Friedrich von Schiller: Kabale und Liebe

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Leseprobe aus Kabale und Liebe:

gelben Tod oder den Herzeinigen ausbittet--Das nenn' ich einen Kerl!
das heißt lieben!--und wer's bei dem Weibsvolk nicht so weit bringt,
der soll--auf seinem Gänsekiel reiten.

Wurm (greift nach Hut und Stock und zum Zimmer hinaus). Obligation,
Herr Miller!

Miller (geht ihm langsam nach). Für was? für was? Haben Sie ja doch
nichts genossen, Herr Secretarius! (Zurückkommend.) Nichts hört er,
und hin zieht er--Ist mir's doch wie Gift und Operment, wenn ich den
Federfuchser zu Gesichte krieg'. Ein confiscierter widriger Kerl,
als hätt' ihn irgend ein Schleichhändler in die Welt meines Herrgotts
hineingeschachert--Die kleinen tückischen Mausaugen--die Haare
brandroth--das Kinn herausgequollen, gerade als wenn die Natur für
purem Gift über das verhunzte Stück Arbeit meinen Schlingel da
angefaßt und in irgend eine Ecke geworfen hätte--Nein! eh ich meine
Tochter an so einen Schuft wegwerfe, lieber soll sie mir--Gott
verzeih mir's-Frau (spuckt aus, giftig). Der Hund!--aber man wird
dir's Maul sauber halten!

Miller. Du aber auch mit deinem pestilenzialischen Junker--Hast mich
vorhin auch so in Harnisch gebracht--Bist doch nie dummer, als wenn
du um Gotteswillen gescheidt sein solltest. Was hat das Geträtsch
von einer gnädigen Madam und deiner Tochter da vorstellen sollen?
Das ist mir der Alte! Dem muß man so was an die Nase heften, wenn's
morgen am Marktbrunnen ausgeschellt sein soll. Das ist just so ein
Musje, wie sie in der Leute Häusern herumriechen, über Keller und
Koch räsonnieren, und springt einem ein nasenweises Wort übers
Maul--Bumbs! haben's Fürst und Mätreß und Präsident, und du hast das
siedende Donnerwetter am Halse.

Dritte Scene.

Luise Millerin kommt, ein Buch in der Hand. Vorige.

Luise (legt das Buch nieder, geht zu Millern und drückt ihm die Hand).
Guten Morgen, lieber Vater.

Miller (warm). Brav, meine Luise--Freut mich, daß du so fleißig an
deinen Schöpfer denkst. Bleib immer so, und sein Arm wird dich

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