um etwas, was wir kennen, von demjenigen abzuleiten, was alle unsere Kenntnis gaenzlich uebersteigt. Mit einem Worte, diese drei Saetze bleiben fuer die spekulative Vernunft jederzeit transzendent, und haben gar keinen immanenten, d.i. fuer Gegenstaende der Erfahrung zulaessi...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 565
    Verhalten in Beziehung auf den hoechsten Zweck betrifft, so ist die letzte Absicht der weislich uns versorgenden Natur, bei der Einrichtung unserer Vernunft, eigentlich nur aufs Moralische gestellt. Es ist aber Behutsamkeit noetig, um, da wir unser Augenmerk auf einen Gegenstand werfen, der der ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 566
    reizt, d.i. die Sinne unmittelbar affiziert, bestimmt die menschliche Willkuer, sondern wir haben ein Vermoegen, durch Vorstellungen von dem, was selbst auf entferntere Art nuetzlich oder schaedlich ist, die Eindruecke auf unser sinnliches Begehrungsvermoegen zu ueberwinden; diese Ueberlegungen a...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 567
    Freiheit betrifft bloss das spekulative Wissen, welche wir als ganz gleichgueltig beiseite setzen koennen, wenn es um das Praktische zu tun ist, und worueber in der Antinomie der reinen Vernunft schon hinreichende Eroerterung zu finden ist. Des Kanons der reinen Vernunft Zweiter Abschnitt Von ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 568
    zuteil werden koenne. Die zweite Frage ist bloss praktisch. Sie kann als eine solche zwar der reinen Vernunft angehoeren, ist aber alsdann doch nicht transzendental, sondern moralisch, mithin kann sie unsere Kritik an sich selbst nicht beschaeftigen. Die dritte Frage, naemlich: wenn ich nun tue...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 569
    erkannt werden. Ich nehme an, dass es wirklich reine moralische Gesetze gebe, die voellig a priori (ohne Ruecksicht auf empirische Bewegungsgruende, d.i. Glueckseligkeit,) das Tun und Lassen, d.i. den Gebrauch der Freiheit eines vernuenftigen Wesens ueberhaupt, bestimmen, und dass diese Gesetze ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 570
    Einfluss auf die Sinnenwelt haben kann und soll, um sie dieser Idee so viel als moeglich gemaess zu machen. Die Idee einer moralischen Welt hat daher objektive Realitaet, nicht als wenn sie auf einen Gegenstand einer intelligiblen Anschauung ginge (dergleichen wir uns gar nicht denken koennen), s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 571
    Leitung solcher Prinzipien, Urheber ihrer eigenen und zugleich anderer dauerhafter Wohlfahrt sein wuerden. Aber dieses System der sich selbst lohnenden Moralitaet ist nur eine Idee, deren Ausfuehrung auf der Bedingung beruht, dass jedermann tue, was er soll, d.i. alle Handlungen vernuenftiger Wes...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 572
    kuenftige Welt annehmen muessen. Gott also und ein kuenftiges Leben, sind zwei von der Verbindlichkeit, die uns reine Vernunft auferlegt, nach Prinzipien eben derselben Vernunft nicht zu trennende Voraussetzungen. Die Sittlichkeit an sich selbst macht ein System aus, aber nicht die Glueckseligke...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 573
    Es ist notwendig, dass unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmoeglich, dass dieses geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moralischen Gesetze, welches eine blosse Idee ist, eine wirkende Ursache verknuepft, welche dem Verhalten nach demselben ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 574
    der vernuenftigen Wesen, dadurch sie derselben wuerdig sind, macht allein das hoechste Gut einer Welt aus, darin wir uns nach den Vorschriften der reinen aber praktischen Vernunft durchaus versetzen muessen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, da die Sinnenwelt uns von der Natur d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 575
    Intelligenzen, welche, obzwar, als blosse Natur, nur Sinnenwelt, als ein System der Freiheit aber, intelligible, d.i. moralische Welt (regnum gratiae) genannt werden kann, fuehrt unausbleiblich auch auf die zweckmaessige Einheit aller Dinge, die dieses grosse Ganze ausmachen, nach allgemeinen Nat...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 576
    Einheit ist aber notwendig, und in dem Wesen der Willkuer selbst gegruendet, diese also, welche die Bedingung der Anwendung derselben in concreto enthaelt, muss es auch sein, und so wuerde die transzendentale Steigerung unserer Vernunfterkenntnis nicht die Ursache, sondern bloss die Wirkung von d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 577
