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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 1
Der neue Advokat.
Wir haben einen neuen Advokaten, den Dr. Bucephalus. In seinem Äußern
erinnert wenig an die Zeit, da er noch Streitroß Alexanders von
Macedonien war. Wer allerdings mit den Umständen vertraut ist, bemerkt
einiges. Doch sah ich letzthin auf der Freitreppe selbst einen ganz
einf...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 2
Landstraßen taugt; in den Pelz gepackt, die Instrumententasche in der
Hand, stand ich reisefertig schon auf dem Hofe; aber das Pferd fehlte,
das Pferd. Mein eigenes Pferd war in der letzten Nacht, infolge der
Überanstrengung in diesem eisigen Winter, verendet; mein Dienstmädchen
lief jetzt im Dor...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 3
Mädchens Wange. »Du Vieh,« schreie ich wütend, »willst du die
Peitsche?«, besinne mich aber gleich, daß es ein Fremder ist; daß ich
nicht weiß, woher er kommt, und daß er mir freiwillig aushilft, wo alle
andern versagen. Als wisse er von meinen Gedanken, nimmt er meine
Drohung nicht übel, sondern...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 4
werde das Fenster aufstoßen; zuerst aber will ich den Kranken sehen.
Mager, ohne Fieber, nicht kalt, nicht warm, mit leeren Augen, ohne Hemd
hebt sich der Junge unter dem Federbett, hängt sich an meinen Hals,
flüstert mir ins Ohr: »Doktor, laß mich sterben.« Ich sehe mich um;
niemand hat es gehör...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 5
Kopf an die Brust des Jungen, der unter meinem nassen Bart erschauert.
Es bestätigt sich, was ich weiß: der Junge ist gesund, ein wenig
schlecht durchblutet, von der sorgenden Mutter mit Kaffee durchtränkt,
aber gesund und am besten mit einem Stoß aus dem Bett zu treiben. Ich
bin kein Weltverbess...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 6
tränenvoll in die Lippen beißend und die Schwester ein schwer blutiges
Handtuch schwenkend, bin ich irgendwie bereit, unter Umständen
zuzugeben, daß der Junge doch vielleicht krank ist. Ich gehe zu ihm, er
lächelt mir entgegen, als brächte ich ihm etwa die allerstärkste Suppe
– ach, jetzt wiehern...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 7
Dienstmädchens beraubt! Und sie kommen, die Familie und die
Dorfältesten, und entkleiden mich; ein Schulchor mit dem Lehrer an der
Spitze steht vor dem Haus und singt eine äußerst einfache Melodie auf
den Text:
»Entkleidet ihn, dann wird er heilen,
Und heilt er nicht, so tötet ihn!
’Sist nur ein...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 8
Fieber?« »Es ist wirklich so, nimm das Ehrenwort eines Amtsarztes mit
hinüber.« Und er nahm’s und wurde still. Aber jetzt war es Zeit, an
meine Rettung zu denken. Noch standen treu die Pferde an ihren Plätzen.
Kleider, Pelz und Tasche waren schnell zusammengerafft; mit dem
Ankleiden wollte ich mi...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 9
Spiel unter dem nichtaussetzenden Brausen des Orchesters und der
Ventilatoren in die immerfort weiter sich öffnende graue Zukunft sich
fortsetzte, begleitet vom vergehenden und neu anschwellenden
Beifallsklatschen der Hände, die eigentlich Dampfhämmer sind –
vielleicht eilte dann ein junger Galer...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 10
schon die Eingänge aller hier einlaufenden Gassen von Bewaffneten
besetzt. Es sind aber nicht unsere Soldaten, sondern offenbar Nomaden
aus dem Norden. Auf eine mir unbegreifliche Weise sind sie bis in die
Hauptstadt gedrungen, die doch sehr weit von der Grenze entfernt ist.
