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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 1
Baco de Verulamio
Instauratio magna. Praefatio.
De nobis ipsis silemus: De re autem, quae agitur, petimus: ut homines
eam non Opinionem, sed Opus esse cogitent; ac pro certo habeant, non
Sectae nos alicuius, aut Placiti, sed utilitatis et amplitudinis
humanae fundamenta moliri. Deinde ut suis c...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 2
noch nicht den sicheren Gang einer Wissenschaft eingeschlagen, sondern
ein blosses Herumtappen sei, und es ist schon ein Verdienst um die
Vernunft, diesen Weg womoeglich ausfindig zu machen, sollte auch
manches als vergeblich aufgegeben werden muessen, was in dem ohne
Ueberlegung vorher genommene...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 3
nichts weiter, als sich selbst und seiner Form, zu tun hat. Weit
schwerer musste es natuerlicherweise fuer die Vernunft sein, den
sicheren Weg der Wissenschaft einzuschlagen, wenn sie nicht bloss mit
sich selbst, sondern auch mit Objekten zu schaffen hat; daher jene
auch als Propaedeutik gleichsa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 4
treffen, oder vielmehr sich selbst zu bahnen; vielmehr glaube ich,
dass es lange mit ihr (vornehmlich noch unter den Aegyptern) beim
Herumtappen geblieben ist, und diese Umaenderung einer Revolution
zuzuschreiben sei, die der glueckliche Einfall eines einzigen Mannes
in einem Versuche zustande br...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 5
derselben war, mehr belebte, welche eben sowohl durch eine schnell
vorgegangene Revolution der Denkart erklaert werden kann. Ich will
hier nur die Naturwissenschaft, so fern sie auf empirische Prinzipien
gegruendet ist, in Erwaegung ziehen.
Als Galilei seine Kugeln die schiefe Flaeche mit einer ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 6
da sie so viel Jahrhunderte durch nichts weiter als ein blosses
Herumtappen gewesen war.
* Ich folge hier nicht genau dem Faden der Geschichte der
Experimentalmethode, deren erste Anfaenge auch nicht wohl bekannt
sind.
Der Metaphysik, einer ganz isolierten spekulativen Vernunfterkenntnis,
die s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 7
Wissbegierde nicht bloss verlaesst, sondern durch Vorspiegelungen
hinhaelt und am Ende betruegt! Oder ist er bisher nur verfehlt; welche
Anzeige koennen wir benutzen, um bei erneuertem Nachsuchen zu hoffen,
dass wir gluecklicher sein werden, als andere vor uns gewesen sind?
Ich sollte meinen, di...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 8
wohl vorstellen. Weil ich aber bei diesen Anschauungen, wenn sie
Erkenntnisse werden sollen, nicht stehen bleiben kann, sondern sie
als Vorstellungen auf irgend etwas als Gegenstand beziehen und
diesen durch jene bestimmen muss, so kann ich entweder annehmen, die
Begriffe, wodurch ich diese Besti...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 9
dieselben Gegenstaende einerseits als Gegenstaende der Sinne und
des Verstandes fuer die Erfahrung, andererseits aber doch als
Gegenstaende, die man bloss denkt, allenfalls fuer die isolierte und
ueber Erfahrungsgrenze hinausstrebende Vernunft, mithin von zwei
verschiedenen Seiten betrachtet werd...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 10
zu allem Bedingten, und dadurch die Reihe der Bedingungen als
vollendet verlangt. Findet sich nun, wenn man annimmt, unsere
Erfahrungserkenntnis richte sich nach den Gegenstaenden als Dingen an
sich selbst, dass das Unbedingte ohne Widerspruch gar nicht gedacht
werden koenne; dagegen, wenn man an...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 11
Unbedingten und findet, dass diese Einhelligkeit niemals anders, als
durch jene Unterscheidung herauskomme, welche also die wahre ist.
** So verschafften die Zentralgesetze der Bewegung der Himmelskoerper
dem, was Kopernikus, anfaenglich nur als Hypothese annahm,
ausgemachte Gewissheit und bewie...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 12
Erkenntnisprinzipien eine ganz abgesonderte, fuer sich bestehende
Einheit ist, in welcher ein jedes Glied, wie in einem organisierten
Koerper, um aller anderen und alle um eines willen da sind, und kein
Prinzip mit Sicherheit in einer Beziehung genommen werden kann,
ohne es zugleich in der durchg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 13
unausbleiblichen Erfolg haben, indem sie wirklich die Grenzen der
Sinnlichkeit, zu der sie eigentlich gehoeren, ueber alles zu erweitern
und so den reinen (praktischen) Vernunftgebrauch gar zu verdraengen
drohen. Daher ist eine Kritik, welche die erstere einschraenkt, sofern
zwar negativ, aber, i...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 14
erscheint. Nun wollen wir annehmen, die durch unsere Kritik
notwendiggemachte Unterscheidung der Dinge als Gegenstaende der
Erfahrung, von eben denselben, als Dingen an sich selbst, waere gar
nicht gemacht, so musste der Grundsatz der Kausalitaet und mithin der
Naturmechanismus in Bestimmung ders...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 15
davon enthaelt wenigstens keinen Widerspruch in sich, wenn unsere
kritische Unterscheidung beider (der sinnlichen und intellektuellen)
Vorstellungsarten und die davon herruehrende Einschraenkung der reinen
Verstandesbegriffe, mithin auch der aus ihnen fliessenden Grundsaetze,
statt hat. Gesetzt n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 16
Tag bloss auf Gegenstaende moeglicher Erfahrung reichen, wenn sie
gleichwohl auf das angewandt werden, was nicht ein Gegenstand der
Erfahrung sein kann, wirklich dieses jederzeit in Erscheinung
verwandeln, und so alle praktische Erweiterung der reinen Vernunft
fuer unmoeglich erklaeren. Ich musst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 17
* Einen Gegenstand erkennen, dazu wird erfordert, dass ich seine
Moeglichkeit (es sei nach dem Zeugnis der Erfahrung aus seiner
Wirklichkeit, oder a priori durch Vernunft) beweisen koenne. Aber
denken kann ich, was ich will, wenn ich mir nur nicht selbst
widerspreche, d.i. wenn mein Begriff nur e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 18
gestellt werden zu koennen, die Hoffnung eines kuenftigen Lebens,
in Ansehung des zweiten die blosse klare Darstellung der Pflichten
im Gegensatze aller Ansprueche der Neigungen das Bewusstsein der
Freiheit, und endlich, was das dritte anlangt, die herrliche Ordnung,
Schoenheit und Fuersorge, die...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 19
fuer allemal dem Skandal vorzubeugen, das ueber kurz oder lang selbst
dem Volke aus den Streitigkeiten aufstossen muss, in welche sich
Metaphysiker (und als solche endlich auch wohl Geistliche) ohne
Kritik unausbleiblich verwickeln, und die selbst nachher ihre
Lehren verfaelschen. Durch diese kan...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 20
der strengsten Forderung systematisch, mithin schulgerecht (nicht
populaer) ausgefuehrt werden muss; denn diese Forderung an sie, da
sie sich anheischig macht, gaenzlich a priori, mithin zu voelliger
Befriedigung der spekulativen Vernunft ihr Geschaeft auszufuehren, ist
unnachlaesslich. In der Au...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 21
Publikum vorlegte, teils der Beschaffenheit der Sache selbst, naemlich
der Natur einer reinen spekulativen Vernunft, beizumessen ist, die
einen wahren Gliederbau enthaelt, worin alles Organ ist, naemlich
alles um eines willen und ein jedes Einzelne um aller willen, mithin
jede noch so kleine Gebr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 22
nicht wesentlich zur Vollstaendigkeit des Ganzen gehoert, mancher
Leser aber doch ungern missen moechte, indem es sonst in anderer
Absicht brauchbar sein kann, hat weggelassen oder abgekuerzt
vorgetragen werden muessen, um meiner, wie ich hoffe, jetzt
fasslicheren Darstellung Platz zu machen, die...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 23
ich, wenn ich meinen Plan, die Metaphysik der Natur sowohl als der
Sitten, als Bestaetigung der Richtigkeit der Kritik der spekulativen
sowohl als praktischen Vernunft, zu liefern, ausfuehren will, mit der
Zeit sparsam verfahren, und die Aufhellung sowohl der in diesem Werke
anfangs kaum vermeidl...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 24
Skandal der Philosophie und allgemeinen Menschenvernunft, das
Dasein der Dinge ausser uns (von denen wir doch den ganzen Stoff zu
Erkenntnissen selbst fuer unseren inneren Sinn her haben) bloss auf
Glauben annehmen zu muessen, und, wenn es jemand einfaellt es zu
bezweifeln, ihm keinen genugtuende...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 25
verbunden werde, welches hier geschieht. Wenn ich mit dem
intellektuellen Bewusstsein meines Daseins, in der Vorstellung Ich
bin, welche alle meine Urteile und Verstandeshandlungen begleitet,
zugleich eine Bestimmung meines Daseins durch intellektuelle
Anschauung verbinden koennte, so waere zu de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 26
zugleich aeusserlich waere. Das Wie? laesst sich hier ebensowenig
weiter erklaeren, als wie wir ueberhaupt das Stehende in der Zeit
denken, dessen Zugleichsein mit dem Wechselnden den Begriff der
Veraenderung hervorbringt.
Einleitung
I. Von dem Unterschiede der reinen und empirischen Erkenntn...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 27
sie nicht unmittelbar aus der Erfahrung, sondern aus einer allgemeinen
Regel, die wir gleichwohl selbst doch aus der Erfahrung entlehnt
haben, ableiten. So sagt man von jemand, der das Fundament seines
Hauses untergrub: er konnte es a priori wissen, dass es einfallen
wuerde, d.i. er durfte nicht ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 28
Ausnahme. Wird also ein Urteil in strengen Allgemeinheit gedacht, d.i.
so, dass gar keine Ausnahme als moeglich verstattet wird, so ist es
nicht von der Erfahrung abgeleitet, sondern schlechterdings a priori
gueltig. Die empirische Allgemeinheit ist also nur eine willkuerliche
Steigerung der Guel...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 29
dieser ihre Unentbehrlichkeit zur Moeglichkeit der Erfahrung selbst,
mithin a priori dartun. Denn wo wollte selbst Erfahrung ihre
Gewissheit hernehmen, wenn alle Regeln, nach denen sie fortgeht, immer
wieder empirisch, mithin zufaellig waeren; daher man diese schwerlich
fuer erste Grundsaetze gel...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 30
Endabsicht fuer viel erhabener halten, als alles, was der Verstand im
Felde der Erscheinungen lernen kann, wobei wir, sogar auf die Gefahr
zu irren, eher alles wagen, als dass wir so angelegene Untersuchungen
aus irgendeinem Grunde der Bedenklichkeit, oder aus Geringschaetzung
und Gleichgueltigke...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 31
kann vermieden werden, wenn man seine Erdichtungen nur behutsam macht,
ohne dass sie deswegen weniger Erdichtungen bleiben. Die Mathematik
gibt uns ein glaenzendes Beispiel, wie weit wir es, unabhaengig
von der Erfahrung, in der Erkenntnis a priori bringen koennen. Nun
beschaeftigt sie sich zwar ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 32
die, ob sie gleich nichts weiter als Aufklaerungen oder Erlaeuterungen
desjenigen sind, was in unsern Begriffen (wiewohl noch auf verworrene
Art) schon gedacht worden, doch wenigstens der Form nach neuen
Einsichten gleich geschaetzt werden, wiewohl sie der Materie, oder dem
Inhalte nach die Begri...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 33
hinzutun, welches in jenem gar nicht gedacht war, und durch keine
Zergliederung desselben haette koennen herausgezogen werden. Z.B. wenn
ich sage: alle Koerper sind ausgedehnt, so ist dies ein analytisch
Urteil. Denn ich darf nicht ueber den Begriff, den ich mit dem
Koerper verbinde, hinausgehen,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 34
Erfahrung zuruecksehe, von welcher ich diesen Begriff des Koerpers
abgezogen hatte, so finde ich mit obigen Merkmalen auch die Schwere
jederzeit verknuepft, und fuege also diese als Praedikat zu jenem
Begriffe synthetisch hinzu. Es ist also die Erfahrung, worauf sich die
Moeglichkeit der Synthesi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 35
blossen Begriffen, diese zweite Vorstellungen zu der ersteren
hinzugefuegt. Nun beruht auf solchen synthetischen d.i.
Erweiterungs-Grundsaetzen die ganze Endabsicht unserer spekulativen
Erkenntnis a priori; denn die analytischen sind zwar hoechst wichtig
und noetig, aber nur um zu derjenigen Deut...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 36
5 nichts weiter enthalte, als die Vereinigung beider Zahlen in eine
einzige, wodurch ganz und gar nicht gedacht wird, welches diese
einzige Zahl sei, die beide zusammenfasst. Der Begriff von Zwoelf ist
keineswegs dadurch schon gedacht, dass ich mir bloss jene Vereinigung
von Sieben und Fuenf denk...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 37
Begriffe der geraden Linie gezogen werden. Anschauung muss also hier
zu Hilfe genommen werden, vermittels deren allein die Synthesis
moeglich ist.
Einige wenige Grundsaetze, welche die Geometer voraussetzen, sind zwar
wirklich analytisch und beruhen auf dem Satze des Widerspruchs, sie
dienen abe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 38
den Begriff von der- Materie hinaus, um etwas a priori zu ihm
hinzuzudenken, was ich in ihm nicht dachte. Der Satz ist also nicht
analytisch, sondern synthetisch und dennoch a priori gedacht, und so
in den uebrigen Saetzen des reinen Teils der Naturwissenschaft.
3. In der Metaphysik, wenn man si...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 39
oder einem genugtuenden Beweise, dass die Moeglichkeit, die sie
erklaert zu wissen verlangt, in der Tat gar nicht stattfinde, beruht
nun das Stehen und Fallen der Metaphysik. David Hume, der dieser
Aufgabe unter allen Philosophen noch am naechsten trat, sie aber sich
bei weitem nicht bestimmt gen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 40
die im Anfange der eigentlichen (empirischen) Physik vorkommen,
nachsehen, als den von der Beharrlichkeit derselben Quantitaet
Materie, von der Traegheit, der Gleichheit der Wirkung und
Gegenwirkung usw., so wird man bald ueberzeugt werden, dass sie eine
physicam puram (oder rationalem) ausmachen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 41
mit Zuverlaessigkeit zu erweitern, oder ihr bestimmte und sichere
Schranken zu setzen. Diese letzte Frage, die aus der obigen
allgemeinen Aufgabe fliesst, wuerde mit Recht diese sein: Wie ist
Metaphysik als Wissenschaft moeglich?
Die Kritik der Vernunft fuehrt also zuletzt notwendig zur
Wissensc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 42
sein, sich durch die Schwierigkeit innerlich und den Widerstand
aeusserlich nicht abhalten zu lassen, eine der menschlichen Vernunft
unentbehrliche Wissenschaft, von der man wohl jeden hervorgeschossenen
Stamm abhauen, die Wurzel aber nicht ausrotten kann, durch eine
andere, der bisherigen ganz e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 43
synthetische a priori vollstaendig enthalten muesste, so ist sie,
soweit es unsere Absicht betrifft, von zu weitem Umfange, indem wir
die Analysis nur so weit treiben duerfen, als sie unentbehrlich
notwendig ist, um die Prinzipien der Synthesis a priori, als warum
es uns nur zu tun ist, in ihrem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 44
schaetzen; widrigenfalls beurteilt der unbefugte Geschichtsschreiber
und Richter grundlose Behauptungen anderer, durch seine eigenen, die
ebenso grundlos sind.
Die Transzendental-Philosophie ist die Idee einer Wissenschaft, wozu
die Kritik der reinen Vernunft den ganzen Plan architektonisch, d.i...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 45
voellig rein sei. Daher, obzwar die obersten Grundsaetze der
Moralitaet und die Grundbegriffe derselben, Erkenntnisse a priori
sind, so gehoeren sie doch nicht in die Transzendental-Philosophie,
weil sie die Begriffe der Lust und Unlust, der Begierden und Neigungen
usw., die insgesamt empirischen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 46
abzweckt, die Anschauung. Diese findet aber nur statt, sofern uns
der Gegenstand gegeben wird; dieses aber ist wiederum, uns Menschen
wenigstens, nur dadurch moeglich, dass er das Gemuet auf gewisse
Weise affiziere. Die Faehigkeit (Rezeptivitaet), Vorstellungen durch
die Art, wie wir von Gegensta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 47
davon zur Empfindung gehoert, als Undurchdringlichkeit, Haerte, Farbe
usw. absondere, so bleibt mir aus dieser empirischen Anschauung noch
etwas uebrig, naemlich Ausdehnung und Gestalt. Diese gehoeren zur
reinen Anschauung, die a priori, auch ohne einen wirklichen Gegenstand
der Sinne oder Empfin...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 48
was zur Empfindung gehoert, abtrennen, damit nichts als reine
Anschauung und die blosse Form der Erscheinungen uebrigbleibe, welches
das einzige ist, das die Sinnlichkeit a priori liefern kann. Bei
dieser Untersuchung wird sich finden, dass es zwei reine Formen
sinnlicher Anschauung, als Prinzipi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 49
Erfahrungen abgezogen worden. Denn damit gewisse Empfindungen auf
etwas ausser mich bezogen werden, (d.i. auf etwas in einem anderen
Orte des Raumes, als darinnen ich mich befinde), imgleichen damit ich
sie als ausser- und nebeneinander, mithin nicht bloss verschieden,
sondern als in verschiedene...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 50
Anschauung und zwar a priori mit apodiktischer Gewissheit abgeleitet.
4. Der Raum wird als eine unendliche gegebene Groesse vorgestellt. Nun
muss man zwar einen jeden Begriff als eine Vorstellung denken, die in
einer unendlichen Menge von verschiedenen moeglichen Vorstellungen
(als ihr gemeinsch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 51
fern sie, bloss im Subjekte, als die formale Beschaffenheit desselben,
von Objekten affiziert zu werden, und dadurch unmittelbare Vorstellung
derselben d.i. Anschauung zu bekommen, ihren Sitz hat, also nur als
Form des aeusseren Sinnes ueberhaupt.
Also macht allein unsere Erklaerung die Moeglich...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 52
Form dieser Rezeptivitaet, welche wir Sinnlichkeit nennen, ist eine
notwendige Bedingung aller Verhaeltnisse, darinnen Gegenstaende als
ausser uns angeschaut werden, und, wenn man von diesen Gegenstaenden
abstrahiert, eine reine Anschauung, welche den Namen Raum fuehrt. Weil
wir die besonderen Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 53
etwas Aeusseres bezogene Vorstellung, die a priori objektiv heissen
koennte. Denn man kann von keiner derselben synthetische Saetze a
priori, wie von der Anschauung im Raume, herleiten (Paragraph 3).
Daher ihnen, genau zu reden, gar keine Idealitaet zukommt, ob sie
gleich darin mit der Vorstellun...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 54
einer Erfahrung abgezogen worden. Denn das Zugleichsein oder
Aufeinanderfolgen wuerde selbst nicht in die Wahrnehmung kommen, wenn
die Vorstellung der Zeit nicht a priori zum Grunde laege. Nur unter
deren Voraussetzung kann man sich vorstellen, dass einiges zu
einer und derselben Zeit (zugleich) ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 55
5. Die Unendlichkeit der Zeit bedeutet nichts weiter, als dass alle
bestimmte Groesse der Zeit nur durch Einschraenkungen einer einigen
zum Grunde liegenden Zeit moeglich sei. Daher muss die urspruengliche
Vorstellung Zeit als uneingeschraenkt gegeben sein. Wovon aber
die Teile selbst, und jede G...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 56
vorhergehen, und a priori durch synthetische Saetze erkannt und
angeschaut werden. Diese letztere findet dagegen sehr wohl statt,
wenn die Zeit nichts als die subjektive Bedingung ist, unter der alle
Anschauungen in uns stattfinden koennen. Denn da kann diese Form der
inneren Anschauung vor den G...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 57
aeusseren Erscheinungen sind im Raume, und nach den Verhaeltnissen
des Raumes a priori bestimmt, so kann ich aus dem Prinzip des inneren
Sinnes ganz allgemein sagen: alle Erscheinungen ueberhaupt, d.i. alle
Gegenstaende der Sinne, sind in der Zeit, und stehen notwendigerweise
in Verhaeltnissen de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 58
gehoerte. Dagegen bestreiten wir der Zeit allen Anspruch auf absolute
Realitaet, da sie naemlich, auch ohne auf die Form unserer sinnlichen
Anschauung Ruecksicht zu nehmen, schlechthin den Dingen als Bedingung
oder Eigenschaft anhinge. Solche Eigenschaften, die den Dingen an sich
zukommen, koenne...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 59
anzusehen. Wenn aber ich selbst, oder ein ander Wesen mich, ohne
diese Bedingung der Sinnlichkeit, anschauen koennte, so wuerden
eben dieselben Bestimmungen, die wir uns jetzt als Veraenderungen
vorstellen, eine Erkenntnis geben, in welcher die Vorstellung der
Zeit, mithin auch der Veraenderung, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 60
in dem Gegenstande an sich selbst, sondern im Subjekte, dem derselbe
erscheint, gesucht werden muss, gleichwohl aber der Erscheinung dieses
Gegenstandes wirklich und notwendig zukommt.
Zeit und Raum sind demnach zwei Erkenntnisquellen, aus denen a priori
verschiedene synthetische Erkenntnisse ge...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 61
bestreiten, indem diese a posteriori gar nicht stattfindet, und
die Begriffe a priori von Raum und Zeit, dieser Meinung nach, nur
Geschoepfe der Einbildungskraft sind, deren Quell wirklich in der
Erfahrung gesucht werden muss, aus deren abstrahierten Verhaeltnissen
die Einbildung etwas gemacht ha...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 62
Bestimmungen, mithin Erfahrung erfordert.
Paragraph 8. Allgemeine Anmerkungen zur transzendentalen Aesthetik
I. Zuerst wird es noetig sein, uns so deutlich, als moeglich, zu
erklaeren, was in Ansehung der Grundbeschaffenheit der sinnlichen
Erkenntnis ueberhaupt unsere Meinung sei, um aller Mi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 63
anhaengenden Bedingungen, von Raum und Zeit; was die Gegenstaende
an sich selbst sein moegen, wuerde uns durch die aufgeklaerteste
Erkenntnis der Erscheinung derselben, die uns allein gegeben ist, doch
niemals bekannt werden.
Dass daher unsere ganze Sinnlichkeit nichts als die verworrene
Vorstel...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 64
betrifft, so dass wir durch die erstere die Beschaffenheit der Dinge
an sich selbst nicht bloss undeutlich, sondern gar nicht erkennen,
und, sobald wir unsere subjektive Beschaffenheit wegnehmen, das
vorgestellte Objekt mit den Eigenschaften, die ihm die sinnliche
Anschauung beilegte, ueberall ni...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 65
Erscheinungen, empirische Objekte,) vorstelle, so ist die Frage von
der Beziehung der Vorstellung auf den Gegenstand transzendental, und
nicht allein diese Tropfen sind blosse Erscheinungen, sondern selbst
ihre runde Gestalt, ja sogar der Raum, in welchen sie fallen, sind
nichts an sich selbst, s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 66
klar, dass aus blossen Begriffen gar keine synthetische Erkenntnis,
sondern lediglich analytische erlangt werden kann. Nehmet nur den
Satz: dass durch zwei gerade Linien sich gar kein Raum einschliessen
lasse, mithin keine Figur moeglich sei, und versucht ihn aus dem
Begriff von geraden Linien un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 67
ganz und gar nichts ueber aeussere Objekte synthetisch ausmachen. Es
ist also ungezweifelt gewiss, und nicht bloss moeglich, oder auch
wahrscheinlich, dass Raum und Zeit, als die notwendigen Bedingungen
aller (aeusseren und inneren) Erfahrung, bloss subjektive Bedingungen
aller unserer Anschauung...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 68
Grunde liegt, enthaelt schon Verhaeltnisse des Nacheinander-, des
Zugleichseins und dessen, was mit dem Nacheinandersein zugleich ist
(des Beharrlichen). Nun ist das, was, als Vorstellung, vor aller
Handlung irgend etwas zu denken, vorhergehen kann, die Anschauung,
und, wenn sie nichts als Verhae...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 69
folglich wie es sich erscheint, nicht wie es ist.
III. Wenn ich sage: im Raum und der Zeit stellt die Anschauung, sowohl
der aeusseren Objekte, als auch die Selbstanschauung des Gemuets,
beides vor, so wie es unsere Sinne affiziert, d.i. wie es erscheint;
so will das nicht sagen, dass diese Gege...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 70
Existenz, die, auf solche Art von der fuer sich bestehenden Realitaet
eines Undinges, wie die Zeit, abhaengig gemacht waere, mit dieser in
lauter Schein verwandelt werden, eine Ungereimtheit, die sich bisher
noch niemand hat zuschulden kommen lassen.
* Die Praedikate der Erscheinung koennen dem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 71
haette: denn, als Bedingungen alles Daseins ueberhaupt, muessten sie
es auch vom Dasein Gottes sein. Es bleibt nichts uebrig, wenn man
sie nicht zu objektiven Formen aller Dinge machen will, als dass
man sie zu subjektiven Formen unserer aeusseren sowohl als inneren
Anschauungsart macht, die daru...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 72
fuer Objekte moeglicher Erfahrung gelten koennen.
Der transzendentalen Elementarlehre
Zweiter Teil
Die transzendentale Logik
Einleitung
Idee einer transzendentalen Logik
I. Von der Logik ueberhaupt
Unsere Erkenntnis entspringt aus zwei Grundquellen des Gemuets, deren
die erste ist, die Vors...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 73
Anschauungen sich verstaendlich zu machen (d.i. sie unter Begriffe
zu bringen). Beide Vermoegen, oder Faehigkeiten, koennen auch ihre
Funktionen nicht vertauschen. Der Verstand vermag nichts anzuschauen,
und die Sinne nichts zu denken. Nur daraus, dass sie sich vereinigen,
kann Erkenntnis entspri...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 74
werden moegen, weil sie bloss den Verstand unter gewissen Umstaenden
seiner Anwendung betreffen, und, um diese zu kennen, Erfahrung
erfordert wird. Eine allgemeine, aber reine Logik, hat es also mit
lauter Prinzipien a priori zu tun, und ist ein Kanon des Verstandes
und der Vernunft, aber nur in ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 75
Verstandes und der Regeln seines notwendigen Gebrauchs in concreto,
naemlich unter den zufaelligen Bedingungen des Subjekts, die diesen
Gebrauch hindern oder befoerdern koennen, und die insgesamt nur
empirisch gegeben werden. Sie handelt von der Aufmerksamkeit, deren
Hindernis und Folgen, dem Urs...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 76
die den Vorstellungen verschafft werden kann, woher sie auch sonst
entsprungen sein moegen.
