Friedrich Nietzsche: Zarathustra

Auch: Friedrich Nietzsche: Also sprach Zarathustra

Leseprobe aus Zarathustra:

mich nicht rasen gemacht. Wie müde bin ich meines Guten und meines
Bösen! Alles das ist Armuth und Schmutz und ein erbärmliches Behagen!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meiner Gerechtigkeit! Ich sehe
nicht, dass ich Gluth und Kohle wäre. Aber der Gerechte ist Gluth und
Kohle!"

Die Stunde, wo ihr sagt: "Was liegt an meinem Mitleiden! Ist nicht
Mitleid das Kreuz, an das Der genagelt wird, der die Menschen liebt?
Aber mein Mitleiden ist keine Kreuzigung."

Spracht ihr schon so? Schriet ihr schon so? Ach, dass ich euch schon
so schreien gehört hatte!

Nicht eure Sünde - eure Genügsamkeit schreit gen Himmel, euer Geiz
selbst in eurer Sünde schreit gen Himmel!

Wo ist doch der Blitz, der euch mit seiner Zunge lecke? Wo ist der
Wahnsinn, mit dem ihr geimpft werden müsstet?

Seht, ich lehre euch den Übermenschen: der ist dieser Blitz, der ist
dieser Wahnsinn! -

Als Zarathustra so gesprochen hatte, schrie Einer aus dem Volke: "Wir
hörten nun genug von dem Seiltänzer; nun lasst uns ihn auch sehen!"
Und alles Volk lachte über Zarathustra. Der Seiltänzer aber, welcher
glaubte, dass das Wort ihm gälte, machte sich an sein Werk.

4.

Zarathustra aber sahe das Volk an und wunderte sich. Dann sprach er
also:

Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Thier und Übermensch, - ein
Seil über einem Abgrunde.

Ein gefährliches Hinüber, ein gefährliches Auf-dem-Wege, ein
gefährliches Zurückblicken, ein gefährliches Schaudern und
Stehenbleiben.

Was gross ist am Menschen, das ist, dass er eine Brücke und kein
Zweck ist: was geliebt werden kann am Menschen, das ist, dass er ein
_Übergang_ und ein _Untergang_ ist.

Ich liebe Die, welche nicht zu leben wissen, es sei denn als
Untergehende, denn es sind die Hinübergehenden.

Ich liebe die grossen Verachtenden, weil sie die grossen Verehrenden
sind und Pfeile der Sehnsucht nach dem andern Ufer.

Andere Schreibweisen des Titels Zarathustra:

Andere Schreibweisen des Autors Friedrich Nietzsche:

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