Leseproben aus Friedrich Schiller: Kabale und Liebe

  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 1
    Personen: Präsident von Walter, am Hof eines deutschen Fürsten. Ferdinand, sein Sohn, Major. Hofmarschall von Kalb. Lady Milford, Favoritin des Fürsten. Wurm, Haussecretär des Präsidenten. Miller, Stadtmusikant oder, wie man sie an einigen Orten nennt, Kunstpfeifer. Dessen Frau. Luise, des...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 2
    Auge strecktest und vor jedem Blutstropfen Schildwache ständest, er wird sie, dir auf der Nase, beschwatzen, dem Mädel Eins hinsetzen und führt sich ab, und das Mädel ist verschimpfiert auf ihr Lebenlang, bleibt sitzen, oder hat's Handwerk verschmeckt, treibt's fort. (Die Hand vor der Stirn) Jes...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 3
    Belletristen künstlich aufkochen lassen. Ins Feuer mit dem Quark. Da saugt mir das Mädel--weiß Gott, was als für?--überhimmlische Alfanzereien ein, das läuft dann wie spanische Mucken ins Blut und wirft mir die Handvoll Christenthum noch gar auseinander, die der Vater mit knapper Noth soso noch ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 4
    wenn er ein rechtschaffener Vater ist. Du wirst mir meinen rothen plüschenen Rock ausbürsten, und ich werde mich bei Seiner Excellenz anmelden lassen. Ich werde sprechen zu seiner Excellenz: Dero Herr Sohn haben ein Aug auf meine Tochter; meine Tochter ist zu schlecht zu Dero Herrn Sohnes Frau,...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 5
    werden mich ja doch wohl merken, Herr Sekertare? Wurm (rückt unruhig im Sessel, kratzt hinter den Ohren und zupft an Manschetten und Jabot). Merken? Nicht doch--O ja--Wie meinen Sie denn? Frau. Nu--nu--ich dächte nur--ich meine, (hustet) weil eben halt der liebe Gott meine Tochter barrdu zur...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 6
    besser--in Gottes Namen wollt' ich sagen--so stecken Sie den Korb ein und trinken eine Bouteille mit dem Vater--Das Mädel muß mit Ihnen leben--ich nicht.--Warum soll ich ihr einen Mann, den sie nicht schmecken kann, aus purem klarem Eigensinn an den Hals werfen?--Daß mich der böse Feind in meinen...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 7
    gelben Tod oder den Herzeinigen ausbittet--Das nenn' ich einen Kerl! das heißt lieben!--und wer's bei dem Weibsvolk nicht so weit bringt, der soll--auf seinem Gänsekiel reiten. Wurm (greift nach Hut und Stock und zum Zimmer hinaus). Obligation, Herr Miller! Miller (geht ihm langsam nach). Für...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 8
    halten. Luise. O! ich bin eine schwere Sünderin, Vater--War er da, Mutter? Frau. Wer, mein Kind? Luise. Ah! ich vergaß, daß es noch außer ihm Menschen gibt--Mein Kopf ist so wüste--Er war nicht da? Walter? Miller (traurig und ernsthaft). Ich dachte, meine Luise hätte den Namen in der Kir...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 9
    nachdenkend.) Als ich ihn das Erstemal sah--(rascher) und mir das Blut in die Wangen stieg, froher jagten alle Pulse, jede Wallung sprach, jeder Athem lispelte: er ist's!--und mein Herz den Immermangelnden erkannte, bekräftigte: er ist's! und wie das wiederklang durch die ganze mitfreuende Welt!...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 10
    Sessel--er bleibt vor ihr stehn--sie sehen sich eine Zeitlang stillschweigend an. Pause.) Ferdinand. Du bist blaß, Luise? Luise (steht auf und fällt ihm um den Hals). Es ist nichts! nichts! Du bist ja da. Es ist vorüber. Ferdinand (ihr Hand nehmend und zum Munde führend). Und liebt mich m...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 11
    Ein Dolch über dir und mir!--Man trennt uns! Ferdinand. Trennt uns! (Er springt auf.) Woher bringst du diese Ahnung, Luise? Trennt uns?--Wer kann den Bund zweier Herzen lösen, oder die Töne eines Accords auseinander reißen?--Ich bin ein Edelmann--Laß doch sehen, ob mein Adelbrief älter ist, ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 12
    geworfen, und er wird nimmer, nimmer gelöscht werden. (Sie stürzt hinaus. Er folgt ihr sprachlos nach.) Fünfte Scene. Saal beim Präsidenten. Der Präsident, ein Ordenskreuz um den Hals, einen Stern an der Seite, und Secretär Wurm treten auf. Präsident. Ein ernsthaftes Attachement! Mein ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 13
