Leseprobe aus Effi Briest:
es nachher?«
»Nun, es kam, wie's kommen mußte, wie's immer kommt. Er war ja
noch viel zu jung, und als mein Papa sich einfand, der schon
Ritterschaftsrat war und Hohen-Cremmen hatte, da war kein langes
Besinnen mehr, und sie nahm ihn und wurde Frau von Briest ... Und das
andere, was sonst noch kam, nun, das wißt ihr ... das andere bin ich.«
»Ja, das andere bist du, Effi«, sagte Bertha. »Gott sei Dank; wir
hätten dich nicht, wenn es anders gekommen wäre. Und nun sage, was tat
Innstetten, was wurde aus ihm? Das Leben hat er sich nicht genommen,
sonst könntet ihr ihn heute nicht erwarten.«
»Nein, das Leben hat er sich nicht genommen. Aber ein bißchen war es
doch so was.«
»Hat er einen Versuch gemacht?«
»Auch das nicht. Aber er mochte doch nicht länger hier in der Nähe
bleiben, und das ganze Soldatenleben überhaupt muß ihm damals wie
verleidet gewesen sein. Es war ja auch Friedenszeit. Kurz und gut, er
nahm den Abschied und fing an, Juristerei zu studieren, wie Papa sagt,
mit einem 'wahren Biereifer'; nur als der Siebziger Krieg kam, trat er
wieder ein, aber bei den Perlebergern statt bei seinem alten Regiment,
und hat auch das Kreuz. Natürlich, denn er ist sehr schneidig. Und
gleich nach dem Kriege saß er wieder bei seinen Akten, und es heißt,
Bismarck halte große Stücke von ihm und auch der Kaiser, und so kam es
denn, daß er Landrat wurde, Landrat im Kessiner Kreise.«
»Was ist Kessin? Ich kenne hier kein Kessin.«
»Nein, hier in unserer Gegend liegt es nicht; es liegt eine hübsche
Strecke von hier fort in Pommern, in Hinterpommern sogar, was aber
nichts sagen will, weil es ein Badeort ist (alles da herum ist
Badeort), und die Ferienreise, die Baron Innstetten jetzt macht, ist
eigentlich eine Vetternreise oder doch etwas Ähnliches. Er will hier