Jedenfalls sind sie a...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 11
Fleischer gegenüber geht. Kaum bringt er seine Waren ein, ist ihm schon
alles entrissen und wird von den Nomaden verschlungen. Auch ihre Pferde
fressen Fleisch; oft liegt ein Reiter neben seinem Pferd und beide
nähren sich vom gleichen Fleischstück, jeder an einem Ende. Der
Fleischhauer ist ängst...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 12
aber einer solchen Aufgabe nicht gewachsen; haben uns doch auch nie
gerühmt, dessen fähig zu sein. Ein Mißverständnis ist es, und wir gehen
daran zugrunde.«
Vor dem Gesetz.
Vor dem Gesetz steht ein Türhüter. Zu diesem Türhüter kommt ein Mann vom
Lande und bittet um Eintritt in das Gesetz. A...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 13
seine Reise mit vielem ausgerüstet hat, verwendet alles, und sei es
noch so wertvoll, um den Türhüter zu bestechen. Dieser nimmt zwar alles
an, aber sagt dabei: »Ich nehme es nur an, damit du nicht glaubst, etwas
versäumt zu haben.« Während der vielen Jahre beobachtet der Mann den
Türhüter fast u...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 14
jetzt und schließe ihn.«
Schakale und Araber.
Wir lagerten in der Oase. Die Gefährten schliefen. Ein Araber, hoch und
weiß, kam an mir vorüber; er hatte die Kamele versorgt und ging zum
Schlafplatz.
Ich warf mich rücklings ins Gras; ich wollte schlafen; ich konnte
nicht; das Klagegeheul ei...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 15
daß noch niemals in der Weltgeschichte ein Schakal einen Araber
gefürchtet hat. Fürchten sollten wir sie? Ist es nicht Unglück genug,
daß wir unter solches Volk verstoßen sind?«
»Mag sein, mag sein,« sagte ich, »ich maße mir kein Urteil an in Dingen,
die mir so fern liegen; es scheint ein sehr a...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 16
bald zu den Jungen gewendet. »Sie werden es natürlich,« sagte der Alte,
»wenn du es verlangst. Es dauert aber ein Weilchen, denn sie haben nach
der Sitte tief sich eingebissen und müssen erst langsam die Gebisse
voneinander lösen. Inzwischen höre unsere Bitte.« »Euer Verhalten hat
mich dafür nich...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 17
unserer Karawane, der sich gegen den Wind an uns herangeschlichen hatte
und nun seine riesige Peitsche schwang.
Alles verlief sich eiligst, aber in einiger Entfernung blieben sie
doch, eng zusammengekauert, die vielen Tiere so eng und starr, daß es
aussah wie eine schmale Hürde, von Irrlichtern ...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 18
fühlen; zogen sich im Sprung zurück und liefen eine Strecke rückwärts.
Aber das Blut des Kamels lag schon in Lachen da, rauchte empor, der
Körper war an mehreren Stellen weit aufgerissen. Sie konnten nicht
widerstehen; wieder waren sie da; wieder hob der Führer die Peitsche;
ich faßte seinen Arm....
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 19
glauben, diese knochigen, bartlosen, knollennasigen Herren seien junge
Geistliche. Der eine lacht meistens mit katzenartigem Schnurren in sich
hinein; der andere, gleichfalls lächelnd, führt das Wort und gibt mit
der freien Hand irgendeinen Takt dazu. Wie sicher müssen diese zwei
Herren ihrer Ste...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 20
gern, wie man sieht. Er ist wohl der Jüngste, vielleicht versteht er
noch gar nicht alle Apparate, aber sein Blick ruht immerfort auf ihnen,
fast kommt er dadurch manchmal in Gefahr, mit dem Wagen an eine Wand zu
stoßen.
Aber da ist ein anderer Ingenieur, der neben dem Wagen hergeht und es
verhi...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 21
ein solcher Besuch nimmt alle Gedanken an Arbeit mit sich fort. Allzu
verlockend ist es, den Herren in das Dunkel des Probestollens
nachzublicken, in dem sie alle verschwunden sind. Auch geht unsere
Arbeitsschicht bald zu Ende; wir werden die Rückkehr der Herren nicht
mehr mit ansehen.