    herzlich gern. Da Er meinen Sohn bei dem Mädchen auszustechen Mühe haben möchte, soll Ihm der Vater zur Fliegenklatsche dienen, das find' ich wieder begreiflich--und daß er einen so herrlichen Ansatz zum Schelmen hat, entzückt mich sogar--Nur, mein lieber Wurm, muß Er mich nicht mit prellen woll...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 14
    Vater, so dürfte Ihre Anforderung mit Protest zurückkommen. Präsident. Zum Glück war mir noch nie für die Ausführung eines Entwurfes bang, wo ich mich mit einem: es soll so sein! einstellen konnte.--Aber seh' Er nun, Wurm, das hat uns wieder auf den vorigen Punkt geleitet. Ich kündige meinem S...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 15
    frisiert à la Hérisson. Er fliegt mit großem Gekreisch auf den Präsidenten zu und breitet einen Bisamgeruch über das ganze Parterre. Präsident. Hofmarschall (ihn umarmend). Ah guten Morgen, mein Bester! Wie geruht? wie geschlafen?--Sie verzeihen doch, daß ich so spät das Vergnügen habe--drin...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 16
    und den Entschluß meiner Ferdinands in der ganzen Residenz bekannt machen. Hofmarschall (entzückt). O mit tausend Freuden, mein Bester!--Was kann mir erwünschter kommen?--Ich fliege sogleich--(Umarmt ihn.) Leben Sie wohl--in drei Viertelstunden weiß es die ganze Stadt. (Hüpft hinaus.) Präsiden...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 17
    Präsident. Was war das? Was? Doch ich will es dem Romanenkopfe zu gut halten!--Ferdinand!--ich will mich nicht erhitzen, vorlauter Knabe--Lohnst du mir also für meine schlaflosen Nächte? Also für meine rastlose Sorge? Also für den ewigen Scorpion meines Gewissens?--Auf mich fällt die Last de...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 18
    lassen, will ich dir Jemand an die Seite geben, bei dem du dich in dieser buntscheckigen Tollheit nach Wunsch exercieren kannst.--Du wirst dich entschließen--noch heute entschließen--eine Frau zu nehmen. Ferdinand (tritt bestürzt zurück). Mein Vater? Präsident. Ohne Complimente.--Ich habe der...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 19
    durch diese Hinwerfung Ihres einzigen Sohnes so glücklich nicht werden, als Sie ihn unglücklich machen. Ich gebe Ihnen mein Leben, wenn das Sie steigen machen kann. Mein Leben hab' ich von Ihnen, ich werde keinen Augenblick anstehen, es ganz Ihrer Größe zu opfern. --Meine Ehre, Vater--wenn Sie ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 20
    zum Lügner machst, Junge--vor dem Fürsten--der Lady--der Stadt--dem Hof mich zum Lügner machst--Höre, Junge--oder wenn ich hinter gewisse Historien komme?--Halt! Holla! Was bläst so auf einmal das Feuer in deinen Wangen aus? Ferdinand (schneeblaß und zitternd). Wie? Was? Es ist gewiß nichts...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 21
    Himmel, und mich leichter reiten ums Herz herum. Sophie. Wenn Sie sich unpäßlich fühlen, Milady--berufen Sie Assemblee hier zusammen. Lassen Sie den Herzog hier Tafel halten, oder die l'Hombretische vor Ihren Sopha setzen. Mir sollte der Fürst und sein ganzer Hof zu Gebote stehen und eine Gri...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 22
    Unterthanen in einem Feuerwerk hinpuffen--Aber kann er auch seinem Herzen befehlen, gegen ein großes, feuriges Herz groß und feurig zu schlagen? Kann er sein darbendes Gehirn auf ein einziges schönes Gefühl exequieren?--Mein Herz hungert bei all dem Vollauf der Sinne; und was helfen mich tausend...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 23
    (Schmelzend.) Laß mich aus seinem Mund es vernehmen, daß Thränen der Liebe schöner glänzen in unsern Augen, als die Brillanten in unserm Haar, (feurig) und ich werfe dem Fürsten sein Herz und sein Fürstenthum vor die Füße, fliehe mit diesem Mann, fliehe in die entlegenste Wüste der Welt-Sophie ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 24
    Steine? Kammerdiener. Gestern sind siebentausend Landskinder nach Amerika fort--die bezahlen Alles. Lady (setzt den Schmuck plötzlich nieder und geht rasch durch den Saal, nach einer Pause zum Kammerdiener). Mann! Was ist dir? Ich glaube, du weinst? Kammerdiener (wischt sich die Augen, mit...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 25