Und hier mache ich eine Anmerkung, die ihren Einfluss auf alle
nachfolgenden Betrachtungen erstreckt, und die man wohl vor Augen
haben muss, naemlich: dass nicht eine jede Erkenntnis a priori,
sondern nur...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 77
Dialektik
Die alte und beruehmte Frage, womit man die Logiker in die Enge zu
treiben vermeinte, und sie dahin zu bringen suchte, dass sie sich
entweder auf einer elenden Dialexe mussten betreffen lassen, oder
ihre Unwissenheit, mithin die Eitelkeit ihrer ganzen Kunst bekennen
sollten, ist diese:...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 78
von der Wahrheit der Erkenntnis der Materie nach laesst sich
kein allgemeines Kennzeichen verlangen, weil es in sich selbst
widersprechend ist.
Was aber das Erkenntnis der blossen Form nach (mit Beiseitesetzung
alles Inhalts) betrifft, so ist ebenso klar: dass eine Logik, sofern
sie die allgemei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 79
Gegenstaende zu urteilen, und irgend etwas zu behaupten, ohne von
ihnen vorher gegruendete Erkundigung ausser der Logik eingezogen zu
haben, um hernach bloss die Benutzung und die Verknuepfung derselben
in einem zusammenhaengenden Ganzen nach logischen Gesetzen zu
versuchen, noch besser aber, sie...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 80
Eine solche Unterweisung ist der Wuerde der Philosophie auf keine
Weise gemaess. Um deswillen hat man diese Benennung der Dialektik
lieber, als eine Kritik des dialektischen Scheins, der Logik
beigezaehlt, und als eine solche wollen wir sie auch hier verstanden
wissen.
IV. Von der Einteilung d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 81
Gebrauchs gelten laesst, und sich mit dem reinen Verstande allein
wagt, synthetisch ueber Gegenstaende ueberhaupt zu urteilen,
zu behaupten, und zu entscheiden. Also wuerde der Gebrauch des
reinen Verstandes alsdann dialektisch sein. Der zweite Teil der
transzendentalen Logik muss also eine Kriti...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 82
und zu bestimmendes System ausmachen, dessen Vollstaendigkeit und
Artikulation zugleich einen Probierstein der Richtigkeit und Echtheit
aller hineinpassenden Erkenntnisstuecke abgeben kann. Es besteht
aber dieser ganze Teil der transzendentalen Logik aus zwei Buechern,
deren das eine die Begriffe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 83
zusammengesetzten, in Reihen gestellt, die nichts weniger als
systematisch, obgleich auf gewisse Weise methodisch zustande gebracht
werden.
Die Transzendental-Philosophie hat den Vorteil, aber auch die
Verbindlichkeit, ihre Begriffe nach einem Prinzip aufzusuchen; weil
sie aus dem Verstande, als...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 84
unmittelbar bezogen wird. So bezieht sich z.B. in dem Urteile: alle
Koerper sind veraenderlich, der Begriff des Teilbaren auf verschiedene
andere Begriffe; unter diesen aber wird er hier besonders auf den
Begriff des Koerpers bezogen, dieser aber auf gewisse uns vorkommende
Erscheinungen. Also we...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 85
1. Quantitaet der Urteile
Allgemeine
Besondere
Einzelne
2. Qualitaet 3. Relation
Bejahende Kategorische
Verneinende Hypothetische
Unendliche Disjunktive
4. Modalitaet
Problematische
Assertorische
Apodiktische
Da diese Einteilung in einigen, obg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 86
Inhalt dieser logischen Bejahung vermittelst eines bloss verneinenden
Praedikats, und was diese in Ansehung des gesamten Erkenntnisses
fuer einen Gewinn verschafft. Haette ich von der Seele gesagt, sie
ist nicht sterblich, so haette ich durch ein verneinendes Urteil
wenigstens einen Irrtum abgeha...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 87
bestraft, enthaelt eigentlich das Verhaeltnis zweier Saetze: Es ist
eine vollkommene Gerechtigkeit da, und der beharrlich Boese wird
bestraft. Ob beide dieser Saetze an sich wahr seien, bleibt hier
unausgemacht. Es ist nur die Konsequenz, die durch dieses Urteil
gedacht wird. Endlich enthaelt das...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 88
als wirklich (wahr) betrachtet wird. Apodiktische, in denen man es als
notwendig ansieht*. So sind die beiden Urteile, deren Verhaeltnis das
hypothetische Urteil ausmacht, (antecedens und consequens), imgleichen
in deren Wechselwirkung das Disjunktive besteht, (Glieder der
Einteilung) insgesamt n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 89
Verstandes, im zweiten der Urteilskraft, im dritten der Vernunft
waere. Eine Bemerkung, die erst in der Folge ihre Aufklaerung
erwartet.
Des Leitfadens der Entdeckung aller reinen Verstandesbegriffe
Dritter Abschnitt
Paragraph 10. Von den reinen Verstandesbegriffen oder Kategorien
Die allgem...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 90
ersten Ursprung unserer Erkenntnis urteilen wollen.
Die Synthesis ueberhaupt ist, wie wir kuenftig sehen werden, die
blosse Wirkung der Einbildungskraft, einer blinden, obgleich
unentbehrlichen Funktion der Seele, ohne die wir ueberall gar keine
Erkenntnis haben wuerden, der wir uns aber selten ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 91
in seine Vorstellungen einen transzendentalen Inhalt, weswegen sie
reine Verstandesbegriffe heissen, die a priori auf Objekte gehen,
welches die allgemeine Logik nicht leisten kann.
Auf solche Weise entspringen gerade so viel reine Verstandesbegriffe,
welche a priori auf Gegenstaende der Anschau...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 92
In der Folge glaubte er noch ihrer fuenfe aufgefunden zu haben, die er
unter dem Namen der Postpraedikamente hinzufuegte. Allein seine Tafel
blieb noch immer mangelhaft. Ausserdem finden sich auch einige modi
der reinen Sinnlichkeit darunter, (quando, ubi, situs, imgleichen
prius, simul,) auch ei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 93
Abhandlung geflissentlich, ob ich gleich im Besitz derselben sein
moechte. Ich werde diese Begriffe in der Folge bis auf den Grad
zergliedern, welcher in Beziehung auf die Methodenlehre, die ich
bearbeite, hinreichend ist. In einem System der reinen Vernunft wuerde
man sie mit Recht von mir forde...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 94
sowohl als empirischen), die zweite aber auf die Existenz dieser
Gegenstaende (entweder in Beziehung aufeinander oder auf den Verstand)
gerichtet sind.
Die erste Klasse wuerde ich die der mathematischen, die zweite der
dynamischen Kategorien nennen. Die erste Klasse hat, wie man sieht,
keine Kor...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 95
Gemeinschaft, die unter dem dritten Titel befindlich ist, ist die
Uebereinstimmung mit der in der Tafel der Logischen Funktionen ihm
korrespondierenden Form eines disjunktiven Urteils nicht so in die
Augen fallend, als bei den uebrigen.
Um sich dieser Uebereinstimmung zu versichern, muss man bem...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 96
ob sie gleich nicht unter die Kategorien gezaehlt werden, dennoch,
nach ihnen, als Begriffe a priori von Gegenstaenden gelten sollten,
in welchem Falle sie aber die Zahl der Kategorien vermehren wuerden,
welches nicht sein kann. Diese traegt der unter den Scholastikern so
berufene Satz vor: quodl...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 97
Vollkommenheit, die darin besteht, dass umgekehrt diese Vielheit
zusammen auf die Einheit des Begriffes zurueckfuehrt, und zu diesem
und keinem anderen voellig zusammenstimmt, welches man die qualitative
Vollstaendigkeit (Totalitaet) nennen kann. Woraus erhellt, dass diese
logischen Kriterien der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 98
indem sie von beiden Beweis fordern, so nennen sie den ersteren, der
die Befugnis, oder auch den Rechtsanspruch dartun soll, die Deduktion.
Wir bedienen uns einer Menge empirischer Begriffe ohne jemandes
Widerrede, und halten uns auch ohne Deduktion berechtigt, ihnen einen
Sinn und eingebildete B...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 99
eben darin das Unterscheidende ihrer Natur liegt, dass sie sich auf
ihre Gegenstaende beziehen, ohne etwas zu deren Vorstellung aus der
Erfahrung entlehnt zu haben. Wenn also eine Deduktion derselben noetig
ist, so wird sie jederzeit transzendental sein muessen.
Indessen kann man von diesen Begr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 100
reinen Erkenntnis a priori, naemlich die auf dem transzendentalen Wege
eingeraeumt wird, so erhellt dadurch doch eben nicht, dass sie so
unumgaenglich notwendig sei. Wir haben oben die Begriffe des Raumes
und der Zeit, vermittelst einer transzendentalen Deduktion zu ihren
Quellen verfolgt, und ih...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 101
verfaehrt, und, nachdem er mannigfaltig umhergeirrt hat, doch wieder
zu der Unwissenheit zurueckkehren muss, von der er ausgegangen war. Er
muss aber auch die unvermeidliche Schwierigkeit zum voraus deutlich
einsehen, damit er nicht ueber Dunkelheit klage, wo die Sache selbst
tief eingehuellt ist...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 102
(denn Erfahrungen kann man nicht zum Beweise anfuehren, weil die
objektive Gueltigkeit dieses Begriffs a priori muss dargetan werden
koennen,) und es ist daher a priori zweifelhaft, ob ein solcher
Begriff nicht etwa gar leer sei und ueberall unter den Erscheinungen
keinen Gegenstand antreffe. Den...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 103
moeglich ist, nach der etwas gewoehnlichermassen geschieht, aber
niemals, dass der Erfolg notwendig sei: daher der Synthesis der
Ursache und Wirkung auch eine Dignitaet anhaengt, die man gar nicht
empirisch ausdruecken kann, naemlich, dass die Wirkung nicht bloss zu
der Ursache hinzukomme, sonder...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 104
Bedingung der Sinnlichkeit stimmen also alle Erscheinungen notwendig
ueberein, weil sie nur durch dieselbe erscheinen, d.i. empirisch
angeschaut und gegeben werden koennen. Nun fraegt es sich, ob nicht
auch Begriffe a priori vorausgehen, als Bedingungen, unter denen
allein etwas, wenngleich nicht...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 105
dass er damit Versuche zu Erkenntnissen wagte, die weit ueber alle
Erfahrungsgrenze hinausgehen. David Hume erkannte, um das letztere tun
zu koennen, sei es notwendig, dass diese Begriffe ihren Ursprung a
priori haben muessten. Da er sich aber gar nicht erklaeren konnte, wie
es moeglich sei, dass...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 106
bestimmt angesehen wird. So war die Funktion des kategorischen Urteils
die des Verhaeltnisses des Subjekts zum Praedikat, z.B. alle Koerper
sind teilbar. Allein in Ansehung des bloss logischen Gebrauchs des
Verstandes blieb es unbestimmt, welcher von beiden Begriffen die
Funktion des Subjekts, un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 107
sie ein Aktus seiner Selbsttaendigkeit ist. Man wird hier leicht
gewahr, dass diese Handlung urspruenglich einig, und fuer alle
Verbindung gleichgeltend sein muesse, und dass die Aufloesung
Analysis, die ihr Gegenteil zu sein scheint, sie doch jederzeit
voraussetze; denn wo der Verstand vorher ni...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 108
Vorstellung, die vor allem Denken gegeben sein kann, heisst
Anschauung. Also hat alles Mannigfaltige der Anschauung eine
notwendige Beziehung auf das: Ich denke, in demselben Subjekt, darin
dieses Mannigfaltige angetroffen wird. Diese Vorstellung aber ist ein
Aktus der Spontaneitaet, d.i. sie kan...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 109
Apperzeption ist nur unter der Voraussetzung irgendeiner synthetischen
moeglich*. Der Gedanke: diese in der Anschauung gegebenen
Vorstellungen gehoeren mir insgesamt zu, heisst demnach soviel, als
ich vereinige sie in einem Selbstbewusstsein, oder kann sie wenigstens
darin vereinigen, und ob er g...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 110
dem man allen Verstandesgebrauch, selbst die ganze Logik, und, nach
ihr, die Transzendental-Philosophie heften muss, ja dieses Vermoegen
ist der Verstand selbst.
Dieser Grundsatz, der notwendigen Einheit der Apperzeption, ist nun
zwar selbst identisch, mithin ein analytischer Satz, erklaert aber...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 111
nicht gemein haben, und dadurch nicht in einem Selbstbewusstsein
zusammengefasst sein wuerden.
* Der Raum und die Zeit und alle Teile derselben sind Anschauungen,
mithin einzelne Vorstellungen mit dem Mannigfaltigen, das sie in
sich enthalten (siehe die transz. Aesthetik), mithin nicht blosse
Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 112
ein Objekt zu erkennen, sondern unter der jede Anschauung stehen muss,
um fuer mich Objekt zu werden, weil auf andere Art, und ohne diese
Synthesis, das Mannigfaltige sich nicht in einem Bewusstsein
vereinigen wuerde.
Dieser letztere Satz ist, wie gesagt, selbst analytisch, ob er zwar
die synthe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 113
ich mir des Mannigfaltigen als zugleich, oder nacheinander, empirisch
bewusst sein koenne, kommt auf Umstaende, oder empirische Bedingungen,
an. Daher die empirische Einheit des Bewusstseins, durch Assoziation
der Vorstellungen, selbst eine Erscheinung betrifft, und ganz
zufaellig ist. Dagegen st...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 114
reinen Vernunftschlusses, den Schein mehrerer Schlussarten, als des
in der ersten Figur, zu erschleichen, so wurde sie doch dadurch
allein kein sonderliches Glueck gemacht haben, wenn es ihr nicht
gelungen waere, die kategorischen Urteile, als die, worauf sich alle
andere muessen beziehen lassen,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 115
Paragraph 20. Alle sinnlichen Anschauungen stehen unter den
Kategorien, als Bedingungen, unter denen allein das Mannigfaltige
derselben in ein Bewusstsein zusammenkommen kann
Das mannigfaltige in einer sinnlichen Anschauung Gegebene gehoert
notwendig unter die urspruengliche synthetische Einheit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 116
sei, als welche die Kategorie nach dem vorigen Paragraph 20 dem
Mannigfaltigen einer gegebenen Anschauung ueberhaupt vorschreibt,
und dadurch also, dass ihre Gueltigkeit a priori in Ansehung aller
Gegenstaende unserer Sinne erklaert wird, die Absicht der Deduktion
allererst voellig erreicht werde...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 117
nicht einerlei. Zum Erkenntnisse gehoeren naemlich zwei Stuecke:
erstlich der Begriff, dadurch ueberhaupt ein Gegenstand gedacht wird
(die Kategorie), und zweitens die Anschauung, dadurch er gegeben wird;
denn, koennte dem Begriffe eine korrespondierende Anschauung gar nicht
gegeben werden, so wa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 118
diese als Gegenstaende moeglicher Erfahrung angenommen werden.
Paragraph 23
Der obige Satz ist von der groessten Wichtigkeit; denn er bestimmt
ebensowohl die Grenzen des Gebrauchs der reinen Verstandesbegriffe
in Ansehung der Gegenstaende, als die transzendentale Aesthetik die
Grenzen des Geb...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 119
alsdann habe ich gar nicht die Moeglichkeit eines Objekts zu meinem
reinen Verstandesbegriff vorgestellt, weil ich keine Anschauung habe
geben koennen, die ihm korrespondierte, sondern nur sagen konnte,
dass die unsrige nicht fuer ihn gelte. Aber das Vornehmste ist hier,
dass auf ein solches Etwa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 120
Diese Synthesis des Mannigfaltigen der sinnlichen Anschauung, die
a priori moeglich und notwendig ist, kann figuerlich (synthesis
speciosa) genannt werden, zum Unterschiede von derjenigen, welche
in Ansehung des Mannigfaltigen einer Anschauung ueberhaupt in der
blossen Kategorie gedacht wurde, un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 121
* *
*
Hier ist nun der Ort, das Paradoxe, was jedermann bei der Exposition
der Form des inneren Sinnes (Paragraph 6) auffallen musste,
verstaendlich zu machen: naemlich wie dieser auch sogar uns selbst,
nur wie wir uns erscheinen, nicht wie wir an uns selbst sind, dem
Bewusstsein darst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 122
Anschauung, aber ohne Verbindung des Mannigfaltigen in derselben,
mithin noch gar keine bestimmte Anschauung enthaelt, welche nur durch
das Bewusstsein der Bestimmung desselben durch die transzendentale
Handlung der Einbildungskraft, (synthetischer Einfluss des Verstandes
auf den inneren Sinn) we...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 123
Anschauung und innerer Wahrnehmungen sein koenne. Dass es aber doch
wirklich so sein muesse, kann, wenn man den Raum fuer eine blosse
reine Form der Erscheinungen aeusserer Sinne gelten laesst, dadurch
klar dargetan werden, dass wir die Zeit, die doch gar kein Gegenstand
aeusserer Anschauung ist,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 124
Mannigfaltigen in der Synthesis des Verstandes korrespondiert. Wie
sehr das Gemuet gemeiniglich hierdurch affiziert werde, wird ein
jeder in sich wahrnehmen koennen.
Paragraph 25
Dagegen bin ich mir meiner selbst in der transzendentalen Synthesis
des Mannigfaltigen der Vorstellungen ueberhaup...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 125
daher selbst doch nur erkennen kann, wie sie, in Absicht auf eine
Anschauung (die nicht intellektuell und durch den Verstand selbst
gegeben sein kann), ihr selbst bloss erscheint, nicht wie sie sich
erkennen wuerde, wenn ihre Anschauung intellektuell waere.
* Das, Ich denke, drueckt den Aktus au...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 126
die a priori aus dem Verstande allein entspringen.
Zuvoerderst merke ich an, dass ich unter der Synthesis der
Apprehension die Zusammensetzung des Mannigfaltigen in einer
empirischen Anschauung verstehe, dadurch Wahrnehmung, d.i. empirisches
Bewusstsein derselben, (als Erscheinung) moeglich wird...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 127
sie vor allem Begriffe vorhergehe, ob sie zwar eine Synthesis, die
nicht den Sinnen angehoert, durch welche aber alle Begriffe von Raum
und Zeit zuerst moeglich werden, voraussetzt. Denn da durch sie
(indem der Verstand die Sinnlichkeit bestimmt) der Raum oder die
Zeit als Anschauungen zuerst geg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 128
ich von der bestaendigen Form meiner inneren Anschauung, der Zeit,
abstrahiere, die Kategorie der Ursache, durch welche ich, wenn ich
sie auf meine Sinnlichkeit anwende, alles, was geschieht, in der Zeit
ueberhaupt seiner Relation nach bestimme. Also steht die Apprehension
in einer solchen Begebe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 129
Einheit ihrer intellektuellen Synthesis, und von der Sinnlichkeit
der Mannigfaltigkeit der Apprehension nach abhaengt. Da nun von der
Synthesis der Apprehension alle moegliche Wahrnehmung, sie selbst
aber, diese empirische Synthesis, von der transzendentalen, mithin den
Kategorien abhaengt, so mu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 130
seine wahren und nuetzlichen Folgen auf den Vernunftgebrauch des
Subjekts haben kann, der sich aber, weil er nicht immer auf die
Bestimmung des Objekts, mithin aufs Erkenntnis, sondern auch auf
die des Subjekts und dessen Wollen gerichtet ist, hier noch nicht
vortragen laesst.
Aber diese Erkennt...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 131
Voraussetzung vorbestimmter Anlagen zu kuenftigen Urteilen treiben
moechte) das wider gedachten Mittelweg entscheidend sein: dass in
solchem Falle den Kategorien die Notwendigkeit mangeln wuerde, die
ihrem Begriffe wesentlich angehoert. Denn z.B. der Begriff der
Ursache, welcher die Notwendigkeit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 132
daher in ihrer Analytik von Begriffen, Urteilen und Schluessen, gerade
den Funktionen und der Ordnung jener Gemuetskraefte gemaess, die man
unter der weitlaeufigen Benennung des Verstandes ueberhaupt begreift.
Da gedachte bloss formale Logik von allem Inhalte der Erkenntnis (ob
sie rein und empi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 133
Wenn der Verstand ueberhaupt als das Vermoegen der Regeln erklaert
wird, so ist Urteilskraft das Vermoegen unter Regeln zu subsumieren,
d.i. zu unterscheiden, ob etwas unter einer gegebenen Regel (casus
datae legis) stehe, oder nicht. Die allgemeine Logik enthaelt gar
keine Vorschriften fuer die ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 134
nicht genug durch Beispiele und wirkliche Geschaefte zu diesem Urteile
abgerichtet worden. Dieses ist auch der einige und grosse Nutzen
der Beispiele: dass sie die Urteilskraft schaerfen. Denn was die
Richtigkeit und Praezision der Verstandeseinsicht betrifft, so tun sie
derselben vielmehr gemein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 135
die wir haben, zu verhueten, dazu (obgleich der Nutzen alsdann nur
negativ ist) wird Philosophie mit ihrer ganzen Scharfsinnigkeit und
Pruefungskunst aufgeboten.
Es hat aber die Transzendental-Philosophie das Eigentuemliche: dass
sie ausser der Regel (oder vielmehr der allgemeinen Bedingung zu
R...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 136
gedacht wird, sich im letzteren anschauen laesst.
Nun sind aber reine Verstandesbegriffe, in Vergleichung mit
empirischen (ja ueberhaupt sinnlichen) Anschauungen, ganz
ungleichartig, und koennen niemals in irgendeiner Anschauung
angetroffen werden. Wie ist nun die Subsumtion der letzteren unter ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 137
erste vermittelt.
Nach demjenigen, was in der Deduktion der Kategorien gezeigt worden,
wird hoffentlich niemand im Zweifel stehen, sich ueber die Frage
zu entschliessen: ob diese reinen Verstandesbegriffe von bloss
empirischem oder auch von transzendentalem Gebrauche sind, d.i. ob
sie lediglich,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 138
gewissen Begriffe gemaess eine Menge (z.E. tausend) in einem Bilde
vorzustellen, als dieses Bild selbst, welches ich im letzteren
Falle schwerlich wuerde uebersehen und mit dem Begriff vergleichen
koennen. Diese Vorstellung nun von einem allgemeinen Verfahren der
Einbildungskraft, einem Begriff s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 139
Begriffe nur immer vermittelst des Schema, welches sie bezeichnen,
verknuepft werden muessen, und an sich demselben nicht voellig
kongruieren. Dagegen ist das Schema eines reinen Verstandesbegriffs
etwas, was in gar kein Bild gebracht werden kann, sondern ist nur
die reine Synthesis, gemaess eine...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 140
d.i. den inneren Sinn in Ansehung derselben Vorstellung eines
Gegenstandes, mehr oder weniger erfuellen kann, bis sie in Nichts (= O
= negatio) aufhoert. Daher ist ein Verhaeltnis und Zusammenhang oder
vielmehr ein Uebergang von Realitaet zur Negation, welcher jede
Realitaet als ein Quantum vorst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 141
aller Zeit.
Man sieht nun aus allem diesem, dass das Schema einer jeden Kategorie,
als das der Groesse, die Erzeugung, (Synthesis) der Zeit selbst,
in der sukzessiven Apprehension eines Gegenstandes, das Schema
der Qualitaet die Synthesis der Empfindung (Wahrnehmung) mit der
Vorstellung der Zeit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 142
gleichwohl auch restringieren, d.i. auf Bedingungen einschraenken, die
ausser dem Verstande liegen (naemlich in der Sinnlichkeit). Daher ist
das Schema eigentlich nur das Phaenomenon, oder der sinnliche Begriff
eines Gegenstandes, in Uebereinstimmung mit der Kategorie. (Numerus
est quantitas phae...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 143
systematischer Verbindung darzustellen, wozu uns ohne Zweifel unsere
Tafel der Kategorien die natuerliche und sichere Leitung geben muss.
Denn diese sind es eben, deren Beziehung auf moegliche Erfahrung
alle reine Verstandeserkenntnis a priori ausmachen muss, und
deren Verhaeltnis zur Sinnlichkei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 144
mit welchen wir uns eigentlich beschaeftigen, weil eben diese
Gegenstellung die Theorie der letzteren von allem Missverstande
befreit, und sie in ihrer eigentuemlichen Natur deutlich vor Augen
legt.
Das System
der Grundsaetze des reinen Verstandes
Erster Abschnitt
Von dem obersten Grundsatze a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 145
aber notwendig von ihm bejaht werden muessen, darum, weil das
Gegenteil desselben dem Objekte widersprechen wuerde.
Daher muessen wir auch den Satz des Widerspruchs als das allgemeine
und voellig hinreichende Prinzipium aller analytischen Erkenntnis
gelten lassen; aber weiter geht auch sein Anse...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 146
desselben absondert, und nachher sein Gegenteil mit diesem Praedikate
verknuepft, welches niemals einen Widerspruch mit dem Subjekte,
sondern nur mit dessen Praedikate, welches mit jenem synthetisch
verbunden worden, abgibt, und zwar nur dann, wenn das erste und zweite
Praedikat zu gleicher Zeit ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 147
hinausgehen, um etwas ganz anderes, als in ihm gedacht war, mit
demselben im Verhaeltnis zu betrachten, welches daher niemals, weder
ein Verhaeltnis der Identitaet, noch des Widerspruchs ist, und
wobei dem Urteile an ihm selbst weder die Wahrheit, noch der Irrtum
angesehen werden kann.
Also zuge...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 148
vorgestellt werden, wuerden doch ohne objektive Gueltigkeit und
ohne Sinn und Bedeutung sein, wenn ihr notwendiger Gebrauch an den
Gegenstaenden der Erfahrung nicht gezeigt wuerde, ja ihre Vorstellung
ist ein blosses Schema, das sich immer auf die reproduktive
Einbildungskraft bezieht, welche die...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 149
einzige Erkenntnisart ist, welche aller anderen Synthesis Realitaet
gibt, so hat diese als Erkenntnis a priori auch nur dadurch Wahrheit,
(Einstimmung mit dem Objekt,) dass sie nichts weiter enthaelt, als was
zur synthetischen Einheit der Erfahrung ueberhaupt notwendig ist.