    ueber alle empirischen Bedingungen seiner Anwendung erhoben, und zur unmittelbaren Kenntnis neuer Gegenstaende emporgeschwungen, um von diesem Begriffe auszugehen, und die moralischen Gesetze selbst von ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische Notwendigkeit uns zu der Vor...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 578
    gueltig ist, sofern er nur Vernunft hat, so ist der Grund desselben objektiv hinreichend, und das Fuerwahrhalten heisst alsdann Ueberzeugung. Hat es nur in der besonderer Beschaffenheit des Subjekts seinen Grund, so wird es Ueberredung genannt. Ueberredung ist ein blosser Schein, weil der Grund ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 579
    subjektive Ursache des Scheins unserer Natur anhaengt. Ich kann nichts behaupten, d.i. als ein fuer jedermann notwendig gueltiges Urteil aussprechen, als was Ueberzeugung wirkt. Ueberredung kann ich fuer mich behalten, wenn ich mich dabei wohlbefinde, kann sie aber und soll sie ausser mir nicht ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 580
    Im transzendentalen Gebrauche der Vernunft ist dagegen Meinen freilich zu wenig, aber Wissen auch zu viel. In bloss spekulativer Absicht koennen wir also hier gar nicht urteilen; weil subjektive Gruende des Fuerwahrhaltens, wie die, so das Glauben bewirken koennen, bei spekulativen Fragen keinen ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 581
    macht ihn stutzig. Bisweilen zeigt sich, dass er zwar Ueberredung genug, die auf einen Dukaten an Wert geschaetzt werden kann, aber nicht auf zehn, besitze. Denn den ersten wagt er noch wohl, aber bei zehn wird er allererst inne, was er vorher nicht bemerkte, dass es naemlich doch wohl moeglich s...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 582
    doch die zweckmaessige Einheit eine so grosse Bedingung der Anwendung der Vernunft auf Natur, dass ich, da mir ueberdem Erfahrung reichlich davon Beispiele darbietet, sie gar nicht vorbeigehen kann. Zu dieser Einheit aber kenne ich keine andere Bedingung, die sie mir zum Leitfaden der Naturforsch...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 583
    geht nur auf die Leitung, die mir eine Idee gibt, und den subjektiven Einfluss auf die Befoerderung meiner Vernunfthandlungen, die mich an derselben festhaelt, ob ich gleich von ihr nicht imstande bin, in spekulativer Absicht Rechenschaft zu geben. Aber der bloss doktrinale Glaube hat etwas Wank...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 584
    wuerde also auch hoffen koennen, durch seine Belehrung mein Wissen in so bewunderungswuerdigem Masse ausgedehnt zu sehen. Nein, die Ueberzeugung ist nicht logische, sondern moralische Gewissheit, und, da sie auf subjektiven Gruenden (der moralischen Gesinnung) beruht, so muss ich nicht einmal sag...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 585
    vernuenftigen Wesen notwendig geschieht) ein natuerliches Interesse an der Moralitaet, ob es gleich nicht ungeteilt und praktisch ueberwiegend ist. Befestigt und vergroessert dieses Interesse, und ihr werdet die Vernunft sehr gelehrig und selbst aufgeklaerter finden, um mit dem praktischen auch d...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 586
    Methodenlehre. Unter der Regierung der Vernunft duerfen unsere Erkenntnisse ueberhaupt keine Rhapsodie, sondern sie muessen ein System ausmachen, in welchem sie allein die wesentlichen Zwecke derselben unterstuetzen und befoerdern koennen. Ich verstehe aber unter einem Systeme die Einheit der ma...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 587
    entspringen, was wir Wissenschaft nennen, dessen Schema den Umriss (monogramma) und die Einteilung des Ganzen in Glieder, der Idee gemaess, d.i. a priori enthalten, und dieses von allen anderen sicher und nach Prinzipien unterscheiden muss. Niemand versucht es, eine Wissenschaft zustande zu brin...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 588
    ein jedes fuer sich nach einer Idee gegliedert, sondern noch dazu alle untereinander in einem System menschlicher Erkenntnis wiederum als Glieder eines Ganzen zweckmaessig vereinigt sind, und eine Architektonik alles menschlichen Wissens erlauben, die jetziger Zeit, da schon so viel Stoff gesamme...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 589