    Weib und Kinder!--Es leb' unser Landesvater--Am jüngsten Gericht sind wir wieder da!"-Lady (mit starkem Schritt auf und nieder gehend). Abscheulich! Fürchterlich!--Mich beredet man, ich habe sie alle getrocknet, die Thränen des Landes--Schrecklich, schrecklich gehen mir die Augen auf--Geb du--Sa...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 26
    Diademen getragen, und schönere-Bedienter (kommt zurück). Major von Walter-Sophie (springt auf die Lady zu). Gott! Sie verblassen-Lady. Der erste Mann, der mir Schrecken macht--Sophie--Jetzt sei unpäßlich, Eduard--Halt--Ist er aufgeräumt? Lacht er? Was spricht er? O, Sophie! Nicht wahr, ic...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 27
    Lady (auffahrend). Was ist das, Herr Major? Ferdinand (gelassen). Die Sprache meines Herzens--meines Wappens--und dieses Degens. Lady. Diesen Degen gab Ihnen der Fürst. Ferdinand. Der Staat gab mir ihn durch die Hand des Fürsten--mein Herz Gott--mein Wappen ein halbes Jahrtausend. Lady. ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 28
    Britanniens Adern schlagen. Lady. Sind Sie zu Ende? Ferdinand. Man könnte antworten, es ist weibliche Eitelkeit--Leidenschaft--Temperament--Hang zum Vergnügen. Schon öfters überlebte Tugend die Ehre. Schon Manche, die mit Schande in diese Schranke trat, hat nachher die Welt durch edle Handl...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 29
    Mädchen--flohe nach Deutschland mit meiner Wärterin--einem Kästchen Juwelen--und diesem Familienkreuz, das meine sterbende Mutter mit ihrem letzten Segen mir an den Busen steckte. Ferdinand (wird nachdenkend und heftet wärmere Blicke auf die Lady). Lady (fährt fort mit immer zunehmender Rührung...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 30
    mit Heißhunger Opfer sucht.--Fürchterlich hatte sie schon in diesem Lande gewüthet--hatte Braut und Bräutigam zertrennt--hatte selbst der Ehen göttliches Band zerrissen--hier das stille Glück einer Familie geschleift--dort ein junges unerfahrenes Herz der verheerenden Pest aufgeschlossen, und ste...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 31
    von Anklagen reinigen und machen mich zu einem Verbrecher. Schonen Sie--ich beschwöre Sie--schonen Sie meines Herzens, das Beschämung und wüthende Reue zerreißen-Lady (hält seine Hand fest). Jetzt oder nimmermehr! Lange genug hielt die Heldin Stand--das Gewicht dieser Thränen mußt du noch fühl...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 32
    bin der Schuldige. Ich zuerst zerriß ihrer Unschuld goldenen Frieden--wiegte ihr Herz mit vermessenen Hoffnungen und gab es verrätherisch der wilden Leidenschaft Preis--Sie werden mich an Stand--an Geburt--an die Grundsätze meines Vaters erinnern--aber ich liebe.--Meine Hoffnung steigt um so höh...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 33
    Miller (hastig ins Zimmer). Ich hab's ja zuvor gesagt! Luise (sprengt ihn ängstlich an). Was, Vater? was? Miller (rennt wie toll auf und nieder). Meinen Staatsrock her--hurtig--ich muß ihm zuvorkommen--und ein weißes Manschettenhemd! --Das hab' ich mir gleich eingebildet! Luise. Um Gottesw...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 34
    schreibe, daß man die blauen Flecken bei der Auferstehung der Todten noch sehen soll-Frau. Ja! fluch du und poltre du! Das wird jetzt den Teufel bannen! Hilf, heiliger Herregott! Wo hinaus nun? Wie werden wir Rath schaffen? Was nun anfangen? Vater Miller, so rede doch! (Sie läuft heulend ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 35
    Ferdinand (geht schnell auf sie zu, bleibt sprachlos mit starrem Blick vor ihr stehen, dann verläßt er sie plötzlich, in großer Bewegung). Nein! Nimmermehr! Unmöglich, Lady! Zu viel verlangt! Ich kann dir diese Unschuld nicht opfern--Nein, beim unendlichen Gott! ich kann meinen Eid nicht verl...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 36
    fort.) Frau (eilt ihm nach, hängt sich an ihn). Der Präsident wird hieher kommen--Er wird unser Kind mißhandeln--Er wird uns mißhandeln--Herr von Walter, und Sie verlassen uns? Miller (lacht wüthend). Verläßt uns! Freilich! Warum nicht?--Sie gab ihm ja Alles hin! (Mit der einen Hand den Ma...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 37