Das oberste Principiu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 150
Verstandes, oder auch umgekehrt ansehe, deshalb kann wohl eigentlich
keine Gefahr sein; denn die Notwendigkeit nach Begriffen, welche die
letztere auszeichnet, und deren Mangel in jedem empirischen Satze, so
allgemein er auch gelten mag, leicht wahrgenommen wird, kann diese
Verwechslung leicht ve...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 151
Tafel der Grundsaetze, weil diese doch nichts anderes, als Regeln des
objektiven Gebrauchs der ersteren sind. Alle Grundsaetze des reinen
Verstandes sind demnach
1. Axiome
der Anschauung
2. Antizipationen 3. Analogien
der Wahrnehmung der Erfahrung
4. Postulate
des...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 152
Synthesis des Mannigfaltigen, sofern es notwendig zueinander
gehoert, wie z.B. das Akzidens zu irgendeiner Substanz, oder die
Wirkung zu der Ursache, - mithin auch als ungleichartig doch a
priori verbunden vorgestellt wird, welche Verbindung, weil sie nicht
willkuerlich ist, ich darum dynamisch n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 153
jeder auch der kleinsten Zeit bewandt. Ich denke mir darin nur den
sukzessiven Fortgang von einem Augenblick zum anderen, wo durch alle
Zeitteile und deren Hinzutun endlich eine bestimmte Zeitgroesse
erzeugt wird. Da die blosse Anschauung an allen Erscheinungen entweder
der Raum, oder die Zeit is...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 154
von der Zusammensetzung beider die Zahl 12, (dass ich diese in der
Addition beider denken solle, davon ist hier nicht die Rede; denn
bei dem analytischen Satze ist nur die Frage, ob ich das Praedikat
wirklich in der Vorstellung des Subjekts denke). Ob er aber gleich
synthetisch ist, so ist er doc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 155
mehr, warum und wie weit sie auf Erscheinungen anzuwenden sei. Die
Synthesis der Raeume und Zeiten, als der wesentlichen Form aller
Anschauung, ist das, was zugleich die Apprehension der Erscheinung,
mithin jede aeussere Erfahrung, folglich auch alle Erkenntnis der
Gegenstaende derselben, moeglic...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 156
derselben. Da nun Empfindung an sich gar keine objektive Vorstellung
ist und in ihr weder die Anschauung vom Raum, noch von der Zeit,
angetroffen wird, so wird ihr zwar keine extensive, aber doch eine
Groesse (und zwar durch die Apprehension derselben, in welcher das
empirische Bewusstsein in ein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 157
Apprehension keine sukzessive Synthesis ist, die von Teilen zur ganzen
Vorstellung fortgeht, hat sie also keine extensive Groesse; der
Mangel der Empfindung in demselben Augenblicke wuerde diesen als leer
vorstellen, mithin = O. Was nun in der empirischen Anschauung der
Empfindung korrespondiert,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 158
moeglicher Realitaeten, und moeglicher kleinerer Wahrnehmungen. Eine
jede Farbe, z. E. die rote, hat einen Grad, der, so klein er auch
sein mag, niemals der kleinste ist, und so ist es mit der Waerme, dem
Momente der Schwere usw. ueberall bewandt.
Die Eigenschaft der Groessen, nach welcher an ih...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 159
ausmachen koennte, welches immer Materie zu noch kleineren enthielte.
Wenn ich aber unter jener Benennung 13 runde Taler verstehe, als
so viel Muenzen, (ihr Silbergehalt mag sein, welcher er wolle,) so
benenne ich es unschicklich durch ein Quantum von Talern, sondern muss
es ein Aggregat, d.i. ei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 160
und der Negation eine unendliche Stufenfolge immer minderer Grade
stattfindet, und gleichwohl ein jeder Sinn einen bestimmten Grad der
Rezeptivitaet der Empfindungen haben muss; so ist keine Wahrnehmung,
mithin auch keine Erfahrung moeglich, die einen gaenzlichen Mangel
alles Realen in der Ersche...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 161
weil dieses empirische Begriffe sind), allerwaerts einerlei sei, und
sich nur der extensiven Groesse d.i. der Menge nach unterscheiden
koenne. Dieser Voraussetzung, dazu sie keinen Grund in der Erfahrung
haben konnten, und die also bloss metaphysisch ist, setze ich einen
transzendentalen Beweis e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 162
Es hat gleichwohl diese Antizipation der Wahrnehmung etwas fuer
einen der transzendentalen gewohnten und dadurch behutsam gewordenen
Nachforscher, immer etwas Auffallendes an sich, und erregt darueber
einiges Bedenken, dass der Verstand einen dergleichen synthetischen
Satz, als der von dem Grad a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 163
3. Analogien der Erfahrung
Das Prinzip derselben ist: Erfahrung ist nur durch die Vorstellung
einer notwendigen Verknuepfung der Wahrnehmungen moeglich.
Beweis
Erfahrung ist ein empirisches Erkenntnis, d.i. ein Erkenntnis, das
durch Wahrnehmungen ein Objekt bestimmt. Sie ist also eine Synthesi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 164
aller Erscheinungen nach ihrem Verhaeltnisse in der Zeit. Denn die
urspruengliche Apperzeption bezieht sich auf den inneren Sinn (den
Inbegriff aller Vorstellungen), und zwar a priori auf die Form
desselben, d.i. das Verhaeltnis des mannigfaltigen empirischen
Bewusstseins in der Zeit. In der ursp...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 165
Erscheinung als Groesse, gebraucht werden koennen. So werde ich
z.B. den Grad der Empfindungen des Sonnenlichts aus etwa 200 000
Erleuchtungen durch den Mond zusammensetzen und a priori bestimmt
geben, d.i. konstruieren koennen. Daher koennen wir die ersteren
Grundsaetze konstitutive nennen.
Gan...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 166
der Erscheinung), der Wahrnehmung (der Materie derselben), und
der Erfahrung (des Verhaeltnisses dieser Wahrnehmungen) zusammen
betreffen, gelten, naemlich dass sie nur regulative Grundsaetze sind,
und sich von den mathematischen, die konstitutiv sind, zwar nicht in
der Gewissheit, welche in beid...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 167
Quantum derselben wird in der Natur weder vermehrt noch vermindert.
Beweis
Alle Erscheinungen sind in der Zeit, in welcher, als Substrat, (als
beharrlicher Form der inneren Anschauung,) das Zugleichsein sowohl als
die Folge allein vorgestellt werden kann. Die Zeit also in der aller
Wechsel der ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 168
moeglich ist. Die Beharrlichkeit drueckt ueberhaupt die Zeit, als das
bestaendige Korrelatum alles Daseins der Erscheinungen, alles Wechsels
und aller Begleitung, aus. Denn der Wechsel trifft die Zeit selbst
nicht, sondern nur die Erscheinungen in der Zeit, (so wie das
Zugleichsein nicht ein modu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 169
selten, wie es ihm doch gebuehrt, an der Spitze der reinen und voellig
a priori bestehenden Gesetze der Natur. In der Tat ist der Satz,
dass die Substanz beharrlich sei, tautologisch. Denn bloss diese
Beharrlichkeit ist der Grund, warum wir auf die Erscheinung die
Kategorie der Substanz anwenden,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 170
Notwendigkeit zu beharren, doch unzertrennlich mit der Notwendigkeit,
immer gewesen zu sein, verbunden, und der Ausdruck mag also bleiben.
Gigni de nihilo nihil, in nihilum nil posse reverti, waren zwei
Saetze, welche die Alten unzertrennt verknuepften, und die man aus
Missverstand jetzt bisweile...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 171
Titel der Verhaeltnisse steht, mehr als die Bedingung derselben, als
dass sie selbst ein Verhaeltnis enthielte.
Auf dieser Beharrlichkeit gruendet sich nun auch die Berichtigung
des Begriffs von Veraenderung. Entstehen und Vergehen sind nicht
Veraenderungen desjenigen, was entsteht oder vergeht....
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 172
auf zweierlei Zeiten beziehen, in denen nebeneinander das Dasein
verfloesse, welches ungereimt ist. Denn es ist nur Eine Zeit, in
welcher alle verschiedenen Zeiten nicht zugleich, sondern nacheinander
gesetzt werden muessen.
So ist demnach die Beharrlichkeit eine notwendige Bedingung, unter
welc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 173
und in Beziehung auf sie gleichsam empirisch, was voruebergehe und was
folge, am Objekte bestimmt werden. Ich bin mir also nur bewusst, dass
meine Imagination eines vorher, das andere nachher setze, nicht dass
im Objekte der eine Zustand vor dem anderen vorhergehe; oder, mit
anderen Worten, es bl...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 174
das Mannigfaltige der Erscheinungen wird im Gemuet jederzeit sukzessiv
erzeugt. Waeren Erscheinungen Dinge an sich selbst, so wuerde kein
Mensch aus der Sukzession der Vorstellungen von ihrem Mannigfaltigen
ermessen koennen, wie dieses in dem Objekt verbunden sei. Denn
wir haben es doch nur mit u...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 175
unterschiedene Objekt derselben koenne vorgestellt werden, wenn sie
unter einer Regel steht, welche sie von jeder anderen Apprehension
unterscheidet, und eine Art der Verbindung des Mannigfaltigen
notwendig macht. Dasjenige an der Erscheinung, was die Bedingung
dieser notwendigen Regel der Appreh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 176
Mannigfaltige der empirischen Anschauung apprehendieren. In der Reihe
dieser Wahrnehmungen war also keine bestimmte Ordnung, welche es
notwendig machte, wenn ich in der Apprehension anfangen muesste, um
das Mannigfaltige empirisch zu verbinden. Diese Regel aber ist bei der
Wahrnehmung von dem, wa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 177
Man setze, es gehe vor einer Begebenheit nichts vorher, worauf
dieselbe nach einer Regel folgen muesste, so waere alle Folge der
Wahrnehmung nur lediglich in der Apprehension, d.i. bloss subjektiv,
aber dadurch gar nicht objektiv bestimmt, welches eigentlich das
Vorhergehende, und welches das Nac...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 178
Erscheinungen, eine Regel zu entdecken, geleitet worden, der gemaess
gewisse Begebenheiten auf gewisse Erscheinungen jederzeit folgen,
und dadurch zuerst veranlasst worden, uns den Begriff von Ursache zu
machen. Auf solchen Fuss wuerde dieser Begriff bloss empirisch sein,
und die Regel, die er ve...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 179
jenem Zeitverhaeltnisse. Wie kommen wir nun dazu, dass wir diesen
Vorstellungen ein Objekt setzen, oder ueber ihre subjektive Realitaet,
als Modifikationen, ihnen noch, ich weiss nicht, was fuer eine,
objektive beilegen? Objektive Bedeutung kann nicht in der Beziehung
auf eine andere Vorstellung ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 180
bekommen, dass im vorhergehenden Zustande etwas vorausgesetzt wird,
worauf es jederzeit, d.i. nach einer Regel, folgt: woraus sich denn
ergibt, dass ich erstlich nicht die Reihe umkehren, und das, was
geschieht, demjenigen voransetzen kann, worauf es folgt: zweitens
dass, wenn der Zustand, der vo...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 181
Erscheinungen gegen die absolute Zeit entlehnt werden, (denn die ist
kein Gegenstand der Wahrnehmung,) sondern umgekehrt, die Erscheinungen
muessen einander ihre Stellen in der Zeit selbst bestimmen, und
dieselbe in der Zeitordnung notwendig machen, d.i. dasjenige, was da
folgt, oder geschieht, m...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 182
welcher etwas notwendig vorausgehen, und wenn dieses gesetzt ist,
das andere notwendig folgen muesse. Soll also meine Wahrnehmung die
Erkenntnis einer Begebenheit enthalten, da naemlich etwas wirklich
geschieht; so muss sie ein empirisches Urteil sein, in welchem man
sich denkt, dass die Folge be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 183
groesste Teil der wirkenden Ursache in der Natur ist mit ihren
Wirkungen zugleich, und die Zeitfolge der letzteren wird nur dadurch
veranlasst, dass die Ursache ihre ganze Wirkung nicht in einem
Augenblick verrichten kann. Aber in dem Augenblicke, da sie zuerst
entsteht, ist sie mit der Kausalita...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 184
bemengen will, die bloss die Erlaeuterung (nicht Erweiterung) der
Begriffe angehen, so ueberlasse ich die umstaendliche Eroerterung
derselben einem kuenftigen System der reinen Vernunft: wiewohl man
eine solche Analysis im reichen Masse, auch schon in den bisher
bekannten Lehrbuechern dieser Art,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 185
der Ausfuehrlichkeit nicht geschehen koennte, die zu der Groesse und
strengen Allgemeingueltigkeit des Begriffs erforderlich ist. Denn
dass das erste Subjekt der Kausalitaet alles Entstehens und Vergehens
selbst nicht (im Felde der Erscheinungen) entstehen und vergehen
koenne, ist ein sicherer Sc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 186
eines anderen Zustandes, allein vorgehen kann, (der Inhalt derselben,
d.i. der Zustand, der veraendert wird, mag sein, welcher er wolle),
mithin die Sukzession der Zustaende selbst (das Geschehene) kann doch
nach dem Gesetze der Kausalitaet und den Bedingungen der Zeit a priori
erwogen werden*.
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 187
oder in einem Augenblicke) hervor, sondern in einer Zeit, so, dass,
wie die Zeit vom Anfangsaugenblicke a bis zu ihrer Vollendung in b
waechst, auch die Groesse der Realitaet (b-a) durch alle kleineren
Grade, die zwischen dem ersten und letzten enthalten sind, erzeugt
wird. Alle Veraenderung ist ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 188
der Wahrnehmung ist nichts, als eine Erweiterung der Bestimmung des
inneren Sinnes, d.i. ein Fortgang in der Zeit, die Gegenstaende moegen
sein, welche sie wollen, Erscheinungen, oder reine Anschauungen.
Dieser Fortgang in der Zeit bestimmt alles, und ist an sich selbst
durch nichts weiter bestim...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 189
zweiten Grundsatze gezeigt, worden, nicht geschehen kann). So kann ich
meine Wahrnehmung zuerst am Monde, und nachher an der Erde, oder auch
umgekehrt zuerst an der Erde und dann am Monde anstellen und darum,
weil die Wahrnehmungen dieser Gegenstaende einander wechselseitig
folgen koennen, sage i...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 190
auch umgekehrt von E zu A gehen kann. Denn, waere sie in der Zeit
nacheinander (in der Ordnung, die von A anhebt, und in E endigt),
so ist es unmoeglich, die Apprehension in der Wahrnehmung von E
anzuheben, und rueckwaerts zu A fortzugehen, weil A zur vergangenen
Zeit gehoert, und also kein Gegen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 191
Gegenstaenden selbst unmoeglich sein wuerde. Also ist es allen
Substanzen in der Erscheinung, sofern sie zugleich sind, notwendig,
in durchgaengiger Gemeinschaft der Wechselwirkung untereinander zu
stehen.
Das Wort Gemeinschaft ist in unserer Sprache zweideutig, und kann
soviel als communio, abe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 192
Erscheinungen als Substanzen bezogen werden, so muss die Wahrnehmung
der einen, als Grund, die Wahrnehmung der anderen, und so umgekehrt,
moeglich machen, damit die Sukzession, die jederzeit in den
Wahrnehmungen, als Apprehensionen ist, nicht den Objekten beigelegt
werde, sondern diese als zuglei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 193
Gesetze, nach welchen selbst Erfahrung allererst moeglich wird,
stattfinden, und gefunden werden. Unsere Analogien stellen also
eigentlich die Natureinheit im Zusammenhange aller Erscheinungen unter
gewissen Exponenten dar, welche nichts anderes ausdruecken, als das
Verhaeltnis der Zeit (sofern s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 194
synthetischen Einheit a priori, vermittelst deren wir die Erfahrung
antizipieren konnten. In Ermanglung dieser Methode, und bei dem Wahne,
synthetische Saetze, welche der Erfahrungsgebrauch des Verstandes als
seine Prinzipien empfiehlt, dogmatisch beweisen zu wollen, ist es denn
geschehen, dass v...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 195
Gegenstande fragen, ob er bloss moeglich, oder auch wirklich, oder,
wenn er das letztere ist, ob er gar auch notwendig sei? Hierdurch
werden keine Bestimmungen mehr im Objekte selbst gedacht, sondern
es fraegt sich nur, wie es sich (samt allen seinen Bestimmungen)
zum Verstande und dessen empiris...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 196
sein muesse, ist zwar eine notwendige logische Bedingung; aber zur
objektiven Realitaet des Begriffs, d.i. der Moeglichkeit eines solchen
Gegenstandes, als durch den Begriff gedacht wird, bei weitem nicht
genug. So ist in dem Begriffe einer Figur, die in zwei geraden Linien
eingeschlossen ist, ke...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 197
Form einer Erfahrung ueberhaupt, und die synthetische Einheit, in der
allein Gegenstaende empirisch koennen erkannt werden.
Wenn man sich aber gar neue Begriffe von Substanzen, von Kraeften, von
Wechselwirkungen, aus dem Stoffe, den uns die Wahrnehmung darbietet,
machen wollte, ohne von der Erfa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 198
Aber ich lasse alles vorbei, dessen Moeglichkeit nur aus der
Wirklichkeit in der Erfahrung kann abgenommen werden, und erwaege hier
nur die Moeglichkeit der Dinge durch Begriffe a priori, von denen
ich fortfahre zu behaupten, dass sie niemals aus solchen Begriffen
fuer sich allein, sondern jederz...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 199
als Gegenstand bestimmt wird, mithin voellig a priori, aber doch nur
in Beziehung auf sie, und innerhalb ihren Grenzen, die Moeglichkeit
der Dinge erkennen und charakterisieren koennen.
Das Postulat, die Wirklichkeit der Dinge zu erkennen, fordert
Wahrnehmung, mithin Empfindung, deren man sich b...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 200
Anschauung derselben stossen, wenn unsere Sinne feiner waeren, deren
Grobheit die Form moeglicher Erfahrung ueberhaupt nichts angeht. Wo
also Wahrnehmung und deren Anhang nach empirischen Gesetzen hinreicht,
dahin reicht auch unsere Erkenntnis vom Dasein der Dinge. Fangen
wir nicht von Erfahrung ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 201
Erfahrung nur unter Voraussetzung aeusserer Erfahrung moeglich sei.
Lehrsatz
Das blosse, aber empirisch bestimmte, Bewusstsein meines eigenen
Daseins beweist das Dasein der Gegenstaende im Raum ausser mir.
Beweis
Ich bin mir meines Daseins als in der Zeit bestimmt bewusst. Alle
Zeitbestimmung...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 202
bewiesen, dass aeussere Erfahrung eigentlich unmittelbar sei,* dass
nur vermittelst ihrer, zwar nicht das Bewusstsein unserer eigenen
Existenz, aber doch die Bestimmung derselben in der Zeit, d.i. innere
Erfahrung, moeglich sei. Freilich ist die Vorstellung: ich bin, die
das Bewusstsein ausdrueck...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 203
a priori als notwendige Bedingung aller Zeitbestimmung, mithin auch
als Bestimmung des inneren Sinnes in Ansehung unseres eigenen Daseins
durch die Existenz aeusserer Dinge vorausgesetzt. Das Bewusstsein
meiner selbst in der Vorstellung Ich ist gar keine Anschauung, sondern
eine bloss intellektue...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 204
der Bedingung anderer gegebener Erscheinungen, als notwendig erkannt
werden koennte, als das Dasein der Wirkungen aus gegebenen Ursachen
nach Gesetzen der Kausalitaet. Also ist es nicht das Dasein der
Dinge (Substanzen), sondern ihres Zustandes, wovon wir allein die
Notwendigkeit erkennen koennen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 205
Grundsatzes von der Kausalitaet (unter den Analogien der Erfahrung).
Der zweite gehoert zu den Grundsaetzen der Modalitaet, welche zu
der Kausalbestimmung noch den Begriff der Notwendigkeit, die aber
unter einer Regel des Verstandes steht, hinzutut. Das Prinzip der
Kontinuitaet verbot in der Reih...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 206
Wirkliche enthaelt, dieses aber wiederum groesser, als die Menge
desjenigen, was notwendig ist, das sind artige Fragen, und zwar von
synthetischer Aufloesung, die aber auch nur der Gerichtsbarkeit der
Vernunft anheimfallen; denn sie wollen ungefaehr soviel sagen, als,
ob alle Dinge, als Erscheinu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 207
jener noch etwas hinzukommen muss, um diese auszumachen. Allein dieses
Hinzukommen zum Moeglichen kenne ich nicht. Denn was ueber dasselbe
noch zugesetzt werden sollte, waere unmoeglich. Es kann nur zu
meinem Verstande etwas ueber die Zusammenstimmung mit den formalen
Bedingungen der Erfahrung, n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 208
wider den Sinn der Mathematiker, denen er doch eigentlich angehoert,
gegeben haben, naemlich: dass Postulieren so viel heissen solle, als
einen Satz fuer unmittelbar gewiss, ohne Rechtfertigung, oder Beweis
ausgeben; denn, wenn wir das bei synthetischen Saetzen, so evident sie
auch sein moegen, e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 209
anderes, als die Handlung des Erkenntnisvermoegens, dadurch er erzeugt
wird. Nun heisst ein Postulat in der Mathematik der praktische Satz,
der nichts als die Synthesis enthaelt, wodurch wir einen Gegenstand
uns zuerst geben, und dessen Begriff erzeugen, z.B. mit einer
gegebenen Linie, aus einem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 210
Kategorien, z.B. wie ein Ding mit vielen zusammen einerlei, d.i. eine
Groesse sein koenne usw. Solange es also an Anschauung fehlt, weiss
man nicht, ob man durch die Kategorien ein Objekt denkt, und ob ihnen
auch ueberall gar irgend ein Objekt zukommen koenne, und so bestaetigt
sich, dass sie fue...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 211
Modalitaet (als etwas, dessen Nichtsein sich denken laesst), sondern
die der Relation (als etwas, das nur als Folge von einem anderen
existieren kann) enthaelt, und da ist es freilich ein identischer
Satz: was nur als Folge existieren kann, hat seine Ursache. In der
Tat, wenn wir Beispiele vom zu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 212
dadurch die objektive Realitaet dieses Begriffs darzutun) wir eine
Anschauung im Raume (der Materie) beduerfen, weil der Raum allem
beharrlich bestimmt, die Zeit aber, mithin alles, was im inneren Sinne
ist, bestaendig fliesst. Um Veraenderung, als die dem Begriffe der
Kausalitaet korrespondieren...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 213
allein nicht verstanden werden kann? Denn dieses wird zur Gemeinschaft
erfordert, ist aber unter Dingen, die sich ein jedes durch seine
Subsistenz voellig isolieren, gar nicht begreiflich. Daher Leibniz,
indem er den Substanzen der Welt, nur, wie sie der Verstand allein
denkt, eine Gemeinschaft b...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 214
sondern es auch durchmessen, und jedem Dinge auf demselben seine
Stelle bestimmt. Dieses Land aber ist eine Insel, und durch die Natur
selbst in unveraenderliche Grenzen eingeschlossen. Es ist das Land
der Wahrheit (ein reizender Name), umgeben von einem weiten und
stuermischen Ozeane, dem eigent...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 215
Einbildungskraft in Beziehung auf die Apperzeption urspruenglich und
von selbst erteilt, und auf welche die Erscheinungen, als data zu
einem moeglichen Erkenntnisse, schon a priori in Beziehung und
Einstimmung stehen muessen. Ob nun aber gleich diese Verstandesregeln
nicht allein a priori wahr si...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 216
und seines Besitzes sicher, sondern darf sich nur auf vielfaeltige
beschaemende Zurechtweisungen Rechnung machen, wenn er die
Grenzen seines Gebiets (wie es unvermeidlich ist) unaufhoerlich
ueberschreitet, und sich in Wahn und Blendwerke verirrt.
Dass also der Verstand von allen seinen Grundsaet...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 217
Punkten kann nur eine gerade Linie sein, usw. Obgleich alle diese
Grundsaetze, und die Vorstellung des Gegenstandes, womit sich jene
Wissenschaft beschaeftigt, voellig a priori im Gemuet erzeugt werden,
so wuerden sie doch gar nichts bedeuten, koennten wir nicht immer an
Erscheinungen (empirische...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 218
Wievielmal gruendet sich auf die sukzessive Wiederholung, mithin auf
die Zeit und die Synthesis (des Gleichartigen) in derselben. Realitaet
kann man im Gegensatze mit der Negation nur alsdann erklaeren, wenn
man sich eine Zeit (als den Inbegriff von allem Sein) gedenkt, die
entweder womit erfuell...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 219
dieser ein Dasein, welches auf das Nichtsein folgt, (oder umgekehrt,)
mithin einen Wechsel vorstellt; denn, dass das Nichtsein eines Dinges
sich selbst nicht widerspreche, ist eine lahme Berufung auf eine
logische Bedingung, die zwar zum Begriffe notwendig, aber zur realen
Moeglichkeit bei weitem...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 220
sie anschauen moegen,) bezogen werden koennen.
Die transzendentale Analytik hat demnach dieses wichtige Resultat:
dass der Verstand a priori niemals mehr leisten koenne, als die
Form einer moeglichen Erfahrung ueberhaupt zu antizipieren, und, da
dasjenige, was nicht Erscheinung ist, kein Gegenst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 221
Erfahrung hinaus aber es ueberall keine synthetischen Grundsaetze a
priori geben koenne.
Es kann daher ratsam sein, sich also auszudruecken: die reinen
Kategorien, ohne formale Bedingungen der Sinnlichkeit, haben bloss
transzendentale Bedeutung, sind aber von keinem transzendentalen
Gebrauch, we...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 222
auch andere moegliche Dinge, die gar nicht Objekte unserer Sinne sind,
als Gegenstaende bloss durch den Verstand gedacht, jenen gleichsam
gegenueberstellen, und sie Verstandeswesen (Noumena) nennen. Nun
fraegt sich: ob unsere reinen Verstandesbegriffe nicht in Ansehung
dieser Letzteren Bedeutung ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 223
machen koenne, weil diese nur in Beziehung auf die Einheit der
Anschauungen in Raum und Zeit Bedeutung haben, sie eben diese Einheit
auch nur wegen der blossen Idealitaet des Raums und der Zeit durch
allgemeine Verbindungsbegriffe a priori bestimmen koennen. Wo diese
Zeiteinheit nicht angetroffen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 224
noch die Form des Denkens, d.i. die Art, dem Mannigfaltigen einer
moeglichen Anschauung einen Gegenstand zu bestimmen. Daher erstrecken
sich die Kategorien sofern weiter, als die sinnliche Anschauung,
weil sie Objekte ueberhaupt denken, ohne noch auf die besondere Art
(der Sinnlichkeit) zu sehen,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 225
um die Anmassung der Sinnlichkeit einzuschraenken, und also nur
von negativem Gebrauche. Er ist aber gleichwohl nicht willkuerlich
erdichtet, sondern haengt mit der Einschraenkung der Sinnlichkeit
zusammen, ohne doch etwas Positives ausser dem Umfange derselben
setzen zu koennen.