    Vernunfterkenntnis war, so ist es doch, subjektiv, bloss historisch. Er hat gut gefasst und behalten, d.i. gelernt, und ist ein Gipsabdruck von einem lebenden Menschen. Vernunfterkenntnisse, die es objektiv sind, (d.i. anfangs nur aus der eigenen Vernunft des Menschen entspringen koennen,) duerfe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 590
    mannigfaltig und so veraenderlich ist. Auf diese Weise ist Philosophie eine blosse Idee von einer moeglichen Wissenschaft, die nirgend in concreto gegeben ist, welcher man sich aber auf mancherlei Wegen zu naehern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit verwachsene Fusssteig ent...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 591
    wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft zu befoerdern. Diesen allein muessten wir den Philosophen nennen; aber, da er selbst doch nirgend, die Idee aber seiner Gesetzgebung allenthalben in jeder Menschenvernunft angetroffen wird, so wollen wir uns lediglich an der letzteren halten, und naeh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 592
    zweitens das System der reinen Vernunft (Wissenschaft), die ganze (wahre sowohl als scheinbare) philosophische Erkenntnis aus reiner Vernunft im systematischen Zusammenhange, und heisst Metaphysik; wiewohl dieser Name auch der ganzen reinen Philosophie mit Inbegriff der Kritik gegeben werden kann...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 593
    der Erkenntnis am herumschweifenden Verstandesgebrauch hat, ihren eigenen Wert und Einfluss sicher bestimmen koenne. Daher hat die menschliche Vernunft seitdem, dass sie gedacht, oder vielmehr nachgedacht hat, niemals einer Metaphysik entbehren, aber gleichwohl sie nicht, genugsam gelaeutert von ...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 594
    und der des fluessigen Koerpers? ihr werdet stutzig, denn, wenn es so weiterfortgeht, so wird alles in die Metaphysik gehoeren. Hieraus sieht man, dass der blosse Grad der Unterordnung (das Besondere unter dem Allgemeinen) keine Grenzen einer Wissenschaft bestimmen koenne, sondern in unserem Fall...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 595
    Transzendentalphilosophie und der Physiologie der reinen Vernunft. Die erstere betrachtet nur den Verstand, und Vernunft selbst in einem System aller Begriffe und Grundsaetze, die sich auf Gegenstaende ueberhaupt beziehen, ohne Objekte anzunehmen, die gegeben waeren (Ontologia); die zweite betrac...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 596
    Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, naemlich die Naturlehre der reinen Vernunft, enthaelt zwei Abteilungen, die physica rationalis* und psychologia rationalis. * Man denke ja nicht, dass ich hierunter dasjenige verstehe, was man gemeiniglich physica generalis nennt, und meh...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 597
    gaenzlich enthalten, die ueber den Begriff noch irgendeine Erfahrung hinzusetzen moechten, um etwas ueber diese Gegenstaende daraus zu urteilen. Zweitens: wo bleibt denn die empirische Psychologie, welche von jeher ihren Platz in der Metaphysik behauptet hat, und von welcher man in unseren Zeite...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 598
    ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren koennte, die sie zuegelt, und, durch ein szientifisches und voellig einleuchtendes Selbsterkenntnis, die Verwuestungen abhaelt, welche eine gesetzlose spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als Religion, anrichten wuerde. Man k...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 599
    wissenschaftlichen gemeinen Wesens sichert, und dessen mutige und fruchtbare Bearbeitungen abhaelt, sich nicht von dem Hauptzwecke, der allgemeinen Glueckseligkeit, zu entfernen. Der transzendentalen Methodenlehre Viertes Hauptstueck Die Geschichte der reinen Vernunft Dieser Titel steht nur h...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 600
    des Streits gestiftet worden. 1. In Ansehung des Gegenstandes aller unserer Vernunfterkenntnisse, waren einige bloss Sensual-, andere bloss Intellektualphilosophen. Epikur kann der vornehmste Philosoph der Sinnlichkeit, Plato des Intellektuellen genannt werden. Dieser Unterschied der Schulen abe...
  • Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 601
    so muss es ein Verfahren nach Grundsaetzen sein. Nun kann man die jetzt in diesem Fache der Naturforschung herrschende Methode in die naturalistische und szientifische einteilen. Der Naturalist der reinen Vernunft nimmt es sich zum Grundsatze: dass durch gemeine Vernunft ohne Wissenschaft (welche...