    Miller. Stadtmusikant Miller. Präsident (zur Frau). Sie die Mutter? Frau. Ach ja, die Mutter! Ferdinand (zu Millern). Vater, bring Er die Tochter weg--sie droht eine Ohnmacht. Präsident. Überflüssige Sorgfalt! Ich will sie anstreichen. (Zu Luisen.) Wie lang kennt Sie den Sohn des Präs...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 38
    knirschend und vor Angst damit klappernd): Euer Excellenz--Das Kind ist des Vaters Arbeit--Halten zu Gnaden--Wer das Kind eine Mähre schilt, schlägt den Vater ans Ohr, und Ohrfeig um Ohrfeig--Das ist so Tax bei uns--Halten zu Gnaden. Frau. Hilf, Herr und Heiland!--Jetzt bricht auch der Alte los...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 39
    Unterwürfigkeit.) Keine Übereilung, mein Vater! Wenn Sie sich selbst lieben, keine Gewaltthätigkeit!--Es gibt eine Gegend in meinem Herzen, worin das Wort Vater noch nie gehört worden ist--Dringen Sie nicht bis in diese. Präsident. Nichtswürdiger! Schweig! Reize meinen Grimm nicht noch mehr...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 40
    dem Gefäß.) Wag' es, sie anzurühren, wer nicht auch die Hirnschale an die Gerichte vermiethet hat. (Zum Präsident.) Schonen Sie Ihrer selbst! Treiben Sie mich nicht weiter, mein Vater. Präsident (drohend zu den Gerichtsdienern). Wenn euch euer Brod lieb ist, Memmen-Gerichtsdiener (greifen L...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 41
    Präsident (wie vom Blitz gerührt). Was ist das?--Ferdinand--Laßt sie ledig! (Er eilt dem Major nach.) Dritter Akt. Saal beim Präsidenten. Erste Scene. Der Präsident und Sekretär Wurm kommen. Präsident. Der Streich war verwünscht. Wurm. Wie ich befürchtete, gnädiger Herr. Zwang er...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 42
    dringen die Pflichten des Patrioten bei ihm vor. Ja, schon allein die seltsame Phantasie, der Gerechtigkeit ein so merkwürdiges Opfer zu bringen, könnte Reiz genug für ihn haben, selbst seinen Vater zu stürzen. Präsident. Wurm--Wurm--Er führt mich da vor einen entsetzlichen Abgrund. Wurm. Ic...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 43
    erklären Sie sich mir, wie viel Sie bei der ferneren Weigerung des Majors auf dem Spiel haben--in welchem Grade es Ihnen wichtig ist, den Roman mit dem Bürgermädchen zu endigen und die Verbindung mit Lady Milford zu Stand zu bringen? Präsident. Kann Er noch fragen, Wurm?--Mein ganzer Einfluß is...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 44
    Bedingung seiner Befreiung. Präsident. Gut! Gut! Ich verstehe. Wurm. Sie liebt ihren Vater--bis zur Leidenschaft, möcht' ich sagen. Die Gefahr seines Lebens--seiner Freiheit zum Mindesten--die Vorwürfe ihres Gewissens, den Anlaß dazu gegeben zu haben--die Unmöglichkeit, den Major zu besitze...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 45
    zum Marschall. (Klingelt.) Wurm. Unterdessen, daß Ew. Excellenz dieses und die Gefangennehmung des Geigers besorgen, werd' ich hingehen und den bewußten Liebesbrief aufsetzen. Präsident (zum Schreibpult gehend). Den Er mir zum Durchlesen heraufbringt, sobald er zu Stand sein wird. (Wurm ge...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 46
    stoßen? Was? Präsident. Fragen Sie ihn das und hören Sie, was er antwortet. Hofmarschall. Aber, mon Dieu! was kann er denn antworten? Präsident. Daß er der ganzen Welt das Verbrechen entdecken wolle, wodurch wir gestiegen sind--daß er unsere falschen Briefe und Quittungen angeben--daß er u...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 47
    Gnädigste Frau! von Bock war so glücklich, Höchstdenenselben das Strumpfband zu überreichen, aber wer das Strumpfband zuerst erblickte, belohnt sich in der Stille und schweigt. Präsident. Bravo, Marschall! Bravissimo! Hofmarschall. Und schweigt--Aber ich werd's dem von Bock bis zum jüngsten ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 48
    nicht gewußt, daß Ihnen der Mann von unbescholtenen Sitten mehr ist, als der von Einfluß. Wollen wir abbrechen? Hofmarschall. Seien Sie klug, Baron. Es war ja nicht so verstanden. Präsident (frostig). Nein--nein! Sie haben vollkommen Recht. Ich bin es auch müde. Ich lasse den Karren steh...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 49