Das nä...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 22
fliegen und bald wohl hörtest Du das herrliche Schlagen seiner Fäuste
an Deiner Tür. Aber statt dessen, wie nutzlos müht er sich ab; immer
noch zwängt er sich durch die Gemächer des innersten Palastes; niemals
wird er sie überwinden; und gelänge ihm dies, nichts wäre gewonnen; die
Treppen hinab m...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 23
Ausstrahlungen des Sternes auf der anderen Seite, kann das Ganze wie auf
zwei Beinen aufrecht stehen.
Man wäre versucht zu glauben, dieses Gebilde hätte früher irgendeine
zweckmäßige Form gehabt und jetzt sei es nur zerbrochen. Dies scheint
aber nicht der Fall zu sein; wenigstens findet sich kei...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 24
daß er mich auch noch überleben sollte, ist mir eine fast schmerzliche.
Elf Söhne.
Ich habe elf Söhne.
Der Erste ist äußerlich sehr unansehnlich, aber ernsthaft und klug;
trotzdem schätze ich ihn, wiewohl ich ihn als Kind wie alle andern
liebe, nicht sehr hoch ein. Sein Denken scheint mir ...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 25
meinem wahren Sohn, denn dieser sein Fehler ist gleichzeitig der Fehler
unserer ganzen Familie und an diesem Sohn nur überdeutlich.
Der dritte Sohn ist gleichfalls schön, aber es ist nicht die Schönheit,
die mir gefällt. Es ist die Schönheit des Sängers: der geschwungene
Mund; das träumerische A...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 26
wie das geschehen ist, so könnte ich kaum antworten. Unschuld dringt
vielleicht doch noch am leichtesten durch das Toben der Elemente in
dieser Welt, und unschuldig ist er. Vielleicht allzu unschuldig.
Freundlich zu jedermann. Vielleicht allzu freundlich. Ich gestehe: mir
wird nicht wohl, wenn ma...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 27
allerdings selbst am wenigsten etwas anzufangen; das Rad der Zukunft
wird er nicht ins Rollen bringen; aber diese seine Anlage ist so
aufmunternd, so hoffnungsreich; ich wollte, er hätte Kinder und diese
wieder Kinder. Leider scheint sich dieser Wunsch nicht erfüllen zu
wollen. In einer mir zwar ...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 28
sein Leben lang auf dem Kanapee zu liegen und seinen Blick an die
Zimmerdecke zu verschwenden oder noch viel lieber ihn unter den
Augenlidern ruhen zu lassen. Ist er in dieser von ihm bevorzugten Lage,
dann spricht er gern und nicht übel; gedrängt und anschaulich; aber doch
nur in engen Grenzen; ...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 29
grundlegend. Es ist aber keine beschämende Schwäche, sondern etwas, das
nur auf diesem unsern Erdboden als Schwäche erscheint. Ist nicht zum
Beispiel auch Flugbereitschaft Schwäche, da sie doch Schwanken und
Unbestimmtheit und Flattern ist? Etwas Derartiges zeigt mein Sohn. Den
Vater freuen natür...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 30
Fuchspelz über ihrem Nachthemd, nach ihrem Manne aus, der heute
ungewöhnlich lange zögerte.
Endlich ertönt die Türglocke vor Weses Bureau, zu laut für eine
Türglocke, über die Stadt hin, zum Himmel auf, und Wese, der fleißige
Nachtarbeiter, tritt dort, in dieser Gasse noch unsichtbar, nur durch
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 31
die du damit stellst?«
Pallas, alles Gift durcheinander würgend in seinem Leib, steht in
seiner zweiflügelig aufspringenden Haustür. »Schmar! Schmar! Alles
bemerkt, nichts übersehen.« Pallas und Schmar prüfen einander. Pallas
befriedigt’s, Schmar kommt zu keinem Ende.
Frau Wese mit einer Volksm...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 32
ein dritter Mann hervor, den K. gleich als einen Künstler erkannte. Er
war nur mit Hosen und einem schlecht zugeknöpften Hemd bekleidet; auf
dem Kopf hatte er eine Samtkappe; in der Hand hielt er einen
gewöhnlichen Bleistift, mit dem er schon beim Näherkommen Figuren in der
Luft beschrieb.