Die Einteilung ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 226
keine Schwierigkeit hat, aber auch nichts als leere Wortkraemerei
angetroffen wird. Nach demselben hat es einigen beliebt, den Inbegriff
der Erscheinungen, sofern er angeschaut wird, die Sinnenwelt, sofern
aber der Zusammenhang derselben nach allgemeinen Verstandesgesetzen
gedacht wird, die Verst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 227
moegliche Erfahrung, und folglich auf Sinne ueberhaupt, mithin als
Gegenstaende des reinen Verstandes sein moegen. Denn dieses wird uns
immer unbekannt bleiben, sogar, dass es auch unbekannt bleibt, ob
eine solche transzendentale (ausserordentliche) Erkenntnis ueberall
moeglich sei, zum wenigsten...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 228
ohne auf den empirischen Verstandesgebrauch Ruecksicht zu nehmen, und
dadurch dem reinen und sinnenfreien Urteile voellig zu entsagen. So
ist denn der Begriff reiner bloss intelligibler Gegenstaende gaenzlich
leer von allen Grundsaetzen ihrer Anwendung, weil man keine Art
ersinnen kann, wie sie g...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 229
dadurch ich die Vergleichung der Vorstellungen ueberhaupt mit der
Erkenntniskraft zusammenhalte, darin sie angestellt wird, und wodurch
ich unterscheide, ob sie als zum reinen Verstande oder zur sinnlichen
Anschauung gehoerend untereinander verglichen werden, nenne ich die
transzendentale Ueberle...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 230
zwar sagen: dass die logische Reflexion eine blosse Komparation
sei, denn bei ihr wird von der Erkenntniskraft, wozu die gegebenen
Vorstellungen gehoeren, gaenzlich abstrahiert, und sie sind also so
fern ihrem Sitze nach, im Gemuete, als gleichartig zu behandeln, die
transzendentale Reflexion abe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 231
reinem, sondern bloss empirischen Gebrauche ist, so wird die Vielheit
und numerische Verschiedenheit schon durch den Raum selbst als die
Bedingung der aeusseren Erscheinungen angegeben. Denn ein Teil des
Raums, ob er zwar einem anderen voellig aehnlich und gleich sein mag,
ist doch ausser ihm, un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 232
innere Realitaet gehen. Allein was kann ich mir fuer innere Akzidenzen
denken, als diejenigen, so mein innerer Sinn mir darbietet? naemlich
das, was entweder selbst ein Denken, oder mit diesem analogisch ist.
Daher machte Leibniz aus allen Substanzen, weil er sie sich als
Noumena vorstellte, selb...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 233
der Bestimmungen derselben untereinander, als Gruende und Folgen,
moeglich. So wuerde es auch in der Tat sein muessen, wenn der reine
Verstand unmittelbar auf Gegenstaende bezogen werden koennte, und
wenn Raum und Zeit Bestimmungen der Dinge an sich selbst waeren. Sind
es aber nur sinnliche Ansch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 234
logische Topik des Aristoteles, deren sich Schullehrer und Redner
bedienen konnten, um unter gewissen Titeln des Denkens nachzusehen,
was sich am besten fuer seine vorliegende Materie schickte, und
darueber, mit einem Schein von Gruendlichkeit, zu vernuenfteln, oder
wortreich zu schwatzen.
Die t...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 235
dieser eigentuemlichen Denkungsart vor Augen zu legen, der auf nichts,
als einem Missverstande, beruhte. Er verglich alle Dinge bloss
durch Begriffe miteinander, und fand, wie natuerlich, keine anderen
Verschiedenheiten, als die, durch welche der Verstand seine reinen
Begriffe voneinander untersc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 236
dass er seinen Grundsatz des Nichtzuunterscheidenden, der bloss von
Begriffen der Dinge ueberhaupt gilt, auch auf die Gegenstaende der
Sinne (mundus phaenomenon) ausdehnte, und der Naturerkenntnis dadurch
keine geringe Erweiterung verschafft zu haben glaubte. Freilich, wenn
ich einen Tropfen Wass...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 237
sie auf die Entgegensetzung der Richtungen sieht: eine Bedingung, von
welcher der transzendentale Begriff der Realitaet gar nichts weiss.
Obzwar Herr von Leibniz diesen Satz nicht eben mit dem Pomp eines
neuen Grundsatzes ankuendigte, so bediente er sich doch desselben zu
neuen Behauptungen, und ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 238
Eben darum musste aber auch sein Principium der moeglichen
Gemeinschaft der Substanzen untereinander eine vorherbestimmte
Harmonie, und konnte kein physischer Einfluss sein. Denn weil alles
nur innerlich, d.i. mit seinen Vorstellungen beschaeftigt ist, so
konnte der Zustand der Vorstellungen der ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 239
Anschauung zugestand, sondern alle, selbst die empirische Vorstellung
der Gegenstaende, im Verstande suchte, und den Sinnen nichts als das
veraechtliche Geschaeft liess, die Vorstellungen des ersteren zu
verwirren und zu verunstalten.
Wenn wir aber auch von Dingen an sich selbst etwas durch den ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 240
uns erscheinen, an sich sein moegen; so sind sie ganz unbillig und
unvernuenftig; denn sie wollen, dass man ohne Sinne doch Dinge
erkennen, mithin anschauen koenne, folglich dass wir ein von dem
menschlichen nicht bloss dem Grade, sondern sogar der Anschauung und
Art nach, gaenzlich unterschieden...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 241
enthalten, ob sie sich widersprechen oder nicht, ob etwas in dem
Begriffe innerlich enthalten sei, oder zu ihm hinzukomme, und welcher
von beiden gegeben, welcher aber nur als eine Art, den gegebenen
zu denken, gelten soll. Wende ich aber diese Begriffe auf einen
Gegenstand ueberhaupt (im transz....
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 242
taeuschenden Ursache der Amphibolie dieser Begriffe, in Veranlassung
falscher Grundsaetze, von grossem Nutzen, die Grenzen des Verstandes
zuverlaessig zu bestimmen und zu sichern.
Man muss zwar sagen: was einem Begriff allgemein zukommt, oder
widerspricht, das kommt auch zu, oder widerspricht, a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 243
Verneinendes mit einem Bejahenden verbunden worden, und bloss
bejahende Begriffe koennen, in Verbindung, gar keine Aufhebung
bewirken. Allein in der sinnlichen Anschauung, darin Realitaet (z.B.
Bewegung) gegeben wird, finden sich Bedingungen (entgegengesetzte
Richtungen), von denen im Begriffe de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 244
aeusseren Wahrnehmung sein koenne. Durch blosse Begriffe kann ich
freilich ohne etwas Innerem nichts Aeusseres denken, eben darum, weil
Verhaeltnisbegriffe doch schlechthin gegebene Dinge voraussetzen,
und ohne diese nicht moeglich sind. Aber, da in der Anschauung etwas
enthalten ist, was im blos...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 245
gar aus Verhaeltnissen bestehen solle, aber ein solches Ding ist auch
blosse Erscheinung, und kann gar nicht durch reine Kategorien gedacht
werden; es besteht selbst in dem blossen Verhaeltnisse von Etwas
ueberhaupt zu den Sinnen. Ebenso kann man die Verhaeltnisse der Dinge
in abstracto, wenn man...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 246
und von denen wir also gar keine Erkenntnis (weder Anschauung, noch
Begriff) jemals haben koennen, so muessen Noumena in dieser bloss
negativen Bedeutung allerdings zugelassen werden: da sie denn nichts
anderes sagen, als: dass unsere Art der Anschauung nicht auf alle
Dinge, sondern bloss auf Geg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 247
geben moege, welche Frage nur unbestimmt beantwortet werden kann,
naemlich: dass, weil die sinnliche Anschauung nicht auf alle Dinge
ohne Unterschied geht, fuer mehr und andere Gegenstaende Platz
uebrigbleibe, sie also nicht schlechthin abgeleugnet, in Ermanglung
eines bestimmten Begriffs aber (d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 248
transzendental gemacht, und die Gegenstaende, d.i. moegliche
Anschauungen, sich nach Begriffen, nicht aber Begriffe sich nach
moeglichen Anschauungen (als auf denen allein ihre objektive
Gueltigkeit beruht) richten muessen. Die Ursache hiervon aber ist
wiederum: dass die Apperzeption, und, mit ih...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 249
Widerspruch, aber auch ohne Beispiel aus der Erfahrung gedacht werden,
und also nicht unter die Moeglichkeiten gezaehlt werden muessen.
2. Realitaet ist Etwas, Negation ist Nichts, naemlich, ein Begriff von
dem Mangel eines Gegenstandes, wie der Schatten, die Kaelte, (nihil
privativum).
3. Die ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 250
Wahrscheinlichkeit; denn diese ist Wahrheit, aber durch unzureichende
Gruende erkannt, deren Erkenntnis also zwar mangelhaft, aber darum
doch nicht trueglich ist, und mithin von dem analytischen Teile der
Logik nicht getrennt werden muss. Noch weniger duerfen Erscheinung und
Schein fuer einerlei ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 251
eigentuemliche Handlung des Verstandes von der Kraft, die sich mit
einmengt, zu unterscheiden, wird es daher noetig sein, das irrige
Urteil als die Diagonale zwischen zwei Kraeften anzusehen, die das
Urteil nach zwei verschiedenen Richtungen bestimmen, die gleichsam
einen Winkel einschliessen, un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 252
alle jene Grenzpfaehle niederzureissen und sich einen ganz neuen
Boden, der ueberall keine Demarkation erkennt, anzumassen. Daher
sind transzendental und transzendent nicht einerlei. Die Grundsaetze
des reinen Verstandes, die wir oben vortrugen, sollen bloss
von empirischem und nicht von transzen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 253
Schein transzendenter Urteile aufzudecken, und zugleich zu verhueten,
dass er nicht betruege; dass er aber auch (wie der logische Schein)
sogar verschwinde, und ein Schein zu sein aufhoere, das kann sie
niemals bewerkstelligen. Denn wir haben es mit einer natuerlichen
und unvermeidlichen Illusion...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 254
das zweite aber, welches selbst Begriffe erzeugt, wird dadurch noch
nicht eingesehen. Da nun hier eine Einteilung der Vernunft in ein
logisches und transzendentales Vermoegen vorkommt, so muss ein
hoeherer Begriff von dieser Erkenntnisquelle gesucht werden, welcher
beide Begriffe unter sich befas...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 255
der Verstand dergleichen allgemeine Saetze a priori darbietet, so
koennen diese denn auch, in Ansehung ihres moeglichen Gebrauchs,
Prinzipien genannt werden.
Betrachten wir aber diese Grundsaetze des reinen Verstandes an
sich selbst ihrem Ursprunge nach, so sind sie nichts weniger als
Erkenntnis...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 256
sich selbst aber (sofern sie synthetisch ist) nicht auf blossem Denken
beruht, noch ein Allgemeines nach Begriffen in sich enthaelt.
Der Verstand mag ein Vermoegen der Einheit der Erscheinungen
vermittelst der Regeln sein, so ist die Vernunft das Vermoegen der
Einheit der Verstandesregeln unter ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 257
Vernunftschluss. In dem Satze: alle Menschen sind sterblich, liegen
schon die Saetze: einige Menschen sind sterblich, einige Sterbliche
sind Menschen, nichts, was unsterblich ist, ist ein Mensch, und diese
sind also unmittelbare Folgerungen aus dem ersteren. Dagegen liegt
der Satz: alle Gelehrten...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 258
Quell von Begriffen und Urteilen, die lediglich aus ihr entspringen,
und dadurch sie sich auf Gegenstaende bezieht, oder ist sie ein bloss
subalternes Vermoegen, gegebenen Erkenntnissen eine gewisse Form zu
geben, welche logisch heisst, und wodurch die Verstandeserkenntnisse
nur einander und nied...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 259
keine unmittelbare Beziehung, sondern nur auf den Verstand und dessen
Urteile, welche sich zunaechst an die Sinne und deren Anschauung
wenden, um diesen ihren Gegenstand zu bestimmen. Vernunfteinheit ist
also nicht Einheit einer moeglichen Erfahrung, sondern von dieser,
als der Verstandeseinheit,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 260
von jedem Bedingten unterscheiden, und muss dadurch Stoff zu manchen
synthetischen Saetzen a priori geben.
Die aus diesem obersten Prinzip der reinen Vernunft entspringenden
Grundsaetze werden aber in Ansehung aller Erscheinungen transzendent
sein, d.i. es wird kein ihm adaequater empirischer Ge...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 261
eine Bewandtnis haben mag: so sind sie doch nicht bloss reflektierte,
sondern geschlossene Begriffe. Verstandesbegriffe werden auch a priori
vor der Erfahrung und zum Behuf derselben gedacht; aber sie enthalten
nichts weiter, als die Einheit der Reflexion ueber die Erscheinungen,
insofern sie not...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 262
nannten, die Begriffe der reinen Vernunft mit einem neuen Namen
belegen und sie transzendentale Ideen nennen, diese Benennung aber
jetzt erlaeutern und rechtfertigen.
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik
Erster Abschnitt
Von den Ideen ueberhaupt
Bei dem grossen Reichtum unserer Spr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 263
uebersteigt, indem in der Erfahrung niemals etwas damit Kongruierendes
angetroffen wird. Die Ideen sind bei ihm Urbilder der Dinge selbst,
und nicht bloss Schluessel zu moeglichen Erfahrungen, wie die
Kategorien. Nach seiner Meinung flossen sie aus der hoechsten Vernunft
aus, von da sie der mensc...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 264
wird, er doch immer das wahre Original bloss in seinem eigenen Kopfe
habe, womit er dieses angebliche Muster vergleicht, und es bloss
darnach schaetzt. Dieses ist aber die Idee der Tugend, in Ansehung
deren alle moeglichen Gegenstaende der Erfahrung zwar als Beispiele,
(Beweise der Tunlichkeit de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 265
setzen. Eine Verfassung von der groessten menschlichen Freiheit nach
Gesetzen, welche machen, dass jedes Freiheit mit der anderen ihrer
zusammen bestehen kann, (nicht von der groessten Glueckseligkeit,
denn diese wird schon von selbst folgen;) ist doch wenigstens eine
notwendige Idee, die man nic...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 266
deutliche Beweise ihres Ursprungs aus Ideen. Ein Gewaechs, ein Tier,
die regelmaessige Anordnung des Weltbaues (vermutlich also auch die
ganze Naturordnung) zeigen deutlich, dass sie nur nach Ideen moeglich
sind; dass zwar kein einzelnes Geschoepf, unter den einzelnen
Bedingungen seines Daseins, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 267
sittlichen Gebaeuden eben und baufest zu machen, in welchem sich
allerlei Maulwurfsgaenge einer vergeblich, aber mit guter Zuversicht,
auf Schaetze grabenden Vernunft vorfinden, und die jenes Bauwerk
unsicher machen. Der transzendentale Gebrauch der reinen Vernunft,
ihre Prinzipien und Ideen, sin...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 268
Des ersten Buchs der transzendentalen Dialektik
Zweiter Abschnitt
Von den transzendentalen Ideen
Die transzendentale Analytik gab uns ein Beispiel, wie die blosse
logische Form unserer Erkenntnis den Ursprung von reinen Begriffen
a priori enthalten koenne, welche vor aller Erfahrung Gegenstaende...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 269
Totalitaet der Bedingungen zu einem gegebenen Bedingten. Da nun das
Unbedingte allein die Totalitaet der Bedingungen moeglich macht, und
umgekehrt die Totalitaet der Bedingungen jederzeit selbst unbedingt
ist; so kann ein reiner Vernunftbegriff ueberhaupt durch den Begriff
des Unbedingten, sofern...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 270
nach der Hand gar kein anderes Wort eben derselben Sprache genau
anpasst, und dessen Verlust, oder welches ebensoviel ist, sein
schwankender Gebrauch daher auch den Verlust des Begriffs selbst nach
sich ziehen muss, und zwar eines Begriffs, der, weil er die Vernunft
gar sehr beschaeftigt, ohne gr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 271
mit welchem wir nicht den mindesten Begriff verbinden koennen; dagegen
der von der Notwendigkeit eines Dinges in aller Beziehung (auf alles
Moegliche) ganz besondere Bestimmungen bei sich fuehrt. Weil nun der
Verlust eines Begriffs von grosser Anwendung in der spekulativen
Weltweisheit dem Philos...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 272
einschraenkt.
Ich verstehe unter der Idee einen notwendigen Vernunftbegriff, dem
kein kongruierender Gegenstand in den Sinnen gegeben werden kann. Also
sind unsere jetzt erwogenen reinen Vernunftbegriffe transzendentale
Ideen. Sie sind Begriffe der reinen Vernunft; denn sie betrachten
alles Erfa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 273
wirklichen Handlungen unumgaenglich notwendig. In ihr hat die reine
Vernunft sogar Kausalitaet, das wirklich hervorzubringen, was ihr
Begriff enthaelt; daher kann man von der Weisheit nicht gleichsam
geringschaetzig sagen: sie ist nur eine Idee; sondern eben darum,
weil sie die Idee von der notwe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 274
Regel (Obersatz, Major). Die Subsumtion der Bedingung eines anderen
moeglichen Urteils unter die Bedingung der Regel ist der Untersatz
(Minor). Das wirkliche Urteil, welches die Assertion der Regel in dem
subsumierten Falle aussagt, ist der Schlusssatz (Conclusio). Die Regel
naemlich sagt etwas a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 275
Erkenntnis (conclusio) nur als bedingt gegeben ist; so kann man
zu demselben vermittelst der Vernunft nicht anders gelangen, als
wenigstens unter der Voraussetzung, dass alle Glieder der Reihe auf
der Seite der Bedingungen gegeben sind, (Totalitaet in der Reihe der
Praemissen,) weil nur unter der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 276
Dritter Abschnitt
System der transzendentalen Ideen
Wir haben es hier nicht mit einer logischen Dialektik zu tun, welche
von allem Inhalte der Erkenntnis abstrahiert, und lediglich den
falschen Schein in der Form der Vernunftschluesse aufdeckt, sondern
mit einer transzendentalen, welche, voellig...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 277
aller Erscheinungen (die Welt) der Gegenstand der Kosmologie, und das
Ding, welches die oberste Bedingung der Moeglichkeit von allem, was
gedacht werden kann, enthaelt, (das Wesen aller Wesen) der Gegenstand
der Theologie. Also gibt die reine Vernunft die Idee zu einer
transzendentalen Seelenlehr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 278
sind. Aber eine subjektive Anleitung derselben aus der Natur unserer
Vernunft konnten wir unternehmen, und die ist im gegenwaertigen
Hauptstuecke auch geleistet worden.
Man sieht leicht, dass die reine Vernunft nichts anderes zur Absicht
habe, als die absolute Totalitaet der Synthesis auf der Se...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 279
ein so natuerlicher Fortschritt, dass er dem logischen Fortgange der
Vernunft von den Praemissen zum Schlusssatze aehnlich scheint*. Ob
nun hier wirklich eine Verwandtschaft von der Art, als zwischen dem
logischen und transzendentalen Verfahren, insgeheim zum Grunde liege,
ist auch eine von den F...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 280
Zweites Buch
Von den dialektischen Schluessen der reinen Vernunft
Man kann sagen, der Gegenstand einer blossen transzendentalen Idee
sei etwas, wovon man keinen Begriff hat, obgleich diese Idee ganz
notwendig in der Vernunft nach ihren urspruenglichen Gesetzen erzeugt
worden. Denn in der Tat ist...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 281
Schluss werde ich den transzendentalen Paralogismus nennen. Die zweite
Klasse der vernuenftelnden Schluesse ist auf den transzendentalen
Begriff der absoluten Totalitaet, der Reihe der Bedingungen zu einer
gegebenen Erscheinung ueberhaupt, angelegt, und ich schliesse daraus,
dass ich von der unbe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 282
auch der transzendentalen sei, und also unter diesen jederzeit mit
begriffen werde, und daher ebensowohl transzendental sei, aber keinen
besonderen Titel haben koenne, weil er nur dazu dient, alles Denken,
als zum Bewusstsein gehoerig, aufzufuehren. Indessen, so rein er auch
vom Empirischen (dem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 283
irgendein besonderer Unterschied derselben und Bestimmung empirisch
gegeben ist, kann nicht als empirische Erkenntnis, sondern muss als
Erkenntnis des Empirischen ueberhaupt angesehen werden, und gehoert
zur Untersuchung der Moeglichkeit einer jeden Erfahrung, welche
allerdings transzendental ist...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 284
bei diesem Abschnitte, als auch in Ansehung des ganzen Werks, zur
Entschuldigung anzufuehren: dass ich lieber etwas der Zierlichkeit
der Sprache habe entziehen, als den Schulgebrauch durch die mindeste
Unverstaendlichkeit erschweren wollen.
Aus diesen Elementen entspringen alle Begriffe der rein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 285
dass ich dadurch irgend etwas denke.
Es muss aber gleich anfangs befremdlich scheinen, dass die
Bedingung, unter der ich ueberhaupt denke, und die mithin bloss eine
Beschaffenheit meines Subjekts ist, zugleich fuer alles, was denkt,
gueltig sein solle, und dass wir auf einen empirisch scheinende...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 286
jeden Verstandesurteils ueberhaupt enthaelt, und alle Kategorien als
ihr Vehikel begleitet, so ist klar, dass die Schluesse aus demselben
einen bloss transzendentalen Gebrauch des Verstandes enthalten
koennen, welcher alle Beimischung der Erfahrung ausschlaegt, und von
dessen Fortgang wir, nach d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 287
erfordert daher auch Data, die im Denken gar nicht angetroffen werden,
vielleicht (sofern ich bloss das denkende als ein solches betrachte)
mehr, als ich ueberall (in ihm) jemals antreffen werde.
2) Dass das Ich der Apperzeption, folglich in jedem Denken, ein
Singular sei, der nicht in eine Viel...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 288
erfordert werden.
4) Ich unterscheide meine eigene Existenz, als eines denkenden Wesens,
von anderen Dingen ausser mir (wozu auch mein Koerper gehoert), ist
ebensowohl ein analytischer Satz, denn andere Dinge sind solche, die
ich als von mir unterschieden denke. Aber ob dieses Bewusstsein meiner...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 289
selbst, tunlich und zulaessig, sondern sie koennen auch auf Dinge
ueberhaupt und an sich selbst gehen, welche Folgerung dieser ganzen
Kritik ein Ende macht und gebieten wuerde, es beim Alten bewenden zu
lassen. Allein die Gefahr ist hier nicht so gross, wenn man der Sache
naeher tritt.
In dem Ve...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 290
sondern nur: ich kann im Denken meiner Existenz mich nur zum
Subjekt des Urteils brauchen, welches ein identischer Satz ist, der
schlechterdings nichts ueber die Art meines Daseins eroeffnet.
Dass diese Aufloesung des beruehmten Arguments in einem Paralogism so
ganz richtig sei, erhellt deutlich...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 291
ihr die notwendige Fortdauer zu sichern, indem man noch ein Aufhoeren
ihres Daseins durch Verschwinden annehmen koennte. In seinem Phaedon
suchte er nun diese Vergaenglichkeit, welche eine wahre Vernichtung
sein wuerde, von ihr dadurch abzuhalten, dass er sich zu beweisen
getraute, ein einfaches ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 292
Begriffen zu beweisen unternimmt**.
* Klarheit ist nicht, wie die Logiker sagen, das Bewusstsein einer
Vorstellung; denn ein gewisser Grad des Bewusstseins, der aber
zur Erinnerung nicht zureicht, muss selbst in manchen dunklen
Vorstellungen anzutreffen sein, weil ohne alles Bewusstsein wir
in d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 293
alles was in ihr nur immer real ist, folglich einen Grad hat,
mithin die ganze Existenz derselben, so, dass nichts mangelt,
halbiert worden, ausser ihr alsdann eine besondere Substanz
entspringen wuerde. Denn die Vielheit, welche geteilt worden, war
schon vorher, aber nicht als Vielheit der Subst...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 294
Nehmen wir nun unsere obigen Saetze, wie sie auch, als fuer alle
denkenden Wesen gueltig, in der rationalen Psychologie ab System
genommen werden muessen, in synthetischem Zusammenhange, und gehen,
von der Kategorie der Relation, mit dem Satze: alle denkenden Wesen
sind, als solche, Substanzen, r...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 295
verstanden werden solle oder nicht. Allein in dem dritten Satze wird
die absolute Einheit der Apperzeption, das einfache Ich, in der
Vorstellung, drauf sich alle Verbindung oder Trennung, welche das
Denken ausmacht, bezieht, auch fuer sich wichtig, wenn ich gleich noch
nichts ueber des Subjekts B...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 296
aber in Ansehung aller Art der Anschauung unbestimmten, Satz, Ich
denke, zu erweitern?
Es gibt also keine rationale Psychologie als Doktrin, die uns einen
Zusatz zu unserer Selbsterkenntnis verschaffte, sondern nur als
Disziplin, welche der spekulativen Vernunft in diesem Felde
unueberschreitbar...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 297
ueberhaupt) durch Kategorien nicht stattfinden*.
* Das Ich denke, ist, wie schon gesagt, ein empirischer Satz, und
enthaelt den Satz, Ich existiere, in sich. Ich kann aber nicht
sagen: alles, was denkt, existiert; denn da wuerde die Eigenschaft
des Denkens alle Wesen, die sie besitzen, zu notwen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 298
versuchtes und doch zum hoechsten Interesse der Menschheit gehoeriges
Erkenntnis, soweit es der spekulativen Philosophie verdankt werden
soll, in getaeuschte Erwartung; wobei gleichwohl die Strenge der
Kritik dadurch, dass sie zugleich die Unmoeglichkeit beweist, von
einem Gegenstande der Erfahru...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 299
der Natur lebender Wesen in dieser Welt, an welchen die Vernunft
es notwendig zum Grundsatze annehmen muss, dass kein Organ, kein
Vermoegen, kein Antrieb, also nichts Entbehrliches, oder fuer den
Gebrauch Unproportioniertes, mithin Unzweckmaessiges anzutreffen,
sondern alles seiner Bestimmung im ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 300
koenne. Folglich verwechsle ich die moegliche Abstraktion von meiner
empirisch bestimmten Existenz mit dem vermeinten Bewusstsein einer
abgesondert moeglichen Existenz meines denkenden Selbst, und glaube
das Substantiale in mir als das transzendentale Subjekt zu erkennen,
indem ich bloss die Einh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 301
Satz. Einem solchen aber liegt empirische Anschauung, folglich auch
das gedachte Objekt als Erscheinung, zum Grunde, und so scheint es,
als wenn nach unserer Theorie die Seele ganz und gar, selbst im
Denken, in Erscheinung verwandelt wuerde, und auf solche Weise unser
Bewusstsein selbst, als blos...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 302
Erscheinung an die Hand gibt. In ihm ist also schon nicht mehr blosse
Spontaneitaet des Denkens, sondern auch Rezeptivitaet der Anschauung,
d.i. das Denken meiner selbst auf die empirische Anschauung
ebendesselben Subjekts angewandt. In dieser letzteren muesste denn nun
das denkende Selbst die Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 303
da wiederum hingeraten, wo ich in der rationalen Psychologie war,
naemlich in das Beduerfnis sinnlicher Anschauungen, um meinen
Verstandesbegriffen, Substanz, Ursache usw., wodurch ich allein
Erkenntnis von mir haben kann, Bedeutung zu verschaffen; jene
Anschauungen koennen mich aber ueber das Fe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 304
vorkommen wird, die unbedingte Einheit der objektiven Bedingungen der
Moeglichkeit der Gegenstaende ueberhaupt zum Thema hat.