    der Marschall hat angebissen!--Ein Gift wie das müßte die Gesundheit selbst in eiternden Aussatz verwandeln--Nun gleich mit den Vorschlägen zum Vater, und dann warm zu der Tochter. (Gehen ab zu verschiedenen Seiten.) Vierte Scene. Zimmer in Millers Wohnung. Luise und Ferdinand. Luise. Ic...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 50
    Werden wir uns in Gesprächen der Liebe erschöpfen?--Ein Lächeln meiner Luise ist Stoff für Jahrhunderte, und der Traum des Lebens ist aus, bis ich diese Thräne ergründe. Luise. Und hättest du sonst keine Pflicht mehr als deine Liebe? Ferdinand (sie umarmend). Deine Ruhe ist meine heiligste. ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 51
    allgemeine ewige Ordnung zu Grund stürzen würde--Ich bin die Verbrecherin--mit frechen, thörigten Wünschen hat sich mein Busen getragen--mein Unglück ist meine Strafe, so laß mir doch jetzt die süße, schmeichelnde Täuschung, daß es mein Opfer war--Wirst du mir diese Wollust mißgönnen? Ferdinand ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 52
    zurück zu sein, und schon sind fünf volle fürchterliche Stunden vorüber--Wenn ihm ein Unfall--wie wird mir?--Warum geht mein Odem so ängstlich? (Jetzt tritt Wurm in das Zimmer und bleibt im Hintergrund stehen, ohne von ihr bemerkt zu werden.) Es ist nichts Wirkliches--Es ist nichts als das scha...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 53
    Er hat keinen Vater zu verlieren. Zwar keinen haben, ist Verdammniß genug!--Mein Vater auf Verletzung der Majestät--mein Geliebter die Lady oder Fluch und Enterbung--Wahrlich bewundernswerth! Eine vollkommene Büberei ist auch eine Vollkommenheit--Vollkommenheit? Nein! dazu fehlt noch etwas--Wo ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 54
    Wurm. Ein Criminal-Proceß. Luise. Was ist aber das?--Ich bin ein unwissendes, unschuldiges Ding, verstehe mich wenig auf eure fürchterlichen lateinischen Wörter. Was heißt Criminal-Proceß? Wurm. Gericht um Leben und Tod. Luise (standhaft). So dank' ich Ihnen! (Sie eilt schnell in ein Seit...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 55
    Luise (steht plötzlich still). Wie sagen Sie?--Sie rathen mir selbst dazu? (Kommt schnell zurück.) Hm! Was will ich denn? Etwas Abscheuliches muß es sein, weil dieser Mensch dazu rathet--Woher wissen Sie, daß der Fürst mir willfahren wird? Wurm. Weil er es nicht wird umsonst thun dürfen. ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 56
    nehmen, wenn nicht Sie allein dazu helfen könnten? Luise. Kann ich ihn zwingen, daß er mich hassen muß? Wurm. Wir wollen versuchen. Setzen Sie sich. Luise (betreten). Mensch! Was brütest du? Wurm. Setzen Sie sich. Schreiben Sie! Hier ist Feder, Papier und Dinte. Luise (setzt sich in ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 57
    Luise. Weiter! weiter! Wurm. "Wir haben gestern den Präsidenten im Haus gehabt. Es war possierlich zu sehen, wie der gute Major um meine Ehre sich wehrte"-Luise. O schön, schön! o herrlich!--Nur immer fort. Wurm. "Ich nahm meine Zuflucht zu einer Ohnmacht--zu einer Ohnmacht--daß ich nicht la...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 58
    Herr? Darf die Taube nun fliegen? Wurm. Nur noch die Kleinigkeit, Jungfer. Die müssen mit mir und das Sacrament darauf nehmen, diesen Brief für einen freiwilligen zu erkennen. Luise. Gott! Gott! und du selbst mußt das Siegel geben, die Werke der Hölle zu verwahren? (Wurm zieht sie fort.) ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 59
    hineinlog? Da ich ihr die Gefahr unsrer Liebe entdeckte, mit welch überzeugender Täuschung erblaßte die Falsche da! Mit welch siegender Würde schlug sie den frechen Hohn meines Vaters zu Boden, und in eben dem Augenblick fühlte das Weib sich doch schuldig!--Was? hielt sie nicht selbst die Feuer...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 60
    (Hier zeigt er ihm die Pistolen.) Hofmarschall (tritt bestürzt zurück). Sie werden vernünftig sein, Bester. Ferdinand (mit starker, schrecklicher Stimme). Mehr als zu viel, um einen Schelmen, wie du bist, in jene Welt zu schicken! (Er dringt ihm die eine Pistole auf, zugleich zieht er sein S...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 61