Mit d...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 33
weinen und schluchzte lange in die vorgehaltenen Hände. Der Künstler
wartete, bis K. sich beruhigt hatte, und entschloß sich dann, da er
keinen andern Ausweg fand, dennoch zum Weiterschreiben. Der erste kleine
Strich, den er machte, war für K. eine Erlösung, der Künstler brachte
ihn aber offenbar...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 34
wollen. Gerade Verzicht auf jeden Eigensinn war das oberste Gebot, das
ich mir auferlegt hatte; ich, freier Affe, fügte mich diesem Joch.
Dadurch verschlossen sich mir aber ihrerseits die Erinnerungen immer
mehr. War mir zuerst die Rückkehr, wenn die Menschen gewollt hätten,
freigestellt durch da...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 35
gewiß nicht sagen, wenn ich meiner nicht völlig sicher wäre und meine
Stellung auf allen großen Varietébühnen der zivilisierten Welt sich
nicht bis zur Unerschütterlichkeit gefestigt hätte:
Ich stamme von der Goldküste. Darüber, wie ich eingefangen wurde, bin
ich auf fremde Berichte angewiesen. ...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 36
allerdings ein anderes Ansehen und ich will es als Zeichen der Vernunft
gelten lassen, daß er es nicht tut. Aber dann mag er mir auch mit seinem
Zartsinn vom Halse bleiben!
Nach jenen Schüssen erwachte ich – und hier beginnt allmählich meine
eigene Erinnerung – in einem Käfig im Zwischendeck des...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 37
affenmäßig Gefühlte heute nur mit Menschenworten nachzeichnen und
verzeichne es infolgedessen, aber wenn ich auch die alte Affenwahrheit
nicht mehr erreichen kann, wenigstens in der Richtung meiner Schilderung
liegt sie, daran ist kein Zweifel.
Ich hatte doch so viele Auswege bisher gehabt und n...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 38
standhalten vor dem Gelächter des Affentums bei diesem Anblick.
Nein, Freiheit wollte ich nicht. Nur einen Ausweg; rechts, links, wohin
immer; ich stellte keine anderen Forderungen; sollte der Ausweg auch nur
eine Täuschung sein; die Forderung war klein, die Täuschung würde nicht
größer sein. We...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 39
denen ich dort im Zwischendeck nachhängen könnte.
Die Ruhe, die ich mir im Kreise dieser Leute erwarb, hielt mich vor
allem von jedem Fluchtversuch ab. Von heute aus gesehen scheint es mir,
als hätte ich zumindest geahnt, daß ich einen Ausweg finden müsse, wenn
ich leben wolle, daß dieser Ausweg...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 40
jener erwähnten Freiheit, ich hätte gewiß das Weltmeer dem Ausweg
vorgezogen, der sich mir im trüben Blick dieser Menschen zeigte.
Jedenfalls aber beobachtete ich sie schon lange vorher, ehe ich an
solche Dinge dachte, ja die angehäuften Beobachtungen drängten mich erst
in die bestimmte Richtung....
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 41
Schluck; ich, ungeduldig und verzweifelt, ihm nachzueifern, verunreinige
mich in meinem Käfig, was wieder ihm große Genugtuung macht; und nun
weit die Flasche von sich streckend und im Schwung sie wieder
hinaufführend, trinkt er sie, übertrieben lehrhaft zurückgebeugt, mit
einem Zuge leer. Ich, e...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 42
ich an diesem Abend, gerade unbeachtet, eine vor meinem Käfig
versehentlich stehen gelassene Schnapsflasche ergriff, unter steigender
Aufmerksamkeit der Gesellschaft sie schulgerecht entkorkte, an den Mund
setzte und ohne Zögern, ohne Mundverziehen, als Trinker von Fach, mit
rund gewälzten Augen,...
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Franz Kafka: Ein Landarzt. Kleine Erzählungen: Leseprobe 43
Als ich meiner Fähigkeiten schon sicherer geworden war, die Öffentlichkeit
meinen Fortschritten folgte, meine Zukunft zu leuchten begann, nahm ich
selbst Lehrer auf, ließ sie in fünf aufeinanderfolgenden Zimmern
niedersetzen und lernte bei allen zugleich, indem ich ununterbrochen aus
einem Zimmer...