Es ist aber merkwuerdig, dass der transzendentale Paralogismus einen
bloss einseitigen Schein, in Ansehung der Idee von dem Subjekte
unseres Denkens, bewirkte, und zur Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 305
dieser unbedingten Totalitaet, worauf auch der Begriff des Weltganzen
beruht, der selbst nur eine Idee ist, teils weil sie lediglich auf die
Synthesis der Erscheinungen, mithin die empirische, gehen, da hingegen
die absolute Totalitaet, in der Synthesis der Bedingungen aller
moeglichen Dinge uebe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 306
schlechthin Unbedingte gegeben, wodurch jenes allein moeglich war.
Also werden erstlich die transzendentalen Ideen eigentlich nichts, als
bis zum Unbedingten erweiterte Kategorien sein, und jene werden sich
in eine Tafel bringen lassen, die nach den Titeln der letzteren
angeordnet ist. Zweitens a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 307
ich die erstere Reihe voraussetzen, um n als gegeben anzusehen, und n
ist nach der Vernunft (der Totalitaet der Bedingungen) nur vermittelst
jener Reihe moeglich, seine Moeglichkeit beruht aber nicht auf der
folgenden Reihe o, p, q, r, die daher auch nicht als gegeben, sondern
nur als dabilis ang...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 308
zugleich sind. Den gegenwaertigen Zeitpunkt konnte ich in Ansehung
der vergangenen Zeit nur als bedingt, niemals aber als Bedingung
derselben, ansehen, weil dieser Augenblick nur durch die verflossene
Zeit (oder vielmehr durch das Verfliessen der vorhergehenden Zeit)
allererst entspringt. Aber da...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 309
Teile die entfernten Bedingungen sind, so dass hier eine regressive
Synthesis stattfindet, deren absolute Totalitaet die Vernunft fordert,
welche nicht anders als durch eine vollendete Teilung, dadurch die
Realitaet der Materie entweder in Nichts oder doch in das, was nicht
mehr Materie ist, naem...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 310
jederzeit als bedingt angesehen werden muss, und nach der Regel des
Verstandes auf eine Bedingung weist, darunter es notwendig ist, diese
auf eine hoehere Bedingung zu weisen bis die Vernunft nur in der
Totalitaet diese Reihe die unbedingte Notwendigkeit antrifft.
Es sind demnach nicht mehr, als...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 311
bei Erscheinungen ist eine besondere Einschraenkung der Art, wie
Bedingungen gegeben werden, anzutreffen, naemlich durch die sukzessive
Synthesis des Mannigfaltigen der Anschauung, die im Regressus
vollstaendig sein soll. Ob diese Vollstaendigkeit nun sinnlich
moeglich sei, ist noch ein Problem. ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 312
mehr sind, in Ansehung deren es bedingt sein koennte. Allein dieses
absolute Ganze einer solchen Reihe ist nur eine Idee, oder vielmehr
ein problematischer Begriff, dessen Moeglichkeit untersucht werden
muss, und zwar in Beziehung auf die Art, wie das Unbedingte, als die
eigentliche transzendenta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 313
Totalitaet des Inbegriffs existierender Dinge bedeutet, und wir
auf die Vollstaendigkeit der Synthesis (wiewohl nur eigentlich im
Regressus zu den Bedingungen) allein unser Augenmerk richten. In
Betracht dessen, dass ueberdem diese Ideen insgesamt transzendent
sind, und, ob sie zwar das Objekt, n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 314
notwendige Gruende der Behauptung auf seiner Seite hat.
Die Fragen, welche bei einer solchen Dialektik der reinen Vernunft
sich natuerlich darbieten, sind also: 1. Bei welchen Saetzen denn
eigentlich die reine Vernunft einer Antinomie unausbleiblich
unterworfen sei. 2. Auf welchen Ursachen diese...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 315
sorgen, dass sie den letzten Angriff zu tun das Vorrecht haben, und
nicht verbunden sind, einen neuen Anfall des Gegners auszuhalten. Man
kann sich leicht vorstellen, dass dieser Tummelplatz von jeher oft
genug betreten worden, dass viele Siege von beiden Seiten erfochten,
fuer den letzteren aber...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 316
unserer eingeschraenkten Weisheit der beste Pruefungsversuch der
Nomothetik, um die Vernunft, die in abstrakter Spekulation ihre
Fehltritte nicht leicht gewahr wird, dadurch auf die Momente in
Bestimmung ihrer Grundsaetze aufmerksam zu machen.
Diese skeptische Methode ist aber nur der Transzende...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 317
unendlich.
Beweis
Denn, man nehme an, die Welt habe der Zeit nach keinen Anfang: so ist
bis zu jedem gegebenen Zeitpunkte eine Ewigkeit abgelaufen, und mithin
eine unendliche Reihe aufeinander folgender Zustaende der Dinge in der
Welt verflossen. Nun besteht aber eben darin die Unendlichkeit ei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 318
unmoeglich ist) den Begriff abziehen koennen, wir diesen nur durch
die Synthesis der Teile, bis zur Vollendung des Unendlichen,
wenigstens in der Idee fassen koennen.
Antithesis
Die Welt hat keinen Anfang, und keine Grenzen im Raume, sondern ist,
sowohl in Ansehung der Zeit, als des Raumes, une...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 319
Anschauung), aber kein wirklicher Gegenstand, der aeusserlich
angeschaut werden kann. Der Raum, vor allen Dingen, die ihn
bestimmen (erfuellen oder begrenzen), oder die vielmehr eine seiner
Form gemaesse empirische Anschauung geben, ist, unter dem Namen
des absoluten Raumes, nichts anderes, als d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 320
gegebene Groesse, mithin auch eine (der verflossenen Reihe sowohl,
als der Ausdehnung nach) unendliche Welt unmoeglich: sie ist also
beiderseitig begrenzt. So haette ich meinen Beweis fuehren koennen:
allein dieser Begriff stimmt nicht mit dem, was man unter einem
unendlichen Ganzen versteht. Es ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 321
kann man sich nicht vor ihr, und mithin auch nicht durch sie, eine
Totalitaet denken. Denn der Begriff der Totalitaet selbst ist in
diesem Falle die Vorstellung einer vollendeten Synthesis der Teile,
und diese Vollendung, mithin auch der Begriff derselben, ist
unmoeglich.
II. Anmerkung zur Antit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 322
zwei Undinge, den leeren Raum ausser und die leere Zeit vor der Welt,
durchaus annehmen muesse, wenn man eine Weltgrenze, es sei dem Raume
oder der Zeit nach, annimmt.
* Man bemerkt leicht, dass hierdurch gesagt werden wolle: der
leere Raum, sofern er durch Erscheinungen begrenzt wird, mithin
de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 323
Teilen, und es existiert ueberall nichts als das Einfache, oder das,
was aus diesem zusammengesetzt ist.
Beweis
Denn, nehmet an, die zusammengesetzten Substanzen bestaenden nicht
aus einfachen Teilen; so wuerde wenn alle Zusammensetzung in Gedanken
aufgehoben wuerde, kein zusammengesetzter Teil...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 324
ausserhalb einander befindliches Mannigfaltiges in sich fasst, mithin
zusammengesetzt ist, und zwar als ein reales Zusammengesetztes, nicht
aus Akzidenzen, (denn die koennen nicht ohne Substanz aussereinander
sein,) mithin aus Substanzen; so wuerde das Einfache ein
substantielles Zusammengesetzte...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 325
besteht, so verstehe ich darunter nur ein substantielles Ganzes
als das eigentliche Kompositum, d.i. die zufaellige Einheit des
Mannigfaltigen, welches abgesondert (wenigstens in Gedanken) gegeben,
in eine wechselseitige Verbindung gesetzt wird, und dadurch Eines
ausmacht. Den Raum sollte man eig...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 326
als deren Elemente, beweisen will, so koennte ich die Antithese der
zweiten Antinomie die transzendentale Atomistik nennen. Weil aber
dieses Wort schon vorlaengst zur Bezeichnung einer besonderen
Erklaerungsart koerperlicher Erscheinungen (molecularum) gebraucht
worden, und also empirische Begrif...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 327
des Einfachen, sondern zur Anschauung des Zusammengesetzten (der
Materie) die Anschauung des Einfachen zu finden, und dieses ist nach
Gesetzen der Sinnlichkeit, mithin auch bei Gegenstaenden der Sinne,
gaenzlich unmoeglich. Es mag also von einem Ganzen aus Substanzen,
welches bloss durch den rein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 328
so koenne freilich nichts Mannigfaltiges und keine Zusammensetzung
in einer solchen Vorstellung wahrgenommen werden. Da ueberdem die
Praedikate, wodurch ich diesen Gegenstand denke, bloss Anschauungen
des inneren Sinnes sind, so kann darin auch nichts vorkommen, welches
ein Mannigfaltiges ausserh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 329
voneinander abstammenden Ursachen. Nun besteht aber eben darin das
Gesetz der Natur: dass ohne hinreichend a priori bestimmte Ursache
nichts geschehe. Also widerspricht der Satz, als wenn alle Kausalitaet
nur nach Naturgesetzen moeglich sei, sich selbst in seiner
unbeschraenkten Allgemeinheit, un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 330
(Unabhaengigkeit) von den Gesetzen der Natur, ist zwar eine Befreiung
vom Zwange, aber auch vom Leitfaden aller Regeln. Denn man kann nicht
sagen, dass, anstatt der Gesetze der Natur, Gesetze der Freiheit
in die Kausalitaet des Weltlaufs eintreten, weil, wenn diese nach
Gesetzen bestimmt waere, s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 331
wie durch ein gewisses Dasein das Dasein eines anderen gesetzt werde,
auf keine Weise begreifen, und uns desfalls lediglich an die Erfahrung
halten muessen. Nun haben wir diese Notwendigkeit eines ersten Anfangs
einer Reihe von Erscheinungen aus Freiheit, zwar nur eigentlich
insofern dargetan, al...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 332
Naturursachen sich auf einen ersten Anfang aus Freiheit zu berufen,
leuchtet daran sehr klar in die Augen: dass (die epikurische Schule
ausgenommen) alle Philosophen des Altertums sich gedrungen sahen, zur
Erklaerung der Weltbewegungen einen ersten Beweger anzunehmen, d.i.
eine freihandelnde Ursa...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 333
Wenn auch indessen allenfalls ein transzendentales Vermoegen der
Freiheit nachgegeben wird, um die Weltveraenderungen anzufangen, so
wuerde dieses Vermoegen doch wenigstens nur ausserhalb der Welt sein
muessen, (wiewohl es immer eine kuehne Anmassung bleibt, ausserhalb
dem Inbegriffe aller moegli...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 334
dasjenige, was der Zeit nach vorhergeht, bestimmt werden kann: so
muss die oberste Bedingung des Anfangs einer Reihe von Veraenderungen
in der Zeit existieren, da diese noch nicht war, (denn der Anfang
ist ein Dasein, vor welchem eine Zeit vorhergeht, darin das Ding,
welches anfaengt, noch nicht ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 335
handeln, und ihre Kausalitaet wuerde in die Zeit, eben darum aber in
den Inbegriff der Erscheinungen, d.i. in die Welt gehoeren, folglich
sie selbst, die Ursache, nicht ausser der Welt sein, welches der
Voraussetzung widerspricht. Also ist weder in der Welt, noch
ausser derselben (aber mit ihr in...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 336
nachher davon nicht abspringen und auf etwas uebergehen, was gar nicht
in die Reihe als ein Glied gehoert. Denn in eben derselben Bedeutung
muss etwas als Bedingung angesehen werden, in welcher die Relation des
Bedingten zu seiner Bedingung in der Reihe genommen wurde, die auf
diese hoechste Bedi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 337
in Bewegung war = A, kommt in Ruhe = non A. Daraus nun, dass ein
entgegengesetzter Zustand vom Zustande A auf diesen folgt, kann gar
nicht geschlossen werden, dass das kontradiktorische Gegenteil von A
moeglich, mithin A zufaellig sei; denn dazu wuerde erfordert werden,
dass in derselben Zeit, da...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 338
Ursache ausfalle.
Es zeigt sich aber in dieser Antinomie ein seltsamer Kontrast: dass
naemlich aus eben demselben Beweisgrunde, woraus in der Thesis das
Dasein eines Urwesens geschlossen wurde, in der Antithesis das
Nichtsein desselben, und zwar mit derselben Schaerfe. geschlossen
wird. Erst hie...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 339
Da haben wir nun das ganze dialektische Spiel der kosmologischen
Ideen, die es gar nicht verstatten, dass ihnen ein kongruierender
Gegenstand in irgendeiner moeglichen Erfahrung gegeben werde, ja
nicht einmal, dass die Vernunft sie einstimmig mit allgemeinen
Erfahrungsgesetzen denke, die gleichwo...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 340
des Schicksals geleitet sei, ob es endlich eine oberste Weltursache
gebe, oder die Naturdinge und deren Ordnung den letzten Gegenstand
ausmachen, bei dem wir in allen unseren Betrachtungen stehenbleiben
muessen: das sind Fragen, um deren Aufloesung der Mathematiker gerne
seine ganze Wissenschaft ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 341
Partei zu nehmen. Da wir in diesem Falle, nicht den logischen
Probierstein der Wahrheit, sondern bloss unser Interesse befragen,
so wird eine solche Untersuchung, ob sie gleich in Ansehung des
streitigen Rechts beider Teile nichts ausmacht, dennoch den Nutzen
haben, es begreiflich zu machen, waru...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 342
ausmachen, von einem Urwesen abstamme, von welchem alles seine Einheit
und zweckmaessige Verknuepfung entlehnt, das sind so viel Grundsteine
der Moral und Religion. Die Antithesis raubt uns alle diese Stuetzen,
oder scheint wenigstens sie uns zu rauben.
Zweitens aeussert sich auch ein spekulativ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 343
bei sich fuehren. Vielmehr scheint der blosse Empirism beiden
alle Kraft und Einfluss zu benehmen. Wenn es kein von der Welt
unterschiedenes Urwesen gibt, wenn die Welt ohne Anfang und also
auch ohne Urheber, unser Wille nicht frei und die Seele von gleicher
Teilbarkeit und Verweslichkeit mit der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 344
seiner Aussicht in den Umfang derselben als die aeusserste anzusehen,
oder von den Gegenstaenden der Natur, die er durch Beobachtung und
Mathematik aufloesen und in der Anschauung synthetisch bestimmen
kann, (dem Ausgedehnten,) zu denen ueberzugehen, die weder Sinn, noch
Einbildungskraft jemals i...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 345
wenn man ihre Grenze ueberschreitet, die Synthesis, welche neue und
von jener unabhaengige Erkenntnisse versucht, kein Substratum der
Anschauung hat, an welchem sie ausgeuebt werden koennte.
So aber, wenn der Empirismus in Ansehung der Ideen (wie es mehrenteils
geschieht) selbst dogmatisch wird ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 346
Vernunft erlaubt, idealischen Erklaerungen der Naturerscheinungen
nachzuhaengen und darueber die physische Nachforschung zu
verabsaeumen.
Was endlich das dritte Moment, worauf bei der vorlaeufigen Wahl
zwischen beiden strittigen Teilen gesehen werden kann, anlangt: so
ist es ueberaus befremdlich...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 347
und er bildet sich ein, das einzusehen und zu wissen, was anzunehmen,
oder zu glauben, ihn seine Besorgnisse oder Hoffnungen antreiben. So
ist der Empirismus der transzendental-idealisierenden Vernunft aller
Popularitaet gaenzlich beraubt, und, so viel Nachteiliges wider die
obersten praktischen ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 348
Zustande sein. Heute wuerde es ihm ueberzeugend vorkommen, der
menschliche Wille sei frei; morgen, wenn er die unaufloesliche
Naturkette in Betrachtung zoege, wuerde er dafuer halten, die Freiheit
sei nichts als Selbsttaeuschung, und alles sei bloss Natur. Wenn es
nun aber zum Tun und Handeln kae...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 349
nicht in allen Faellen zureichend ist. Es fragt sich nun: ob in der
Transzendentalphilosophie irgendeine Frage, die ein der Vernunft
vorgelegtes Objekt betrifft, durch eben diese reine Vernunft
unbeantwortlich sei, und ob man sich ihrer entscheidenden Beantwortung
dadurch mit Recht entziehen koen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 350
er uns unbekannt, aber deswegen doch nicht unmoeglich sei.* Die
kosmologischen Ideen haben allein das Eigentuemliche an sich, dass sie
ihren Gegenstand und die zu dessen Begriff erforderliche empirische
Synthesis als gegeben voraussetzen koennen, und die Frage, die aus
ihnen entspringt, betrifft ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 351
der Sphaere der Gegenstaende gesetzt wird, die uns gegeben werden
koennen, gaenzlich nichtig und leer sei.
Es ist nicht so ausserordentlich, als es anfangs scheint: dass eine
Wissenschaft in Ansehung aller in ihren Inbegriff gehoerigen Fragen
(quaestiones domesticae) lauter gewisse Aufloesungen ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 352
bekennen, es sei ueber unsere Vernunft, auszumachen, ob die Welt
von Ewigkeit her sei, oder einen Anfang habe; ob der Weltraum ins
Unendliche mit Wesen erfuellt, oder innerhalb gewisser Grenzen
eingeschlossen sei; ob irgend in der Welt etwas einfach sei, oder ob
alles ins Unendliche geteilt werde...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 353
nichts verborgen: so werdet ihr doch durch keine einzige Erfahrung den
Gegenstand eurer Ideen in concreto erkennen koennen, (denn es wird,
ausser dieser vollstaendigen Anschauung, noch eine vollendete
Synthesis und das Bewusstsein ihrer absoluten Totalitaet erfordert,
welches durch gar kein empir...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 354
werden; daher ihr nur dafuer zu sorgen habt, mit euch selbst einig
zu werden, und die Amphibolie zu verhueten, die eure Idee zu einer
vermeintlichen Vorstellung eines empirisch Gegebenen, und also auch
nach Erfahrungsgesetzen zu erkennenden Objekts macht. Die dogmatische
Aufloesung ist also nicht...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 355
Vielwisserei, gluecklich abfuehren wird.
Wenn ich demnach von einer kosmologischen Idee zum voraus einsehen
koennte, dass, auf welche Seite des Unbedingten der regressiven
Synthesis der Erscheinungen sie sich auch schluege, so wuerde sie doch
fuer einen jeden Verstandesbegriff entweder zu gross ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 356
Totalitaet aber der empirischen Synthesis wird jederzeit erfordert,
dass das Unbedingte ein Erfahrungsbegriff sei. Also ist eine begrenzte
Welt fuer euren Begriff zu klein.
Zweitens, besteht jede Erscheinung im Raume (Materie) aus unendlich
viel Teilen, so ist der Regressus der Teilung fuer eure...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 357
immer nach einer anderen Existenz umzusehen, von der sie abhaengig
ist.
Wir haben in allen diesen Faellen gesagt, dass die Weltidee fuer den
empirischen Regressus, mithin jeden moeglichen Verstandesbegriff,
entweder zu gross, oder auch fuer denselben zu klein sei. Warum haben
wir uns nicht umgek...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 358
dieser Ideen gegeben wird, zum Grunde liegen haben, und dieser
Verdacht kann uns schon auf die rechte Spur fuehren, das Blendwerk zu
entdecken, was uns so lange irregefuehrt hat.
Der Antinomie der reinen Vernunft
Sechster Abschnitt
Der transzendentale Idealism als der Schluessel zu Aufloesung ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 359
wie sie der innere Sinn vorstellt. Denn, da der Raum schon eine Form
derjenigen Anschauung ist, die wir die aeussere nennen, und, ohne
Gegenstaende in demselben, es gar keine empirische Vorstellung geben
wuerde: so koennen und muessen wir darin ausgedehnte Wesen als
wirklich annehmen, und ebenso ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 360
Erfahrung, wirklich sind.
Uns ist wirklich nichts gegeben, als die Wahrnehmung und der
empirische Fortschritt von dieser zu anderen moeglichen Wahrnehmungen.
Denn an sich selbst sind die Erscheinungen, als blosse Vorstellungen,
nur in der Wahrnehmung wirklich, die in der Tat nichts anderes ist,
...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 361
zuschreiben, und sagen: dass es vor aller Erfahrung an sich selbst
gegeben sei. Die Erscheinungen aber sind, ihm gemaess, nicht an sich,
sondern nur in dieser Erfahrung gegeben, weil sie blosse Vorstellungen
sind, die nur als Wahrnehmungen einen wirklichen Gegenstand bedeuten,
wenn naemlich diese...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 362
um diese ist es auch nicht zu tun, sondern nur um die Regel des
Fortschritts der Erfahrung, in der mir die Gegenstaende, naemlich
Erscheinungen, gegeben werden. Es ist auch im Ausgange ganz einerlei,
ob ich sage, ich koenne im empirischen Fortgange im Raume auf Sterne
treffen, die hundertmal weit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 363
instand setzen.
Zuerst ist folgender Satz klar und ungezweifelt gewiss: dass, wenn
das Bedingte gegeben ist, uns eben dadurch ein Regressus in der Reihe
aller Bedingungen zu demselben aufgegeben sei; denn dieses bringt
schon der Begriff des Bedingten so mit sich, dass dadurch etwas
auf eine Bedi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 364
Raume und der Zeit) und sind also nur in dieser gegeben. Nun folgt es
gar nicht, dass, wenn das Bedingte (in der Erscheinung) gegeben ist,
auch die Synthesis, die seine empirische Bedingung ausmacht, dadurch
mitgegeben und vorausgesetzt sei, sondern diese findet allererst im
Regressus, und niemal...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 365
wird,) notwendig sukzessiv und nur in der Zeit nacheinander gegeben;
folglich konnte ich die absolute Totalitaet der Synthesis und
der dadurch vorgestellten Reihe hier nicht ebensowohl, als dort
voraussetzen, weil dort alle Glieder der Reihe an sich (ohne
Zeitbedingung) gegeben sind, hier aber nu...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 366
zu beweisen und bald darauf durch andere ebenso starke wieder
umzustuerzen suchte. Er behauptete, Gott (vermutlich war es bei ihm
nichts als die Welt) sei weder endlich, noch unendlich, er sei weder
in Bewegung, noch in Ruhe, sei keinem anderen Dinge weder aehnlich,
noch unaehnlich. Es schien den...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 367
noch bei dem widerstreitenden Urteile, und wurde durch dieses
also nicht mit aufgehoben, daher war das letztere nicht das
kontradiktorische Gegenteil des ersteren.
Sage ich demnach: die Welt ist dem Raume nach entweder unendlich, oder
sie ist nicht unendlich (non est infinitus), so muss, wenn de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 368
gar nicht an sich (unabhaengig von der regressiven Reihe meiner
Vorstellungen) existiert, so existiert sie weder als ein an sich
unendliches, noch als ein an sich endliches Ganzes. Sie ist nur im
empirischen Regressus der Reihe der Erscheinungen und fuer sich selbst
gar nicht anzutreffen. Daher, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 369
ausmachen, im sukzessiven Regressus, sonst aber gar nicht existieren.
Man kann aber auch umgekehrt aus dieser Antinomie einen wahren, zwar
nicht dogmatischen, aber doch so kritischen und doktrinalen Nutzen
ziehen: naemlich die transzendentale Idealitaet der Erscheinungen
dadurch indirekt zu bewei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 370
selbst, gegeben wird, sondern bloss im Regressus derselben aufgegeben
werden kann, so behaelt der gedachte Grundsatz der reinen Vernunft,
in seiner dergestalt berichtigten Bedeutung, annoch seine gute
Gueltigkeit, zwar nicht als Axiom, die Totalitaet im Objekt als
wirklich zu denken, sondern als ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 371
diese Unterscheidung habe anzeigen und dadurch verhindern wollen, dass
man nicht, wie sonst unvermeidlich geschieht, (durch transzendentale
Subreption,) einer Idee, welche bloss zur Regel dient, objektive
Realitaet beimesse.
Um nun den Sinn dieser Regel der reinen Vernunft gehoerig zu
bestimmen,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 372
bestimmen suchen.
Von einer geraden Linie kann man mit Recht sagen, sie koenne ins
Unendliche verlaengert werden, und hier wuerde die Unterscheidung
des Unendlichen und des unbestimmbar weiten Fortgangs (progressus in
indefinitum) eine leere Subtilitaet sein. Denn, obgleich, wenn es
heisst: zieh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 373
berechtigt und zugleich verbunden bin, zu jedem der Urvaeter
noch fernerhin seinen Vorfahren aufzusuchen, obgleich eben nicht
vorauszusetzen.
Ich sage demnach: wenn das Ganze in der empirischen Anschauung gegeben
worden, so geht der Regressus in der Reihe seiner inneren Bedingungen
ins Unendlich...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 374
sondern nur Erscheinungen, die, als Bedingungen voneinander, nur im
Regressus selbst gegeben werden. Also ist die Frage nicht mehr: wie
gross diese Reihe der Bedingungen an sich selbst sei, ob endlich oder
unendlich, denn sie ist nichts an sich selbst, sondern: wie wir den
empirischen Regressus a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 375
Da es, wie wir mehrmalen gezeigt haben, keinen transzendentalen
Gebrauch so wenig von reinen Verstandes- als Vernunftbegriffen
gibt, da die absolute Totalitaet der Reihen der Bedingungen in
der Sinnenwelt sich lediglich auf einen transzendentalen Gebrauch
der Vernunft fusst, welche diese unbeding...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 376
bewiese.