    dem Allmächtigen nachgedruckt hätte!--Schade nur, ewig Schade für die Unze Gehirn, die so schlecht in diesem undankbaren Schädel wuchert. Diese einzige Unze hätte dem Pavian noch vollends zum Menschen geholfen, da sie jetzt nur einen Bruch von Vernunft macht--Und mit Diesem ihr Herz zu theilen?--...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 62
    Ich drücke ab, oder bekenne! Hofmarschall. Es ist nichts--ist ja Alles nichts. Haben Sie nur eine Minute Geduld. Sie sind ja betrogen. Ferdinand. Und daran mahnst du mich, Bösewicht?--Wie weit kamst du mit ihr? Du bist des Todes, oder bekenne! Hofmarschall. Mon Dieu! Mein Gott! Ich spr...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 63
    Zärtlichkeiten und jetzt ihr vorzusingen ihre Schwüre--Gott! Gott! die Vermählung ist fürchterlich--aber ewig! (Er will schnell hinaus. Der Präsident tritt herein.) Fünfte Scene. Der Präsident und Ferdinand. Ferdinand (zurücktretend). O!--mein Vater! Präsident. Sehr gut, daß wir uns fi...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 64
    ihre Schönheit für Gold. Meine Grundsätze weichen deiner Liebe--Sie sei dein! Ferdinand (stürzt fürchterlich aus dem Zimmer). Das fehlte noch! --Leben Sie wohl, mein Vater. (Ab.) Präsident (ihm nachgehend). Bleib! Bleib! Wohin stürmst du? (Ab.) Sechste Scene. Ein prächtiger Saal bei ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 65
    Ich befehl' es! (Sophie geht ab, Lady macht einen Gang durch den Saal.) Gut! Recht gut, daß ich in Wallung kam! Ich bin, wie ich wünschte! (Zum Kammerdiener.) Die Mamsell mag hereintreten. (Kammerdiener geht. Sie wirft sich in den Sopha und nimmt eine vornehm-nachlässige Lage an.) Siebe...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 66
    Luise. Sechzehn gewesen. Lady (steht rasch auf). Nun ist's heraus! Sechzehn Jahre! Der erste Puls dieser Leidenschaft!--Auf dem unberührten Clavier der erste einweihende Silberton--Nichts ist verführender--Setz dich, ich bin dir gut, liebes Mädchen--Und auch er liebt zum ersten Mal--Was Wund...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 67
    dieser gesagt hat, hüpft von einem zum andern, bis ihr zuletzt die Aussagen beider verwechselt--Warum begaffen Sie mich so? Luise. Verzeihen Sie, gnädige Frau--Ich war so eben im Begriff, diesen prächtig blitzenden Rubin zu beweinen, der es nicht wissen muß, daß seine Besitzerin so scharf wider...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 68
    Ich bitte sehr um Vergebung. Lady (in großer innrer Bewegung herumgehend). Unerträglich, daß sie mir das sagt! Unerträglicher, daß sie Recht hat! (Zu Luisen tretend und ihr starr in die Augen sehend.) Mädchen, du wirst mich nicht überlisten. So warm sprechen Meinungen nicht. Hinter diesen ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 69
    erzählt, worin Flotten und Wallfische spielen!--Aber glücklich wollen Sie mich ja wissen? (Nach einer Pause plötzlich zur Lady hintretend und mit Überraschung fragend:) Sind Sie glücklich, Milady? (Diese verläßt sie schnell und betroffen, Luise folgt ihr und hält ihr die Hand vor den Busen.) H...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 70
    scheuchen; deine junge blühende Gestalt unter seiner Umarmung welk, wie eine Mumie, zusammenfallen--Ich kann nicht mit ihm glücklich werden--aber du sollst es auch nicht werden--Wisse das, Elende! Seligkeit zerstören ist auch Seligkeit. Luise. Eine Seligkeit, um die man Sie schon gebracht hat, ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 71
    Allwissenden schreit auch der letzte Krampf des zertretenen Wurms--Es wird ihm nicht gleichgültig sein, wenn man Seelen in seinen Händen mordet! Jetzt ist er Ihnen! Jetzt, Milady, nehmen Sie ihn hin! Rennen Sie in seine Arme! Reißen Sie ihn zum Altar--Nur vergessen Sie nicht, daß zwischen Ihre...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 72
    so gehoben mich fühle!--Groß, wie eine fallende Sonne, will ich heut vom Gipfel meiner Hoheit heruntersinken, meine Herrlichkeit sterbe mit meiner Liebe, und nichts als mein Herz begleite mich in diese stolze Verweisung. (Entschlossen zum Schreibpult gehend.) Jetzt gleich muß es geschehen--jetzt...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 73
    oder deutsche Komödie? Lady (lachend aufstehend). Eines von beiden, mein Engel--Unterdessen bringen Sie Ihrem Herzog diese Karte zum Dessert! (Gegen Sophie.). Du, Sophie, befiehlst, daß man anspannen soll, und rufst meine ganze Garderobe in diesem Saal zusammen-Sophie (geht ab voll Bestürzung)...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 74
    erwartet angstvoll, wie sich das Räthsel entwickeln wird?--Kommt näher, meine Lieben!--Ihr dientet mir redlich und warm, sahet mir öfter in die Augen, als ich die Börse; euer Gehorsam war eure Leidenschaft, euer Stolz--meine Gnade!--Daß das Andenken eurer Treue zugleich das Gedächtniß meiner Erni...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 75
    allen Thoren hab' ich gefragt--mein Kind hat man nirgends gesehen. (Nach einigem Stillschweigen.) Geduld, armer, unglücklicher Vater! Warte ab, bis es Morgen wird. Vielleicht kommt deine Einzige dann ans Ufer geschwommen--Gott! Gott! Wenn ich mein Herz zu abgöttisch an diese Tochter hing?--Di...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 76
    eisernes Band. Ferdinand wird seine Luise kennen--Will Er mir dies Billet besorgen, Vater? Will Er so gut sein? Miller. An wen, meine Tochter? Luise. Seltsame Frage! Die Unendlichkeit und mein Herz haben mit einander nicht Raum genug für einen einzigen Gedanken an ihn--Wenn hätt' ich denn ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 77
    erschrecken, Vater, wenn ich Ihm ein häßliches nenne. Dieser Ort--O warum hat die Liebe nicht Namen erfunden! den schönsten hätte sie diesem gegeben. Der dritte Ort, guter Vater--aber Er muß mich ausreden lassen--der dritte Ort ist das Grab. Miller (zu seinem Sessel hinwankend). O mein Gott! ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 78
    hast mich tief gebeugt, meine Einzige! tief, tief, vielleicht zur Grube gebeugt.--Doch, ich will dir dein Herz nicht noch schwerer machen--Tochter, ich sprach vorhin etwas. Ich glaubte allein zu sein. Du hast mich behorcht; und warum sollt' ich's noch länger geheim halten? Du warst mein Abgott....
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 79
    des Allwissenden Thron mit der Lüge wagen: Deinetwegen, Schöpfer, bin ich da--wenn deine strafbaren Augen ihre sterbliche Puppe suchen?--Und wenn dieser zerbrechliche Gott deines Gehirns, jetzt Wurm wie du, zu den Füßen deines Richters sich windet, deine gottlose Zuversicht in diesem schwankenden...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 80
    --Mein Luise, mein Himmelreich!--O Gott! ich verstehe ja wenig vom Lieben, aber daß es eine Qual sein muß, aufzuhören--so was begreif' ich noch. Luise. Doch hinweg aus dieser Gegend, mein Vater--Weg von der Stadt, wo meine Gespielinnen meiner spotten und mein guter Name dahin ist auf immerdar--...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 81
    Menschlichkeit in Ihrem Herzen zurückblieb--wenn Sie Die nicht erwürgen wollen, die Sie zu lieben vorgeben, fliehen Sie, bleiben Sie keinen Augenblick länger. Der Segen war fort aus meiner Hütte, sobald Sie einen Fuß darein setzten. Sie haben das Elend unter mein Dach gerufen, wo sonst nur die ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 82
    Ferdinand. Bleich wie der Tod!--Jetzt erst gefällt sie mir, deine Tochter! So schön war sie nie, die fromme, rechtschaffene Tochter--Mit diesem Leichengesicht--Der Odem des Weltgerichts, der den Firniß von jeder Lüge streift, hat jetzt die Schminke verblasen, womit die Tausendkünstlerin auch di...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 83
    Nun sieh, wie sie dasteht, die Schändliche, und selbst ihre Zunge nun ihrer letzten Lüge den Gehorsam aufkündigt! Schwöre bei Gott, bei dem fürchterlich wahren! Schriebst du diesen Brief? Luise (nach einem qualvollen Kampf, worin sie durch Blicke mit ihrem Vater gesprochen hat, fest und entsch...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 84
    Ferdinand. Gut! gut! Ich bin ja ruhig--ruhig, sagt man ja, ist auch der schaudernde Strich Landes, worüber die Pest ging--ich bin's. (Nach einigem Nachdenken.) Noch eine Bitte, Luise--die letzte! Mein Kopf brennt so fieberisch. Ich brauch Kühlung--Willst du mir ein Glas Limonade zurecht mach...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 85
    für übel nehmen-Ferdinand. Es eilt nicht, lieber Miller. (Vor sich hinmurmelnd.) Zumal für den Vater nicht--Bleib' Er nur--Was hatt' ich doch fragen wollen?--Ja!--Ist Luise Seine einzige Tochter? Sonst hat Er keine Kinder mehr? Miller (warm). Habe sonst keins mehr, Baron--wünsch' mir auch k...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 86