I. Aufloesung der kosmologischen Idee
von der Totalitaet der Zusammensetzung der Erscheinungen von einem
Weltganzen
Sowohl hier, als bei den uebrigen kosmologischen Fragen, ist der Grund
des regulativen Prinzips der Vernunft der Satz: dass im empirischen
Regressus keine Erfahrung von...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 377
des empirischen Regressus machen. Von diesem aber weiss ich niemals
etwas mehr, als dass ich von jedem gegebenen Gliede der Reihe von
Bedingungen immer noch zu einem hoeheren (entfernteren) Gliede
empirisch fortgehen muesse. Also ist dadurch die Groesse des Ganzen
der Erscheinungen gar nicht schl...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 378
oder dem Raume nach unendlich. Denn dergleichen Begriff von Groesse,
als einer gegebenen Unendlichkeit, ist empirisch, mithin auch in
Ansehung der Welt, als eines Gegenstandes der Sinne, schlechterdings
unmoeglich. Ich werde auch nicht sagen: der Regressus von einer
gegebenen Wahrnehmung an, zu a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 379
wirkliche Unendlichkeit derselben geschlossen.
Hieraus folgt denn zugleich die bejahende Antwort: der Regressus in
der Reihe der Welterscheinungen, als eine Bestimmung der Weltgroesse,
geht in indefinitum, welches ebenso viel sagt, als: die Sinnenwelt hat
keine absolute Groesse, sondern der empi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 380
Groesse, und gibt also keinen bestimmten Begriff, als auch keinen
Begriff von einer Groesse, die in Ansehung eines gewissen Masses
unendlich waere, geht also nicht ins Unendliche (gleichsam gegebene),
sondern in unbestimmte Weite, um eine Groesse (der Erfahrung) zu
geben, die allererst durch dies...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 381
aber nicht die ganze Reihe der Teilung, welche sukzessivunendlich
und niemals ganz ist, folglich keine unendliche Menge, und keine
Zusammennehmung derselben in einem Ganzen darstellen kann.
Diese allgemeine Erinnerung laesst sich zuerst sehr leicht auf den
Raum anwenden. Ein jeder in seinen Gren...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 382
wenn wir sie auch auf die Menge der auf gewisse Weise in dem gegebenen
Ganzen schon abgesonderten Teile, dadurch diese ein quantum discretum
ausmachen, erstrecken wollen. Annehmen, dass in jedem gegliederten
(organisierten) Ganzen ein jeder Teil wiederum gegliedert sei, und
dass man auf solche Ar...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 383
Erfahrung liegen. Aber wie weit sich die transzendentale Teilung einer
Erscheinung ueberhaupt erstrecke, ist gar keine Sache der Erfahrung,
sondern ein Prinzipium der Vernunft, den empirischen Regressus, in der
Dekomposition des Ausgedehnten, der Natur dieser Erscheinung gemaess,
niemals fuer sch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 384
uebrigen aber eine dynamische Synthesis der Erscheinungen bedeuten.
Bis hierher konnte dieses auch gar wohl geschehen, indem, so wie wir
in der allgemeinen Vorstellung aller transzendentalen Ideen immer nur
unter Bedingungen in der Erscheinung blieben, eben so auch in den zwei
mathematischtransze...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 385
ein Genuege getan und das Unbedingte den Erscheinungen vorgesetzt
wird, ohne die Reihe der letzteren, als jederzeit bedingt, dadurch zu
verwirren und, den Verstandesgrundsaetzen zuwider, abzubrechen.
Dadurch nun, dass die dynamischen Ideen eine Bedingung der
Erscheinungen ausser der Reihe dersel...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 386
vorige Zustand, wenn er jederzeit gewesen waere, auch keine Wirkung,
die allererst in der Zeit entspringt, hervorgebracht haette: so ist
die Kausalitaet der Ursache dessen, was geschieht, oder entsteht, auch
entstanden, und bedarf nach dem Verstandesgrundsatze selbst wiederum
eine Ursache.
Dageg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 387
sondern dem Menschen ein Vermoegen beiwohnt, sich, unabhaengig von der
Noetigung durch sinnliche Antriebe, von selbst zu bestimmen.
Man sieht leicht, dass, wenn alle Kausalitaet in der Sinnenwelt bloss
Natur waere, so wuerde jede Begebenheit durch eine andere in der
Zeit nach notwendigen Gesetze...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 388
denen wir uns in dieser und der folgenden Nummer beschaeftigen, haben
dieses besondere: dass, da sie es nicht mit einem Gegenstande, als
Groesse betrachtet, sondern nur mit seinem Dasein zu tun haben, man
auch von der Groesse der Reihe der Bedingungen abstrahieren kann, und
es bei ihnen bloss auf...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 389
Kausalitaet nicht durch Erscheinungen bestimmt, obzwar ihre Wirkungen
erscheinen, und so durch andere Erscheinungen bestimmt werden koennen.
Sie ist also samt ihrer Kausalitaet ausser der Reihe; dagegen ihre
Wirkungen in der Reihe der empirischen Bedingungen angetroffen werden.
Die Wirkung kann a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 390
weil sie an sich keine Dinge sind, ein transzendentaler Gegenstand
zum Grunde liegen muss, der sie als blosse Vorstellungen bestimmt, so
hindert nichts, dass wir diesem transzendentalen Gegenstande, ausser
der Eigenschaft, dadurch er erscheint, nicht auch eine Kausalitaet
beilegen sollten, die ni...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 391
transzendentalen Gegenstand den Erscheinungen in Gedanken zum Grunde
legen muessen, ob wir zwar von ihm, was er an sich selbst sei, nichts
wissen.
Nach seinem empirischen Charakter wuerde also dieses Subjekt, als
Erscheinung, allen Gesetzen der Bestimmung nach, der Kausalverbindung
unterworfen s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 392
werden.
Erlaeuterung
der kosmologischen Idee einer Freiheit in Verbindung mit der
allgemeinen Naturnotwendigkeit
Ich habe gut gefunden, zuerst den Schattenriss der Aufloesung unseres
transzendentalen Problems zu entwerfen, damit man den Gang der
Vernunft in Aufloesung desselben dadurch besse...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 393
Unter den Ursachen in der Erscheinung kann sicherlich nichts sein,
welches eine Reihe schlechthin und von selbst anfangen koennte. Jede
Handlung, als Erscheinung, sofern sie eine Begebenheit hervorbringt,
ist selbst Begebenheit, oder Ereignis, welche einen anderen Zustand
voraussetzt, darin die U...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 394
wenn man annimmt, dass unter den Naturursachen es auch welche gebe,
die ein Vermoegen haben, welches nur intelligibel ist, indem die
Bestimmung desselben zur Handlung niemals auf empirischen Bedingungen,
sondern auf blossen Gruenden des Verstandes beruht, so doch, dass die
Handlung in der Erschei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 395
oder bloss tierischbelebten Natur, finden wir keinen Grund, irgendein
Vermoegen uns anders als bloss sinnlich bedingt zu denken. Allein der
Mensch, der die ganze Natur sonst lediglich nur durch Sinne kennt,
erkennt sich selbst auch durch blosse Apperzeption, und zwar in
Handlungen und inneren Bes...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 396
wenn auf sie das Sollen gerichtet ist; aber diese Naturbedingungen
betreffen nicht die Bestimmung der Willkuer selbst, sondern nur die
Wirkung und den Erfolg derselben in der Erscheinung. Es moegen noch so
viel Naturgruende sein, die mich zum Wollen antreiben, noch so viel
sinnliche Anreize, so k...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 397
Vernunft, sofern diese an ihren Wirkungen in der Erscheinung eine
Regel zeigt, darnach man die Vernunftgruende und die Handlungen
derselben nach ihrer Art und ihren Graden abnehmen, und die
subjektiven Prinzipien seiner Willkuer beurteilen kann. Weil dieser
empirische Charakter selbst aus den Ers...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 398
Ansehung der Erscheinung; koennte da wohl die Handlung derselben frei
heissen, da sie im empirischen Charakter derselben (der Sinnesart)
ganz genau bestimmt und notwendig ist? Dieser ist wiederum im
intelligiblen Charakter (der Denkungsart) bestimmt. Die letztere
kennen wir aber nicht, sondern be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 399
des Temperaments, oder dessen gluecklicher Beschaffenheit (merito
fortunae) zuzuschreiben sei, kann niemand ergruenden, und daher auch
nicht nach voelliger Gerechtigkeit richten.
Gleichwohl gehoert doch eben dieselbe Ursache in einer anderen
Beziehung auch zur Reihe der Erscheinungen. Der Mensch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 400
sondern auch positiv durch ein Vermoegen bezeichnen, eine Reihe von
Begebenheiten von selbst anzufangen, so, dass in ihr selbst nichts
anfaengt, sondern sie, als unbedingte Bedingung jeder willkuerlichen
Handlung, ueber sich keine der Zeit nach vorhergehende Bedingungen
verstattet, indessen dass ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 401
welche das Verhalten des Menschen, unangesehen aller genannten
empirischen Bedingungen, anders habe bestimmen koennen und sollen.
Und zwar sieht man die Kausalitaet der Vernunft nicht etwa bloss wie
Konkurrenz, sondern an sich selbst als vollstaendig an, wenngleich
die sinnlichen Triebfedern gar ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 402
diese aber keine Sachen, mithin auch nicht Ursachen an sich selbst
sind, keinen Unterschied der Handlung in Beziehung auf die Vernunft
machen koenne.
Wir koennen also mit der Beurteilung freier Handlungen, in Ansehung
ihrer Kausalitaet, nur bis an die intelligible Ursache, aber nicht
ueber diese...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 403
wird hier nur als transzendentale Idee behandelt, wodurch die
Vernunft die Reihe der Bedingungen in der Erscheinung durch das
Sinnlichunbedingte schlechthin anzuheben denkt, dabei sich aber in
eine Antinomie mit ihren eigenen Gesetzen, welche sie dem empirischen
Gebrauche des Verstandes vorschrei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 404
Bedingungen dieser Reihe immer als Teile derselben, mithin als
gleichartig, folglich als Erscheinungen angesehen werden muessen,
anstatt dass in jenem Regressus, da es nicht um die Moeglichkeit eines
unbedingten Ganzen aus gegebenen Teilen, oder eines unbedingten Teils
zu einem gegebenen Ganzen, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 405
Reihe von Bedingungen sei, davon man nicht immer die empirische
Bedingung in einer moeglichen Erfahrung erwarten, und, soweit man
kann, suchen muesse, und nichts uns berechtige, irgendein Dasein von
einer Bedingung ausserhalb der empirischen Reihe abzuleiten, oder
auch es als in der Reihe selbst ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 406
besonderen Gang im transzendentalen Gebrauche.
Die Sinnenwelt enthaelt nichts als Erscheinungen, diese aber sind
blosse Vorstellungen, die immer wiederum sinnlich bedingt sind, und,
da wir hier niemals Dinge an sich selbst zu unseren Gegenstaenden
haben, so ist nicht zu verwundern, dass wir niem...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 407
schliesst aber auch dieser regulative Grundsatz die Annehmung einer
intelligiblen Ursache, die nicht in der Reihe ist, aus, wenn es um
den reinen Gebrauch der Vernunft (in Ansehung der Zwecke) zu tun ist.
Denn da bedeutet jene nur den fuer uns bloss transzendentalen und
unbekannten Grund der Moeg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 408
gegruendete, sondern stets bedingte, Dasein der Erscheinungen fordert
uns auf: uns nach etwas von allen Erscheinungen unterschiedenem,
mithin einem intelligiblen Gegenstande umzusehen, bei welchem diese
Zufaelligkeit aufhoere. Weil aber, wenn wir uns einmal die Erlaubnis
genommen haben, ausser de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 409
liessen. Sie enthalten eine gewisse Vollstaendigkeit, zu welcher keine
moegliche empirische Erkenntnis zulangt, und die Vernunft hat dabei
nur eine systematische Einheit im Sinne, welcher sie die empirische
moegliche Einheit zu naehern sucht, ohne sie jemals voellig zu
erreichen.
Aber noch weite...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 410
ein Ideal, d.i. ein Mensch, der bloss in Gedanken existiert, der aber
mit der Idee der Weisheit voellig kongruiert. So wie die Idee die
Regel gibt, so dient das Ideal in solchem Falle zum Urbilde, der
durchgaengigen Bestimmung des Nachbildes, und wir haben kein anderes
Richtmass unserer Handlunge...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 411
nicht erreichbare Muster moeglicher empirischer Anschauungen sein
sollen, und gleichwohl keine der Erklaerung und Pruefung faehige Regel
abgeben.
Die Absicht der Vernunft mit ihrem Ideale ist dagegen die
durchgaengige Bestimmung nach Regeln a priori; daher sie sich einen
Gegenstand denkt, der na...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 412
besonderen Moeglichkeit jedes Dinges enthalten soll.
* Es wird also durch diesen Grundsatz jedes Ding auf ein
gemeinschaftliches Korrelatum, naemlich die gesamte Moeglichkeit,
bezogen, welche, wenn sie (d.i. der Stoff zu allen moeglichen
Praedikaten) in der Idee eines einzigen Dinges angetroffen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 413
einzelnen Gegenstande werde, der durch die blosse Idee durchgaengig
bestimmt ist, mithin ein Ideal der reinen Vernunft genannt werden
muss.
Wenn wir alle moeglichen Praedikate nicht bloss logisch, sondern
transzendental, d.i. nach ihrem Inhalte, der an ihnen a priori gedacht
werden kann, erwaege...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 414
sie uns den Abgrund der Unwissenheit aufgedeckt haben, den die
menschliche Vernunft, ohne diese Kenntnisse, sich niemals so
gross haette vorstellen koennen, und worueber das Nachdenken eine
grosse Veraenderung in der Bestimmung der Endabsichten unseres
Vernunftgebrauchs hervorbringen muss.
Wenn ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 415
eingeteilt werden, weil man ohne Erfahrung keine bestimmten Arten von
Realitaet kennt, die unter jener Gattung enthalten waeren. Also ist
der transzendentale Obersatz der durchgaengigen Bestimmung aller Dinge
nichts anderes, als die Vorstellung des Inbegriffs aller Realitaet,
nicht bloss ein Begr...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 416
laesst,) sind blosse Einschraenkungen einer groesseren und endlich
der hoechsten Realitaet, mithin setzen sie diese voraus, und sind dem
Inhalte nach von ihr bloss abgeleitet. Alle Mannigfaltigkeit der Dinge
ist nur eine eben so vielfaeltige Art, den Begriff der hoechsten
Realitaet, der ihr gemei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 417
ferner nachgehen, so werden wir das Urwesen durch den blossen Begriff
der hoechsten Realitaet als ein einiges, einfaches, allgenugsames,
ewiges usw., mit einem Worte, es in seiner unbedingten
Vollstaendigkeit durch alle Praedikamente bestimmen koennen. Der
Begriff eines solchen Wesens ist der von...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 418
die empirische Form) a priori gedacht werden kann, dasjenige aber,
was die Materie ausmacht, die Realitaet in der Erscheinung, (was der
Empfindung entspricht) gegeben sein muss, ohne welches es auch gar
nicht gedacht und mithin seine Moeglichkeit nicht vorgestellt werden
koennte. Nun kann ein Geg...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 419
verwechselt wird, was an der Spitze der Moeglichkeit aller Dinge
steht, zu deren durchgaengiger Bestimmung es die realen Bedingungen
hergibt.*
* Dieses Ideal des allerrealsten Wesens wird also, ob es zwar eine
blosse Vorstellung ist, zuerst realisiert, d.i. zum Objekt gemacht,
darauf hypostasier...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 420
alles erfuellt und dadurch keinen Platz zum Warum mehr uebrig laesst,
d.i. der Realitaet nach unendlich ist.
Wenn etwas, was es auch sei, existiert, so muss auch eingeraeumt
werden, dass irgend etwas notwendigerweise existiere. Denn das
Zufaellige existiert nur unter der Bedingung eines anderen,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 421
ist, kein solches Merkmal der Unabhaengigkeit von allen ferneren
Bedingungen an sich zeigt. Es ist wahr, dass hieraus noch nicht sicher
gefolgert werden koenne, dass, was nicht die hoechste und in aller
Absicht vollstaendige Bedingung in sich enthaelt, darum selbst seiner
Existenz nach bedingt se...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 422
waehlen, oder man hat vielmehr keine Wahl, sondern ist genoetigt, der
absoluten Einheit der vollstaendigen Realitaet, als dem Urquelle der
Moeglichkeit, seine Stimme zu geben. Wenn uns aber nichts treibt,
uns zu entschliessen, und wir lieber diese ganze Sache dahingestellt
sein liessen, bis wir d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 423
Eigenschaften eines notwendigen Wesens verschafft, und ueberall gar
nichts geleistet.
Gleichwohl bleibt diesem Argumente eine gewisse Wichtigkeit, und
ein Ansehen, das ihm, wegen dieser objektiven Unzulaenglichkeit,
noch nicht sofort genommen werden kann. Denn setzet, es gebe
Verbindlichkeiten, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 424
bis zu ihr hinaufzusteigen, und keinen Grund, ueber sie noch weiter
hinauszugehen. Daher sehen wir bei allen Voelkern durch ihre blindeste
Vielgoetterei doch einige Funken des Monotheismus durchschimmern, wozu
nicht Nachdenken und tiefe Spekulation, sondern nur ein nach und nach
verstaendlich gew...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 425
seiner Beweiskraft tun koenne.
Des dritten Hauptstuecks
Vierter Abschnitt
Von der Unmoeglichkeit eines ontologischen Beweises vom Dasein Gottes
Man sieht aus dem bisherigen leicht: dass der Begriff eines absolut
notwendigen Wesens ein reiner Vernunftbegriff, d.i. eine blosse Idee
sei, deren o...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 426
seiner Verstaendlichkeit ganz unnoetig erschienen. Ein jeder Satz der
Geometrie, z.B. dass ein Triangel drei Winkel habe, ist schlechthin
notwendig, und so redete man von einem Gegenstande, der ganz
ausserhalb der Sphaere unseres Verstandes liegt, als ob man ganz wohl
verstaende, was man mit dem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 427
ist kein Widerspruch. Gerade ebenso ist es mit dem Begriffe eines
absolut notwendigen Wesens bewandt. Wenn ihr das Dasein desselben
aufhebt, so hebt ihr das Ding selbst mit allen seinen Praedikaten auf;
wo soll alsdann der Widerspruch herkommen? Aeusserlich ist nichts, dem
widersprochen wuerde, d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 428
allerrealsten Wesens. Es hat, sagt ihr, alle Realitaet, und ihr seid
berechtigt, ein solches Wesen als moeglich anzunehmen, (welches ich
vorjetzt einwillige, obgleich der sich nicht widersprechende Begriff
noch lange nicht die Moeglichkeit des Gegenstandes beweist)*. Nun ist
unter aller Realitaet...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 429
Vorgeben nach aus der inneren Moeglichkeit geschlossen, welches nichts
als eine elende Tautologie ist. Das Wort: Realitaet, welches im
Begriffe des Dinges anders klingt, als Existenz im Begriffe des
Praedikats, macht es nicht aus. Denn, wenn ihr auch alles Setzen
(unbestimmt was ihr setzt) Realit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 430
zusammen, und sage: Gott ist, oder es ist ein Gott, so setze ich kein
neues Praedikat zum Begriffe von Gott, sondern nur das Subjekt an
sich selbst mit allen seinen Praedikaten, und zwar den Gegenstand in
Beziehung auf meinen Begriff. Beide muessen genau einerlei enthalten,
und es kann daher zu d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 431
anderes, als ich dachte, existieren. Denke ich mir nun ein Wesen als
die hoechste Realitaet (ohne Mangel), so bleibt noch immer die Frage,
ob es existiere, oder nicht. Denn, obgleich an meinem Begriffe, von
dem moeglichen realen Inhalte eines Dinges ueberhaupt, nichts fehlt,
so fehlt doch noch et...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 432
Voraussetzung, die wir durch nichts rechtfertigen koennen.
Der Begriff eines hoechsten Wesens ist eine in mancher Absicht sehr
nuetzliche Idee; sie ist aber eben darum, weil sie bloss Idee ist,
ganz unfaehig, um vermittelst ihrer allein unsere Erkenntnis in
Ansehung dessen, was existiert, zu erw...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 433
Notwendigkeit unbedingt und a priori gewiss sein muss, gezwungen
worden, einen Begriff zu suchen, der, wo moeglich, einer solchen
Forderung ein Genuege taete, und ein Dasein voellig a priori zu
erkennen gebe. Diesen glaubte man nun in der Idee eines allerrealsten
Wesens zu finden und so wurde die...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 434
enthaelt eine Erfahrung, der Obersatz die Schlussfolge aus einer
Erfahrung ueberhaupt auf das Dasein des Notwendigen.* Also hebt der
Beweis eigentlich von der Erfahrung an, mithin ist er nicht gaenzlich
a priori gefuehrt, oder ontologisch, und weil der Gegenstand aller
moeglichen Erfahrung Welt h...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 435
Zeugen Einstimmung beruft, naemlich einen reinen Vernunftzeugen und
einen anderen von empirischer Beglaubigung, da es doch nur der erstere
allein ist, welcher bloss seinen Anzug und Stimme veraendert, um fuer
einen zweiten gehalten zu werden. Um seinen Grund recht sicher zu
legen, fusst sich dies...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 436
Begriff der absoluten Notwendigkeit zu fuehren, nicht aber um diese
an irgendeinem bestimmten Dinge darzutun. Denn sobald wir dieses zur
Absicht haben, muessen wir sofort alle Erfahrung verlassen, und unter
reinen Begriffen suchen, welcher von ihnen wohl die Bedingungen der
Moeglichkeit eines abs...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 437
auf den alten zurueckbringt, den wir seinetwegen verlassen hatten.
Ich habe kurz vorher gesagt, dass in diesem kosmologischen Argumente
sich ein ganzes Nest von dialektischen Anmassungen verborgen halte,
welches die transzendentale Kritik leicht entdecken und zerstoeren
kann. Ich will sie jetzt ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 438
schliessen wir aus einem zum Grunde gelegten wirklichen Dasein (einer
Erfahrung ueberhaupt), so gut es sich will tun lassen, auf irgendeine
schlechterdings notwendige Bedingung desselben. Wir haben alsdann
dieser ihre Moeglichkeit nicht noetig zu erklaeren. Denn, wenn
bewiesen ist, dass sie da se...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 439
Wesens annahm, und nur wissen wollte, welches denn unter allen Dingen
dafuer angesehen werden muesse, nicht antworten: Dies hier ist das
notwendige Wesen.
Es mag wohl erlaubt sein, das Dasein eines Wesens von der hoechsten
Zulaenglichkeit, als Ursache zu allen moeglichen Wirkungen,
anzunehmen, u...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 440
wie die kleinste, schwebt ohne Haltung bloss vor der spekulativen
Vernunft, der es nichts kostet, die eine so wie die andere ohne die
mindeste Hindernis verschwinden zu lassen.
Viele Kraefte der Natur, die ihr Dasein durch gewisse Wirkungen
aeussern, bleiben fuer uns unerforschlich; denn wir koe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 441
Ursache der Unvermeidlichkeit, etwas als an sich notwendig unter den
existierenden Dingen anzunehmen, und doch zugleich vor dem Dasein
eines solchen Wesens als einem Abgrunde zurueckzubeben, und wie faengt
man es an, dass sich die Vernunft hierueber selbst verstehe, und aus
dem schwankenden Zusta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 442
das formale Interesse der Vernunft besorgen, ganz wohl beieinander
bestehen. Denn der eine sagt, ihr sollt so ueber die Natur
philosophieren, als ob es zu allem, was zur Existenz gehoert, einen
notwendigen ersten Grund gebe, lediglich um systematische Einheit in
eure Erkenntnis zu bringen, indem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 443
empirische Prinzipium der Einheit der Erscheinungen, und hat, sofern
als es empirisch unbedingt ist, eine Eigenschaft des regulativen
Prinzips an sich. Gleichwohl, da jede Bestimmung der Materie, welche
das Reale derselben ausmacht, mithin auch die Undurchdringlichkeit,
eine Wirkung (Handlung) is...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 444
gleich nur ein Prinzipium der Sinnlichkeit, ist dennoch eben darum
fuer ein schlechterdings notwendiges fuer sich bestehendes Etwas und
einen a priori an sich selbst gegebenen Gegenstand gehalten wird, so
geht es auch ganz natuerlich zu, dass, da die systematische Einheit
der Natur auf keinerlei ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 445
letzteren, dass ihr niemals irgendeine Erfahrung kongruieren koenne.
Die transzendentale Idee von einem notwendigen allgenugsamen Urwesen
ist so ueberschwenglich gross, so hoch ueber alles Empirische, das
jederzeit bedingt ist, erhaben, dass man teils niemals Stoff genug in
der Erfahrung auftreib...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 446
sich befindet, so weist er immer weiter hin nach einem anderen Dinge,
als seiner Ursache, welche gerade eben dieselbe weitere Nachfrage
notwendig macht, so, dass auf solche Weise das ganze All im Abgrunde
des Nichts versinken muesste, naehme man nicht etwas an, das
ausserhalb diesem unendlichen Z...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 447
die veranlassende Idee, zurueck, und vermehren den Glauben an einen
hoechsten Urheber bis zu einer unwiderstehlichen Ueberzeugung.
Es wuerde daher nicht allein trostlos, sondern auch ganz umsonst sein,
dem Ansehen dieses Beweises etwas entziehen zu wollen. Die Vernunft,
die durch so maechtige un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 448
fremd, und haengt ihnen nur zufaellig an, d.i. die Natur verschiedener
Dinge konnte von selbst, durch so vielerlei sich vereinigende Mittel,
zu bestimmten Endabsichten nicht zusammenstimmen, waeren sie nicht
durch ein anordnendes vernuenftiges Prinzip, nach zum Grunde liegenden
Ideen, dazu ganz e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 449
der Materie, d.i. der Substanz in der Welt beweisen; denn zu dem
letzteren wuerde noch erfordert werden, dass bewiesen werden koennte,
die Dinge der Welt waeren an sich selbst zu dergleichen Ordnung und
Einstimmung, nach allgemeinen Gesetzen, untauglich, wenn sie nicht,
selbst ihrer Substanz nach...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 450
begreift, und nur das All (omnitudo) der Realitaet ist im Begriffe
durchgaengig bestimmt.