    Ferdinand. Und wohl, wenn's nur Thränen wären!--Weil wir vorhin von der Musik sprachen, Miller--(Eine Börse ziehend.) Ich bin noch Sein Schuldner. Miller. Wie? Was? Gehen Sie mir, Baron! Wofür halten Sie mich? Das steht ja in guter Hand, thun Sie mir doch den Schimpf nicht an, und sind wir...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 87
    Miller (grob). Donner und Wetter! Da schauen Sie nur hin!--Gold! Ferdinand. Und was weiter? Miller. Ins Henkers Namen--ich sage--ich bitte Sie um Gottes Christi willen--Gold! Ferdinand. Das ist nun freilich etwas Merkwürdiges. Miller (nach einigem Stillschweigen zu ihm gehend, mit Empfin...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 88
    schießt durch das Zimmer.) Und auf den Markt will ich und meine Musikstunden geben und Numero fünfe Dreikönig rauchen, und wenn ich wieder auf dem Dreibatzenplatz sitze, soll mich der Teufel holen. (Will fort.) Ferdinand. Bleib' Er! Schweig' Er! und streich' Er sein Geld ein! (Nachdrücklich.)...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 89
    Es ist mir ganz unmöglich, unter Menschen zu gehn--Will Er einen Gang thun zu meinem Vater und mich entschuldigen? Luise (erschrickt und fällt schnell ein). Den Gang kann ja ich thun. Miller. Zum Präsidenten? Ferdinand. Nicht zu ihm selbst. Er übergibt Seinen Auftrag in der Garderobe einem...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 90
    sticken versprochen--ich habe sie angefangen--Wollen Sie das Dessin nicht besehen? (Wieder eine Pause.) Luise. Ich bin sehr elend! Ferdinand (in der bisherigen Stellung). Das könnte wahr sein. Luise. Meine Schuld ist es nicht, Herr von Walter, daß Sie so schlecht unterhalten werden. Ferdi...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 91
    gewesen ist. Luise. O Jüngling! Jüngling! Unglücklich bist du schon; willst du es auch noch verdienen? Ferdinand (ergrimmt durch die Zähne murmelnd). Unglücklich bin ich? Wer hat dir das gesagt? Weib, du bist zu schlecht, und selbst zu empfinden--womit kannst du eines Andern Empfindungen ...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 92
    Das deiner Luise, Ferdinand? Ferdinand (drückt sie von sich). Fort! Fort! Diese sanften schmelzenden Augen weg! Ich erliege. Komm in deiner ungeheuern Furchtbarkeit, Schlange! spring an mir auf, Wurm!--Krame vor mir deine gräßlichen Knoten aus, bäume deine Wirbel zum Himmel!--so abscheulich...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 93
    unsrer Seele vorbei--Da war ich der Glückliche!--O Luise! Luise! Luise! Warum hat du mir das gethan? Luise. Weinen Sie, weinen Sie, Walter. Ihre Wehmuth wird gerechter gegen mich sein, als Ihre Entrüstung. Ferdinand. Du betrügst dich. Das sind ihre Thränen nicht--Nicht jener warme, wollüs...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 94
    Ferdinand (ernster). Sorge für deine unsterbliche Seele, Luise! --Hast du den Marschall geliebt? Du wirst nicht mehr aus diesem Zimmer gehen. Luise. Ich antworte nichts mehr. Ferdinand (fällt in fürchterlicher Bewegung vor ihr nieder). Luise! Hast du den Marschall geliebt? Ehe dieses Licht...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 95
    zucken). Dieser Brief--Fasse dich, ein entsetzliches Wort zu hören--Meine Hand schrieb, was mein Herz verdammte--dein Vater hat ihn dictiert. Ferdinand (starr und einer Bildsäule gleich, in langer todter Pause hingewurzelt, fällt endlich wie von einem Donnerschlag nieder). Luise. O des klägli...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 96
    Ferdinand (ohne ihn anzusehen). O ja freilich! Ich hätte den Staatsmann erst hören sollen, ob der Streich auch zu seinen Karten passe?--Fein und bewundernswerth, ich gesteh's, war die Finte, den Bund unsrer Herzen zu zerreißen durch Eifersucht--Die Rechnung hatte ein Meister gemacht, aber Schad...
  • Friedrich Schiller: Kabale und Liebe: Leseprobe 97
    letztes Gebet weg--Eine Gestalt wie diese stehe auf deinem Grabe, wenn du auferstehst--und neben Gott, wenn er dich richtet. (Er wird ohnmächtig. Bediente halten ihn.) Präsident (eine schreckliche Bewegung des Arms gegen den Himmel). Von mir nicht, von mir nicht, Richter der Welt, fordre diese...