Nun will ich nicht hoffen, dass sich jemand unterwinden sollte, das
Verhaeltnis der von ihm beobachteten Weltgroesse (nach Umfang sowohl
als Inhalt) zur Allmacht, der Weltordnung zur hoechsten Weisheit, der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 451
Strecke auf dem Boden der Natur und Erfahrung fortgegangen sind, und
sich gleichwohl immer noch eben so weit von dem Gegenstande sehen,
der ihrer Vernunft entgegen scheint, sie ploetzlich diesen Boden
verlassen, und ins Reich blosser Moeglichkeiten uebergehen, wo sie
auf den Fluegeln der Ideen de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 452
auch eine natuerliche Theologie annimmt, Theist genannt. Der erstere
gibt zu, dass wir allenfalls das Dasein eines Urwesens durch
blosse Vernunft erkennen koennen, wovon aber unser Begriff bloss
transzendental sei, naemlich nur als von einem Wesen, das alle
Realitaet hat, die man aber nicht naehe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 453
interessiert, so koennte man, nach der Strenge, dem Deisten allen
Glauben an Gott absprechen, und ihm lediglich die Behauptung eines
Urwesens, oder obersten Ursache, uebrig lassen. Indessen, da niemand
darum, weil er etwas sich nicht zu behaupten getraut, beschuldigt
werden darf, er wolle es gar ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 454
jederzeit auch als zufaellig gedacht wird, so kann die zu ihm
gehoerige Bedingung daraus nicht als schlechthin notwendig erkannt
werden, sondern dient nur als eine respektiv notwendige, oder vielmehr
noetige, an sich selbst aber und a priori willkuerliche Voraussetzung
zum Vernunfterkenntnis des ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 455
der Form der Welt, der Art ihrer Verbindung und dem Wechsel derselben
die Rede waere, ich wollte aber daraus auf eine Ursache schliessen,
die von der Welt gaenzlich unterschieden ist; so wuerde dieses
wiederum ein Urteil der bloss spekulativen Vernunft sein, weil der
Gegenstand hier gar kein Obje...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 456
werden. Der physischtheologische Beweis koennte also vielleicht wohl
anderen Beweisen (wenn solche zu haben sind) Nachdruck geben, indem er
Spekulation mit Anschauung verknuepft: fuer sich selbst aber bereitet
er mehr den Verstand zur theologischen Erkenntnis vor, und gibt ihm
dazu eine gerade un...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 457
Ausforderung nicht ausschlagen will, in jedem Versuche dieser Art den
Fehlschluss aufzudecken, und dadurch seine Anmassung zu vereiteln: so
wird daher doch die Hoffnung besseren Gluecks bei denen, welche einmal
dogmatischer Ueberredungen gewohnt sind, niemals voellig aufgehoben,
und ich halte mic...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 458
anderweitiger, vielleicht praktischer Beziehung, die Voraussetzung
eines hoechsten und allgenugsamen Wesens, als oberster Intelligenz,
ihre Gueltigkeit ohne Widerrede behauptete: so waere es von der
groessten Wichtigkeit, diesen Begriff auf seiner transzendentalen
Seite, als den Begriff eines not...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 459
ohne Bedingungen des Raumes, die Allmacht usw. sind lauter
transzendentale Praedikate, und daher kann der gereinigte Begriff
derselben, den eine jede Theologie so sehr noetig hat, bloss aus der
transzendentalen gezogen werden.
Anhang
zur transzendentalen Dialektik
Von dem regulativen Gebrauch ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 460
sondern lediglich auf den Verstand, und vermittelst desselben auf
ihren eigenen empirischen Gebrauch, schafft also keine Begriffe (von
Objekten), sondern ordnet sie nur, und gibt ihnen diejenige Einheit,
welche sie in ihrer groesstmoeglichen Ausbreitung haben koennen,
d.i. in Beziehung auf die To...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 461
den Verstand ueber jede gegebene Erfahrung (dem Teile der gesamten
moeglichen Erfahrung) hinaus, mithin auch zur groesstmoeglichen und
aeussersten Erweiterung abrichten wollen.
Uebersehen wir unsere Verstandeserkenntnisse in ihrem ganzen Umfange,
so finden wir, dass dasjenige, was Vernunft ganz ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 462
abzuleiten, so ist entweder das Allgemeine schon an sich gewiss und
gegeben, und alsdann erfordert es nur Urteilskraft zur Subsumtion, und
das Besondere wird dadurch notwendig bestimmt. Dieses will ich den
apodiktischen Gebrauch der Vernunft nennen. Oder das Allgemeine wird
nur problematisch ange...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 463
Prinzip sei, um, da wo der Verstand allein nicht zu Regeln hinlangt,
ihm durch Ideen fortzuhelfen, und zugleich der Verschiedenheit seiner
Regeln Einhelligkeit unter einem Prinzip (systematische) und dadurch
Zusammenhang zu verschaffen, soweit als es sich tun laesst. Ob aber
die Beschaffenheit de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 464
verschiedene Aeusserungen einer und derselben Kraft seien, welche
(komparativ) ihre Grundkraft heissen kann. Ebenso verfaehrt man mit
den uebrigen.
Die komparativen Grundkraefte muessen wiederum untereinander
verglichen werden, um sie dadurch, dass man ihre Einhelligkeit
entdeckt, einer einzigen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 465
versteckte Einheit zu behandeln, und sie aus irgendeiner Grundkraft,
soviel an ihr ist, abzuleiten, wenn es ihr freistaende zuzugeben, dass
es ebensowohl moeglich sei, alle Kraefte waeren ungleichartig, und die
systematische Einheit ihrer Ableitung der Natur nicht gemaess? denn
alsdann wuerde sie...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 466
darbiete, und die anscheinende unendliche Verschiedenheit duerfe uns
nicht abhalten, hinter ihr Einheit der Grundeigenschaften zu vermuten,
von welchen die Mannigfaltigkeit nur durch mehrere Bestimmung
abgeleitet werden kann. Dieser Einheit, ob sie gleich eine blosse Idee
ist, ist man zu allen Ze...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 467
kein Begriff von Gattung, oder irgendein allgemeiner Begriff, ja
sogar kein Verstand stattfinden, als der es lediglich mit solchen
zu tun hat. Das logische Prinzip der Gattungen setzt also ein
transzendentales voraus, wenn es auf Natur (darunter ich hier nur
Gegenstaende, die uns gegeben werden, ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 468
Sphaere des Begriffs, der eine Gattung bezeichnet, ist ebensowenig,
wie aus dem Raume, den Materie einnehmen kann, zu ersehen, wie weit
die Teilung derselben gehen koenne. Daher jede Gattung verschiedene
Arten, diese aber verschiedene Unterarten erfordert, und, da keine der
letzteren stattfindet,...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 469
entlehnt sein; denn diese kann keine so weitgehende Eroeffnungen
geben. Die empirische Spezifikation bleibt in der Unterscheidung
des Mannigfaltigen bald stehen, wenn sie nicht durch das schon
vorhergehende transzendentale Gesetz der Spezifikation, als ein
Prinzip der Vernunft, geleitet worden, s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 470
Zuschauers, seinen Horizont hat, d.i. eine Menge von Dingen, die
aus demselben koennen vorgestellt und gleichsam ueberschaut werden.
Innerhalb diesem Horizonte muss eine Menge von Punkten ins Unendliche
angegeben werden koennen, deren jeder wiederum seinen engeren
Gesichtskreis hat; d.i. jede Art...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 471
Unterschied voneinander.
Das erste Gesetz also verhuetet die Ausschweifung in die
Mannigfaltigkeit verschiedener urspruenglichen Gattungen, und
empfiehlt die Gleichartigkeit; das zweite schraenkt dagegen diese
Neigung zur Einhelligkeit wiederum ein, und gebietet Unterscheidung
der Unterarten, be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 472
discretum ausmachen muessen, und, wenn der stufenartige Fortgang in
der Verwandtschaft derselben kontinuierlich waere, sie auch eine wahre
Unendlichkeit der Zwischenglieder, die innerhalb zweier gegebener
Arten laegen, enthalten muesste, welches unmoeglich ist: sondern auch,
weil wir von diesem G...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 473
Prinzipien, auf Einheit der Gattungen dieser Bahnen in ihrer Gestalt,
dadurch aber weiter auf Einheit der Ursache aller Gesetze ihrer
Bewegung (die Gravitation), von da wir nachher unsere Eroberungen
ausdehnen, und auch alle Varietaeten und scheinbare Abweichungen von
jenen Regeln aus demselben P...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 474
konstitutiver Grundsaetze, abgehe, wie will ich ihnen dennoch einen
regulativen Gebrauch, und mit demselben einige objektive Gueltigkeit
sichern, und was kann derselbe fuer Bedeutung haben?
Der Verstand macht fuer die Vernunft ebenso einen so Gegenstand aus,
als die Sinnlichkeit fuer den Verstan...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 475
mit dem Prinzip der durchgaengigen Einheit, soviel als moeglich, in
Zusammenhang gebracht, und davon abgeleitet wird.
Ich nenne alle subjektiven Grundsaetze, die nicht von der
Beschaffenheit des Objekts, sondern dem Interesse der Vernunft, in
Ansehung einer gewissen moeglichen Vollkommenheit der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 476
begreifen, dass er fuer beide viel zu tief verborgen liege, als dass
sie aus Einsicht in die Natur des Objekts sprechen koennten. Es ist
nichts anderes, als das zwiefache Interesse der Vernunft, davon dieser
Teil das eine, jener das andere zu Herzen nimmt, oder auch affektiert,
mithin die Verschi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 477
Vernunft
Die Ideen der reinen Vernunft koennen nimmermehr an sich selbst
dialektisch sein, sondern ihr blosser Missbrauch muss es allein
machen, dass uns von ihnen ein trueglicher Schein entspringt; denn
sie sind uns durch die Natur unserer Vernunft aufgegeben, und dieser
oberste Gerichtshof all...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 478
Realitaet soll nicht darin bestehen, dass er sich geradezu auf einen
Gegenstand bezieht (denn in solcher Bedeutung wuerden wir seine
objektive Gueltigkeit nicht rechtfertigen koennen), sondern er ist nur
ein nach Bedingungen der groessten Vernunfteinheit geordnetes Schema,
von dem Begriffe eines ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 479
der inneren Erfahrung so verknuepfen, als ob dasselbe eine einfache
Substanz waere, die, mit persoenlicher Identitaet, beharrlich
(wenigstens im Leben) existiert, indessen dass ihre Zustaende, zu
welcher die des Koerpers nur als aeussere Bedingungen gehoeren,
kontinuierlich wechseln. Wir muessen ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 480
bringen will (die psychologische und theologische enthalten
dergleichen gar nicht). Denn ein Widerspruch ist in ihnen nicht, wie
sollte uns daher jemand ihre objektive Realitaet streiten koennen, da
er von ihrer Moeglichkeit ebensowenig weiss, um sie zu verneinen, als
wir, um sie zu bejahen. Glei...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 481
die uns zur Richtschnur des empirischen Gebrauchs der Vernunft dienen
soll, ohne doch etwas darueber auszumachen, was der Grund dieser
Einheit, oder die innere Eigenschaft eines solchen Wesens sei, auf
welchem, als Ursache, sie beruhe.
So ist der transzendentale und einzige bestimmte Begriff, de...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 482
kann genugsamen Grund haben, etwas relativ anzunehmen (suppositio
relativa), ohne doch befugt zu sein, es schlechthin anzunehmen
(suppositio absoluta). Diese Unterscheidung trifft zu, wenn es
bloss um ein regulatives Prinzip zu tun ist, wovon wir zwar die
Notwendigkeit an sich selbst, aber nicht ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 483
Grunde jener systematischen Einheit, in Beziehung auf diese letztere
solche Eigenschaft gebe, als den Verstandesbegriffen im empirischen
Gebrauche analogisch sind. Ich werde mir also nach der Analogie der
Realitaeten in der Welt der Substanzen, der Kausalitaet und der
Notwendigkeit, ein Wesen den...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 484
unserer Idee, so sehen wir, dass wir seine Wirklichkeit nach den
Begriffen von Realitaet, Substanz, Kausalitaet usw. an sich selbst
nicht voraussetzen koennen, weil diese Begriffe auf etwas, das von der
Sinnenwelt ganz unterschieden ist, nicht die mindeste Anwendung haben.
Also ist die Suppositio...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 485
ins Unendliche (Unbestimmte) zu befoerdern und zu befestigen, ohne
dabei jemals den Gesetzen des empirischen Gebrauchs im mindesten
zuwider zu sein.
Die Vernunft kann aber diese systematische Einheit nicht anders
denken, als dass sie ihrer Idee zugleich einen Gegenstand gibt, der
aber durch kein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 486
niemals zu einer systematischen Einheit aller Erscheinungen des
inneren Sinnes. Statt des Erfahrungsbegriffs also (von dem, was die
Seele wirklich ist), der uns nicht weit fuehren kann, nimmt die
Vernunft den Begriff der empirischen Einheit alles Denkens, und macht
dadurch, dass sie diese Einheit...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 487
also wird die Betrachtung dieses Gegenstandes des inneren Sinnes ganz
rein und unvermengt mit ungleichartigen Eigenschaften angestellt,
ueberdem die Vernunftuntersuchung darauf gerichtet, die
Erklaerungsgruende in diesem Subjekte, so weit es moeglich ist, auf
ein einziges Prinzip hinaus zu fuehre...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 488
wir in Ansehung derselben verfahren sollen, naemlich in der Erklaerung
gegebener Erscheinungen (im Zurueckgehen oder Aufsteigen) so, als ob
die Reihe an sich unendlich waere, d.i. in indefinitum, aber wo die
Vernunft selbst als bestimmende Ursache betrachtet wird (in der
Freiheit), also bei prakt...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 489
niemals aber eine Erweiterung ueber alle Grenzen des empirischen
Gebrauchs, folglich unter dieser Idee kein konstitutives Prinzip ihres
auf moegliche Erfahrung gerichteten Gebrauchs verborgen liege.
Diese hoechste formale Einheit, welche allein auf Vernunftbegriffen
beruht, ist die zweckmaessige...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 490
erweitert auch die Physiologie (der Aerzte) ihre sehr eingeschraenkte
empirische Kenntnis von den Zwecken des Gliederbaues eines organischen
Koerpers durch einen Grundsatz, welchen bloss reine Vernunft
eingab, so weit, dass man darin ganz dreist und zugleich mit aller
Verstaendigen Einstimmung an...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 491
einer Idee zuwider ist) konstitutiv braucht, ist die faule Vernunft
(ignava ratio)*. Man kann jeden Grundsatz so nennen, welcher macht,
dass man seine Naturuntersuchung, wo es auch sei, fuer schlechthin
vollendet ansieht, und die Vernunft sich also zur Ruhe begibt, als
ob sie ihr Geschaeft voelli...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 492
als wo ihn uns die Ordnung der Natur und die Reihe der Veraenderungen,
nach ihren inneren und allgemeineren Gesetzen, an die Hand gibt.
Dieser Fehler kann vermieden werden, wenn wir nicht bloss einige
Naturstuecke, als z.B. die Verteilung des festen Landes, das Bauwerk
desselben, und die Beschaff...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 493
antreffen laesst, um so viel auch zu glauben, dass man sich der
Vollstaendigkeit ihres Gebrauchs genaehert habe, ob man sie freilich
niemals erreichen wird. Anstatt dessen kehrt man die Sache um,
und faengt davon an, dass man die Wirklichkeit eines Prinzips der
zweckmaessigen Einheit als hypostat...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 494
hypostatisch voraussetzen, heisst nur die Vernunft verwirren.
Die Naturforschung geht ihren Gang ganz allein an der Kette der
Naturursachen nach allgemeinen Gesetzen derselben, zwar nach der
Idee eines Urhebers, aber nicht um die Zweckmaessigkeit, der sie
allerwaerts nachgeht, von demselben abzul...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 495
kuehne Behauptung in Ansehung der zwei Fragen, wobei die reine
Vernunft ihr groesstes Interesse hat, bestaetigen, und dadurch unsere
Betrachtung ueber die Dialektik derselben zur gaenzlichen Vollendung
bringen.
Fraegt man denn also (in Absicht auf eine transzendentale Theologie)*
erstlich: ob es...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 496
Absichten Urheber derselben sei, bezogen wird. Was dieser Ungrund
der Welteinheit an sich selbst sei, hat dadurch nicht gedacht werden
sollen, sondern wie wir ihn, oder vielmehr seine Idee, relativ auf den
systematischen Gebrauch der Vernunft in Ansehung der Dinge der Welt,
brauchen sollen.
* Da...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 497
Aber (wird man ferner fragen) auf solche Weise kann ich doch von
dem Begriffe und der Voraussetzung eines hoechsten Wesens in der
vernuenftigen Weltbetrachtung Gebrauch machen? Ja, dazu war auch
eigentlich diese Idee von der Vernunft zum Grunde gelegt. Allein darf
ich nun zweckaehnliche Anordnung...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 498
Eigenschaften anzunehmen, sondern nur die Idee desselben zum Grunde zu
legen, um nach der Analogie einer Kausalbestimmung der Erscheinungen
als systematisch untereinander verknuepft anzusehen.
Eben daher sind wir auch berechtigt, die Weltursache in der Idee nicht
allein nach einem subtileren Ant...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 499
Vernunft auf ihr eigentuemliches Feld, die Natur, zurueckweist.
So enthaelt die reine Vernunft, die uns anfangs nichts Geringeres,
als Erweiterung der Kenntnisse ueber alle Grenzen der Erfahrung,
zu versprechen schiene, wenn wir sie recht verstehen, nichts als
regulative Prinzipien, die zwar gro...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 500
zum Behuf ihrer Anmassungen auftreten laesst, ueberhoben sein koennen;
denn wir wussten es schon zum voraus mit voelliger Gewissheit, dass
alles Vorgeben derselben zwar vielleicht ehrlich gemeint, aber
schlechterdings nichtig sein muesse, weil es eine Kundschaft betraf,
die kein Mensch jemals bek...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 501
zerstreuen musste, um sich, ein jeder nach seinem Entwurfe, besonders
anzubauen. Jetzt ist es uns nicht sowohl um die Materialien, als
vielmehr um den Plan zu tun, und, indem wir gewarnt sind, es nicht
auf einen beliebigen blinden Entwurf, der vielleicht unser ganzes
Vermoegen uebersteigen koennt...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 502
in Ansehung des Inhalts aber unserer Erkenntnis ueberhaupt, ob
sie durch ein Urteil erweitert, oder beschraenkt wird, haben die
verneinenden das eigentuemliche Geschaeft, lediglich den Irrtum
abzuhalten. Daher auch negative Saetze, welche eine falsche Erkenntnis
abhalten sollen, wo doch niemals e...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 503
jedermann leicht zugeben. Dass aber die Vernunft, der es eigentlich
obliegt, allen anderen Bestrebungen ihre Disziplin vorzuschreiben,
selbst noch eine solche noetig habe, das mag allerdings befremdlich
scheinen, und in der Tat ist sie auch einer solchen Demuetigung
eben darum bisher entgangen, w...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 504
den Inhalt, sondern bloss auf die Methode der Erkenntnis aus reiner
Vernunft richte. Das erstere ist schon in der Elementarlehre
geschehen. Es hat aber der Vernunftgebrauch so viel Aehnliches, auf
welchen Gegenstand er auch angewandt werden mag, und ist doch, sofern
er transzendental sein soll, z...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 505
entsprechenden Gegenstand, entweder durch blosse Einbildung, in der
reinen, oder nach derselben auch auf dem Papier, in der empirischen
Anschauung, beidemal aber voellig a priori, ohne das Muster dazu
aus irgendeiner Erfahrung geborgt zu haben, darstelle. Die einzelne
hingezeichnete Figur ist emp...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 506
machen koennen, aber die Farbe dieses Kegels wird in einer oder
anderer Erfahrung zuvor gegeben sein muessen. Den Begriff einer
Ursache ueberhaupt kann ich auf keine Weise in der Anschauung
darstellen, als an einem Beispiele, das mir Erfahrung an die Hand
gibt, usw. Uebrigens handelt die Philosop...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 507
zusammen gerade so viel austragen, als alle beruehrenden Winkel, die
aus einem Punkte auf einer geraden Linie gezogen werden koennen,
zusammen, so verlaengert er eine Seite seines Triangels, und bekommt
zwei beruehrende Winkel, die zweien rechten zusammen gleich sind. Nun
teilt er den aeusseren v...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 508
erzeugt werden koennen, (hierin wuerde der Philosoph ohne Zweifel den
Vorteil ueber seinen Nebenbuhler haben,) sondern auf synthetische, und
zwar solche, die a priori sollen erkannt werden. Denn ich soll nicht
auf dasjenige sehen, was ich in meinem Begriffe vom Triangel wirklich
denke, (dieses is...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 509
Vernunftgebrauch notwendig macht, und an welchen Bedingungen man
erkennen koenne, ob nur der erste, oder auch der zweite stattfinde.
Alle unsere Erkenntnis bezieht sich doch zuletzt auf moegliche
Anschauungen: denn durch diese allein wird ein Gegenstand gegeben. Nun
enthaelt ein Begriff a priori...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 510
aber keinen einzigen ihrer Begriffe a priori in irgendeinem Falle
darstellen, sondern tun dieses nur a posteriori, vermittelst der
Erfahrung, die nach jenen synthetischen Grundsaetzen allererst
moeglich wird.
Wenn man von einem Begriffe synthetisch urteilen soll, so muss man
aus diesem Begriffe ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 511
Satz, sondern nur ein Grundsatz der Synthesis* moeglicher empirischer
Anschauungen entspringen. Also ist ein transzendentaler Satz ein
synthetisches Vernunfterkenntnis nach blossen Begriffen, und mithin
diskursiv, indem dadurch alle synthetische Einheit der empirischen
Erkenntnis allererst moegli...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 512
Inhalte nach unter Begriffe zu bringen, welche darauf nicht anders als
empirisch, d.i. a posteriori, (aber jenen Begriffen als Regeln einer
empirischen Synthesis gemaess,) koennen bestimmt werden; dieser ist
der Vernunftgebrauch durch Konstruktion der Begriffe, indem diese, da
sie schon auf eine ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 513
dieser Zuversicht zu sich selbst und dem gemeinen Wesen an grossen
Erwartungen von ihrer Geschicklichkeit, wenn sie sich einmal hiermit
befassen sollten, gar nicht zu fehlen. Denn da sie kaum jemals ueber
ihre Mathematik philosophiert haben, (ein schweres Geschaeft!) so
kommt ihnen der spezifisch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 514
Vorteil schaffen koenne, es muesste denn der sein, die Bloessen ihrer
selbst desto deutlicher aufzudecken, dass Messkunst und Philosophie
zwei ganz verschiedene Dinge seien, ob sie sich zwar in der
Naturwissenschaft einander die Hand bieten, mithin das Verfahren des
einen niemals von dem anderen ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 515
Begriff zu definieren, da, wenn z.B. von dem Wasser und dessen
Eigenschaften die Rede ist, man sich bei dem nicht aufhalten wird, was
man bei dem Worte Wasser denkt, sondern zu Versuchen schreitet, und
das Wort, mit den wenigen Merkmalen, die ihm anhaengen, nur eine
Bezeichnung und nicht einen Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 516
diesen willkuerlichen Begriff noch nicht gegeben; ich weiss daraus
nicht einmal, ob er ueberall einen Gegenstand habe, und meine
Erklaerung kann besser eine Deklaration (meines Projekts) als
Definition eines Gegenstandes heissen. Also blieben keine anderen
Begriffe uebrig, die zum Definieren taug...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 517
wir aus einigen Merkmalen, die wir aus einer noch unvollendeten
Zergliederung gezogen haben, manches vorher schliessen koennen,
ehe wir zur vollstaendigen Exposition, d.i. zur Definition gelangt
sind; mit einem Worte, dass in der Philosophie die Definition, als
abgemessene Deutlichkeit, das Werk ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 518
dass eine jede Linie, deren alle Punkte von einem einigen gleich
weit abstehen, krumm (kein Teil von ihr gerade) sei. Analytische
Definitionen koennen dagegen auf vielfaeltige Art irren, entweder
indem sie Merkmale hineinbringen, die wirklich nicht im Begriffe
lagen, oder an der Ausfuehrlichkeit ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 519
zweimal zwei vier geben. Ich habe zwar in der Analytik, bei der Tafel
der Grundsaetze des reinen Verstandes, auch gewisser Axiomen der
Anschauung gedacht; allein der daselbst angefuehrte Grundsatz war
selbst kein Axiom, sondern diente nur dazu, das Prinzipium der
Moeglichkeit der Axiomen ueberhau...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 520
die ersteren daher lieber akroamatische (diskursive) Beweise nennen,
weil sie sich nur durch lauter Worte (den Gegenstand in Gedanken)
fuehren lassen, als Demonstrationen, welche, wie der Ausdruck es schon
anzeigt, in der Anschauung des Gegenstandes fortgehen.
Aus allem diesem folgt nun, dass es...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 521
Lehrsprueche uebersetzen koennte). Aber unter den gedachten zwei
Arten synthetischer Saetze a priori koennen, nach dem gewoehnlichen
Redegebrauch, nur die zum philosophischen Erkenntnisse gehoerigen
diesen Namen fuehren, und man wuerde schwerlich die Saetze der
Rechenkunst, oder Geometrie, Dogmat...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 522
Lichte sehen zu lassen. Gleichwohl kann die Methode immer systematisch
sein. Denn unsere Vernunft (subjektiv) ist selbst ein System, aber in
ihrem reinen Gebrauche, vermittelst blosser Begriffe, nur ein System
der Nachforschung nach Grundsaetzen der Einheit, zu welcher Erfahrung
allein den Stoff ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 523
dogmatisch sein wollen, obzwar im Verneinen, als jene im Bejahen:
so findet eine Rechtfertigung kat' anthropon statt, die wider alle
Beeintraechtigung sichert, und einen titulierten Besitz verschafft,
der keine fremden Anmassungen scheuen darf, ob er gleich selbst kat'
aletheian nicht hinreichend...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 524
Ein solcher Missverstand kann aber nicht vorgewandt und dadurch der
Streit der Vernunft beigelegt werden, wenn etwa theistisch behauptet
wuerde: es ist ein hoechstes Wesen, und dagegen atheistisch: es ist
kein hoechstes Wesen; oder, in der Psychologie: alles, was denkt, ist
von absoluter beharrli...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 525
Wesen, dass das in uns denkende Subjekt, als reine Intelligenz,
unmoeglich sei. Wo will er aber die Kenntnisse hernehmen, die ihn,
von Dingen ueber alle moegliche Erfahrung hinaus so synthetisch zu
urteilen, berechtigten. Wir koennen also darueber ganz unbekuemmert
sein, dass uns jemand das Gegen...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 526
spekulativen Vernunft, sind selbst durch die Natur dieser Vernunft
aufgegeben, und muessen also ihre gute Bestimmung und Absicht haben,
die man nicht in den Wind schlagen muss. Wozu hat uns die Vorsehung
manche Gegenstaende, ob sie gleich mit unserem hoechsten Interesse
zusammenhaengen, so hoch g...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 527
nuetzliche Ueberredung, dass ihre Vernunfteinsicht zur Behauptung und
zum bestimmten Begriff eines hoechsten Wesens zulange, zu untergraben?
so wuerde er antworten: nichts, als die Absicht, die Vernunft in ihrer
Selbsterkenntnis weiter zu bringen, und zugleich ein gewisser Unwille
ueber den Zwang...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 528
so gewinnt jederzeit die Vernunft. Wenn ihr andere Mittel ergreift,
als die einer zwanglosen Vernunft, wenn ihr ueber Hochverrat schreiet,
das gemeine Wesen, das sich auf so subtile Bearbeitungen gar nicht
versteht, gleichsam als zum Feuerloeschen zusammenruft, so macht
ihr euch laecherlich. Denn...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 529
und ruehmlich haelt, zur Schau zu tragen. Ganz gewiss haben die
Menschen durch diesen Hang, sowohl sich zu verhehlen, als auch einen
ihnen vorteilhaften Schein anzunehmen, sich nicht bloss zivilisiert,
sondern nach und nach, in gewisser Masse, moralisiert, weil keiner
durch die Schminke der Ansta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 530
mit nichts minderem umgehen, als die Grundfeste der oeffentlichen
Wohlfahrt wankend zu machen, da scheint es nicht allein der Klugheit
gemaess, sondern auch erlaubt und wohl gar ruehmlich, der guten Sache
eher durch Scheingruende zu Hilfe zu kommen, als den vermeintlichen
Gegnern derselben auch n...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 531
angreifen und widerlegen kann? Denn dieses ist das Schicksal aller
Behauptungen der reinen Vernunft: dass, da sie ueber die Bedingungen
aller moeglichen Erfahrung hinausgehen, ausserhalb welchen kein
Dokument der Wahrheit irgendwo angetroffen wird, sich aber gleichwohl
der Verstandesgesetze, die ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 532
einschraenkt, dass sie mit jedes anderen Freiheit und eben dadurch mit
dem gemeinen Besten zusammen bestehen koenne.
Zu dieser Freiheit gehoert denn auch die, seine Gedanken, seine
Zweifel, die man sich nicht selbst aufloesen kann, oeffentlich zur
Beurteilung auszustellen, ohne darueber fuer ein...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 533
dogmatischen Verteidiger der guten Sache gegen diesen Feind wuerde
ich gar nicht lesen, weil ich zum voraus weiss, dass er nur darum die
Scheingruende des anderen angreifen werde, um seinen eigenen Eingang
zu verschaffen, ueberdem ein alltaegiger Schein doch nicht so viel
Stoff zu neuen Bemerkung...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 534
besser zeigen zu koennen, dass er der Kinderzucht entwachsen sei,
als wenn er sich ueber jene wohlgemeinten Warnungen wegsetzt, und,
dogmatisch gewohnt, trinkt er das Gift, das seine Grundsaetze
dogmatisch verdirbt, in langen Zuegen in sich.
Gerade das Gegenteil von dem, was man hier anraet, mus...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 535
zusammen, um sich aufs neue in unblutigen Kaempfen belustigen zu
koennen.
Es gibt aber auch keinen zulaessigen skeptischen Gebrauch der reinen
Vernunft, welchen man den Grundsatz der Neutralitaet bei allen ihren
Streitigkeiten nennen koennte. Die Vernunft wider sich selbst zu
verhetzen, ihr auf ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 536
selbst veruneinigten reinen Vernunft
Das Bewusstsein meiner Unwissenheit, (wenn diese nicht zugleich als
notwendig erkannt wird,) statt dass sie meine Untersuchungen endigen
sollte, ist vielmehr die eigentliche Ursache, sie zu erwecken. Alle
Unwissenheit ist entweder die der Sachen, oder der Bes...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 537
Gegenstaende, die diese Flaeche enthalten mag, unwissend bin, so bin
ich es doch nicht in Ansehung des Umfanges, der sie enthaelt, der
Groesse und Schranken derselben.
Der Inbegriff aller moeglichen Gegenstaende fuer unsere Erkenntnis
scheint uns eine ebene Flaeche zu sein, die ihren scheinbaren...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 538
vollendet. Der erste Schritt in Sachen der reinen Vernunft, der das
Kindesalter derselben auszeichnet ist dogmatisch. Der obengenannte
zweite Schritt ist skeptisch, und zeugt von Vorsichtigkeit der durch
Erfahrung gewitzigten Urteilskraft. Nun ist aber noch ein dritter
Schritt noetig, der nur der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 539
dieses die Verstandesgrundsaetze, welche die Erfahrung antizipieren,
dartun. Kann jemand nun die Moeglichkeit derselben sich gar nicht
begreiflich machen, so mag er zwar anfangs zweifeln, ob sie uns auch
wirklich a priori beiwohnen; er kann dieses aber noch nicht fuer eine
Unmoeglichkeit derselbe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 540
sind Fakta, die der Zensur zu unterwerfen immer nuetzlich ist. Dieses
aber kann nichts ueber die Erwartungen der Vernunft entscheiden, einen
besseren Erfolg ihrer kuenftigen Bemuehungen zu hoffen und darauf
Ansprueche zu machen; die blosse Zensur kann also die Streitigkeit
ueber die Rechtsame der...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 541
a priori fuer eingebildet, und fand, dass sie nichts als eine aus
Erfahrung und deren Gesetzen entspringende Gewohnheit, mithin bloss
empirische d.i. an sich zufaellige Regeln sind, denen wir eine
vermeinte Notwendigkeit und Allgemeinheit beimessen. Er bezog sich
aber zu Behauptung dieses befremd...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 542
Gegenstaende wirklicher Erfahrung, welche freilich jederzeit empirisch
ist; dadurch machte er aber aus einem Prinzip der Affinitaet, welches
im Verstande seinen Sitz hat, und notwendige Verknuepfung aussagt,
eine Regel der Assoziation, die bloss in der nachbildenden
Einbildungskraft angetroffen w...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 543
ihren Versuchen, unerachtet sie hier oder da gezwackt wird, niemals
gaenzlich abgebracht werden. Denn wider Angriffe ruestet man sich zur
Gegenwehr, und setzt noch um desto steifer seinen Kopf darauf, um
seine Forderungen durchzusetzen. Ein voelliger Ueberschlag aber seines
ganzen Vermoegens und ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 544
Hypothesen eroeffnen, da es wenigstens vergoennt ist, zu dichten und
zu meinen, wenngleich nicht zu behaupten?
Wo nicht etwa Einbildungskraft schwaermen, sondern, unter der strengen
Aufsicht der Vernunft, dichten soll, so muss immer vorher etwas
voellig gewiss und nicht erdichtet, oder blosse Me...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 545
freilich keinen Gegenstand in irgendeiner Erfahrung, aber bezeichnen
darum doch nicht gedichtete und zugleich dabei fuer moeglich
angenommene Gegenstaende. Sie sind bloss problematisch gedacht, um, in
Beziehung auf sie (als heuristische Fiktionen), regulative Prinzipien
des systematischen Verstan...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 546
Verstandesgebrauchs in Ansehung der Gegenstaende dienen. Ordnung und
Zweckmaessigkeit in der Natur muss wiederum aus Naturgruenden und nach
Naturgesetzen erklaert werden, und hier sind selbst die wildesten
Hypothesen, wenn sie nur physisch sind, ertraeglicher, als eine
hyperphysische, d.i. die Be...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 547
noetig hatte, und daher keinen tuechtigen Zeugen abgeben kann. Wenn,
unter Voraussetzung einer unbeschraenkt vollkommenen Ursache, zwar an
Erklaerungsgruenden aller Zweckmaessigkeit, Ordnung und Groesse, die
sich in der Welt finden, kein Mangel ist, so bedarf jene doch, bei
den, wenigstens nach u...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 548
haette, vielleicht auf ihm die Wahrheit zu finden.
Ob aber gleich bei bloss spekulativen Fragen der reinen Vernunft keine
Hypothesen stattfinden, um Saetze darauf zu gruenden, so sind sie
dennoch ganz zulaessig, um sie allenfalls nur zu verteidigen, d.i.
zwar nicht im dogmatischen, aber doch im ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 549
die gar nicht dazu dienen sollen, um den Beweis derselben zu
verstaerken, sondern nur zu zeigen, dass der Gegner viel zu wenig von
dem Gegenstande des Streites verstehe, als dass er sich eines Vorteils
der spekulativen Einsicht in Ansehung unserer schmeicheln koenne.
Hypothesen sind also im Feld...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 550
koennt ihr die Kraft dieses Beweises dadurch schwaechen, dass ihr
annehmt, unser Koerper sei nichts, als die Fundamentalerscheinung,
worauf, als Bedingung, sich in dem jetzigen Zustande (im Leben) das
ganze Vermoegen der Sinnlichkeit und hiermit alles Denken bezieht. Die
Trennung vom Koerper sei ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 551
Bild sei, welches unserer jetzigen Erkenntnisart vorschwebt, und, wie
ein Traum, an sich keine objektive Realitaet habe: dass, wenn wir die
Sachen und uns selbst anschauen sollen, wie sie sind, wir uns in einer
Welt geistiger Naturen sehen wuerden, mit welcher unsere einzig wahre
Gemeinschaft wed...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 552
der objektiven Realitaet solcher Begriffe, welche ihre Gegenstaende
nirgends als ausserhalb der Grenze aller moeglichen Erfahrung finden
koennen. Was reine Vernunft assertorisch urteilt, muss (wie alles, was
Vernunft erkennt,) notwendig sein, oder es ist gar nichts. Demnach
enthaelt sie in der Ta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 553
sondern er zeigt, dass die Erfahrung selbst, mithin das Objekt der
Erfahrung, ohne eine solche Verknuepfung unmoeglich waere. Also musste
der Beweis zugleich die Moeglichkeit anzeigen, synthetisch und a
priori zu einer gewissen Erkenntnis von Dingen zu gelangen, die in
dem Begriffe von ihnen nich...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 554
Bewusstsein und der Kenntnis eines Dinges ueberfuehren solle, in
welchem das Denken allein enthalten sein kann. Denn, wenn ich mir die
Kraft meines Koerpers in Bewegung vorstelle, so ist er sofern fuer
mich absolute Einheit, und meine Vorstellung von ihm ist einfach;
daher kann ich diese auch dur...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 555
entwickelt, und auch nicht in Beziehung auf moegliche Erfahrung
antizipiert werden koennen, denn hernehmen wolle: so kann man sich
viel schwere und dennoch fruchtlose Bemuehungen ersparen, indem
man der Vernunft nichts zumutet, was offenbar ueber ihr Vermoegen
geht, oder vielmehr sie, die, bei An...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 556
Anschauung, wie in der Mathematik, oder empirische, wie in der
Naturwissenschaft, schliessen: so gibt mir die zum Grunde gelegte
Anschauung mannigfaltigen Stoff zu synthetischen Saetzen, welchen ich
auf mehr als eine Art verknuepfen, und, indem ich von mehr als einem
Punkte ausgehen darf, durch v...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 557
bewandt, welcher lediglich auf der Reziprokabilitaet der Begriffe vom
realsten und notwendigen Wesen beruht, und nirgends anders gesucht
werden kann.
Durch diese warnende Anmerkung wird die Kritik der
Vernunftbehauptungen sehr ins Kleine gebracht. Wo Vernunft ihr
Geschaeft durch blosse Begriffe ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 558
oder zu tief verborgen liegen: so versucht man, ob sie nicht durch die
Folgen zu erreichen sei. Nun waere der modus ponens, auf die Wahrheit
einer Erkenntnis aus der Wahrheit ihrer Folgen zu schliessen, nur
alsdann erlaubt, wenn alle moeglichen Folgen daraus wahr sind; denn
alsdann ist zu diesem ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 559
aber nicht dem Gegenstande, oder dass beide Saetze nur unter einer
subjektiven Bedingung, die, faelschlich fuer objektiv gehalten,
einander widersprechen, und da die Bedingung falsch ist, alle beide
falsch sein koennen, ohne dass von der Falschheit des einen auf die
Wahrheit des anderen geschloss...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 560
entweder unendlich dem Raume nach, oder endlich und begrenzt sein
muesse, darum weil beides falsch ist. Denn Erscheinungen (als blosse
Vorstellungen), die doch an sich selbst (als Objekte) gegeben waeren,
sind etwas Unmoegliches, und die Unendlichkeit dieses eingebildeten
Ganzen wuerde zwar unbed...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 561
Anmassungen im spekulativen Gebrauch aufzugeben, und sich innerhalb
die Grenzen ihres eigentuemlichen Bodens, naemlich praktischer
Grundsaetze, zurueckzuziehen.
Der transzendentalen Methodenlehre
Zweites Hauptstueck
Der Kanon der reinen Vernunft
Es ist demuetigend fuer die menschliche Vernunf...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 562
des richtigen Gebrauchs gewisser Erkenntnisvermoegen ueberhaupt. So
ist die allgemeine Logik in ihrem analytischen Teile ein Kanon fuer
Verstand und Vernunft ueberhaupt, aber nur der Form nach, denn sie
abstrahiert von allem Inhalte. So war die transzendentale Analytik der
Kanon des reinen Versta...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 563
zu befoerdern.
Die Endabsicht, worauf die Spekulation der Vernunft im
transzendentalen Gebrauche zuletzt hinauslaeuft, betrifft drei
Gegenstaende: die Freiheit des Willens, die Unsterblichkeit der
Seele, und das Dasein Gottes. In Ansehung aller drei ist das bloss
spekulative Interesse der Vernun...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 564
koennen, aufzugeben, um etwas, was wir kennen, von demjenigen
abzuleiten, was alle unsere Kenntnis gaenzlich uebersteigt. Mit
einem Worte, diese drei Saetze bleiben fuer die spekulative Vernunft
jederzeit transzendent, und haben gar keinen immanenten, d.i. fuer
Gegenstaende der Erfahrung zulaessi...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 565
Verhalten in Beziehung auf den hoechsten Zweck betrifft, so ist
die letzte Absicht der weislich uns versorgenden Natur, bei der
Einrichtung unserer Vernunft, eigentlich nur aufs Moralische gestellt.
Es ist aber Behutsamkeit noetig, um, da wir unser Augenmerk auf einen
Gegenstand werfen, der der ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 566
reizt, d.i. die Sinne unmittelbar affiziert, bestimmt die menschliche
Willkuer, sondern wir haben ein Vermoegen, durch Vorstellungen von
dem, was selbst auf entferntere Art nuetzlich oder schaedlich ist, die
Eindruecke auf unser sinnliches Begehrungsvermoegen zu ueberwinden;
diese Ueberlegungen a...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 567
Freiheit betrifft bloss das spekulative Wissen, welche wir als ganz
gleichgueltig beiseite setzen koennen, wenn es um das Praktische zu
tun ist, und worueber in der Antinomie der reinen Vernunft schon
hinreichende Eroerterung zu finden ist.
Des Kanons der reinen Vernunft
Zweiter Abschnitt
Von ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 568
zuteil werden koenne.
Die zweite Frage ist bloss praktisch. Sie kann als eine solche
zwar der reinen Vernunft angehoeren, ist aber alsdann doch nicht
transzendental, sondern moralisch, mithin kann sie unsere Kritik an
sich selbst nicht beschaeftigen.
Die dritte Frage, naemlich: wenn ich nun tue...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 569
erkannt werden.
Ich nehme an, dass es wirklich reine moralische Gesetze gebe, die
voellig a priori (ohne Ruecksicht auf empirische Bewegungsgruende,
d.i. Glueckseligkeit,) das Tun und Lassen, d.i. den Gebrauch der
Freiheit eines vernuenftigen Wesens ueberhaupt, bestimmen, und
dass diese Gesetze ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 570
Einfluss auf die Sinnenwelt haben kann und soll, um sie dieser Idee so
viel als moeglich gemaess zu machen. Die Idee einer moralischen Welt
hat daher objektive Realitaet, nicht als wenn sie auf einen Gegenstand
einer intelligiblen Anschauung ginge (dergleichen wir uns gar nicht
denken koennen), s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 571
Leitung solcher Prinzipien, Urheber ihrer eigenen und zugleich anderer
dauerhafter Wohlfahrt sein wuerden. Aber dieses System der sich
selbst lohnenden Moralitaet ist nur eine Idee, deren Ausfuehrung auf
der Bedingung beruht, dass jedermann tue, was er soll, d.i. alle
Handlungen vernuenftiger Wes...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 572
kuenftige Welt annehmen muessen. Gott also und ein kuenftiges Leben,
sind zwei von der Verbindlichkeit, die uns reine Vernunft auferlegt,
nach Prinzipien eben derselben Vernunft nicht zu trennende
Voraussetzungen.
Die Sittlichkeit an sich selbst macht ein System aus, aber nicht die
Glueckseligke...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 573
Es ist notwendig, dass unser ganzer Lebenswandel sittlichen Maximen
untergeordnet werde; es ist aber zugleich unmoeglich, dass dieses
geschehe, wenn die Vernunft nicht mit dem moralischen Gesetze, welches
eine blosse Idee ist, eine wirkende Ursache verknuepft, welche dem
Verhalten nach demselben ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 574
der vernuenftigen Wesen, dadurch sie derselben wuerdig sind, macht
allein das hoechste Gut einer Welt aus, darin wir uns nach den
Vorschriften der reinen aber praktischen Vernunft durchaus versetzen
muessen, und welche freilich nur eine intelligible Welt ist, da die
Sinnenwelt uns von der Natur d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 575
Intelligenzen, welche, obzwar, als blosse Natur, nur Sinnenwelt, als
ein System der Freiheit aber, intelligible, d.i. moralische Welt
(regnum gratiae) genannt werden kann, fuehrt unausbleiblich auch
auf die zweckmaessige Einheit aller Dinge, die dieses grosse Ganze
ausmachen, nach allgemeinen Nat...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 576
Einheit ist aber notwendig, und in dem Wesen der Willkuer selbst
gegruendet, diese also, welche die Bedingung der Anwendung derselben
in concreto enthaelt, muss es auch sein, und so wuerde die
transzendentale Steigerung unserer Vernunfterkenntnis nicht
die Ursache, sondern bloss die Wirkung von d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 577
ueber alle empirischen Bedingungen seiner Anwendung erhoben, und zur
unmittelbaren Kenntnis neuer Gegenstaende emporgeschwungen, um von
diesem Begriffe auszugehen, und die moralischen Gesetze selbst von
ihm abzuleiten. Denn diese waren es eben, deren innere praktische
Notwendigkeit uns zu der Vor...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 578
gueltig ist, sofern er nur Vernunft hat, so ist der Grund desselben
objektiv hinreichend, und das Fuerwahrhalten heisst alsdann
Ueberzeugung. Hat es nur in der besonderer Beschaffenheit des Subjekts
seinen Grund, so wird es Ueberredung genannt.
Ueberredung ist ein blosser Schein, weil der Grund ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 579
subjektive Ursache des Scheins unserer Natur anhaengt.
Ich kann nichts behaupten, d.i. als ein fuer jedermann notwendig
gueltiges Urteil aussprechen, als was Ueberzeugung wirkt. Ueberredung
kann ich fuer mich behalten, wenn ich mich dabei wohlbefinde, kann sie
aber und soll sie ausser mir nicht ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 580
Im transzendentalen Gebrauche der Vernunft ist dagegen Meinen freilich
zu wenig, aber Wissen auch zu viel. In bloss spekulativer Absicht
koennen wir also hier gar nicht urteilen; weil subjektive Gruende
des Fuerwahrhaltens, wie die, so das Glauben bewirken koennen, bei
spekulativen Fragen keinen ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 581
macht ihn stutzig. Bisweilen zeigt sich, dass er zwar Ueberredung
genug, die auf einen Dukaten an Wert geschaetzt werden kann, aber
nicht auf zehn, besitze. Denn den ersten wagt er noch wohl, aber bei
zehn wird er allererst inne, was er vorher nicht bemerkte, dass es
naemlich doch wohl moeglich s...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 582
doch die zweckmaessige Einheit eine so grosse Bedingung der Anwendung
der Vernunft auf Natur, dass ich, da mir ueberdem Erfahrung reichlich
davon Beispiele darbietet, sie gar nicht vorbeigehen kann. Zu dieser
Einheit aber kenne ich keine andere Bedingung, die sie mir zum
Leitfaden der Naturforsch...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 583
geht nur auf die Leitung, die mir eine Idee gibt, und den subjektiven
Einfluss auf die Befoerderung meiner Vernunfthandlungen, die mich an
derselben festhaelt, ob ich gleich von ihr nicht imstande bin, in
spekulativer Absicht Rechenschaft zu geben.
Aber der bloss doktrinale Glaube hat etwas Wank...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 584
wuerde also auch hoffen koennen, durch seine Belehrung mein Wissen
in so bewunderungswuerdigem Masse ausgedehnt zu sehen. Nein, die
Ueberzeugung ist nicht logische, sondern moralische Gewissheit, und,
da sie auf subjektiven Gruenden (der moralischen Gesinnung) beruht, so
muss ich nicht einmal sag...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 585
vernuenftigen Wesen notwendig geschieht) ein natuerliches Interesse
an der Moralitaet, ob es gleich nicht ungeteilt und praktisch
ueberwiegend ist. Befestigt und vergroessert dieses Interesse, und
ihr werdet die Vernunft sehr gelehrig und selbst aufgeklaerter
finden, um mit dem praktischen auch d...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 586
Methodenlehre.
Unter der Regierung der Vernunft duerfen unsere Erkenntnisse
ueberhaupt keine Rhapsodie, sondern sie muessen ein System ausmachen,
in welchem sie allein die wesentlichen Zwecke derselben unterstuetzen
und befoerdern koennen. Ich verstehe aber unter einem Systeme die
Einheit der ma...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 587
entspringen, was wir Wissenschaft nennen, dessen Schema den Umriss
(monogramma) und die Einteilung des Ganzen in Glieder, der Idee
gemaess, d.i. a priori enthalten, und dieses von allen anderen sicher
und nach Prinzipien unterscheiden muss.
Niemand versucht es, eine Wissenschaft zustande zu brin...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 588
ein jedes fuer sich nach einer Idee gegliedert, sondern noch dazu
alle untereinander in einem System menschlicher Erkenntnis wiederum
als Glieder eines Ganzen zweckmaessig vereinigt sind, und eine
Architektonik alles menschlichen Wissens erlauben, die jetziger Zeit,
da schon so viel Stoff gesamme...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 589
Vernunfterkenntnis war, so ist es doch, subjektiv, bloss historisch.
Er hat gut gefasst und behalten, d.i. gelernt, und ist ein Gipsabdruck
von einem lebenden Menschen. Vernunfterkenntnisse, die es objektiv
sind, (d.i. anfangs nur aus der eigenen Vernunft des Menschen
entspringen koennen,) duerfe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 590
mannigfaltig und so veraenderlich ist. Auf diese Weise ist Philosophie
eine blosse Idee von einer moeglichen Wissenschaft, die nirgend in
concreto gegeben ist, welcher man sich aber auf mancherlei Wegen zu
naehern sucht, so lange, bis der einzige, sehr durch Sinnlichkeit
verwachsene Fusssteig ent...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 591
wesentlichen Zwecke der menschlichen Vernunft zu befoerdern. Diesen
allein muessten wir den Philosophen nennen; aber, da er selbst doch
nirgend, die Idee aber seiner Gesetzgebung allenthalben in jeder
Menschenvernunft angetroffen wird, so wollen wir uns lediglich an der
letzteren halten, und naeh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 592
zweitens das System der reinen Vernunft (Wissenschaft), die ganze
(wahre sowohl als scheinbare) philosophische Erkenntnis aus reiner
Vernunft im systematischen Zusammenhange, und heisst Metaphysik;
wiewohl dieser Name auch der ganzen reinen Philosophie mit Inbegriff
der Kritik gegeben werden kann...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 593
der Erkenntnis am herumschweifenden Verstandesgebrauch hat, ihren
eigenen Wert und Einfluss sicher bestimmen koenne. Daher hat die
menschliche Vernunft seitdem, dass sie gedacht, oder vielmehr
nachgedacht hat, niemals einer Metaphysik entbehren, aber gleichwohl
sie nicht, genugsam gelaeutert von ...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 594
und der des fluessigen Koerpers? ihr werdet stutzig, denn, wenn es
so weiterfortgeht, so wird alles in die Metaphysik gehoeren. Hieraus
sieht man, dass der blosse Grad der Unterordnung (das Besondere unter
dem Allgemeinen) keine Grenzen einer Wissenschaft bestimmen koenne,
sondern in unserem Fall...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 595
Transzendentalphilosophie und der Physiologie der reinen Vernunft.
Die erstere betrachtet nur den Verstand, und Vernunft selbst in einem
System aller Begriffe und Grundsaetze, die sich auf Gegenstaende
ueberhaupt beziehen, ohne Objekte anzunehmen, die gegeben waeren
(Ontologia); die zweite betrac...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 596
Kosmologie. 4. Der rationalen Theologie. Der zweite Teil, naemlich die
Naturlehre der reinen Vernunft, enthaelt zwei Abteilungen, die physica
rationalis* und psychologia rationalis.
* Man denke ja nicht, dass ich hierunter dasjenige verstehe, was man
gemeiniglich physica generalis nennt, und meh...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 597
gaenzlich enthalten, die ueber den Begriff noch irgendeine Erfahrung
hinzusetzen moechten, um etwas ueber diese Gegenstaende daraus zu
urteilen.
Zweitens: wo bleibt denn die empirische Psychologie, welche von jeher
ihren Platz in der Metaphysik behauptet hat, und von welcher man in
unseren Zeite...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 598
ist, einer solchen Wissenschaft niemals entbehren koennte, die sie
zuegelt, und, durch ein szientifisches und voellig einleuchtendes
Selbsterkenntnis, die Verwuestungen abhaelt, welche eine gesetzlose
spekulative Vernunft sonst ganz unfehlbar, in Moral sowohl als
Religion, anrichten wuerde. Man k...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 599
wissenschaftlichen gemeinen Wesens sichert, und dessen mutige und
fruchtbare Bearbeitungen abhaelt, sich nicht von dem Hauptzwecke, der
allgemeinen Glueckseligkeit, zu entfernen.
Der transzendentalen Methodenlehre
Viertes Hauptstueck
Die Geschichte der reinen Vernunft
Dieser Titel steht nur h...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 600
des Streits gestiftet worden.
1. In Ansehung des Gegenstandes aller unserer Vernunfterkenntnisse,
waren einige bloss Sensual-, andere bloss Intellektualphilosophen.
Epikur kann der vornehmste Philosoph der Sinnlichkeit, Plato des
Intellektuellen genannt werden. Dieser Unterschied der Schulen
abe...
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Immanuel Kant: Kritik der reinen Vernunft: Leseprobe 601
so muss es ein Verfahren nach Grundsaetzen sein. Nun kann man die
jetzt in diesem Fache der Naturforschung herrschende Methode in die
naturalistische und szientifische einteilen. Der Naturalist der reinen
Vernunft nimmt es sich zum Grundsatze: dass durch gemeine Vernunft
ohne Wissenschaft (welche...